INHALTSVERZEICHNIS
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1. VORWORT
Liebe Leserinnen und Leser,
wer Rumänien kennt, weiß es zu schätzen, dass sich immer neue landschaftliche Reize entdecken lassen. In jüngerer Vergangenheit sind auch viele westliche Fernsehsender auf diese einzigartige Landschaft aufmerksam geworden. Die Donau und ihr Delta sowie die Karpaten mit der artenreichen Flora und Fauna sind immer wieder Thema von Natursendungen. So auch in den kommenden beiden Wochen.
Eine besondere Dokumentation hat Dr. Georg Gerster in Zusammenarbeit mit Martin Rill realisiert. Mit dem Hubschrauber sind sie über Siebenbürgen geflogen und haben die Kulturlandschaft im Flug fotografiert. Entstanden ist ein wunderschöner Bildband, eine hervorragende Werbung für Land und Leute. Über seine Tätigkeit als Flug-Fotograf und über seine Beziehung zu Siebenbürgen steht Dr. Georg Gerster uns im heutigen Interview Rede und Antwort.
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2. SBZ-ARTIKEL
Siebenbürgisches Museum in Gundelsheim gesichert
Kulturstaatsministerin Dr. Christina Weiss, die Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien (BKM), hatte bei einem Treffen am 18. Juni 2003 im Bundeskanzleramt in Berlin mit Bundesinnenminister Otto Schily und dem landsmannschaftlichen Bundesvorsitzenden Volker Dürr ein Arbeitsgespräch zur Abstimmung aller Maßnahmen zur Erhaltung und Sicherung des Fortbestandes des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim am Neckar in Aussicht gestellt. Die Unterredung fand am 4. September in Gundelsheim statt und ergab folgendes Ergebnis: Die Bundesregierung wird das Museum auf Schloss Horneck weiterhin institutionell fördern. Die Forderung nach einer Verlagerung nach Ulm wird definitiv aufgegeben.
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Siebenbürger Sachsen im 21. Jahrhundert - Fragen über Fragen
Anfang Oktober 2003 findet unser erster Verbandstag im neuen Jahrhundert statt. Ein Verbandstag ist einerseits ein markantes Datum, an dem die Führungsriege eines Vereins Rechenschaft über ihre Tätigkeit der letzten Jahre ablegt und dann in einem demokratischen Verfahren ein neues Führungsgremium gewählt wird. Er ist ebenso ein Meilenstein, der einen Rückblick gestattet, zugleich jedoch auch dem (lauten) Nachdenken über das Künftige Raum bietet. Das Künftige ist bekanntlich mit zahlreichen offenen Fragen verbunden. Seit Jahren bewegen mich u. a. auch grundlegende Fragen zu unserem Verein, zu unserem Selbstverständnis, zu unserer Zukunft.
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Fischer verspricht Hilfe bei EU-Integration
Bundesaußenminister Joschka Fischer hat Rumänien Unterstützung für den 2007 angestrebten Beitritt zur Europäischen Union versprochen. "Rumänien kann sich auf Deutschland verlassen", sagte Fischer als Hauptredner auf der rumänischen Botschafterkonferenz in Bukarest.
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Aktuelle Schlagzeilen:
» Universalist Eginald Schlattner wird 70
» Deutscher Reisebus bei Fogarasch verunglückt
» Rettet Vama Veche
» Bombenattentat in Hermannstadt
» Leserecho: Reisefreiheit fördern
» Rumänien-Jahrbuch mit offenen Fragen
» "Goldener Hirsch" sprang nach China
» Schwarze Witwe am Schwarzen Meer
» Puwak erstattet Selbstanzeige
» Rumänien steht vor Energiekrise
» Minderheiten in Schäßburg
» Auf Seefahrt in Holland
Weitere Artikel finden Sie in der Rubrik "SbZ Aktuell".
Täglich kommen neue Beiträge hinzu.
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3. BUCH-TIPP
"Piranda" von Georg Scherg als Faksimile-Ausgabe
Zum Gedenken an den Schriftsteller Georg Scherg gibt der Honterus Verlag (Hermannstadt) Ende September 2003 den Gedichtband "Piranda" in Faksimile heraus. Das Buch enthält 88 Seiten mit zahlreichen Miniaturen, das Vorwort steuert der Schriftsteller Hans Bergel bei. Als Herausgeberin zeichnet Mariana Scherg.
In einer Buchbesprechung im "Schwäbischen Tagblatt" wird der Faksimile-Band "Piranda" als "ästhetische Kostbarkeit" und "literarisches Ereignis" gewürdigt: "Was unmittelbar fasziniert, ist nicht nur der teils mythisch-metaphysische wie auch körperlich physische Inhalt der Gedichte, sondern auch die Wortmelodien und Wortrhythmik des einstmals begnadeten Geigers Georg Scherg."
Einen Eindruck von der Kunst des Dichters vermittelt das folgende ausgewählte Hörbeispiel mit dem Titel "Die Studentin" (MP3, 3 MB, 3:09 min).
Das 32 x 21 cm große Buch kostet 30 Euro; zusammen mit der CD (die Gedichte werden vom Autor gelesen) 40 Euro. Da die Auflage begrenzt ist, werden die Interessenten gebeten, den Betrag vorab auf folgendes Konto zu überweisen: Mariana Scherg, Kontonummer 13819714, Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 500 20. Bitte unter Verwendungszweck "Piranda" sowie Name und Adresse angeben. Die druckfrischen Bücher werden auf dem Postweg zugesandt. Infos und weitere Bücher des verstorbenen Schriftstellers bei Mariana Scherg, Breslauer Weg 1, 72411 Bodelshausen, Telefon: (0 74 71) 74 10 30. Eine Vorschau des Faksmile-Bandes ist auf der Internetseite www.dan-danila.de zu besichtigen.
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4. DISKUSSIONEN
5. TV-TIPPS
ARTE, Dienstag, 16. September, 14.30-15.30 Uhr
Music Planet, "Mit Tuten und Blasen auf Europas Straßen", Dokumentation
Sie musizieren aus Lebensfreude, ihre Orchester sind für die meisten Bläser wie eine Familie, ihre Bühne ist die Straße. Das haben die vier Musikgruppen aus der Bretagne, aus Rumänien, aus den Niederlanden und aus dem Ruhrgebiet gemeinsam. Sie alle spielen eine Musik, die Grenzen überschreitet - eine Musik der Weltbürgerschaft.
Der Film "Mit Tuten und Blasen auf Europas Straßen" ist sowohl ein Musikfilm, der von einer eigenständigen Musikgattung handelt, als auch eine Dokumentation, die von den Menschen und ihrer Freude beim Musizieren erzählt.
Eurosport, Sonntag, 21. September, 17.45-18.30 Uhr
CEV Frauen-Europameisterschaft 2003 in der Türkei, Volleyball
Spiel der Vorrunden-Gruppe I: Deutschland - Rumänien
Kommentar: Sigi Heinrich
3sat, Sonntag, 21. September, 21.15-22.35 Uhr
Henker - der Tod hat ein Gesicht, Dokumentarfilm
Sie sind die Einzigen, die töten dürfen. Jeder von ihnen auf seine Weise. Immer im Morgengrauen. Sie vollstrecken ein rechtsstaatlich gefälltes Urteil: Henker. Der Franzose Fernand Meyssonnier, der in die beruflichen Fußstapfen seines Vaters trat, agierte als Henker im besetzten Algerien. Joseph Malta, Amerikaner, der in Nürnberg Nazifunktionäre zum Tode beförderte, ist nicht minder überzeugt von seiner Mission. Kein Vollstrecker aus politischer Überzeugung sondern ein "Zufallshenker" ist der rumänische Offizier Ionel Boeru, der auserkoren wurde, Nicolae Ceausescu und dessen Frau zu erschießen.
Jens Becker und Gunnar Dedio stellen sieben Scharfrichter aus sieben Ländern vor. Ihr Film beleuchtet unterschiedliche politische Umstände und seelische Folgen.
ORF2, Dienstag, 23. September,14.50-15.35 Uhr
Wildbach, "Lawinengefahr", Unterhaltungsserie
Ein Schlepper, der drei Rumänen illegal über die deutsche Grenze bringt, tritt ein Schneebrett los. Dabei wird Connys Bergwacht-Nachwuchs verschüttet. Während alle rasch aus den weißen Massen befreit werden können, dauert die Suche nach Tobi ewig. Auf Grund einer Wette hat er sein Ortungsgerät abgeschaltet. Helens neuer rumänischer Koch hilft mit, den Verursacher der Lawine zu schnappen.
MDR, Dienstag, 23. September,21.15-21.45 Uhr
Mit Dubinski reisen, "Donaureise", Reisereportage
Leinen los! Von Ungarn über Serbien, nach Bulgarien bis ins rumänische Donaudelta erkundet Ingo Dubinski an Bord der "A`ROSA DONNA" die Ufer des zweitlängsten Flusses Europas. Die Reise führt ihn zuerst in die Hauptstadt Ungarns, nach Budapest. Dann nimmt Ingo Dubinski Kurs auf die Hauptstadt Serbiens. In Belgrad trifft er auf dem Fußballfeld einen Neu-Belgrader, den ehemaligen Fußballprofi Lothar Matthäus. Weiter führt die Reise auf der Donau Richtung Bulgarien. Abenteuerlich geht es in Rumänien auf einer kleinen Insel nördlich von Bukarest zu. Als Gast im Kloster Snagov, in dem die Gebeine des Grafen Dracula liegen sollen, hat Ingo Dubinski dann auch ein ganz außergewöhnliches Rendezvous.
Dem Gewinner des Preisrätsels winkt diesmal eine zweiwöchige Reise für zwei Personen auf der A`ROSA DONNA.
ARTE, Freitag, 26. September, 20.15-20.40 Uhr
Der Schatzkeller, Reportage
In der Republik Moldau unter dem Städtchen Cricova lagern über eine Million Flaschen Wein in einem Gewölbe, das sich über 60 Quadratkilometer erstreckt. In dem größten Weinkeller der Welt befinden sich auch Flaschen aus der Privatsammlung Herman Görings. Die Reportage erzählt die Geschichte von Wein, Krieg und Befreiung.
SF1,Samstag, 27. September,05.40-06.30 Uhr
Hans hilft, "Ein rumänisches Abenteuer", Dokumentation
Der ehemalige Garagist Hans Koller gibt nicht auf. Nach seiner Frühpensionierung gründete er das private Hilfswerk "Rumänienhilfe Freundeskreis Hans Koller". Seither fährt er regelmäßig mit seinem Lastwagen nach Rumänien und hilft, wo er nur kann. Ein Filmteam begleitet den 67-jährigen Aargauer auf seiner 79. Fahrt mit Hilfsgütern nach Viseu des Sus, einem Städtchen im Nordosten Rumäniens. Rumänien ist ein hartes Pflaster. Gisela Dombos, die rumänische Leiterin des Hilfswerks, ist die rechte Hand von Hans und das ganze Jahr über im Lager beschäftigt. Hans hilft mit allem, sei es mit einem Spitalbett für einen invaliden ehemaligen Bahnarbeiter oder mit Isolationsmaterial für ein Altersheim. Er findet eine neue Verwendung für eine alte Spitalküche aus der Schweiz oder stattet die Angestellten einer der letzten Dampf-Eisenbahnen Europas mit Uniformen aus. Doch immer wieder gibt es Momente, in denen er an der Mentalität der einheimischen Bevölkerung verzweifelt. Zudem machen neue staatliche Vorschriften und Auflagen ihm und seinem Hilfswerk das Leben schwer. Die Zukunft des Hilfswerks ist ungewiss, denn Rumänien hat sich gewandelt: Arbeitsplätze statt Hilfe ist das Gebot der Stunde. Hans will trotz aller Schwierigkeiten weitermachen.
Kabel 1, Samstag, 27. September,18.50-19.40 Uhr
Abenteuer Natur, Naturmagazin
Während des Ceausescu-Regimes durfte in Rumänien nur der Diktator selbst auf Bärenjagd gehen. Daher ist die Bärenpopulation in den rumänischen Karpatenwäldern noch sehr groß. Immer wieder kommt es zum Kontakt zwischen wilden Braunbären und der menschlichen Zivilisation. Silvia Incardona begleitet den Tierfilmer Andreas Kieling, der den wilden Bären näher kommt als je zuvor.
Phoenix, Sonntag, 28. September,18.45-19.15Uhr
Tatort Donaudelta, Dokumentation
Zweistellige Millionenbeträge zahlen Weltbank, EU und Umweltorganisationen jedes Jahr für den Schutz des "Biosphären-Reservats Donaudelta" in Rumänien. Doch von dem Geld kommt bei den Menschen im Delta nichts an. Deshalb ist zwischen den Bürokraten des ökologischen Auftrags und den im Delta lebenden Menschen ein stummer Krieg ausgebrochen. Für die einen geht es - im Zeichen des erhofften EU-Beitritts - um die Sicherung des "Reichtums der Natur" nach westlichem Maßstab, für die anderen um die blanke Existenz im Armenhaus Südosteuropas. Mangels anderer Erwerbsmöglichkeiten leben viele Menschen von der Fischwilderei, der schonungslosen Dezimierung ehemals heimischer Fischarten, von illegalem Kaviar- und Fischhandel. Und die Öko-Ranger-Truppe der Reservatsverwaltung ist zwar durch ausländische Gelder gut ausgestattet, aber trotzdem vom Hauptübel Rumäniens gezeichnet: der Korruption. Mario Damolin und sein Team haben die Öko-Ranger bei ihren Kontrollfahrten durch das riesige Delta begleitet, ließen sich von einem Fischwilderer zu dessen Jagdgründen führen, beobachteten Fischer bei der Jagd auf den Stör und dessen Leibesfrucht, den Kaviar, und stellten fest, wie leicht es die Kaviar-Mafia hat, die gesetzlichen Fangquoten zu fälschen.
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6. E-MAIL-INTERVIEW
Seine Flugbilder auf Plakaten und Wandkalendern der SWISSAIR prägten über zwei Jahrzehnte den optischen Auftritt der Fluggesellschaft. Er ist regelmäßiger Mitarbeiter von international renommierten Zeitungen und Fachzeitschriften. Größere Bildessays findet man in allen bekannten Magazinen dieser Welt. Der freie Publizist und Flugfotograf Dr. Georg Gerster (75), aus Winterthur (Schweiz) gebürtig und in Zumikon/Zürich wohnhaft, lieferte auch faszinierende Luftbildaufnahmen für den Band "Siebenbürgen im Flug", erschienen in der Edition Wort und Welt, München (1997). Mit dem prominenten Flugfotografen sprach Robert Sonnleitner.
Herr Gerster, Sie gelten als einer der weltweit führenden Spezialisten auf dem Gebiet der Luftbildfotografie. Wie kamen Sie zu diesem Traumjob?
Erstens weiß ich nicht, ob das ein Traumjob ist - wenn ich an die Warterei auf kleinen Flugplätzen denke, an die unsäglich frühen Tagwachen und die tausend Enttäuschungen, wenn der geplante Frühflug dann doch ins Wasser fällt, weil der Pilot sich nicht einfindet, der Schlüssel zum Hangar fehlt oder das Wetter am Einsatzort nicht mitspielt. Und zweitens bin ich nicht zu dem Job gekommen - der Job kam zu mir.
Ihre Ausstellungen kann man in Europa, USA und Japan besuchen. Sie haben an zahllosen Büchern illustrierend mitgewirkt. Auf welches Ihrer Projekte sind Sie am meisten stolz?
Es wird Sie nicht überraschen, dass mir immer das Projekt am nächsten ist, das ich gerade abgeschlossen habe: eine Ausstellung meiner archäologischen Flugbilder aus vierzig Jahren, die ab 26. September in Essen im Ruhrlandmuseum als "Flug in die Vergangenheit" gezeigt wird - mit einem monumentalen Begleitbuch, das der Schirmer Mosel Verlag in München mit dem gleichen Titel herausbringt.
Es heißt, Sie hätten die Luftaufnahme zum Flugbild entwickelt. Von wem haben Sie dieses "Handwerk" erlernt?
Das Wort Luftaufnahme war mir stets ein Gräuel. Wer nimmt denn da Luft auf? Flugaufnahme war mir immer lieber. Aber wenn man diese perfektioniert, auch ästhetisch, verdient sie eben die Auszeichnung, Flugbild genannt zu werden. Handwerk? Fliegen ist eine Schule des Sehens. Und man lernt darin nie aus.
Für Ihre Wissenschaftsreportagen und Flugfotografien machten Sie ausgedehnte Reisen auf allen Erdteilen, Antarktis inbegriffen. Handelte es sich dabei um bezahlte Aufträge oder waren es auch selbstfinanzierte Eigeninitiativen?
Sowohl als auch. Ich habe vor allem nach dem "Prinzip Huckepack" gearbeitet. Ich musste für einen Auftraggeber irgendwo hin und habe dann die Auftragsreise auf eigene Kosten erweitert.
Gibt es noch einen Ort auf dieser Welt, den Sie noch nicht "luftbildfotografisch" erfasst haben?
Der weißen Flecken sind noch viele, dem Himmel sei Dank. Wie viele ich davon noch "schwarz" machen, ausfüllen kann, entscheidet allein die Politik - und der liebe Gott.
Bevorzugen Sie eine bestimmte Art von Flugbildern?
Halbwegs Senkrechtaufnahmen. Nur sie entschlüsseln den optischen Code der Flugbildfotografie. Wenn Sie von thematischen Vorlieben reden: Landwirtschaft, alles was mit der Feldarbeit des Bauern zu tun hat. An den Strukturen und "Malereien", die dabei entstehen (ohne dass der Bauer mehr will, als möglichst nachhaltig einen guten Ernteertrag zu erwirtschaften).
Sie haben einmal geschrieben: "Höhe verschafft Übersicht, und Übersicht erleichtert Einsicht, und Einsicht erzeugt - vielleicht - Rücksicht." Was wollen Sie mit Ihren Flugbildern beim Betrachter bewirken?
Als man den amerikanischen Filmregisseur Cecil B. De Mille einmal nach der Botschaft seiner Filme fragte, antwortete er trocken: "Wenn Sie eine Botschaft haben, senden Sie ein Telegramm." - Also auf eine Botschaft erhebe ich keinen Anspruch. Aber ich möchte sensibilisieren. Schon das Aufzeigen von Schönheit kann Wirkung haben. Eines meiner Flugbilder rettete ein afrikanisches Dorf. Und rettete eine US-amerikanische Farm vor dem Untergang durch Erosion des Oberbodens. Und aus einem Universitätsspital, das eine Serie großformatiger Gerster-Flugbilder zeigt, rief mich einmal ein Patient nach einer Amputation an: Er habe im Rollstuhl stundenlang vor diesen Bildern meditiert und dabei seinen Lebensmut und Lebenswillen zurückbekommen. Was kann sich ein unverbesserlicher Luftikus Schöneres wünschen?
Mit Ihrer "Sehweise" haben Sie Schule gemacht und auch viele Nachahmer auf den Plan gerufen. Ärgert Sie das?
Plumpe Plagiate - ja. Aber machen kann man da nichts. Ich tröste mich jeweils bei dem Gedanken, dass Plagiate die ehrlichste Form der Schmeichelei sind.
Die vertraute Umgebung fotografisch zu sehen, ist besonders schwierig. Dazu schrieben Sie: "Gewöhnung klebt wie ein Firnis an der Welt um uns, nichts ist so unsichtbar wie das Denkmal auf einem öffentlichen Platz."
Da hilft eben die Flugfotografie. Die veränderte Perspektive durch die Überhöhung ist eine kaum zu überschätzende Vorleistung, die an diesem Firnis der Gewöhnung kratzt.
Wo entstehen die Ideen für Ihre Flugbildfotografien?
Man bringt ein Thema mit, wenn man das Flugzeug besteigt. Aber die Bilder ergeben sich beim Fliegen - manchmal auch nicht.
Worauf kommt es bei einem Flugbild an? Auf den künstlerischen Blick des Fotografen oder vielmehr seine Erfahrung?
Der Blick allein ist wichtig. Erfahrung braucht es eigentlich keine. Seine Fotokamera allerdings muss man kennen und bedienen können.
In Ihrem Vorwort zum Bildband "Siebenbürgen im Flug" schrieben Sie: "Diese von der Bundesrepublik geförderte Inventur einer ganzen Region ist eine Pioniertat; für eine so ehrgeizige Bestandsaufnahme gibt es europaweit kein zweites Beispiel." Was war für Sie das Besondere an diesem Projekt?
Es ist immer verlockend, an einem Vorhaben beteiligt zu sein, das keine Eintagsfliege ist, sondern auf Dauer angelegt ist. Und das war hier der Fall. Den letzten Band dieser monumentalen Bestandsaufnahme werde ich sicher nicht mehr erleben. Andererseits haben Martin Rill und ich von vornherein einen "Klavierauszug" geplant, der die Siebenbürger mit ihrem Siedlungserbe konfrontieren würde. Meine Begeisterung für die Arbeit wurde noch durch viele Begegnungen mit sympathischen und besonderen Menschen am Boden angefacht.
Dieser Bildband fasziniert inzwischen zahlreiche Menschen. Diese umfassende Darstellung sämtlicher Wehrkirchen und Kirchenburgen ist eines der wertvollsten Bücher der letzten Jahre geworden. Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?
Unverschämterweise ja.
Solch ein fantastisches Werk schafft nur ein eingearbeitetes Team zwischen Pilot und Fotograf. Hatten Sie einen erfahrenen Hubschrauberpiloten?
In der Tat. Für das Gelingen waren aber der Einsatz, die Geländekenntnis und das allgemeine Wissen Martin Rills entscheidend.
Welche Fotoapparate haben Sie für die Luftaufnahmen der siebenbürgischen Kirchenburgen benutzt? Auch eine Digitalkamera?
Ich habe ausschließlich Nikon-Kleinbildkameras benützt. Digitalkameras gab es damals noch nicht.
Im September 1994 und im März 1995 erflogen Sie 241 Ortschaften der Siebenbürger Sachsen. Wie viele Flugstunden waren dafür nötig?
Das müssen Sie Martin Rill fragen. Er hat über das Budget gewacht.
Mit welchen Problemen waren Sie in der Hauptsache konfrontiert?
Wir hatten gelegentlich Wetterschwierigkeiten und mussten warten.
Gab es Schwierigkeiten, die Genehmigung für dieses Projekt von der rumänischen Regierung zu erhalten? Hatten Sie einen Aufpasser?
Martin Rill hat alle Bewilligungen eingeholt. Einen Aufpasser hatten wir lediglich auf einem Flug. Er hat uns aber in keiner Weise an der Arbeit gehindert.
Inzwischen wurden einige siebenbürgische Ortschaften mit ihren Kirchenburgen in die Unesco-Weltkulturerbeliste aufgenommen. Auch Ihr persönlicher Erfolg?
Sicher wird der Bildband viele Menschen für dieses einzigartige Kulturerbe und die Notwendigkeit seiner Erhaltung sensibilisieren. Zu der Auszeichnung einiger Kirchenburgen durch die Unesco hat er vermutlich direkt nichts beigetragen. Aber zweifellos belegt er die Richtigkeit dieser Auszeichnung.
Sie haben schon viele Länder und Kontinente aus der Luft fotografiert. Welchen Stellenwert haben die Bilder aus Siebenbürgen?
Sie gehören zu einem Lebensabschnitt, den ich nicht missen möchte. Ich war ja eine Weile der "Nubien-Gerster", im Zusammenhang mit der durch den Bau des Hochdamms von Assuan entstandenen Notsituation, später aufgrund meiner Beschäftigung mit den Felskirchen im amharischen Hochland der "Äthiopien-Gerster". Ich habe nichts dagegen, für eine Weile der "Siebenbürgen-Gerster" zu sein.
Worin besteht nach Ihrer Ansicht die Einzigartigkeit der siebenbürgisch-sächsischen Kirchenburgen?
Es ist ein bemerkenswert dichtes Ensemble von stolzer Wehrarchitektur, eingebettet in Dorfgemeinschaften von hohem Rang, eine einzigartige europäische Landschaft.
Was wünschen Sie sich für die Denkmallandschaft Siebenbürgens?
Es wird einer gewaltigen Anstrengung bedürfen, sie zu sichern.
Sie sind jetzt 75, haben alles erreicht, sind berühmt, reich, leben wunderbar. Warum in Gottes Namen müssen Sie immer weiter arbeiten?
Berühmt, na ja. Manche würden sagen, berüchtigt. Ich habe mich in viele Dinge eingemischt, die mich nichts angingen. Reich? Gerade so, dass ich auch ein Projekt finanzieren kann, für das sich im Augenblick kein Sponsor oder Auftraggeber findet. Ja, ich lebe wunderbar, weil ich noch arbeiten kann. Und ich werde es weiterhin tun, solange es Spaß macht.
Vielen Dank für das anregende Gespräch.
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7. LESERECHO
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