24. Januar 2007
Bistritzer Bürgermeister plant, die Bäume auf der Fleischerallee (Bulevardul Republicii) zu fällen, um die Fahrbahn zu erweitern.
Sehr geehrte Frau Gaftone,
alarmiert und gleichzeitig besorgt über die Nachrichten, welche in der Bistritzer Presse erschienen und von der Existenz eines Plans berichteten, die Linden auf der Fleischerallee (Bulevardul Republicii) zu fällen, um die Fahrbahn zu erweitern, schreibe ich Ihnen diese Mail sowohl in meinem Namen als Vorstandsmitglied der HOG Bistritz-Noesen als auch in Übereinstimmung mit Dr. Hans Georg Franchy, dem Vorsitzenden unserer Organisation.
Uns Bistritzer Sachsen aus dem Ausland kommt es kaum zu glauben, dass das Bürgermeisteramt der Stadt Bistritz einen derartigen Plan auch nur in Erwägung zieht. Das Fällen der Bäume auf der Fleischeralle würde das Löschen eines ganzen Jahrhunderts städtischer Geschichte und Zivilisation aus der Geschichte unserer Heimatstadt bedeuten. Diese Maßnahme wäre eine viel radikalere als jene, die während des kommunistischen Systems im Rahmen der sogenannten "Systematisierung" getroffen wurden.
Es gibt wenige Städte in Rumänien, die sich mit solch einer Allee rühmen können, wie es die Fleischerallee (Bulevardul Republicii) ist. Die Lindenbäume, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurden, stellte sich der damalige Stadtarchitekt, Oskar Kelp, als Symbiose zwischen Gebäuden und Natur vor, auf der Straße, die im Laufe der Geschichte Fleischerallee, Kaiser-Wilhelm-Straße, Strada Regina Maria bzw. Bulevardul Republicii heißen sollte. Wie sehr diese Vision Realität wurde, können Sie bei einem Vergleich der heutigen Vegetation mit jener feststellen, die auf den historischen Ansichtskarten im Anhang dieser Mail zu sehen ist.
Das Fällen der Bäume auf der Fleischerallee käme einer Wunde im Antlitz der Stadt Bistritz gleich, die nie wieder verheilen würde. Wir, die Bistritzer Sachsen aus dem Ausland, widersetzen uns dem Fällen auch nur eines einzigen Baumes auf der Fleischerallee und betrachten diesen Plan, falls er tatsächlich existiert, als einen geradezu barbarischen. Dieser Plan würde einer totalen Geringschätzung unserer Vergangenheit und des Werks unserer Vorfahren gleichkommen. Wir sind davon übezeugt, dass dieser Plan geltendes rumänisches Recht missachtet, sowohl was den Naturschutz als auch den Umweltschutz betrifft. Deswegen werden wir uns diesem Plan widersetzen, mit allen juristischen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen.
Wir werden diesen Plan in Herzogenrath publik machen, der Bistritzer Partnerstadt in Deutschland. Der Plan ist Zeugnis einer antieuropäischen Haltung, da er den Willen der überwältigenden Mehrheit der Bistritzer Bevölkerung außer Acht lässt. Wir glauben, dass dieser Plan ein falscher Schritt wäre, auf dem Weg der Stadt Bistritz in die europäische Integration. Wir haben Verständnis dafür, dass der Verkehr ein Hauptproblem darstellt, mit dem sich das Bürgermeisteramt der Stadt Bistritz konfrontiert sieht, sind jedoch davon überzeugt, dass es auch andere Lösungen gibt, als diesen Plan, der einen Verlust verursachen würde, der für unsere Stadt nicht wiedergutzumachen wäre.
In der Hoffnung, dass dieser Plan lediglich eine Spekulation der Presse ist und jeglicher Grundlage entbehrt, wünsche ich Ihnen und den Angestellten des Bügermeisteramts ein frohes Neujahr, viel Gesundheit und die Erfüllung sämtlicher Wünsche im Jahr 2007.
Mit besonderer Hochachtung
Günter Klein (Freiburg/Deutschland)