25. Juni 2002

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Gerangel um Dracula-Park

Das Gerangel um den künftigen Standort des vielumstrittenen Dracula-Parks geht weiter. Wie berichtet, schwebt einigen Regierungsmitglieder - darunter auch dem Tourismusminister - hierfür bereits ein "dichter besiedeltes Gebiet" als jenes auf der Schäßburger Breite vor.
Prompt reagierten darauf Verantwortungsträger der Hermannstädter Kreisbehörden zusammen mit einem Touristikamt vom Zibin und regten als mögliche Alternative für den Themenpark ein Areal unter den Fogarascher Bergen, zwischen Cârtisoara, Arpas und Porumbacu, an. Die Gemeinde des "Badea Cârtan" stellt über 250 Hektar Land in Aussicht, die Initiatoren zudem Arbeitskräfte von Ma'rs'a über Viktoriastadt bis hin nach Fogarasch, wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist. Als weiteres Argument für den Standort führte man das gleich jenseits der "siebenbürgischen Alpen" und in unmittelbarer Nähe des Vidraru-Staudamms gelegene Schloss Poienar an, das in der Tat Vlad Tepes gehört haben soll.

Etwa die gleichen Verantwortungsträger hatten sich für den Unterhaltungspark auf der Schäßburger Breite stark gemacht und wollten denn auch die Region rund um den Zibin mit dem Neppendorfer Flughafen, modernisierten Zufahrten, Hotels u.a. touristischen Attraktionen in das Projekt einbinden. Mit dem neuen Vorschlag erhoffen sie sich das Plazet des Ministers Agathon, dessen Staatssekretär Alin Burcea, gleichfalls ein Dracula-Fan, kurz darauf seinen Besuch nach Hermannstadt und Umgebung ankündigte. Allerdings nahm Burcea auf einer Pressekonferenz am Zibin den Initiatoren gleich den Wind aus den Segeln: Er habe zwar nichts gegen einen weiteren Themenpark selbst unter den Fogarascher Bergen, nur das Dracula-Land gehöre nun einmal, wie beschlossen, auf die Schäßburger Breite. Der Staatssekretär nahm Agathons erklärtes Lieblingskind in Schutz und erklärte, dass man der guten Ratschläge aus dem Ausland überdrüssig sei. Vielmehr erwarte man von dort konstruktive Vorschläge und Initiativen. Von Geld sprach Burcea zwar nicht, aber vermuten konnte man hinter seinen Erklärungen auch diesbezügliche Erwartungen.

Zu jenem Zeitpunkt kannte der Staatssekretär sicherlich den Vorbericht, den die UNESCO Mitte Juni an die rumänische Regierung geschickt hatte. Das Pariser Gremium sollte die endgültigen Ergebnisse der Expertentruppe, die im verstrichenen März das Dracula-Projekt bei Schäßburg geprüft hatte, am 24. Juni in Budapest bekannt geben. Vorab wurden die Einschätzungen an das Bukarester Kabinett geschickt. Darin heißt es laut Allgemeiner Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) u.a.: "Es ist diskutabel, ob dieser Themenpark einen Nutzen einbringen wird, das Komitee könnte die Regierung Rumäniens auffordern, das Projekt des vorgeschlagenen Themenparks noch einmal zu überprüfen, insbesondere dessen Anlage in 1,5 Kilometer Entfernung von der UNESCO-geschützten Zone." Das Tourismusministerium habe bei der Angabe der Entfernung gemogelt, berichtet die ADZ. In den Unterlangen des Ministeriums sei von sechs Kilometern die Rede, in Wirklichkeit seien es aber nur 1,5 Kilometer. Im Vorbericht der UNESCO werden Bedenken bezüglich der veranschlagten Kosten für die Infrastruktur (Strom, Erdgas, Telefonverbindungen) geäußert, die weitaus höher liegen dürften als in Agathons Entwurf angegeben. Im gleichen Entwurf werde erst gar nicht auf die Wasserversorgung der zahlreichen Hotels, Brunnen, Seen und Restaurants auf der Schäßburger Breite eingegangen. Für die UNESCO-Experten ist das allerdings kein Rätsel, denn sie wollen wissen, dass so etwas auf der Breite offenbar überhaupt nicht möglich sei.

Zum Dracula-Freizeitpark nahm auch die Bundestagsabgeordnete Susanne Kastner, Vorsitzende der Deutsch-Rumänischen Parlamentariergruppe, auf einem Journalistentreffen in Berlin Stellung (siehe separater Bericht in der Siebenbürgischen Zeitung-Online). Die SPD-Politikerin drängte dabei auf sorgfältige wirtschaftliche Berechnungen für das Dracula-Projekt, mal abgesehen von der Tatsache, dass das Vorhaben deutschen Investoren fast gänzlich unbekannt sei.

Martin Ohnweiler

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