Der Brief bestätigt Beobachtungen, die ich über viele Jahre gemacht habe und die zu teilweise bitteren Schlüssen geführt haben. Aus diesem Grund soll das oben genannte Schreiben auch hintergründig analysiert werden. Man braucht nicht unbedingt Politiker sein, um zu erkennen, dass hauptsächlich große Teile der Sozialdemokraten mit Begriffen wie Patriotismus, Tradition und Kulturpfege nicht viel anfangen können und wollen. So ist es auch kein Zufall, dass die aktuelle Bundesregierung eine Aufsplitterung - sprich, in der Tendenz Auflösung - dieser Sammlung siebenbürgischen Kulturgutes anstrebt. Die Begründungen zu diesem Schritt seitens Dr. Martens, des Mitarbeiters der Bundesbeauftragten für Angelegenheiten der Kultur und der Medien (BKM) der SPD/Grünen-Regierungskoalition, sind mehr als scheinheilig. Im Folgenden möchte ich bloß zwei davon „zurechtrücken“:
1. Absinken der Besucherzahlen:
a. In fast allen Museen sind die Besucherzahlen rückläufig, eine Tatsache, die statistisch leicht belegt werden kann. Soll man nun deshalb auch andere Einrichtungen dieser Art schließen?
b. Wer garantiert, dass die Besucherzahlen bei einer Verlegung nach Ulm steigen werden? Am Anfang vielleicht, nicht aber auf Dauer.
2. Erzeugung von Synergieeffekten mit den Banater Schwaben: Bei diesem Thema muss unsereiner nur leise schmunzeln! Anscheinend kennt Martens unsere Geschichte und die der Banater Schwaben nicht. Uns haben im inner- und außerkarpatischen Raum schon gemeinsame Interessen verbunden, wie z.B. das Beibehalten und die Förderung der deutschen Kultur als „deutsche Inseln" innerhalb anderssprachiger Gebiete. Ansonsten „ähneln“ sich unsere Sitten, Bräuche und Religionszugehörigkeit so wie die der Bayern und Nordfriesen.
Eine Hinterfragung des behördlichen Vorgehens bezüglich des Siebenbürgischen Museums in Gundelsheim und des Brukenthalmuseums in Hermannstadt deckt sowohl Parallelen als auch Unterschiede auf: In beiden Fällen wird eine Schwächung angestrebt, wenn auch mit unterschiedlichen Methoden. Allerdings scheint die rumänische Regierung bereit zu sein, Teile der „angehamsterten“ sächsischen Kulturgüter ans Ursprungsmuseum zurückzugeben, während die jetzige Bundesregierung „auf Zerschlagung“ setzt! So etwas ist uns in der ganzen fast 900-jährigen Geschichte noch nie angetan worden! Auch - oder besonders - aus diesem Grund sind wir aufgerufen, uns mit allen in einer Demokratie zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Auflösung des Museums in Gundelsheim zur Wehr zu setzen!
Walter Georg Kauntz, München
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