7. Februar 2004

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Großes Klavierwerk von Rudolf Wagner-Régeny jetzt auf CD

Rechtzeitig zum 100. Jubiläumsjahr des aus dem siebenbürgischen Sächsisch-Regen stammenden Komponisten Rudolf Wagner-Régeny erschien unter dem Patronat der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung und mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im Südöstlichen Europa e.V., und der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt eine neue CD mit dem Titel „Rudolf Wagner-Régeny, Klavierwerke“. Es ist - nach den Carl Filtsch und Erich Bergel gewidmeten CDs - die dritte Projekt-Realisierung der Reihe „Tondokumente“, die sich zur Aufgabe stellt, wertvolles, noch nicht erfasstes Kulturgut der Siebenbürger Sachsen zu dokumentieren.
Mit der neuen CD soll nun auch klanglich das Werk einer Künstlerpersönlichkeit wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden, das in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts allergrößte Aufmerksamkeit in der Kunstwelt erregte und heute etwas in Vergessenheit zu geraten scheint. Initiator und Promoter des Projektes war der aus Hermannstadt stammende und bei München lebende Pianist Peter Szaunig, der sich seit geraumer Zeit intensiv mit dem Leben und Werk Wagner-Régenys auseinander setzt. Bei seinen Recherchen um die künstlerische Hinterlassenschaft stieß Szaunig bei Wagner-Régenys Witwe Gertie auf alte Plattenaufnahmen Wagner-Régenys als Interpret eigener Klavierwerke. Sie bilden den Grundstock der neu aufbereiteten CD. Ergänzt hat sie Szaunig mit eigenen Einspielungen weiterer Klavierwerke Wagner-Régenys, so dass nun ein repräsentativer Querschnitt seines Klavier-Oeuvres vorliegt.


Die CD kann direkt bei Peter Szaunig, Zaunkönigweg 1, 82223 Eichenau, Telefon: (0 81 41) 81 85 77, oder über den Fachhandel unter der Bestellnummer RS 051-0115 bezogen werden.
Die CD kann direkt bei Peter Szaunig, Zaunkönigweg 1, 82223 Eichenau, Telefon: (0 81 41) 81 85 77, oder über den Fachhandel unter der Bestellnummer RS 051-0115 bezogen werden.

Die von seinem Meisterschüler Tilo Medek erstellte Gesamtausgabe des Klavierwerkes umfasst insgesamt 24 Klavier-Zyklen. Die vorliegende CD enthält neun dieser Zyklen, in einer geschickten Auswahl, die unterschiedliche Schaffensperioden und vielfältige Stilcharakteristika illustriert.

Wagner-Régeny war ein hervorragender Pianist, beispielsweise als Interpret seines eigenen Klavierkonzertes. Den Werken ist anzuhören, dass der Komponist sie sowohl unter dem Primat kompositionstechnischer als auch didaktisch-pädagogischer Gesichtspunkte geschrieben hat. Äußerste Knappheit und Klarheit der Ausdrucksmittel, Konzentration auf das Wesentliche und striktes Meiden jeglichen romantischen Überschwangs kennzeichnen die Tonsprache des Komponisten, womit er in der Tendenz seiner Zeit liegt. Das Progressive jedoch verbindet sich gleichwohl mit rückwärtsgewandten, neoklassizistischen Tendenzen. Die Wahl der Werktitel, der Dedikationsusus, kompositions- und spieltechnische Details weisen auf eine starke Verwurzelung in traditionellen, ja barocken Gepflogenheiten.

Wie einst Bach oder Mozart ist auch Wagner-Régeny Komponist und Interpret in Personalunion, was im 20. Jahrhundert eher die Ausnahme ist. Mit gestochener Artikulation und sachlich klarer Gestaltung erweist er sich auf den alten Einspielungen als idealer Sachwalter des eigenen Werkes. So in seiner sechsteiligen Spinettmusik (1934), wo man seine agogisch differenzierte Spielweise bewundert und sich gleichzeitig fragt, wieso er die Stücke nicht tatsächlich auf einem Spinett spielte. An Bachs berühmtes Notenbüchlein (gewidmet seiner ersten Ehefrau Anna Magdalena) gemahnen Régenys Klavierbüchlein (1940) sowie die Klavierstücke für Gertie (seine zweite Frau), nicht nur der Widmung und des didaktischen Anspruchs wegen. Zugeständnisse an neuzeitliche (metrische) Gestaltungsprinzipien finden sich in den 2 Tänzen für Palucca oder in den abschließenden Sieben Klavierfugen, wobei jede Fuge als Hommage an eine befreundete und ihn anregende Künstlerpersönlichkeit (etwa Carl Orff, Boris Blacher, Gottfried v. Einem, Kurt Weill) zu verstehen ist.

Einspielungen von Peter Szaunig runden das Bild einer äußerst vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit ab. Erstaunlich, dass hierbei weder im Klangbild der Einspielung noch im Gestus der Interpretation ein bemerkbarer Bruch entsteht. Insofern gebührt ein erstes Kompliment den Technikern des italienischen Platten-Labels „Real Sound“, die für diese CD Wagner-Régenys Originalaufnahmen aus den Jahren 1951/52 (DRA, Deutsches Rundfunkarchiv) und 1958/59 (HR, Hessischer Rundfunk) digitalisiert und hervorragend „remastert“ haben.

Ein zweites Lob jedoch gebührt Peter Szaunig, der sich mit seiner makellosen, pointierten Spielweise nahtlos in die gezügelt, luzide Klang- und Gestaltungswelt seines Landsmannes einfügt. Mit dem sechsteiligen Zyklus Hexameron (1943), der 1. Klaviersonate (1943) und den Fünf französischen Klavierstücken (1951) bezeugt Szaunig, ein eher romantisch veranlagter Pianist, authentisches Einfühlungsvermögen. „Sie spielen die Stücke bis ins Detail genau wie mein Mann“, äußerte sich die Witwe anerkennend beim Anhören der Einspielung, die von „Real Sound“ im akustisch hervorragenden Gustav Mahler-Saal in Toblach gemacht wurde.

Sehr ansprechend ist auch das äußere Erscheinungsbild der CD: ein umfangreiches viersprachiges Begleitheft (italienisch, englisch, deutsch und französisch) mit Bildillustrationen und einem sehr informativen Textteil aus der Feder von Peter Szaunig. Des Weiteren eine metaphorisch anregende Cover-Gestaltung durch Renate Mildner-Müller: etwas sperrige Klaviertasten ragen (an überdimensionale, aus dem Lot geratene Denkmäler gemahnend) in eine düstere Landschaft (Wagner-Régeny war den Zwängen von zwei Diktaturen ausgesetzt), über der sich doch ein freundlicherer Horizont abzeichnet. Hinter dem Plattentitel sind die schwungvollen Schriftzüge Wagner-Régenys zu erkennen mit einem seiner philosophischen Aphorismen: „Weil alles sich bewegt, sollten Pläne nicht unbewegt sein“, was als schöpferisches Credo dieses profilierten Künstlers, Denkers und Humanisten gelten kann.

Prof. Heinz Acker



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