4. August 2004

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Literaturabend mit Hans Bergel

Der große Saal des Vöcklabrucker Begegnungshauses der Siebenbürger Sachsen war bis auf den letzten Platz gefüllt, als am 9. Juli dieses Jahres der Schriftsteller, Journalist und Herausgeber Dr. h.c. Hans Bergel als Gast des Abends eine Literaturlesung hielt, zu der sich aus Stadt und Umkreis Neugierige eingefunden hatten. Dementsprechend aufgeräumt begrüßte der Chef des Hauses, Hans Haitchi, das Publikum, dem Mag. Horst Schuller den „vielfach ausgezeichneten Schriftsteller und langjährigen Chefredakteur der Siebenbürgischen Zeitung“, wie Plakat- und Programmtext angekündigt hatten, vorstellte.
Bergel las aus dem soeben abgeschlossenen Manuskript des zweiten Bandes des Romans „Wenn die Adler kommen“ Fragmente des IX. Kapitels „Die Dame mit dem Lorgnon, der geschändete Tempel und die Bukarester Panzerparade“ – ein „Text von prickelnder Brisanz“, wie eine Stimme aus dem Publikum vernehmen ließ, in dem sich der Autor gleich dreifach Tabus vorknöpft.


Hans Bergel in Vöcklabruck, 2004.
Hans Bergel in Vöcklabruck, 2004.

Vor dem Hintergrund eines Bukarestbesuchs 1941 des fünfzehnjährigen Erzählers Peter Hennerth beleuchtet er im Vergleich mit der „heiteren Leichtigkeit der hauptstädtischen Daseinsstimmung“ siebenbürgisch-sächische Lebensart, außerdem bringt er – wohl zum ersten Mal in der deutschsprachigen Belletristik Südosteuropas – die „Bukarester Schlachthofmorde an Juden“ durch Angehörige der „Eisernen Garde“ in geradezu rücksichtslos direkter Formulierung zur Sprache, schließlich schildert er die ehemals berühmt-berüchtigte Parade der 16. deutschen Panzerdivision auf der Piata Victoriei vor König Michael I. und Staatschef General Antonescu und deren begeisterte Aufnahme durch Hunderttausende von Bukarestern. Der zweitägige Aufenthalt Peter Hennerths bei einer Verwandten – einer Tante: der „Dame mit Lorgnon“ – fällt mit dem Beginn des deutschen „Balkanfeldzugs“ zusammen, was dem Romantext und dem Vöcklabrucker Literaturabend eine Spannung der besonderen Art verleiht. „Zeitgeschichte in einer unter die Haut gehenden Unmittelbarkeit der Darstellung“, fasste ein Zuhörer zusammen. Die „streckenweise ans Unheimliche grenzende Dramatik“ lockert Bergel durch die Schilderung des mit seinem Mercedes-Benz-200 ernsthaft dialogisierenden Taxifahrers „Nea Nae“ und der mit dem griechischen Großfinanzier Staratiades verheirateten, von der Aura weltläufiger Noblesse und Geistigkeit bestimmten Tante auf – Kostbarkeiten genauer ironischer Zeichnung. Man darf diesem zweiten Band des als Trilogie geplanten Epos des bei München lebenden Autors erwartungsvoll entgegensehen.

Dass der Abend zum Erfolg wurde, ist auch der soliden Vorbereitung und Durchführung der Veranstalter zu danken.

S.L.

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