24. Februar 2014

Zur Geschichte von Ebersberg und der Kreisgruppe

Im frühen Mittelalter gegründet, wurde das Kloster Ebersberg nicht nur durch seine Schreibstube, sondern – begünstigt durch die Reliquie des Heiligen Sebastian und seine Funktion als Rückzugsgebiet hoher kirchlicher und weltlicher Persönlichkeiten – bald auch als Wallfahrtsort berühmt. Dennoch verharrte der bäuerlich und handwerklich geprägte Ort trotz der dort ansässigen hohen Gerichtsbarkeit von der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zum 2. Weltkrieg in relativer Bedeutungslosigkeit.
Erst vor etwas mehr als einhundert Jahren erhielt Ebersberg – im Wesentlichen wegen seiner beliebten Klostersee-Badeanstalt, die sich in eine bezaubernde Endmoränenlandschaft einfügt – von den Münchner Erholungssuchenden die wohlklingende Bezeichnung „Perle des Münchner Ostens“. Nach 1945, als Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Ebersberg ansässig wurden, begann der wirtschaftliche Aufschwung des Ortes und erhielt durch den Zustrom von Aussiedlern aus Siebenbürgen zusätzliche Impulse. Sie machen einen erheblichen Anteil der Ebersberger Bevölkerung aus und genießen die Vorzüge des vor 60 Jahren zur Stadt erhobenen Ortes als moderne Kultur- und Einkaufsstätte.

Vor 13 Jahren gründeten einige Siebenbürger Sachsen die Kreisgruppe Ebersberg unter dem Vorsitz von Hansotto Lang. Waren die Siebenbürger im Landkreis Ebersberg noch vor wenigen Jahren so gut wie unbekannt, so gerieten sie durch diese Gründung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit – und damit auch ihr Bemühen, sich durch ihre Beteiligung an kirchlichen, kulturellen und politischen Aktivitäten mit eigenen Beiträgen in die Gesellschaft zu integrieren.

Einen erheblichen Anteil an dieser Entwicklung hat die aktive Präsenz der Gruppe bei Veranstaltungen oder die Mitgliedschaft Einzelner in Vereinen. Unter anderen sei Stefan Gierlich erwähnt, der sein musikalisches Talent seit 20 Jahren – erst als Mitglied, dann im Vorstand der Stadtkapelle Ebersberg – mit Hingabe und Verlässlichkeit ausübt und der sich durch Hilfsbereitschaft und Kollegialität auszeichnet.

Eine weitere Aktion leistete Antje Krauss-Berberich in Zusammenarbeit mit einigen Mitgliedern, welche im Rahmen zweier umfangreicher und anschaulicher Ausstellungen über die Herkunft der Siebenbürger – die eine im Rathaus (sie war 24 Stunden einsehbar), die andere im Landratsamt – eine sächsische Stube mit Schaufensterpuppen in Tracht, wertvollen Schmuck, Mobiliar, Literatur, Chroniken und Arbeitsgeräte präsentierte. Es entstand ein Potpourri siebenbürgischer Alltagskultur, vielfach unterstützt durch Leihgaben der Ortsgruppe, zahlreich besucht, von der Presse als lehrreicher Hingucker gelobt. Schon bei der feierlichen Eröffnung kam nicht nur von Seiten des Bürgermeisters Walter Brilmayer die Anfrage, ob eine Busreise in den Karpatenbogen und darüber hinaus möglich wäre. Diese fand mittlerweile mit 46 TeilnehmerInnen statt. Die Erzählungen der Mitreisenden kamen so positiv herüber, dass sich die Anfragen verdoppelten und eine weitere Fahrt fast unumgänglich ist. Gar manche Ehepaare wollen sich selbständig auf die Reise begeben, um ihren Kindern die Ursprünglichkeit des Landes nahezubringen.
Der neue Vorstand der Kreisgruppe Ebersberg (von ...
Der neue Vorstand der Kreisgruppe Ebersberg (von links nach rechts): Antje Krauss-Berberich, Kultur- und Pressereferentin; Katharina Binder, stellvertretende Kassenprüferin; Andreas Thiess, Kassenwart; Georg Melchior, Kassenwart, mit seiner Frau Renate; Gudrun Wetteborn, Frauenreferentin; Brigitte Knall-Tohănean, Vorsitzende; Horst Krauss, Schriftführer; Udo Drotleff, Kassenprüfer; Remus Biletzki, stellvertretender Kassenprüfer; Hermine Biletzki, Beisitzerin; Martin Roth, stellvertretender Vorsitzender. Foto: Felix Lechner

Wahl und Programm des neuen Vorstandes

Vor zwei Jahren gab Hansotto Lang den Vorsitz auf. Der neue Vorstand (siehe Foto) unter Führung von Brigitte Knall-Tohănean, Tochter eines Pfarrers aus Siebenbürgen, beschloss während seiner konstituierenden Sitzung im Ebersberger „Oberwirt“ Ende Januar ein umfangreiches Aktionspaket.

Neben weiterer regelmäßiger Beteiligung bei traditionellen Festen, u.a. bei der Leonhardi-Fahrt, bei welcher der Wagen des geliehenen Pferdegespanns in Blau-Rot gehalten und mit Zeichnungen von sächsischen Wehrburgen bestückt werden soll, wird die Frauenreferentin Gudrun Wetteborn Bastelstunden für Erwachsene und Kinder anbieten; angedacht ist die Gründung einer Kinder-Singgruppe. Während der Osterfeiertage steht eine Fahrt nach Rom auf dem Programm, im Sommer ein großes Grillfest mit Blasmusikbegleitung mit Einladungen an alle Interessierten im Umkreis.

Eine Kooperation mit Nachbarkreisgruppen wurde vorgeschlagen und intensive Pressearbeit, damit möglichst viele NichtsiebenbürgerInnen an Veranstaltungen teilnehmen. Und wenn es wieder weihnachtet, wird ein überdachter, festlich geschmückter und beleuchteter Stand bereitstehen, an dem Köstlichkeiten wie Mititei, Bratwurst, Glühwein und Schnaps, Zakuska und Hanklich verkauft werden.

Eine Herausforderung ist der „Tag der Heimat“ des Bundes der Vertriebenen, den die Kreisgruppe Ebersberg in diesem Jahr turnusmäßig organisieren wird. Schon jetzt werden Vorschläge angenommen, um ein möglichst großzügiges Programm zu gestalten. Neben dem Angebot von Hanklich und sonstigen Schmankerln wird in den kommenden Wochen der Versuch gestartet, eine Theatergruppe zu engagieren, welche die Tradition der Sachsen in humor-­ voller Weise – vielleicht auch musikalisch –, doch getreu dem Sachverhalt vortragen kann.

Angeregt durch die aktive Mitarbeit und die vielen Vorschläge, schloss Brigitte Knall-Tohă­nean die Sitzung und dankte allen Anwesenden für die konstruktive Mitarbeit mit guten Wünschen für ein gesundes Jahr 2014.

Antje Krauss-Berberich

Schlagwörter: Ebersberg, Vorstand, Veranstaltungen, Geschichte

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