19. April 2011
Gruft der Familie Lassel auf dem Innerstädtischen Friedhof in Kronstadt. Foto: SchlandtNach dem Studium in Leipzig und kurzen Stationen als Gesanglehrer in Kronstadt und Bistritz erhält Rudolf Lassel 1887 die Organistenstelle in der Schwarzen Kirche. Zum ersten Mal belegt eine Person gleichzeitig die Stelle als Organist und Kantor. Steffen Schlandt bot Aufschluss über die Organisten und Kantoren bis zu Lassel. Zwischendurch interpretierte der Canzonetta-Jugendchor, bestehend aus Schülern der Honterusschule, „Ein kleines Lied“ mit Chorleiterin Ingeborg Acker als Solistin. Die Klavierbegleitung sicherte Steffen Schlandt, der anschließend weitere Aspekte aus dem Schaffen Lassels erörterte. Er vereinigte 1900 das Chorbuch der evangelischen Landeskirche. 1907 wurde zum ersten Mal unter seiner Leitung eine Bachkantate in Kronstadt aufgeführt. 1912 organisierte er ein Konzert zum Gedenken an die Opfer der Titanic, 1917 spielte er auf der Orgel der Schwarzen Kirche anlässlich des Besuches von Kaiser Wilhelm. Zum rumänischen Königshaus hatte er gute Beziehungen und spielte mehrmals im Schloss Peleş. Der Bachchor interpretierte gekonnt „Die Betglocke“. Rudolf Lassel hatte 1894 den Schülerkirchenchor gegründet, der unter seiner Leitung gemeinsam mit dem Männergesangverein bei verschiedenen Festlichkeiten auftrat.
Der Bachchor gestaltete die Lassel-Feier in Kronstadt mit. Foto: Peter Simon
Dass ein Kantor Polkas, Walzer, fröhliche Musik komponiert, ist nichts Alltägliches. Doch den Tod seines Sohnes Erwin, der 1915 im Krieg gefallen war, konnte Lassel niemals überwinden. Er sah in ihm seinen Nachfolger, doch sollte es anderes kommen. Rudolf Lassel starb im Januar 1918 an den Folgen einer Lungenentzündung. Ingeborg Acker, begleitet von Steffen Schlandt am Klavier, interpretierte das Lied „Banger Abend“ von Helene Lassel, das diese ihrem Bruder Rudolf gewidmet hatte. Von ihr sind vier Lieder hinterlassen, deren Partituren durch Zufall in der Vorbereitung dieses Abends gefunden wurden. Einen krönenden Abschluss fand der Abend durch den mit dem Jugendbachchor vereinigten Bachchor, geleitet und am Klavier begleitet von Steffen Schlandt, mit den Liedern „Lass dich nur ja nichts dauern mit Trauern“ und „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser“.Dieter Drotleff
(gekürzt aus "Karpatenrundschau" Nr. 12 vom 24. März 2011)Schlagworte: Kronstadt, Musiker, Chor, Gedenken
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