31. Januar 2016

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Etymologischer Spaziergang (18): Wat äs en Gedremmer?

Das Wort „Gedremmer“ wird im Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch als „Getrümmer“ ins Schriftdeutsche übersetzt, ein Wort, das es so nicht gibt. „Gedremmer“ bezeichnet in unserer Mundart etwas Übermäßiges: Im akustischen Bereich Gepolter („ech dremmern mät den Feisten ken de Dir“ – „ich poltere mit den Fäusten gegen die Tür“); im Bezug auf die Gestalt kennzeichnet „Gedremmer“ etwas Dickes, Klobiges wie ein Holzklotz, einen Felsbrocken oder einen dicken, schwerfälligen Menschen.
Das Wort leitet sich von „Trumm“ ab. Ein Trumm ist der dicke Abschnitt eines gefällten Baumstamms, ein Trumm Brot ist ein dickes Stück Brot (ein „Remmel“), ein Trumm ist aber auch das abgeschnittene Ende eines Fadens oder eines Taus. Der „Grimm“ kennzeichnet mit „Trumm“ einen kurzen, dicken Menschen, besonders eine Frau, einerseits „mit verächtlichem Beiklang“, aber auch positiver „a rechts Trumm, als ein tüchtiges, festes, plumpes Weibsbild“. Ludwig Thoma wird zitiert: „A teufelsmäßig sauberer Brocken war das Weibsbild, ein ordentliches Trumm.“ „Trumm“ bezeichnet aber nicht (wie die Mehrzahl „Trümmer“) die Reste eines zerstörten, zertrümmerten Bauwerks, Gefäßes oder Bildwerks.

Zur Etymologie von „Trumm“: Im Althochdeutschen lautet das Wort „thrum“, mittelhochdeutsch „drum“ = Endstück, Stück, Spitze. Die indoeuropäische Wurzel ist *ter-men und führt zu griech. „terma“ = Ziel, Endpunkt, lat. „terminus“ = Grenze, Ende, Schluss, engl. „thrum“ = Endfaden der Kette am Webstuhl.

In der siebenbürgisch-sächsischen Mundart wird das Wort „Trumm“ mit der Vorsilbe „ge“ erweitert, die auf eine Anhäufung zu einer Gesamtheit hinweist, entsprechend den Bildungen Berg – Gebirge, Wasser – Gewässer, Strauch – Gesträuch, was auch eine Steigerung einschließt. Gegenüber „Trumm“ „mit verächtlichem Beiklang“ hat „Gedremmer“ für mich einen freundlich-spöttischen Klang.

Dr. Roland Phleps

Schlagwörter: Etymologie, Mundart

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