9. Mai 2007

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Herrschaftslegitimation in Rumänien: Ceauşescu u.a.

Besprechung des Buches von Daniel Ursprung: Herrschaftslegitimation zwischen Tradition und Innovation. Repräsentation und Inszenierung in der rumänischen Geschichte; Heidelberg (Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde) und Kronstadt (Aldus), 2007; ISBN: 978-3-929848-49-6 (AKSL) bzw. 978-973-7822-20-8 (Aldus), 433 Seiten, 15,90 Euro [= Veröffentlichungen von Studium Transylvanicum].
War das Phänomen Ceauşescu singulär in der rumänischen Geschichte oder gibt es vergleichbare Erscheinungen in der Vergangenheit? Dieser Frage ist der Schweizer Historiker Daniel Ursprung nachgegangen und hat die auf den ersten Blick trocken erscheinende wissenschaftliche Materie zu einem lesenswerten Buch verarbeitet. Erschienen ist es in der Schriftenreihe von Studium Transylvanicum, jener Gruppe von Studenten und Nachwuchswissenschaftler, die schon mehrfach durch erfrischende Veröffentlichungen aufgefallen ist. Hervorgegangen ist das Buch aus der Lizenziatsarbeit des an der Universität Zürich tätigen jungen Geschichtswissenschaftlers; Umfang und Qualität lassen eher eine Doktorarbeit dahinter vermuten. Die einleitenden Anmerkungen zu den Ereignissen vom Dezember 1989 erleichtern den Einstieg in die Thematik. In einem Überblick über den Forschungsgegenstand wird der wissenschaftliche Rahmen der Untersuchung abgesteckt. Hinzu kommen theoretische Grundlagen zu dem Komplex „Macht, Herrschaft und Legitimität“.

Kern der Veröffentlichung ist die Untersuchung und Darstellung von Herrschaftslegitimation im 17. Jahrhundert (2. Kapitel) und während des Ceauşescu-Regimes (3. Kapitel). Einleitend werden die historischen Grundlagen über die Woiwodate Walachei und Moldau bzw. das moderne Rumänien beleuchtet. Untersucht werden die Legitimation von Matei Basarab als Herrscher der Walachei und von Vasile Lupu als Fürst der Moldau. Während Basarab seine Herrschaft über seine dynastische Herkunft, die Titulatur und das ideologische Programm legitimierte, nutzte Lupu unter anderem die Kirche als Legitimierungsinstanz.

Spannend zu lesen ist der konsequente Aufbau einer Parteikarriere durch den armen Bauernsohn Nicolae Ceauşescu. Nach der Machtübernahme im Jahr 1965 setzte er alles daran, um seine Legitimation zu verbreitern. Als Instrument nutzte er unter anderem die Inszenierung der Massen. Ausführlich untersucht Ursprung die ikonische Inszenierung als Alleinherrscher und den Personenkult. Dazu gehört auch, dass sich Ceauşescu gerne in einer Reihe mit (vermeintlichen) Größen der rumänischen Geschichte abbilden ließ. Und wer kennt nicht die Bilder des Staatspräsidenten mit einem Zepter, das vielleicht auch Matei Basarab und Vasile Lupu als Instrument der Herrschaft genutzt haben? Eindrückliche Abbildungen, ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis sowie ein Register ergänzen den Text, welcher sowohl Wissenschaftler als auch an der Geschichte Rumäniens Interessierte anspricht.

Uwe Konst

Schlagworte: Rezension, Zeitgeschichte, Kommunismus

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