Mit dem Aufruf „Erzählen Sie Ihre Geschichte“ begann in Reutlingen 2009 ein Projekt zur lokalen Migrationsgeschichte, an dem sich über 100 Bürger und Bürgerinnen mit Migrationshintergrund beteiligten. Ihre Erinnerungsgegenstände sind ab dem 25. April in einer Ausstellung des Reutlinger Heimatmuseums zu sehen. Auf der Suche nach Arbeit, besseren Lebensbedingungen, Bildung, Liebe, Heimat, Frieden und Familienzusammenführung verließen Gastarbeiter, Arbeitsemigranten, Asylbewerber, Flüchtlinge, Bildungsemigranten und Spätaussiedler ihr Geburtsland. Ein Löffel für die Reise, der Nackenpinsel eines Friseurs, Lexikon, Ikone, Bilder oder altes Porzellan erzählen berührende Geschichten von Hoffnungen und Chancen, aber auch von Enttäuschungen und Fehlschlägen.Gezeigt werden vielseitige Facetten der Zuwanderungsgeschichte von 1955 bis in die Gegenwart.
Auch wir, die Siebenbürger Sachsen, haben uns an der Ausstellung beteiligt. Werner Kuchar (Oberstudienrat in Rente) hat einige Exponate zur Verfügung gestellt: Geldbeutel mit siebenbürgischem Wappen, Stickereien für ein Rednerpult, ein altes Kaffee-Service, Fotos aus Siebenbürgen und einen sächsischen Gürtel aus dem Burzenland. Mein Beitrag war die Reproduktion eines Nachbarzeichens („Noberziechen“) und ich habe erzählt, welche Funktion es hatte. Alle Informationen, die ein Bürger in einem Dorf brauchte, wurden ihm vom Pfarrer, Kurator oder Nachbarvater mit dem Nachbarzeichen mitgeteilt. Das Nachbarzeichen war früher Telefon, Radio, Zeitung und Internet in einem. Ein Interview mit Herrn Kuchar ist abrufbar im Archiv des Heimatmuseums Reutlingen.
Die Ausstellung läuft bis zum 22. August 2010 und ist Dienstag bis Samstag von 11.00-17.00 Uhr, Donnerstag von 11.00-19.00 Uhr und Sonntag von 11.00-18.00 Uhr geöffnet.
Hans Preis