Bannungen nach dem Abfall des Titoregimes von der kommunistischen Zentrale in Moskau

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Serva0
Erstellt am 17.06.2011, 10:47 Uhr und am 17.06.2011, 10:48 Uhr geändert.
Wie Herr Kollege "getkiss" auf Grund von persönlichen Erfahrungen bereits mehrfach erwähnte, waren Tausende von den nach dem Abfall des Titotregimes in Rumänien ausgesprochenen Bannungen betroffen. Solche Bannungen waren zu dieser Zeit - und auch später - überall im kommunistischen Herrschaftsbereich usuell. Gab es solche Bannungen auch in anderen (nichtkommunistischen) Systemen der gleichen Zeitperiode? Bitte nicht Ovid in Tomis als Beispiel anführen ...

Mir sind Bespiele aus anderen kommunistischen Regimen, wie aus Ungarn und Jugoslawien, bekannt. Wer Emir Kosturicas Film "Papa ist auf Dienstreise" kennt, erinnert sich wahrscheinlich von dort an eine recht realistische Darstellung - allerdings etwas „pornographisch“, womit diese recht gute Informationsquelle für den Unterricht junger Leuten eher ungeeignet ist - dieses Systems der Bannungen.

2004 traf ich bei einem Strandspaziergang im winterlichen Doi Mai einen Herrn aus Deta im Banat, der sich unter dem Namen "Petrovici" (keine Ahnung ob die Orthographie passt) bei mir vorgestellt hat. Da ich mit einem in Ungarn zugelassenen Fahrzeug dort angefahren bin, hat mich Herr Petrovici sogleich auf Ungarisch angesprochen und ist sofort auf Deutsch übergegangen als er merkte, dass ich deutschsprachig war. Herr Petrovici war imstande fließend gutes Deutsch, Ungarisch, Serbisch und Rumänisch zu sprechen, wie das eben früher im Banat bei gar nicht so wenigen Menschen durchaus gebräuchlich war. Als Besonderheit behauptete er (ich konnte das nicht verifizieren), auch ganz gut Romanes zu sprechen. Er hätte die Zigeunersprache im Zuchthaus gelernt, wo er wegen Inobödienz gegenüber dem alten Regime eingesessen wäre. In die Dobrutscha hätte es ihn verschlagen, da seine Familie aus dem rumänischen Banat dorthin verbannt worden wäre.

Ein weiterer Bericht ist mir aus dem tschechischen Banat bekannt. In einem Dorf nahe der Donau, das auch 1943 bei der großen Mobilmachung 45 junge nur tschechischsprachige Schutzstaffelfreiwillige aufgeboten hatte, die in der Adolf Hitler Kaserne in Prag erst ausreichend Deutsch zu sprechen gelernt haben sollen um imstande gewesen zu sein die Kommandos ihrer Vorgesetzten zu verstehen, sollen 4 Familien gebannt worden sein. Darunter auch ein aus dem Dienst in der Schutzstaffel ins Dorf zurückgekehrter Freiwilliger.

Bei meinen ersten Explorationsfahrten nach Albanien, 1992, unmittelbar nachdem der Gruppenreisezwang abgeschafft worden ist, wurde mir auch zur Kenntnis gebracht, dass noch vor ganz kurzer Zeit ungefähr 10 % der Bevölkerung des Landes als Gebannte in zwangsweise zugewiesenen Wohnsitzen zu leben hatten. Wegen gröberer Verständigungsprobleme konnte ich kaum brauchbares Material dazu sammeln. So ein Unterfangen dazu Material zu sammeln hätte wohl besser vorbereitet werden müssen. Mehr als allgemeine Eindrücke konnte ich mir leider nicht verschaffen. Wegen des jämmerlichen Straßenzustands fürchtete mein Chauffeur um sein Vehikel und verweigerte stets die Anfahrt in die ehemaligen Dörfer der Gebannten. Objektiv war dem nichts entgegen zu halten. Bei unserer Fahrt ins damalige Zentrum der albanischen Aromunen, Voskopoje, benötigten wir rund einen halben Tag für eine Strecke von 15 bis 20 km. Mit Bachfurtungen und Steinewegräumaktionen, etc. ... Ich konnte es dem Chauffeur nicht verdenken, dass er sich geweigert hatte das ihm von seiner Genossenschaft anvertraute Vehikel zu gefährden!

Vielleicht kann uns Herr Kollege "getkiss" einen genauen Bericht dieses seine eigene Familie betreffenden Bannungsvorganges anbieten? Interessant wäre auch inwieweit und in welcher (von ihm subjektiv wahrgenommenen) Proportion die verschiedenen Ethnien des Banats daran beteiligt waren. Also, z.B. Paulikianer, Madjaren, Serben, Ukrainer, Slowaken, Tschechen, usw., von den Bannungen mitbetroffen waren. Vielfach werden diese Bannungen so dargestellt, dass vorwiegend die Deutschmuttersprachigen im Banat davon betroffen gewesen sein sollten.

Papier ist relativ billig und überaus geduldig! Daher die Bitte vorwiegend persönlich Wahrgenommenes und/oder aus zuverlässig erscheinender 2. Hand Berichtetes hier anzuführen. Manipulationsinfos von Wikipedia & Co. kann sich jeder selber vom Netz reinziehen ...

pavel_chinezul
Erstellt am 17.06.2011, 11:09 Uhr
Ich denke das hier ist wohl recht objektiv, oder?

Museum: Saal 47 - Die Deportation in den Baragan

In der Nacht vom 18. Juni 1951 wurde die größte Deportationsaktion der Gegenwartsgeschichte Rumäniens in Gang gesetzt, nach den Deportationen der Bürger der deutschen Minderheit aus Rumänien. Etwa 450.000 Menschen wurden aus ihren Wohnungen geholt und in den Baragan verschleppt: Rumänen, Deutsche, Serben, Bulgaren, Flüchtlinge aus Bessarabien und der nördlichen Bukowina, Arumänen. Die Menschen wurden in Lastwaggons geladen, die vom Militär bewacht wurden, und nach zehn-vierzehn Tagen Fahrt auf dem freien Feld ausgesetzt, wo sie aus eigener Kraft Häuser aus Stroh und gestampftem Lehm bauen mußten. Zur Rechtfertigung dieser vollkommenen Isolierung hat die Securitate das Gerücht verbreitet, es handle sich um koreanische Deportierte! In diesen Siedlungen - achtzehn an der Zahl - wurden die meisten Deportierten fünf Jahre festgehalten, bis 1956, manche blieben jedoch für immer.

Fotos aus der Deportation wie auch Gegenstände, die aus der Zeit aufbewahrt wurden, versuchen das Bild der Dörfer der aus dem Banat verschleppten Deutschen im Baragen zu rekonstruieren.

Die Ausstellung wurde vom Verein der Baragan-Deportierten aus Temeswar zusammengestellt.


http://www.memorialsighet.ro/index.php?option=com_content&view=article&id=314&Itemid=101&lang=de

PS: Übrigens sehr interessant, dass es da auch eine deutschsprachige Seite gibt! Wo ein Wille, auch ein Weg, wohl!

aurel
Erstellt am 17.06.2011, 11:35 Uhr


Hier ein Artikel, in Rumänisch aber:

http://www.adevarul.ro/actualitate/social/Mica_Siberie-dupa_60_de_ani_0_452955305.html

getkiss
Erstellt am 17.06.2011, 11:40 Uhr
@Serva0:
"Interessant wäre auch inwieweit und in welcher (von ihm subjektiv wahrgenommenen) Proportion die verschiedenen Ethnien des Banats daran beteiligt waren. Also, z.B. Paulikianer, Madjaren, Serben, Ukrainer, Slowaken, Tschechen, usw., von den Bannungen mitbetroffen waren. Vielfach werden diese Bannungen so dargestellt, dass vorwiegend die Deutschmuttersprachigen im Banat davon betroffen gewesen sein sollten."

Thja, es geht nur "subjektiv".
Außerdem jährt sich das Ereigniss meiner Verschleppung in 4 Tagen, am 21.06. zu 60-ten mal, ich war ein elfjähriges Kind...unter Bajonetten eskortiert...
In unserer XII. Straße in Frumuschitza-Neu begannen die "Häuser" mit Bettendorf(Bauer,Großjetscha), gefolgt von Kiss(Angestellter,eh.Kaufmann,Billed), Schinka(Apotheker, Groß-Jetscha),ein NN (Schwabe aus Großjetscha), ein Bessarabier mit Schwäbingattin, Ballmann Jakob Sen.(Müller,Billed), Fam. Haberer(Billed), Fam. Vastag(Ung.? Billed), Fam. Dipl.-Ing. Pierre(Billed), etc.

Das war aber nicht die einzig typische Zusammensetzung, was die Nationalität betrifft. Es waren auch Serben, Ungaren, Bulgaren, Mazedonier, Rumänen, alles Anwohner aus der Nähe, ca. 40 Km. Tief weg von der Jugoslawischen Grenze.
Politisch gesehen war es eine "Strafaktion" gegen alle "Nichtvertrauenswürdige" Bürger des Landes aus Sicht der prostalinistischen Kommunisten, entweder aus nationalen Gründen, oder wegen deren gesellschaftlicher "Klasseneinteilung" als Wohlhabende, aber es waren auch arme Leute darunter...
Alles in allem ist aber m.E. die Aussage richtig, prozentuell gesehen, waren die meisten doch banater Schwaben, ich Schätze mindestens 40-50%.

Ist nicht nur aus derer Sprache zu erklären, sondern auch daraus, dass mindestens ein Drittel des Grenzverlaufs zu Jugoslawien auf diesem Territorium stattfand, wo damals die banater Schwaben noch kompakt und in der Überzahl lebten.
(Obwohl ab 1945 viele Moldauer "Kolonisten" in die Häuser der Schwaben zwangsweise einquartiert wurden, Teilweise durch Ausweisung/Verschleppung der Einwohner in die SU.)

Erst nach der Aufhebung des Zwangsaufenthalts kehrte die überwiegende Anzahl der Schwaben in ihr Dorf zurück. Unserer Familie,z.Bsp. aber wurde das untersagt, wir mussten ca. 1,5 Jahre in Ghioroc/Cuvin, zwischen Arad und Lippa (da hatte ich dann das Abitur abgelegt) ausharren...

Später hat man dann den Rückkehrern ihre Häuser zurückerstattet, es begann der (politische) Auftauprozess, bzw. die langsame Entfernung von den Russen...die ersten Einreisegutachten, RU-Nummer genannt, in die BRD (auch die meiner Familie) kamen in die französische Botschaft, die die Interessen der BRD vertrat (ca. ab 1959)...

getkiss
Erstellt am 17.06.2011, 11:58 Uhr
Das im Link zu "Adevarul" erwähnte Werk:
"Studiul „Deportaţii în Bărăgan, 1951-1956", realizat în 2001, sub coordonarea lui Silviu Sarafolean, preşedintele Asociaţiei Foştilor Deportaţi în Bărăgan, arată că cei 40.320 de „duşmani" ai comunismului fuseseră clasificaţi după cum urmează: 19.034 de chiaburi şi cârciumari, 8.447 de basarabeni, 3.557 de macedoneni, 2.344 de persoane care colaboraseră cu armata germană în timpul celui de-al Doilea Război Mondial, 1.330 de cetăţeni străini, 1.218 de persoane care aveau rude refugiate în străinătate, 1.054 de susţinători ai mareşalului iugoslav Iosif Tito, oponent al comunismului, 731 de duşmani ai regimului socialist, 590 de persoane care vieţuiau în afara zonei de frontieră, 367 de persoane care susţinuseră rezistenţa anticomunistă, 341 de criminali deţinuţi, 257 de persoane de etnie germană, 162 de foşti moşieri şi industriaşi, dar şi alte câteva sute de persoane."
hat mit der Zahl "257 Personen deutscher zugehörigkeit" einen groben Fehler, der von den anderen Zahlen kaschiert ist.
Wenn ich nachdenke, ist die Zahl 257 schon von Billedern und Groß-Jetscha-er Schwaben gedeckt....


Serva0
Erstellt am 17.06.2011, 14:31 Uhr
Zitat „getkiss“:

„Unserer Familie, z. Bsp. aber wurde das untersagt, wir mussten ca. 1,5 Jahre in Ghioroc/Cuvin, zwischen Arad und Lippa (da hatte ich dann das Abitur abgelegt) ausharren...“

Ohne auf das hier gegenständliche Thema vorerst eingehen zu wollen, eine kleine Zwischenfrage: Waren die Nachkommen der Tschangoarbeitskräfte, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Djorok angesiedelt worden sind, zu „Ihrer Zeit“ sprachlich bereits voll an das Standardmadjarische assimiliert oder gab es da noch so etwas wie eine „Tschangoidentität“ im Ort? Als auch madjarisch Familiensprachiger wird wohl für Sie der sprachliche Unterschied zwischen dem Tschangoungarischen und dem Standardungarischen unverzüglich „ins Ohr gesprungen“ sein ...

In der Sache selbst: Wie wurde verfügt, dass Ihre Familie nicht ins Banat zurück durfte und noch 1 ½ Jahre im Arader Land ausharren musste? War das eine Art von schriftlicher Bescheid? Nur ein – möglicher Weise „gebellter“ – Befehl irgendeines roten Leuteschinders? Wäre eine Art von Rechtsmittel oder wenigstens „untertänigste Vorstellung“ gegen diese Entscheidung denkmöglich gewesen? Wissen Sie von (erfolgreichen/erfolglosen) Versuchen in Djorok oder Umgebung Zwangsdomizilierter auf so halbwegs - damals – legalem Wege von dort schnellstens wieder nach Hause ins Banat zu kommen? Mir sind z.B. Bittbesuche tschechischer Gebannter aus dem Banat in den Ministerien in Bukarest bekannt geworden ...

Serva0
Erstellt am 17.06.2011, 17:05 Uhr
Ich stelle hier gegenüber:

http://www.memorialsighet.ro/index.php?option=com_content&view=article&id=314&Itemid=101&lang=de

„Museum: Saal 47 - Die Deportation in den Baragan

In der Nacht vom 18. Juni 1951 wurde die größte Deportationsaktion der Gegenwartsgeschichte Rumäniens in Gang gesetzt, nach den Deportationen der Bürger der deutschen Minderheit aus Rumänien. Etwa 450.000 Menschen wurden aus ihren Wohnungen geholt und in den Baragan verschleppt: Rumänen, Deutsche, Serben, Bulgaren, Flüchtlinge aus Bessarabien und der nördlichen Bukowina, Arumänen. Die Menschen wurden in Lastwaggons geladen, die vom Militär bewacht wurden, und nach zehn-vierzehn Tagen Fahrt auf dem freien Feld ausgesetzt, wo sie aus eigener Kraft Häuser aus Stroh und gestampftem Lehm bauen mußten. Zur Rechtfertigung dieser vollkommenen Isolierung hat die Securitate das Gerücht verbreitet, es handle sich um koreanische Deportierte! In diesen Siedlungen - achtzehn an der Zahl - wurden die meisten Deportierten fünf Jahre festgehalten, bis 1956, manche blieben jedoch für immer.

Fotos aus der Deportation wie auch Gegenstände, die aus der Zeit aufbewahrt wurden, versuchen das Bild der Dörfer der aus dem Banat verschleppten Deutschen im Baragen zu rekonstruieren.

Die Ausstellung wurde vom Verein der Baragan-Deportierten aus Temeswar zusammengestellt.“

und

http://www.adevarul.ro/actualitate/social/Mica_Siberie-dupa_60_de_ani_0_452955305.html

"Studiul „Deportaţii în Bărăgan, 1951-1956", realizat în 2001, sub coordonarea lui Silviu Sarafolean, preşedintele Asociaţiei Foştilor Deportaţi în Bărăgan, arată că cei 40.320 de „duşmani" ai comunismului fuseseră clasificaţi după cum urmează: 19.034 de chiaburi şi cârciumari, 8.447 de basarabeni, 3.557 de macedoneni, 2.344 de persoane care colaboraseră cu armata germană în timpul celui de-al Doilea Război Mondial, 1.330 de cetăţeni străini, 1.218 de persoane care aveau rude refugiate în străinătate, 1.054 de susţinători ai mareşalului iugoslav Iosif Tito, oponent al comunismului, 731 de duşmani ai regimului socialist, 590 de persoane care vieţuiau în afara zonei de frontieră, 367 de persoane care susţinuseră rezistenţa anticomunistă, 341 de criminali deţinuţi, 257 de persoane de etnie germană, 162 de foşti moşieri şi industriaşi, dar şi alte câteva sute de persoane."


In Anbetracht der unübersehbar eklatanten Diskrepanzen erübrigt sich wohl jeglicher spezielle Kommentar. Müßig zu erwähnen, dass die Sache überall in den einschlägigen Teilen Europas nach nahezu identem Schema abläuft ... Wenn ich mich da so an die allererste Fernsehsendung in Ungarn erinnere in der die auf Grund der kriminellen Teile der Beneschdekrete in der Tschechoslowakei der unmittelbaren Nachkriegszeit verübten Verbrechen an Nichttschechen und Nichtslowaken erstmalig darzustellen versucht werden durften ... Die Zahlenverdrehungen erfolgten damals ebenfalls exakt nach so einem Schema! Diese Sache hatte und hat unverändert europaweite bis weltweite Organisation!

Dazu nur der lakonische Beitrag des Zeitzeugen „getkiss“:

„...hat mit der Zahl "257 Personen deutscher Zugehörigkeit" einen groben Fehler, der von den anderen Zahlen kaschiert ist.
Wenn ich nachdenke, ist die Zahl 257 schon von Billedern und Groß-Jetscha-er Schwaben gedeckt....“

Und dennoch erblöden sich etliche hier sogar soweit, dass sie derartigen Stuss wie "Ihr habt die Kraft für diesen Neuanfang" allen Ernstes noch zitieren anstatt solche Rattenfänger unter Zuhilfenahme nasser Fetzen ...

Tja, Berater von eigenen (und wessen noch?) Gnaden und zum Wohltate der eigenen Kasse sowie „Brückenbauer“ sind exakt was den (Nachkommen der) Rumäniendeutschen noch fehlt um so richtig glücklich zu werden ...



aurel
Erstellt am 17.06.2011, 17:28 Uhr



Serva0
Und dennoch erblöden sich etliche hier sogar soweit, dass sie derartigen Stuss wie "Ihr habt die Kraft für diesen Neuanfang" allen Ernstes noch zitieren anstatt solche Rattenfänger unter Zuhilfenahme nasser Fetzen ...

Tja, Berater von eigenen (und wessen noch?) Gnaden und zum Wohltate der eigenen Kasse sowie „Brückenbauer“ sind exakt was den (Nachkommen der) Rumäniendeutschen noch fehlt um so richtig glücklich zu werden ...




Sie wirken sehr konfus.

getkiss
Erstellt am 17.06.2011, 18:36 Uhr
@Serva0
Die zitierte Statistik ist möglicherweise nicht von den Autor(en) des "Studiu" erstellt sondern wurde möglicherweise kritiklos von den Daten der kommunistischen Verwaltung übernommen.
Siehe in:
www.billed.de/
...über Billed/Folgen des II. Weltkrieges.
...nach der Veschleppung nach Russland...
"Sechs Jahre nach dem Ende des II. Weltkrieges traf ein weiterer harter Schicksalsschlag einen Teil der Billeder. Am 18. Juni 1951 wurden mit einer Aktion, die auch zu Staatsfeinden erklärte Rumänen betraf, 213 deutsche Familien mit 529 Personen in die Baragansteppe zwangsverschleppt. Wie vormals ihre Ahnen mussten sie sich auf freiem Feld Häuser aus Lehm stampfen und bis zu ihrer Entlassung im Februar 1956 unter schwierigsten Bedingungen leben und arbeiten. 58 Billeder sind während des Zwangsaufenthalts im Baragan verstorben."

Was die Frage nach "Weisung" betrifft weiss ich persönlich nichts genaues, die Eltern hatten uns nicht mit jedem Schmarrn belastet. Die allgemeine Befreiung aus dem DO (Domiciliu Obligatoriu-ist gleich mit Zwangsaufenthalt, war im Personalausweis eingestemmpelt, wir nannten es "Domiciliu Onorabil"-Ehrenaufenthalt) war im Frühjahr 1956. Wir, aus Frumuschitza, dem "nördlichsten" Dorf, das gar nicht mehr in der Baragansteppe sondern in der Moldau, Oberhalb Galatzi war, wurden 1955 "freigelassen", in Folge der Überschwemmung durch den Fluss Prut, der die Grenze zur damaligen SU markierte. Unsere "Luxus-Lehmhäuser" hat das Hochwasser fast vollständig zerstört. Stalin war 1953 gestorben und einige der alten Prosowjetkader, wie Ana Pauker, wurden aus der Führung rausgeworfen.
Ich erkläre die zeitliche Diskrepanz so, die Eltern waren ja als "Reiche" eingestuft und darum durften wir nicht direkt nachhause. Außerdem waren in Unserer Wohnung die Büro´s der Konsumgenossenschaft, Vater hatte das Geschäftslokal schon 1949 an die vermietet....später "durften" wir in die Etagenwohnung der Großeltern....

Serva0
Erstellt am 17.06.2011, 20:02 Uhr
Sehr geehrter „getkiss“!

Wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, dann war in den Personalausweisen all Ihrer Familienmitglieder ein Zwangsdomizil eingestempelt oder sonst wie eingetragen. Erst nach Aufhebung des Banns konnte diese Eintragung im Personalausweis gelöscht werden? Haben Sie vielleicht noch einen solchen Personalausweis und können Sie diesen (natürlich anonymisiert, d.h. zumindest mit abgedeckten Familiennamen und Geburtsdaten) hier sichtbar machen? So etwas wäre sicher ein äußert wichtiges historisches Dokument, welches vielen hier hülfe ein realistisches Verständnis für Zeitgeschichtliches zu entwickeln!

In Ländern wie in Albanien soll im Allgemeinen mit der Bannung auch die Konfiskation des gesamten Vermögens verbunden gewesen sein, was angeblich an historische Beispiele aus der Antike gemahnen soll. Ist Ihnen die diesbezügliche Vorgangsweise im roten Rumänien bekannt? Für die Deutschen in Rumänien dürfte das sowieso mehr oder weniger auf das gleiche Ergebnis herausgekommen sein, ob nun gebannt oder nicht gebannt, da deren Vermögen nach dem für Deutschland verlorenen Krieg auch im Königreich Rumänien vorerst einmal sowieso eingezogen worden ist. Was von dem Zeugs nicht vernichtet worden ist, erhielten die Betroffenen mit etwas Glück ganz langsam wieder teilweise zurück. Das war aber meist erst bereits nach Ende der Bannereiperiode. Wie verhielt sich das aber bei den Angehörigen anderer Ethnien, die nicht gleich vorweg zu Expropriierenden gestempelt worden sind? Ist Ihnen dazu aus Ihrer Zeit in der Bannung etwas bekannt?

Es wäre auch der praktische Vorgang wie man „zur Ehre“ gelangte auf den Bannungslisten aufzuscheinen interessant. Fiel dieser gesamte Vorgang in die schiere Willkür der damals die Interessen des neu installierten Regimes durchdrückenden Sicherheitsleute oder gab es dabei irgendein nachvollziehbares Reglement, welches den von der Härte dieser Maßnahmen betroffenen Personen so etwas wie einen Rechtszug, den man sich nicht unbedingt in heutigen juristischen Begriffen vorstellen muss, ermöglichte? Konkret teilte mir vor nunmehr 5 Jahren eine von diesen Bannungen ebenfalls betroffene tschechischethnische Dame aus einem rein tschechischen Dorf im Banat mit, dass die von der Bannung betroffenen Dorfbewohner sich aufgerafft haben sollen im „Innenministerium in Bukarest“ vorstellig zu werden und immerhin erreicht hätten, dass alle Gebannten dieses Dorfs den gleichen Zwangswohnsitz zugewiesen bekommen hätten. Was mir bei der Erzählung - die Wahrheitsliebe der Erzählenden möchte ich damit keinesfalls bezweifeln! - recht sonderbar vorgekommen ist: Die Dame meinte, dass betroffene Dorfbewohner zu Ana Pauker (Hannah Rabinsohn) gepilgert sein sollen, die allerdings meines Wissens damals Außenministerin gewesen sein soll ... Warum man die dort vorgelassen haben sollte, konnte oder wollte sie mir nicht erklären.

Aus dem Mosaik vieler solcher kleiner Details können wir, die wir diese ungemütlichen Verhältnisse nicht persönlich mitzuerleben das Glück hatten, möglicher Weise ein impressiveres Bild zusammensetzen als aus nur allzu oberflächlichen primär der Manipulation dienenden leider nur allzu verfälschenden Kurzinformationen bei denen so mir nichts dir nichts und - wie ich ganz deutlich unterstelle voll beabsichtigt - Opferzahlen in völlig voneinander abweichenden Größen, wie einmal 450.000 und ein anderes Mal 40.000 Opfer der Baraganbannungen angeführt werden ...

Solange wir noch das Glück genießen Zeitzeugen wie z.B. Sie, den hier publizierenden Herrn „getkiss“, unter uns zu haben, besteht für uns noch eine kleine Chance das Lügengestrüpp, mit dem vor allem die Gehirne unserer Kinder gegenüber dem klaren Denken verbarrikadiert werden sollen, zu durchbrechen. Werden einmal - und dieser Zeitpunkt naht leider mit Riesenschritten, denn keines Menschen Leben währet ewig! - all diese Zeitzeugen von uns gegangen sein, dann werden die Manipulatoren noch dreister lügen und noch unverschämtere Forderungen aus ihren immer dreister werdenden Lügen ableiten!

lucky_271065
Erstellt am 17.06.2011, 20:34 Uhr und am 17.06.2011, 20:40 Uhr geändert.
"Im Juni 1951 wurde die Zwangsumsiedlung eines Teils der Bevölkerung (rund 40.000 Personen) aus etwa 300 Ortschaften eines 25 Kilometer breiten Grenzstreifens angeordnet. Diese Personen wurden in die Baragan-Steppe gebracht und meist unter freiem Himmel ausgesetzt. Etwa ein Viertel der Baragan-Deportierten waren Banater Schwaben...

Den Baragan-Deportierten wurde Zwangsaufenthalt ("domiciliu obligatoriu") verordnet. Um zu überleben, bauten sie sich primitive Häuser aus Lehm, die sie mit Schilf deckten. Nach fünf Jahren durften die Meisten von ihnen in ihre Heimatdörfer zurückkehren."


Aus: Geschichte und Traditionen der deutschen Minderheit in Rumänien (Lehrbuch für die 6. und 7. Klasse der Schulen mit deutscher Unterrichtssprache), Vierte Auflage, 2011
Ministerium für Bildung und Forschung
Autoren: Hannelore Baier, Martin Bottesch, Dieter Nowak, Alfred Wiecken, Winfried Ziegler

P.S. Ich hatte auch Verwandte unter den "Verschleppten" und mein Vater hat sie dort besucht, als Student.

asil
Erstellt am 17.06.2011, 20:44 Uhr
Serva0, die Art und Weise wie Sie hier auftreten erscheint mir ausgeglichen, bemüht über Zeitzeugen Tatsachen festzuhalten. Auch aus unserer Groß-Familie (Schwäbisch-sächsisch) wurden Leute in den Baragan verbannt (aus Topleţ bei Orşova). Ich kenne aber auch Fälle von Rumänen, ohne Namen nennen zu wollen, die aus Siebenbürgen (also Zentralrumänien) verbannt wurden, zumindest Einzelpersonen. Es waren Leute mit führenden Positionen in der Wirtschaft. Sachsen wurden Häuser verstaatlicht, sie konnten aber in einem Teil des Hauses bleiben. Wurde plötzlich das ganze Haus „interessant“ nahm man die Streitigkeiten zwischen Alteigentümer und dem auch in dem Haus Wohnenden zum Anlass um sie beide (mit Familie) zu verbannen. Das Haus war leer und konnte seinem neuen Mieter übergeben werden.

Eines verstehe ich aber nicht : dann werden die Manipulatoren noch dreister lügen und noch unverschämtere Forderungen aus ihren immer dreister werdenden Lügen ableiten!
Wen meinen Sie mit „Manipulatoren“ und welche „unverschämten Forderungen“ werden gestellt?

lucky_271065
Erstellt am 17.06.2011, 20:55 Uhr und am 17.06.2011, 20:56 Uhr geändert.
@ Serva0
Tja, Berater von eigenen (und wessen noch?) Gnaden und zum Wohltate der eigenen Kasse sowie „Brückenbauer“ sind exakt was den (Nachkommen der) Rumäniendeutschen noch fehlt um so richtig glücklich zu werden ...

Ich bin "Rumäniendeutscher" mit rumänischer und deutscher Staatsangehörigkeit, lebe zur Zeit in Hermannstadt (Sibiu) und danke, es geht mir soweit gut.

Ich habe den Eindruck, dass es Ihnen irgendwie nicht so gut geht, und das tut mir leid. Können wir Ihnen irgendwie helfen?

P.S. Ich finde Peter Maffays soziales Engagement - auch in Siebenbürgen (Rumänien) - und die Art, wie er Brücken baut, vorbildlich.

P.S. Ich hatte einen ausgezeichneten Geographielehrer, den man "Serva" nannte. Von Servatius. Mitherausgeber des "Reisehandbuchs Siebenbürgen". Sollte m.E. jeder Siebenbürger in seiner Bibliothek haben.

Hier noch andere Buchtipps:

www.schiller.ro/

getkiss
Erstellt am 17.06.2011, 22:20 Uhr und am 17.06.2011, 22:35 Uhr geändert.
Ich habe den Eindruck, dass es Ihnen irgendwie nicht so gut geht, und das tut mir leid. Können wir Ihnen irgendwie helfen?

@Lucky, passen Sie auf dass Sie nicht in Ihrer Mitleidstränchen drinbleiben.
Herr Serva0 wollte Meinungen lebender Zeitzeugen hören über die damaligen Ereignisse, nicht irgendwelche aus dritter Hand. Ich kenne ihn nicht, er ist möglicherweise viel jünger als ich, warum sollte er nicht die Wahrheit wissen wollen?
Was hat Maffay damit zu tun? Er kann wohl heute bedürftigen Kindern helfen und dass ist lobenswert. Das war´s aber auch. Dass seine Rede zu Instrumentalisieren versucht wird, für verschieden politische Spielchen, war ja zu erwarten....

aurel
Erstellt am 17.06.2011, 22:27 Uhr

Herr,.. getkiss, Sie haben verstanden wonach asil gefragt hat ?!
Sie haben verstanden all die Konfusitäten die, zwischen anderen, Servo hier ausgebreitet hat ?!

Seite 1 von 19 [1] [2] [3] [4] · · >|

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