Heidrun König: Aufklärung eines alten Irrtums Die Jakobskapelle am Huetplatz in Hermannstadt. I-II

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Klingsor
Erstellt am 24.04.2013, 02:12 Uhr und am 24.04.2013, 02:40 Uhr geändert.
Hermannstädter Zeitung Nr. 1659/14. Januar 2000

Aufklärung eines alten Irrtums Die Jakobskapelle am Huetplatz in
Hermannstadt. Ein Pilgerweg (I)


Von Arch. Heidrun KÖNIG

Das Haus Huetplatz 17, wo der frühere
Bischofsvikar Hermann Binder mit Familie gewohnt hat, ist kürzlich
renoviert worden. Im Verlaufe der Arbeiten wurden Beobachtungen gemacht,
die mitgeteilt und durch weitere Studien ergänzt werden wollen. Das Haus
lehnt am innersten der vier konzentrischen Befestigungsringe der
Hermannstädter Altstadt, der vermutlich am Anfang des 13. Jahrhunderts
oberhalb der frühen Siedlung in der Unterstadt entstand. Das Gebäude
weist Reste - auch von Wandgemälden - einer alten Kapelle auf, deren auf
diesem Ring drei urkundlich erwähnt sind. Haus und Gelände tragen Spuren
mehrerer baulicher Eingriffe, davon der folgenschwerste um 1838 die
Kapelle in ein Wohnhaus einbezog. Die Identifikation der Kapelle machte
anfangs Schwierigkeiten, weil die vorhandenen Quellen Widersprüchliches
aussagen. Somit betrifft eine diesbezügliche Klärung auch die anderen
Kapellen dieses Ringes. Bei eingehender Beobachtung ließ sich im
polygonalen Ostabschluß der verbauten Kapelle am Huetplatz 17 die eine
Freskogestalt als vermeintlicher Jacobus maior deuten: Wanderstab,
Mantel mit großem Kragen und Schriftband sind Hinweise dafür.
Eingehendere Beschäftigung mit diesem herausragenden Heiligen des
Mittelalters brachte die Erkenntnis, daß seine Darstellung auch
außerhalb seiner Patronatsorte legitim sei.* Um 1839 lokalisiert Samuel
Möckesch (Die Pfarrkirche der Augsb. Conf. Verwandten zu Hermannstadt,
1839) an der heutigen Adresse Huetplatz 17 noch die Jakobskapelle und
beschreibt auch den erfolgten Umbau zum Haus des kleinen Glöckners,
nachdem das von einem Erdbeben erschütterte, ungedeckte, vom Regen
durchnäßte Gewölbe der Kapelle im Juli 1838 eingestürzt war. Gleichfalls
nennt er als vermeintliches Erbauungsdatum die Jahreszahl 1160, die
ältere Schriftsteller an dieser Capelle gelesen zu haben versichern.
(Die gleiche Jahreszahl nennt auch Johannes Tröster in seinem 1666
erschienenen Alt- und Neu-Teutschen Dacia, als es das Alter der Stadt
auszumachen gilt.) Möckesch erwähnt auch die frühgotische Kapelle, die
damals noch im Südosteck des Huetplatzes stand und die bis 1898
Ladislauskapelle oder Schulkapelle genannt wurde. Diese wird mit der
1191 von Papst Coelestin III. gegründeten und von Béla III.
mitgestifteten Propstei des hl. Ladislaus in Zusammenhang gebracht, die
die neuen /hospites/ direkt an das Erzbistum Gran binden sollte (und
nicht an das nahe Weißenburg/ Alba Iulia). Aus politischen Gründen wurde
die Propstei um 1423 von König Sigismund von Luxemburg wieder aufgelöst.
1426 übertrug Papst Martin V. alle ihre Attributionen der Stadt
Hermannstadt, an deren Marienkirche die Propstei seit 1350 mitgebaut
hatte. Danach stand die Kapelle fast 150 Jahre lang ungenutzt, bis sie
der Königsrichter Albert Huet zur Aufbewahrung einer Büchersammlung
verwendete. Diese Schulbibliotheks-Kapelle fiel am 1. August 1898
zusammen mit dem benachbarten Priesterturm der Verkehrserweiterung zum
Opfer. Der Buchbestand, zu dem auch die Nachlässe des Albert Huet und
der Plebane Oltard und Rihelius sowie die Bibliothek des ehemaligen
Dominikanerklosters gehörten, kam in die Brukenthalbibliothek. Zwei
figürliche Schlußsteine der abgerissenen Kapelle, mit Christus- und
Katharinenbildnis, sind in der Ferula der Stadtpfarrkirche zu sehen,
andere drei - jener mit der Darstellung des hl. Jakobus und zwei
frühgotische mit Blumen-Ornamentik - gingen seinerzeit an das
Brukenthalmuseum (heute im Lapidarium des Geschichtsmuseums,
Jakobs-Schlußstein nicht mehr vorhanden). Der Kunsthistoriker Géza Entz
erwähnt noch zwei weitere, einen mit dem Agnus-Dei-Motiv und einen
ornamentlosen. (Zur Frage der Schlußstein-Darstellungen gehört wohl auch
die Klärung der Anzahl dieser Steine). Bei der Beschäftigung mit dem
Haus Huetplatz 17 drängte sich zunächst die Beobachtung auf, daß alle
Quellen bis 1898 die Jakobskapelle entweder ungenau oder in besagtem
Hause orten /(in cimiterium parochialis ecclesiæ Cibiniensis)/, während
fast alle nach diesem Datum sie konsequent als die 1898 abgerissene
Bibliotheks-Kapelle im Südosteck des Huetplatzes bezeichnen. Der
Einschnitt in der Bezeichnung dieser Kapelle geht auf Karl Albrich sen.
zurück, der 1898 im /Korrespondenzblatt des Vereins für siebenbürgische
Landeskunde/ den folgenschweren Artikel Die «Kapelle» in Hermannstadt
veröffentlicht hatte. Albrich zitiert eine Reihe von Quellen zur
Jakobskapelle, um dann die auf dem Chor-Schlußstein erkannte Jakobsfigur
als Argument für ebendieses Patrozinium zu gebrauchen. Somit ernannte
Albrich die Bibliotheks-Kapelle zur Jakobskapelle, was sich im
protestantischen Umfeld als glaubwürdig erwiesen hat. Dieses geschah,
ohne Lokalisierungs-Urkunden dieser und der anderen Kapellen zu
berücksichtigen und ohne die mittelalterliche Jakobs-Verehrung - deren
Bedeutung und Ausmaß - in Betracht zu ziehen. Die letzte Fotografie von
dieser Kapelle, kurz vor ihrem Abriß aufgenommen, erschien bei Emil
Sigerus, als Jakobskapelle bezeichnet. Dieser Name wird dann von den
Autoren späterer Hermannstadt-Studien (Emil Sigerus, Mauritius v.
Kimakowicz, Victor Roth, Erich Michael Thalgott, Virgil Vãtãsianu,
Hermann Fabini, Géza Entz) übernommen, oft mit ausgesprochener
Zurückhaltung, wenn auch nur, um auf diese Baulichkeit hinzuweisen. Im
gleichen Artikel zitiert Albrich auch den Chronisten Georg Soterius, der
die Ladislauskirche und die Jakobskapelle /quæ in area ecclesiæ b.
virginis Maria sita est/ erwähnt und eine Notiz aus dem Kisder
Kapitulararchiv anführt, die vom Klosdorfer Pfarrer Johannes Paulinus
Heltensis stammte, 1580 als Pfarrer von Meeburg gestorben: /Illo tempore
(1292) villa Hermanni fuit in declivo montis sita... Parochialis
ecclesia prima fuit, ubi nunc est sacellum s. Jacobi in monte./ (Zu
jener Zeit erstreckte sich die Hermann-Stadt am Berghang... Die erste
Pfarrkirche war [da wo] die jetzige St.-Jakobs-Kapelle auf dem Berge
[steht].) Auch erwähnt Albrich eine 1426 von Papst Martin V. bestätigte
Schenkung der Propstei-Einkünfte an die Stadt Hermannstadt, die König
Sigismund bei der Auflösung der Propstei vorgenommen hatte. Die
Bestätigung war an die Bedingung geknüpft, daß in der Spitalskirche, der
Ladislauskirche, der Marienkirche und der Jakobskapelle die
vorgeschriebenen Messen gelesen werden. Aufschlußreich ist schließlich
das von Géza Entz erwähnte, 1783 entstandene Regest einer Urkunde von
1424: /Ecclesia sancti Ladislai Cibiniensis est nunc gymnasy Cibiniensis
bibliotheca, capella sancti Jacobi apostoli est nunc quoque vacua in
cimiterio parochialis ecclesiae Cibiniensis. /(Die Kirche des Hl.
Ladislaus zu Hermannstadt ist nun die Bibliothek des Gymnasiums; die
Kapelle des hl. Apostels Jakob, nun ebenfalls [kultisch] ungenutzt,
steht innerhalb des Friedhofs der Hermannstädter Pfarrkirche.) Ein
weiteres Patronat funkte noch zusätzlich in die seit 1898 konfuse
Patrozinienlandschaft: Gustav Seivert (Die Stadt Hermannstadt. Eine
historische Skizze, 1859) und nach ihm auch andere Autoren erwähnen die
in Protokollen der Nationsuniversität verbriefte Kapelle des hl.
Märtyrers Stephan als im Jahre 1592 zur Schulbibliothek eingerichtet. Um
1457 erteilt der Graner Erzbischof Szecsi Dénes den Priestern der
Ladislaus-Propstei die Erlaubnis, in der Heilig-Geist-Spitalskirche
Messen zu halten; daraus geht hervor, daß die Messen in der
Ladislaus-Kapelle aus irgendeinem Grund unterbunden worden waren. Es ist
somit denkbar, daß bei einer neuen Weihe ein Patronatswechsel
stattgefunden hat. Es kann auch sein, daß man sich von diesem
Patrozinium politischen Schutz versprach. So hat sich erwiesen, daß die
dargestellten politischen Heiligen, König Stephan und Ladislaus, auf dem
1445 datierten Fresko im Chor der Hermannstädter Marienkirche in der
Lage waren, im Zeitalter der Reformation das ganze Fresko vor dem
protestantischen Radikalismus zu retten. Andere Mutmaßungen bezüglich
des Standorts einer Stephanskapelle sind nicht nachweislich auf Urkunden
zurückführbar. Ab 1229 wird das Jakobus-Patrozinium von jenem des hl.
Nikolaus (von Bari) verdrängt, was durch die 1087 erfolgte
Reliquienüberführung nach Bari ausgelöst worden ist. Die Verbreitung sei
dem Deutschen Ritterorden, den Kreuzfahrern und den Pilgern zu
verdanken. Zum Unterschied von der Jakobskapelle /in cimiterio
parochialis in Cibino /ist die Nikolauskapelle vom Huetplatz /extra
cimiterium in via verus alumniam in medio muri/ (außerhalb des Friedhofs
auf dem Weg zur Zöglingsanstalt/Gymnasium, zwischen den
Mauern/Mauerabschnitten) zu suchen (Gustav Seivert im /Archiv des
Vereins für siebenbürgische Landeskunde/, Band IX/3, Kirchenbuch,
Eintragung von 1451). Géza Entz entnimmt dem Kirchenbuch von 1471 eine
genauere Standortbestimmung: /vor/ dem Vorbau der Pfarrkirche. Damit
kann um jene Zeit der Vorgängerbau der Ferula gemeint sein. Nachdem die
einzigen Zugänge auf den Huetplatz unter dem Priesterturm, dem Wachturm
und dem Sagturm durch (am Bußwinkel vorüber) führten und letzterer eher
auf dem Weg zum Alumnat liegt, ist der Standort dieser Kapelle in der
Nähe der Ferula, an der nördlichen oder der westlichen Mauerflucht des
Ringes zu suchen; möglicherweise zwischen zwei aufeinanderfolgenden
Mauerlinien der steilen Böschung, sollte er nicht von der Ferula verbaut
worden sein. Wenn auch der Standort der Nikolaus-Kapelle nicht mehr
auszumachen ist, so ist aufgrund der andernorts erwiesenen
Patrozinienfolge anzunehmen, daß sie jünger als die Jakobskapelle sei.
/(Fortsetzung folgt)

Hermannstädter Zeitung Nr. 1659/14. Januar 2000
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II. Teil

Hermannstädter Zeitung Nr. 1660/21. Januar 2000

Auf den Spuren des hl. Jakob Die Jakobskapelle am Huetplatz. Ein
Pilgerweg (II)


Von Arch. Heidrun KÖNIG

Zum Schutzpatronat einer Kirche
oder eines Ortes wurden außer dem Hauptpatronat häufig auch
Nebenpatronate herangezogen, bei deren Auswahl politische Argumente,
Lokaltradition oder Wünsche der Stifter oder Gründer ausschlaggebend
waren. Nachdem es sich im Falle des Ladislaus-Patronats der Propstei
wohl um ein politisch auferlegtes handelte, halten wir dafür, daß zur
unheilabwehrenden Wirkung solide traditionelle Nebenpatronate
herangezogen worden sind, wie das sich anhand der erwähnten Schlußsteine
(Christus, St. Jacobus maior, St. Katharina) dartut. Diese Patrozinien
sind auch in der Herkunftslandschaft der /hospites/ gut vertreten. Eine
Darstellungs-Konvention betreffend des hl. Ladislaus konnte sich Ende
des 13. Jahrhunderts kaum durchgesetzt haben, wie auch das Patronat des
hl. Königs Stephan /(szent király) /sich erst später durchsetzt. /Jakob
d. Ä. als Haupt- und Nebenpatron/ Samuel Möckesch spricht vom hl.
Jakobus als dem Schutzpatron Siebenbürgens. Wie weit dieser Konsens
ging, ist schwer auszumachen. Schließlich hat das Bistum Weißenburg
mindestens seit der letzten Weihe, im 12. Jahrhundert, den Erzengel
Michael zum Patron. Dieses im 5. Jahrhundert aktivierte Patrozinium des
Mittelmeerraumes, das meist für ehemals heidnische - auf Anhöhen
gelegene - Kultstätten in Anspruch genommen wurde, verdankt sich
möglicherweise benediktinischem Einfluß (Mont Saint Michel). Der hl.
Jakobus, der Seefahrer unter den Aposteln, war für alle Pilger, Reisende
und Fremdlinge zuständig, somit auch für unsere um 1140 dislocierten
Vorfahren. Die von Gustav Seivert zitierte, von 1742 stammende
Genealogie der Gründerfamilie Hermannstadts erwähnt den Gründer namens
Hermann, dessen Ahn, der Herr Dietrich Hermann, Burger in Nürnberg, sich
im Feldzug gegen die Lombarden als Oberster Haupt-Mann ausgezeichnet
habe, worauf er vom ersten Teutschen Kayser Carolo Magno [...] im Jahre
nach Christi Geburth 775 mit Adel und anderen Freiheits Brieffen und mit
einer güldnen Gnaden-Ketten begabet... Der 1080 in Nürnberg geborene
Hermann, vom ungarischen König Geysa II. um 1143 zum Feldobersten
erhoben und geadelt, habe sich in Siebenbürgen angesiedelt und
Hermannstadt gegründet. Wahrscheinlich ist nur, schlußfolgert
schließlich Seivert, daß Hermannstadt zwischen den Jahren 1141 bis 1161
von einem Deutschen namens Hermann gegründet wurde. Obige Daten lassen
mühelos zu, daß ein bis 1160 fertiggestellter schlichter Vorgängerbau
der späteren Jakobs-Kapelle dem legendären Jakobspilger Carolus Magnus
zuliebe dessen großem Patron geweiht wurde, zumal es die Zeit war, als
sein Stern über dem Abendland im Zenit stand. Im Zuge der deutschen
Ostsiedlung war in zweisprachigen Städten St. Jacobi jeweils die
Pfarrkirche der Deutschen. Im Hochmittelalter wurden Hunderte von
Kirchen St. Jakob geweiht. Untersuchungen zu den Patrozinien der
Einwanderungszeit ergeben häufige Jakobs-Patrozinien, bis sie von St.
Nikolaus und vor allem von St. Marien verdrängt wurden. Allerdings
setzte letzteres vom Deutschen Ritterorden und von monastischen Orden
vermittelte Patronat auch ein gewisses Prestige des Ortes oder der
Stifter voraus: auch mußte es von der geistlichen Oberbehörde genehmigt
werden. */Heiligenfresken auf dem Huetplatz/* Neben dem vermeintlichen
St. Jacobus maior auf Nordost im Chorabschluß der verbauten Kapelle sind
noch zwei weitere Gestalten zu sehen, die aufgrund ungenügender Hinweise
(noch) nicht identifizierbar sind. Die auf Norden sichtbare Gestalt
trägt den roten Märtyrermantel und hat sorgfältig ausgekratzte Augen.
(Was nicht in jedem Fall Bildersturm bedeutet: Angeblich sind den
zuständigen Heiligen in Genesungshoffnung die eigenen Leiden auf diese
Weise übertragen worden.) Die Heiligengestalt, deren Attribut durch die
nebenan gebrochene Fensteröffnung nicht mehr nachweisbar ist, könnte
eine Darstellung des hl. Laurentius sein. Eine Untersuchung der
Schriftbänder könnte weiteren Aufschluß geben. Das Fresko auf Südost
stellt offensichtlich den hl. Christophorus dar. Neben einer anderen
Bruchstelle ist eine blonde Locke und eine Kronenzinke sichtbar.
Stilistisch und durch das Kosmatenband sind die Fresken ins 15.
Jahrhundert datierbar. Darunter befinden sich ältere, an etlichen
Stellen sichtbare Freskenteile. Auf der Fensterbrüstung, die von der
ehemaligen gotischen Fensteröffnung zum vorgefundenen Renaissance-Rahmen
hochgemauert worden ist, befindet sich ein Weihekreuz. /Jakobslegende
und Siegermythos/ Die /Legenda aurea/ des Jacobus de Voragine, die der
Ikonographie des Mittelalters zugrundeliegt, schildert St. Jacobus maior
als ersten Märtyrer-Apostel, der um das Jahr 44 von Herodes Agrippa
wegen seiner eifrigen Missionstätigkeit zum Tode verurteilt worden war.
Diese war allerdings in seinem zugeteilten Missionsgebiet Spanien
erfolglos geblieben. Um seine Passion ranken sich Legenden von der
Bekehrung des Zauberers Hermogenes und dessen Schüler Philetos und der
Heilung und Bekehrung des Schriftgelehrten Josia. Weit mehr
Heilungslegenden betreffen die Wirkung seines auf wunderbare Weise ins
spanische Galicien gelangten Leichnams (/translatio/), den seine Jünger
hier beigesetzt haben sollen. Hier auf dem Sternenfeld (/Campus Stelæ/)
ist sein Grabmal um das Jahr 800/813 durch die wunderbare Errettung
eines in Seenot geratenen Prinzen wiederentdeckt worden. Gemäß der
Legende sei der Heilige auch Karl dem Großen im Traum erschienen, mit
dem Auftrag, das Apostelgrab von den heidnischen Arabern zu befreien,
wohin ihn der Sternenweg, damals mit der Milchstraße gleichgesetzt,
geleiten solle. (Etymologisch ergab sich Compostela wohl eher aus
/compostum/ - lat. Begräbnisstätte -, als aus dem beschworenen /Campus
Stelæ/.) Das Ausmaß der Jakobsverehrung hat sich ebenso bis in die
Namengebung von historischen Hauptstädten Lateinamerikas ausgewirkt.
*/Wallfahrten der Jakobspilger/* Im mittelalterlichen Europa weiß man
schon seit dem 9. Jahrhundert von dem Apostelgrab in Spanien, als auch
die ersten Pilger aus dem späteren deutschsprachigen Raum nach
Compostela aufbrechen, unter denen Karl der Große der vornehmste gewesen
sein mag. Wenn anfangs Vertreter privilegierter Gesellschaftsklassen
eine Wallfahrt unternahmen, zu der reine Jakobsverehrung, Buße oder ein
geleistetes Gelübde veranlaßten, so pilgerten später Vertreter aller
Stände, aus unterschiedlichsten Motiven - Verehrung, Buße, Geschäft oder
Abenteuer. Die Pilgerwege waren nun schon mit einem funktionierenden
Verköstigungs- und Nächtigungssystem versehen: Wallfahrtskirchen,
Klöster, Hospize, Unterkünfte, Wirtschaften gehörten zu den facilities.
Um Santiago de Compostela zu erreichen, wurden in Frankreich die Pilger
aus allen Richtungen von den vier traditionellen Jakobswegen auf den
Zubringer, den /camino francés/, geleitet, der sie über die Pyrenäen
setzte. Der Jakobskult kam zum Höhepunkt, als um 1139 das Liber Sancti
Jacobi verfaßt wurde. Die auch Codex Calixtinus genannte Handschrift hat
diesen Namen von dem apokryphen Brief Calixtus' II., der ihm als Vorwort
dient. Sie enthält eine Sammlung liturgischer Stücke zur Feier der
Translatio (25. Juli) und des Todestags des hl. Jakobus (30. Dezember),
Mirakelbuch, Buch der Translatio, Geschichte Karls des Großen und
Rolands (der sog. Pseudo-Turpin), Pilgerführer. Im 16. Jahrhundert geht
die Pilgerzahl erheblich zurück, veranlaßt durch die großen politischen
Wirren, die unsicheren Wege und eine ideologische Diskreditierung der
Wallfahrten durch die Reformation. (Heute lebt der Wallfahrts-Tourismus
wieder auf: Südfrankreich wie Spanien vermarkten ihre Pilgerwege. Nicht
nur während der heiligen Jakobsjahre, nämlich wenn der 25. Juli auf
einen Sonntag fällt, ist in Compostela mit Millionen Touristen zu
rechnen.) */Darstellungsweisen des St. Jacobus maior/* Anfangs wurde
Jakobus der Ältere, der sein Märtyrium noch als junger Mann erlitt, mit
keimendem Bart dargestellt, in der Tunika, barfuß; Wanderstab und Buch
oder Schriftrolle wiesen auf seine ausgedehnten Missionsreisen hin.
Spanien stilisierte bald seinen Wanderstab zum doppelgekreuzten Stab:
Jakob gilt den Spaniern als ihr erster Erzbischof. Eine weitere - an den
spanischen Befreiungsmythos gebundene - Erscheinungsweise Sant Iagos ist
die des /matamoros/, zu Pferd, in Harnisch: als Maurentöter. Spanien,
Frankreich und die deutschen Lande entwickeln als Jakobspilger-Länder
bald eine relativ einheitliche Darstellungskonvention. Die florierende
Wallfahrt nach Compostela, zum /Finis Terræ/, brachte dem hl. Jakob
immer mehr Pilgerattribute: Zum Wanderstab kamen Pilgermantel,
Feldflasche, Hut, manchmal auch das Pferd, später auch die Muschel. Der
Apostel wurde zum älteren Mann. Zum Ritual der Pilgerfahrt gehörte
später auch, seinem Standbild in der Kapelle zu Compostela den Pilgerkuß
zu geben, wobei man den Hut abnahm und der Statue auf den Kopf setzte.
So war bald der hl. Jakobus nicht mehr ohne Pilgerhut denkbar. In
Italien, das mit Rom sein eigenes Ziel einer /peregrinatio maior/ hatte,
blieb die Darstellungsweise der Jakobusgestalt bis ins 15. Jahrhundert
bei den ursprünglichen Daten, die sich nur stilistisch veränderten. Es
liegt nahe, den hl. Jakob vom Huetplatz 17 italienischem Einfluß
zuzuschreiben, wogegen jene Holzskulptur aus der Hermannstädter
Marienkirche, heute im Brukenthalmuseum, dem Riemenschneiderschen
Jakobus von 1507 sehr verwandt, deutschen Einfluß nahelegt.

Hermannstädter Zeitung Nr. 1660/21. Januar 2000
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Das Ganze kann auch hier gelesen werden:


Link:
Heidrun König: Aufklärung e.Irrtums.Die Jakobskapelle I-II


Es geht um die zwischen den Jahren 1898-2000 wiederholten Verwechslung zwischen:


Link:
Huetplatz nr. 17/Piata Huet nr.17


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Hermannstadt.Huetplatz 17. gew. St. Jakobskapelle
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Link:
Hermannstadt. St.Jakobskapelle/Capella Sanctus Jacobus: Piata Huet 17

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UND




Link: Hermannstadt. Die Probstei-Kirche St. Ladislaus 1192-16.Jh./Cibinium.Biserica Praepositurae St. Ladislaus 1192-sec.XVI.


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Hermannstadt.St.Ladislaus-Kapelle 1898 abgetragen
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Hermannstadt. St. Ladislaus-Kapelle
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Hermannstadt Julius 1898. Die St. Ladislaus-Kapelle wird abgetragen.
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1898.Plan der St. Ladislaus-Kapelle. Da hier einen Sschlußstein mit d. St. Jakobs-Kopf gefunden wurde, ab jetzt wird diese Kapelle St. Jakobskapelle irrtümlich genannt Die weltverbeiteten Emil-Sigerus Photos und Ansichtskarten, St. Jakobskapelle untertitelt, befestigen das hundert Jahre lang.
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Vermutlich DAS war die ursprüngliche (romanische)St. Ladislaus Kirche. Alte Abbildung auf dem Schlußstein in der Ferula der Hermannstädter Stadtpfarrkirche (St. Wolfgang hält diese Kirche in der Hand).


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Ursprüngliche Ecclesia Praepositurae Sti. Ladislai de Cibinio
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Arch. Hermann Fabini:Hermannstadt. Huet-Platz und Umgebung.Dreidimensionale Perspektive.
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Mit viel Spaß

Klingsor




Klingsor
Erstellt am 24.04.2013, 03:20 Uhr
2.

Anno 1385. Pilgerreise nach Jerusalem .Zurück durch Hermannstadt.

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Reinhold Roehricht.Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande.Gotha.Perthes.1889
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Pilgerreise nach Jerusalem .Zurueck durch Hermannstadt. anno 1385
Link:
Anno 1385. Nachdem sie das öffnen,blättern Sie bitte, eine Seite zurück, um das Ganze zu lesen


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Pilgerreise nach Jerusalem .Zurueck durch Hermannstadt. anno 1385.1
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Pilgerreise nach Jerusalem .Zurueck durch Hermannstadt.anno 1385.2
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www.digiberichte.de screen capture 2012-12-6-17-30-4.Sparnau-Bericht anno 1385.jpg
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Das Ganze im Original lesen (pdf)

Link:
Das Ganze im Original lesen: Roehricht_1891_Sparnau.pdf




Viel Spaß

Klingsor vz Vngerlant




Klingsor
Erstellt am 24.04.2013, 05:12 Uhr und am 24.04.2013, 05:31 Uhr geändert.
3.


Pilgereise und Jakobsmuschel

Siebenbürger nach Jerusalem:

1215/1550: Andreas filius Scerben, dicens se habere votum eundi Jerosolimam et nunquam inde reverti, absoluit uxorem suam (VR 240, 210, cf. Fehértói,Katalin: Onomasticon, 697: Scerben)

Und wieder päpstlicher Ablaß (? nicht unbedingt für Pilgerreise nach Jerusalem, aber als Beispiel)


Link:
Rom bei Santa Maria Maggiore [1423] Oktober 7 Papst Martin V. gewährt Christine, der Gattin des Petrus Wenezlai aus Hermannstadt (uxori Petri Wenezlai de Cibinio, Strigoniensis diocesis) einen vollkommenen Ablass. Datum Romae apud sanctam Mariam maiorem Nonas Octobris anno sexto.



Jakobsmuschel


bei den archäologischen Ausgrabungen im Alten Friedhof/= Huet-Platz anno 2005 hat man 3 Exemplare gefunden.

Fahren Sie mit der Maus über die Box um die Vorschau anzuzeigen.
Jakobsmuschel: genau 3x solche hat man im Hermannstädter Alten Friedhof gefunden
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Gefunden, aber nicht in unmittelbarer Beziehung zu der St.Jacobus-Kapelle gleich um die Stadt-Pfarrkirche daneben.

Also, wohin damit?

Zum Kapitel: Schmuck-Sachen/Obiecte de Podoaba.Das verstehen diese Damen.
Glauben Sie nicht?

Schmuck-Sachen/Obiecte de podoaba:

84. a) Doua valve de scoica (pl.57/6)
b) Sibiu.Piata Huet, C60,-10-,130mW.
c) Scoica pecten sp.(doua valve)
d) Valvele pastrate integral prezinta cate doua perforatii in zona unde se imbinau cochiliile.
e) Valvele pastrate integral prezinta cate doua perforatii in zona unde se imbinau cochiliile.
e)D=72 x 73,1mm; perforatiile au diam= 4 mm.
f)Secolele XIII-XV.
g) Starea de conservare buna.
h)OS 145.

85. a) Fragment de la o valva de scoica (pl. 57/5)
b) Sibiu. Piata Huet, C60,-1,30-1,40 mW.
c)Scoica ostrea sp.
d) greu de precizat forma, intrucat nu se pastreaza nici o margine din scoica.
e) D=72 x 45 mm.
f) Secolele XII-XIII.
g) Starea de conservare buna.
h) OS 147

Marcu-Istrate, Daniela: Sibiu. Piata Huet. Monografie arheologica.Vol.I. Editura Altip. Alba Iulia 2007, S.147 Kapitel: Obiecte de podoaba/Schmuck-Sachen





Mit viel Spaß
Klingsor vz Vngerlant







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