Deutsche gegen Devisen

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gloria
Erstellt am 14.01.2014, 10:11 Uhr

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Dienstag
14. Januar 2014
Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt – Berliner Zeitung
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12.01.2014
ARD-Doku: „Deutsche gegen Devisen“ Akademiker waren am teuersten
Von Torsten Wahl
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Bereits Helmut Schmidt verhandelte bereits 1968 mit Ceausescu.
Bereits Helmut Schmidt verhandelte bereits 1968 mit Ceausescu.
Foto: MDR/Fototeca comunismului in Rom

Im Kalten Krieg, zwischen 1967 und 1989 wurden mehr als eine Viertel Million sogenannter Deutschstämmiger aus Rumänien freigekauft. Über eine Milliarde Devisen nahm das Regime Ceauscescu bei diesem geheimen Handel ein.

Das Exportgut wurde säuberlich in Kategorien vorsortiert. Rentner und Ungelernte gehörten zur billigsten Kategorie A, während Akademiker als Güteklasse C eingestuft wurden und entsprechend teurer waren – etwa 10.000 DM. Bis 1989 bot der rumänische Staat seine deutschstämmigen Bürger wie eine Ware an. Die Bundesrepublik zahlte, und zwar erst nach sorgfältiger Prüfung der erhaltenen „Lieferung“. Devisen gab es nur für „Volksdeutsche“. Allein in den Jahren von 1968 bis 1989 wurde so fast eine Viertelmillion Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben freigekauft. Die Höhe der Zahlungen an das Regime von Ceausescu überstieg die Milliardengrenze.

Während es über das Vorbild dieser Transaktion – der Freikauf politischer Gefangener aus der DDR – in der Bundesrepublik stets öffentliche Debatten gab, verlief der Freikauf der Rumäniendeutschen, gemäß den Auflagen des rumänischen Diktators, im Verschwiegenen. Dem aus Rumänien stammenden Autor Razvan Georgescu, der selbst im Gefolge seiner deutschstämmigen Frau ausgereist war, ist es zu verdanken, dass hier dieses Thema nun endlich einer breiteren Öffentlichkeit präsentiert wird.

Der Auftakt seiner ARD-Dokumentation „Deutsche gegen Devisen“ illustriert die Geheimhaltung und Geheimniskrämerei. Wie in einem Spionagethriller wird Heinz Günther Hüsch verfolgt und beobachtet.

Der Anwalt und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete aus Neuss war von 1968 bis 1989 der verantwortliche Verhandlungsführer und erklärt hier erstmals vor der Kamera, wie die Deals der so genannten „Geheimsache Kanal“ abliefen. Die Konspiration ging so weit, dass Hüsch mit Geldkoffern ins Ausland reiste. Wenn er neue Scheine verwandte, passten 6,5 Millionen Mark in den Koffer.

Wie viel Geld er insgesamt in all den Jahren auf die Konten der Rumänen einzahlte, verriet er auch bei der Vorstellung des Films im Berliner Haus der „Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ nicht. Dafür betonte er, dass es in den 22 Jahren seiner Tätigkeit unter acht verschiedenen Bundesregierungen nie politische Differenzen über den Freikauf gegeben habe. Hans-Dietrich Genscher erklärt stellvertretend für seine Innenministerkollegen, warum sich die Bundesrepublik auf die immer höheren Forderungen einlassen musste.
"Schäbige Schmiergeldpraxis“

ARD-Autor Georgescu hat es auch geschafft, Vertreter der rumänischen Gegenseite vor die Kamera zu holen. Das Interview mit einem früheren Polizeioffizier macht deutlich, dass nicht nur die Bundesregierung zu Kasse gebeten wurde, sondern auch die Ausreisewilligen selbst. Sogar in einem Land, in dem der Besitz von Devisen offiziell verboten war, wurden den Rumäniendeutschen noch horrende Valuta-Beträge oder Wertgegenstände dafür abgeknöpft, damit sie überhaupt einen Antrag stellen durften. Diese „schäbige Schmiergeldpraxis“, wie sie Schriftsteller Helmuth Frauendorfer bei der Filmvorstellung nannte, führte dazu, dass viele Ausgereiste hoch verschuldet im Westen ankamen.

Relativ wenig Raum bleibt in der 45-minütigen Dokumentation für die Fragen nach dem Aderlass, den der Exodus für Siebenbürgen und das Banat bedeutete. Denn die Vorfahren der Ausgereisten hatten zum Teil seit über 800 Jahren dort gelebt, eine reiche kulturelle Tradition entfaltet und allen historischen Dramen widerstanden. Als einzige deutsche Minderheit in Osteuropa waren sie nach 1945 nicht vertrieben worden, sahen sich aber vielerlei Repressalien ausgesetzt.

Autor Razvan Georgescu weiß selbst am besten, dass er sich im knappen Rahmen nur auf die technischen Details der Operation konzentrieren konnte. Er kündigte an, in einer 90-Minuten-Fassung stärker die Schicksale der Ausgereisten zu beleuchten. Für den ARD-Film hat er einen Ausgereisten gefunden, der noch in der Bundesrepublik von Securitate-Spitzeln verfolgt worden war und der inzwischen wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist und als Öko-Bauer die Scholle der Vorfahren bewirtschaftet.

Christian Schoger

Moderator
Erstellt am 14.01.2014, 11:04 Uhr
Der 45-minütige Dokumentarfilm "Deutsche gegen Devisen" ist nun in der ARD-Mediathek abrufbar. Der Link dazu:
http://mediathek.daserste.de/suche/19069896_deutsche-und-devisen?s=%22Deutsche%20gegen%20Devisen%22&reiter=1

TAFKA"P_C"
Erstellt am 14.01.2014, 12:13 Uhr
Als einzige deutsche Minderheit in Osteuropa waren sie nach 1945 nicht vertrieben worden, sahen sich aber vielerlei Repressalien ausgesetzt.

Ich meine, diese Aussage sollte schon präzisiert werden mit

„... nicht vertrieben worden, weil es nicht mehr ging, sahen sich ...“

weil es, bewiesener Maße, Dokumente gibt die ganz klar besagen, dass die rumänischen Nationalkommunisten es eigentlich dem Vorbild ihrer „Brüder im Geiste“ aus den anderen Satellit Staaten Moskaus gleichtun wollten (wobei, wenn man sich den Krieg vor Augen führt, im Falle Yu, Pl, CSSR es noch einigermaßen nachvollziehbar ist warum, aber auf keinen Fall, im Falle H und Ro’s), dies aber die Großwetterlage in Europa nicht mehr zuließ!

orbo
Erstellt am 14.01.2014, 12:33 Uhr und am 14.01.2014, 12:37 Uhr geändert.
nach 1945 nicht vertrieben worden, sahen sich aber vielerlei Repressalien ausgesetzt.
Der Filmmacher geht auf die Deportation in die UdSSR und die Deportation aus den Grenzbereichen des Banat in den Baragan beispielhaft ein. Die Kollektivierung findet auch Erwähnung.

Die Aussage von Herrn Hann, er sei ausgwandert weil er die Lügen nicht mehr hören und die Welt bereisen wollte, finde ich etwas irreführend, da Razvan Georgescu nur noch zwei andere Banater über ihre Erinnerungen berichten läßt, von denen Hans Schmidt ein Sonderfall ist. Es entsteht bei mir der Eindruck, dass weitere Zeitzeugen nicht zu Wort kamen, um den Dokustreifen nicht ausufern zu lassen. Im Ergebnis fallen Zeitzeugenberichte etwas knapp aus...

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