Hahnbach - Gästebuch

Ihr Gästebucheintrag









Achtung! Ihr Eintrag wird erst angezeigt, nachdem er vom Editor freigeschaltet worden ist.

Um Spameinträge zu vermeiden dürfen keine Links mit http eingegeben werden.

15.08.2019, 21:24 Uhr

HG

Albert Klein, Sachsenbischof von Siebenbürgen 1969 - 1990

Albert Klein
Sachsenbischof von Siebenbürgen 1969 - 1990

Albert Klein, geboren am 16. März 1910 in Schäßburg, damals Österreich-Ungarn, gestorben am 8. Februar 1990 in Hermannstadt, Rumänien. Er war der Sohn des Mittelschulprofessors Albert Klein und seiner Ehefrau Frieda geb. Petrovits. Seine Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen drei Geschwistern, darunter dem späteren Mikrobiologen Paul Klein, in Schäßburg und besuchte da auch die Evangelische Elementarschule und das Untergymnasium. 1924 übersiedelte die Familie nach Hermannstadt, dem Heimatort des Vaters, der eine Stelle am Landeskirchlichen Lehrerseminar erhalten hatte. In Hermannstadt besuchte Klein das Obergymnasium und legte dort 1928 seine Reifeprüfung ab. 1928/29 leistete er seinen Wehrdienst in der Artillerie-Reserveoffiziers-Schule in Craiova.
Im Sommersemester 1930 war er an der Universität Marburg immatrikuliert, wo er sich vor allem mit Griechisch und Hebräisch beschäftigte, aber auch theologische Vorlesungen sowie Psychologie und Logik hörte. Im Wintersemester 1930 immatrikulierte er sich in Klausenburg (Cluj) und studierte Physik, Chemie und Mathematik. Im Studienjahr 1931/32 war er außerordentlicher Hörer an der Reformierten Theologischen Fakultät in Klausenburg. 1933/34 studierte er an der Universität Tübingen evangelische Theologie und besuchte nebenbei Physik-Vorlesungen. Im Sommersemester 1934 war er in Berlin, besuchte dort theologische Vorlesungen und arbeitete auch in Chemie weiter. Im Herbst 1936 legte er die Lizentiatenprüfung für Physik und Chemie in Klausenburg ab und ging dann für ein Studienjahr (1936 bis 1937) nach Tübingen, um sein Theologiestudium abzuschließen. Im Herbst 1937 wurde er Lehrer für Physik, Chemie, Mathematik und Religion am Untergymnasium in Mühlbach (Sebeș) und wechselte im Herbst 1939 an die Brukenthalschule in Hermannstadt, wo er die gleichen Fächer unterrichtete. Im Herbst 1938 legte er seine theologische Prüfung vor der Prüfungskommission der Evangelischen Kirche A.B. in Hermannstadt ab.
1938 heiratete er Maria geb. Walcher (1912–1992), die er in Berlin kennengelernt hatte. In Stuttgart geboren, war sie in Ravensburg zur Schule gegangen und hatte 1931 ihre Reifeprüfung abgelegt. 1932 begann sie an der Universität Tübingen mit dem Studium der Neuphilologie, das sie 1937 mit der Promotion abschloss. 1938 ging sie gemeinsam mit Albert Klein nach Siebenbürgen, wo er bereits Lehrer in Mühlbach war. Sie hatten sechs Kinder, von denen der jüngste Sohn im Alter von elf Jahren 1959 verstarb.
Im September 1941 wurde Klein als Reserveoffizier einberufen und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront bis April 1943. Im Schuljahr 1943/1944 war er aushilfsweise in der Schulverwaltung tätig. Januar 1945 wurde er zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, von wo er gesundheitlich schwer angeschlagen im Dezember nach Hause kam. Anschließend wirkte er als Pfarrer in Dobring (Dobârca) 1946–1953, Petersdorf (Petrești) 1953–1958 und war Stadtpfarrer in Mühlbach 1958–1968. Im Jahr 1968 wurde er als Stadtpfarrer nach Kronstadt (Brașov) berufen. Während er Stadtpfarrer in Kronstadt war, wurde er am 15. April 1969 von der 47. Landeskirchenversammlung zum 35. Sachsenbischof von Siebenbürgen und damit zum Oberhaupt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gewählt und am 15. Juni 1969 in das Bischofsamt in Hermannstadt feierlich eingeweiht.
Er konnte 1987 sein Amt nicht niederlegen, weil die staatlichen Organe wohl seinen Rücktritt, aber keine Neuwahl genehmigen wollten. Daher musste er trotz seines fortgeschrittenen Alters weiter Verantwortung tragen. Ende 1989 erkrankte er schwer und verstarb im Amt kurz vor seinem 80. Geburtstag am 8. Februar 1990. Mit Genugtuung erlebte er den Umsturz Ende 1989 und leitete im Januar 1990, bereits schwer krank, die ersten Hilfsmaßnahmen nach den Kämpfen in Hermannstadt Ende 1989. Albert Klein hat sich als Bischof einer Kirche in einer kommunistischen Diktatur darum bemüht, geistliches Leben zu festigen und zu vertiefen, Konfrontation mit dem Staat zu vermeiden und so Freiräume für christliches Handeln zu schaffen.

Angaben stammen von:
wikipedia.org/wiki/Albert_Klein_(Bischof)

13.08.2019, 08:05 Uhr

HG

Die Kirche wandert nicht aus - Artikel aus "Hermannstädter Zeitung vom 14.06.2019

Die Kirche wandert nicht aus

Vor 50 Jahren wurde Bischof Albert Klein feierlich ins Amt eingeführt

Morgen sind es genau fünfzig Jahre: Der 15 Juni 1969 war für die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien und die damals noch zahlreiche sächsische Bevölkerung in Siebenbürgen ein wahrer Festtag, da Bischof Albert Klein feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Sogar die unter strenger kommunistischen Kontrolle stehende deutsche Tageszeitung "Neuer Weg" berichtete zwei Tage danach auf der ersten Seite, wenn auch nur in einer kurzen Notiz unten im Eck, über die "Feierliche Amtseinführung des neuen evangelischen Bischof in Hermannstadt". Gleichfalls auf der ersten Seite und sogar etwas besser sichtbar erwähnte die "Hermannstädter Zeitung" das Ereignis. Beide Zeitungen zählten die erschienenen Ehrengäste namentlich auf, es waren Bischöfe aus dem In- und Ausland, dazu Dr. Paul Hansen als Vertreter des Lutherischen Weltbundes, Professoren und andere Würdenträger. Auch von politischer Seite waren Ehrengäste anwesend, voran Prof. Dumitru Dogaru, der Generalsekretär des Kultusdepartements in Bukarest; auch der stellvertretende Vorsitzende des Hermannstädter Munizipalvolkrates, Constantin Buzdughina, war dabei.
Es war ein erheblicher Anblick, als sich vor 9 Uhr morgens der Festzug aus dem Bischofspalais über den Großen Ring zur evangelischen Stadtpfarrkirche auf dem Huetplatz bewegte. Voran schritt der Bischof mit dem Landeskirchenkurator und dem Bischofsvikar, es folgten das Landeskonsistorium, Delegierte der Kirchenbezirke, eine stattliche Anzahl evangelischer Pfarrer im Ornat und zahlreiche Bauern und Bäuerinnen in Kirchentracht. Im Chor der Stadtpfarrkirche hatten die Vertreter des Staates und die Gäste aus anderen Kirchen des Landes und der Ökumene bereits Platz genommen, voran Dr. Nicolae Mladin, der Metropolit von Siebenbürgen. Als der Festzug bei feierlichem Orgelspiel in die Kirche einzog, erhoben sich alle. Die Kirche war dicht besetzt. Es erklang das Lied von Zinzendorf "Herz und Herz vereint zusammen" und der Große Wechselgesang "Herr Gott, Dich loben wir . . ."
Die Einführungshandlung eröffnete der Landeskirchenkurator, Albert von Hochmeister, mit einer Ansprache, die in den Worten gipfelte: "Hochwürdiger Herr Bischof! Es ist der Augenblick gekommen, in welchem Du Dein hohes Amt antrittst . . . Möge Gott unsere alte Volkskirche segnen und möge der Allmächtige Dir reiche Kräfte des Geistes und des Gemütes schenken, auf dass Du unsere Kirche mit sicherer Hand führst und leitest". Die feierliche Handlung vollzog Bischofsvikar Dr. Hermann Binder, unterstützt von den Assistenten Dr. Hellmut Klima und Gustav Bartmes. An der Einsegnung mit Handauflegung beteiligten sich vier evangelische Bischöfe. Anschließend predigte Bischof Albert Klein über die Epistel des Sonntags, 1. Johannesbrief 3, 13-18, und führte aus: ". . . wenn wir uns in den Dienst der Liebe Gottes nehmen lassen, dann sind wir in der Kirche, dann brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen, wie es mit der Kirche weitergehen soll, denn Gott ist der Herr der Kirche. . ." Nach dem Gottesdienst schlossen sich die Gäste dem Bischof an, wodurch der Festzug noch länger und eindrucksvoller wurde. Man begab sich zu einem Empfang im Bischofshaus. Viele Menschen standen auf dem Großen Ring und waren beeindruckt. Nach dem Empfang gab es im Hotel "Zum Römischen Kaiser" eine Festtafel, an der rund 300 Gäste teilnahmen.
An diesem Festtag knüpften sich mancherlei Hoffnungen. Einerseits stand man noch unter dem erfreulichen Eindruck des politischen Tauwetters nach dem Prager Frühling, wobei Rumänien seine Teilnahme an der militärischen Unterdrückung des Aufstandes in der Tschechoslowakei verweigert hatte, anderseits war man innerkirchlich froh über den Generationswechsel im Bischofsamt. Aus beiden Gründen wurde dieser Tag als ein Stück Selbstbestätigung empfunden, die man brauchte, gerade weil die politische Lage immer noch durchaus schwierig war und die Zukunft dieser Kirche in diesem Land mehrfach bezweifelt wurde. Eine kleine Erinnerung beleuchtet die Atmosphäre jenes Tages: Nach dem Empfang im Bischofshaus sprach Oberkirchenrat Fischer aus Wien auf dem Großen Ring den Kurator von Großpold an, der ihn wegen seiner österreichischen Tracht aufgefallen war, und fragte ihn, wo er herkomme. Der selbstbewusste und auch belesene Mann reckte sich stolz auf und antwortete: "Aus Dorff an der Ems, aber wir sind schon vor 200 Jahren unter Maria Theresia nach Siebenbürgen gekommen". Dem österreichischen Kirchenmann klang diese Antwort wohl zu sehr nach Selbstdarstellung, darum sagte er mit tadelndem Unterton: "Damals sine Sie sicher nicht dabei gewesen!" Die Behauptung des Großpolders aber entsprach durchaus der gehobenen Stimmung jenes Tages und einem gesunden Identitätsbewusstsein.
Die Frage nach der Zukunft der evangelischen Kirche und des sächsischen Volkes in Rumänien hat Bischof Albert Klein durch seine gesamte Amtszeit begleitet. Schon im Herbst nach seinem Antritt des Bischofsamtes unternahm er deshalb gemeinsam mit Bischofsvikar Dr. Hermann Binder eine fünftägige Visitationsreise in die gefährdeten Gemeinden im Bistritzer Kirchenbezirk, wobei der Wille zur Auswanderung bei mehreren Pfarrern und Gemeindegliedern deutlich aufbrach. Bischof Albert Klein stand in dieser Frage bewusst auf dem Standpunkt, den vor ihm auch Bischof Friedrich Müller vertreten hatte: Er gab die Hoffnung auf die Zukunft des Kirchenvolkes in der Heimat nicht auf. Gemeindeglieder, welche die Auflösung kommen sahen und fragten "Wer wird uns beerdigen?, tröstete er mit dem Wort: "Die Kirche wandert nicht aus!" Dass gerade dieses Wort später missverstanden und missdeutet wurde, hat ihn schwer bedrückt. Sicher war er nicht fehlerfrei, auch seine väterlichen Bemühungen, die Pfarrer gegenüber den staatlichen Aufsichtsorganen in Schutz zu nehmen, waren nicht immer erfolgreich, doch sollte sein ehrliches Ringen um jede Entscheidung rückblickend nicht vergessen werden.
Albert Klein übernahm das Bischofsamt in einer Zeit der inneren Umschichtung des kommunistischen Systems in Rumänien, die eine vorübergehende Auflockerung mit sich brachte. Durch seine geradlinige Haltung gelang es ihm, ein gewisses Vertrauensverhältnis zu den staatlichen Behörden aufzubauen, das er im Interesse der Kirche auszunützen verstand. Die "Kirchlichen Blätter" deren Erscheinung 1947 abgebrochen worden war, wurden 1973 wieder ins Leben gerufen. Das längst fällige Gesangbuch wurde erarbeitet und herausgebracht, dazu eine neue Agende erstellt, die ebenfalls längst fällig war. Das alles tat er im Blick auf die Zukunft, nicht als Vorbereitung er etwaigen Auflösung. Unter den damaligen politischen Verhältnissen waren es bedeutende Schritte nach vorne. Sogar staatliche Gelder zur Restaurierung historisch wichtiger Kirchengebäude konnten in degrenztem Maß locker gemacht werden. Besonders Wert legte Bischof Albert Klein auf die Schulung und geistige Ausrichtung der Pfarrer. In geistlichen Rüstzeiten nahm er sich dieser Aufgabe selber an. Durch eine gezielte Pflege der ökumenischen Kontakte, insbesondere aber der engen Beziehung zum Lutherischen Weltbund und zu den evangelischen Kirchen in Deutschland, konnte trotz des "Eisernen Vorhang" eine gewisse Öffnung zur Welt hin erreicht werden. In dieser schweren Zeit hat sich Albert Klein bis zuletzt bemüht, das geistliche Leben bis hin zu der "Grauzone" des katechetischen Unterrichtes und der kirchlichen Jugendarbeit zu schützen.
Wenige Wochen vor seinem Tod erlebte er den Zusammenbruch des politischen Zwangssystems als längst ersehnte Befreiung. Als einer, der ihm innerlich nahe stand, kann der Schreiber dieser Zeilen bezeugen, dass dem Bischof dabei deutlich ein Stein vom Herzen fiel. Der politische Druck war gewichen, aber sein Anliegen war das gleiche geblieben. Im Januar 1990, als Pässe problemlos ausgestellt wurden und sich dennoch lange Schlangen vor dem Passamt in Hermannstadt bildeten, weil die sächsische Bevölkerung sich ganz außergewöhnlich drängte, sagte er in einem Interview: ". . . wir bitten nach wie vor die Pfarrer, zu bleiben, um den Dienst an denen, die hier bleiben, weiterzuführen." Am 8. Februar 1990 starb Albert Klein. Die Beteiligung an seiner feierlichen Beisetzung überstieg alle Erwartungen: An der Spitze des Trauerzuges auf dem Hermannsplatz schon in bereitstehende Busse einstieg, bogen die letzten Teilnehmer desselben auf den Großen Ring in die Heltauergasse ein. Es gab Stimmen, die sagten, diese Trauerfeier gelte nicht nur dem Bischof, sondern auch dem sächsischen Volk.
Wir sollten Bischof Albert Klein und sein aufrichtiges Ringen um jede einzelne Entscheidung auch heute, unter ganz anderen Voraussetzungen, nicht vergessen.

Von Wolfgang H. REHNER,
erschienen in der "Hermannstädter Zeitung" am 14. Juni 2019.

20.12.2018, 19:52 Uhr

HG

250 Jahre seit erster Erwähnung der Sprachverwandtschaft mit Luxemburg


Im September 2018 besuchte ich, gelegentlich einer Gesellschaftsreise, ein drittes Mal das Großherzogtum Luxemburg, welches bei uns Siebenbürger Sachsen allgemein als unsere „Urheimat“ empfunden und betrachtet wird. Wie kam es zu dieser Einstellung?
Man schrieb das Jahr 1768, genau vor 250 Jahren. Das Gebiet des heutigen Luxemburg stand unter der Oberherrschaft der Habsburger. Ein Militärgeistlicher namens Franz Xaver de Feller war aus seiner elterlichen Heimat Luxemburg als österreichischern Militärgeistlicher in die siebenbürgische Stadt Bistritz eingeteilt worden. Hier kam er auch mit der Bevölkerung in Kontakt und entdeckte die Sprachverwandtschaft seiner letzebuergischen Mundart mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen. Er verzeichnete in seinem Tagebuch, gehalten in französischer Sprache, übersetzt, Folgendes über die Siebenbürger Sachsen von Bistritz: „Ihre eigene Sprache ist das Deutsch von Luxemburg, mit einigen Abweichungen. Das Wesen, der Wortklang und die Umgangsformen dieser Sachsen sind genau die Gleichen wie die der Luxemburger.“
Die siebenbürgisch-sächsische Mundart wurde im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte Objekt von mehreren Sprachwissenschaftlern untersucht. Dabei überwog die Meinung,dass das Siebenbürgisch-Sächsische dem Letzebuergischen am nächsten steht, näher als zum Beispiel dem kölschen Dialekt, der auch zu den mosel-fränkischen Mundarten gehört. Davon konnte ich mich in Gesprächen mit der Bevölkerung in Luxemburg überzeugen. Beide Gesprächsteilnehmer erwarteten, dass langsam gesprochen
wird, und es klappte meist sehr gut mit der Verständigung. Beim Lese des Lëtzebuergischen Teils der Tageszeitung gibt es gar keine Schwierigkeiten. Hört man einen Gesangschor singen, wo man die einzelnen Worte ja meist nicht versteht, kann man nicht unterscheiden, ob siebenbürgisch oder letzebuergisch gesungen wird. Eine diesbezügliche Studie liegt zurzeit in Ausarbeitung vor. Da die Luxemburger Fachkreise davon Kenntnis haben,dass die Siebenbürger Sachsen ja nicht nur aus dem Gebiet des heutigen Luxemburg ausgewandert waren, stellen diese sich auch die Frage, wie es dazu kam, dass sich ihr Letzebuergisches als allgemeine Umgangssprache bei den Siebenbürgern gebildet hat.
Es ist allgemein bekannt, dass unter den vor über 800 Jahren Ausgewanderten sich auch solche aus Flandern befanden. Weshalb Siedler aus dem entfernten Flandern nach Siebenbürgen kamen, soll an dieser Stelle verständlich gemacht werden: Im Jahr 1134 hatte es die bis dahin schwerste bekannte Sturmflut der Nordsee gegeben. Diese hatte das Hab und Gut der Anwohner in solch einem Maße vernichtet, dass viele von ihnen endgültig vom Wasser weg wollten und sich in südlichere Gefilde begaben, um dort ein neues Zuhause zu begründen. Gelegentlich einer Studienreise in dieses Gebiet wurde dies vom Reiseführer berichtet. Diese „Flüchtlinge“ werden sich in den ersten Jahren wohl als Arbeiter das tägliche Brot verdient haben. Als aber ab 1141 die Werber aus dem Ungarland mit größten Versprechungen kamen, waren die Flandener wohl unter den Ersten, die sich in den Karpatenbogen aufmachten.
In anderer Richtung verdient Erwähnung, dass das Großherzogtum Luxemburg, trotz des großen Exodus der Sachsen aus Siebenbürgen, weiter zu ihnen hält. So wurde im Jahr 2004 in Hermannstadt ein luxemburgisches Kulturzentrum in Form eines Luxemburghauses gegründet, an dessen feierlicher Eröffnung Seine Königliche Hoheit der Großherzog Henri von Luxemburg, begleitet von seiner Gattin, der Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg, sowie der damalige Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis, mit Ehefrau Carmen teilnahmen. Die Zusammenarbeit erreichte ihren Höhepunkt 2007, als Luxemburg gemeinsam mit Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt war.
Diese Entwicklungen bestärken unsere Hoffnungen, auch weiterhin, aufgrund der Sprachverwandtschaft, mit Luxemburg in bester Verbindung zu bleiben. In diesem Sinne wollen wir an das 250-jährige Jubiläum der Entdeckung der Sprachverwandtschaft erinnern.

Julius Henning, SBZ Foge 20, vom 15.Dezember 2018

18.06.2018, 20:15 Uhr

HG

Siebenbürgen, Land des Segens (Siebenbürgen-Lied)

1-Siebenbürgen, Land des Segens,
Land der Fülle und der Kraft
mit dem Gürtel der Karpaten
um das grüne Kleid der Saaten,
Land voll Gold und Rebensaft!

2-Siebenbürgen, Meeresboden
einer längst verfloßnen Flut!
Nun ein Meer von Ährenwogen,
dessen Ufer waldumzogen
an der Brust des Himmels ruht.

3-Siebenbürgen, Land der Trümmer
einer Vorzeit stark und groß!
Deren tausendjähr'ge Spuren
ruhen noch in deiner Fluren
ungeschwächtem Ackerschoß.

4-Siebenbürgen, grüne Wiege
einer bunten Völkerschar!
Mit dem Klima aller Zonen,
mit dem Kranze von Nationen
um des Vaterlands Altar.

5-Siebenbürgen, grüner Tempel
mit der Berge hohem Chor!
Wo der Andacht Huldigungen
steigen in so vielen Zungen
zu dem einen Gott empor.

6-Siebenbürgen, Land der Duldung,
jedes Glaubens sichrer Hort!
Mögst du bis zu fernen Tagen
als ein Hort der Freiheit ragen
und als Wehr dem treuen Wort!

7-Siebenbürgen, süße Heimat,
unser teures Vaterland,
sei gegrüßt in deiner Schöne,
und um alle deine Söhne,
schlinge sich der Eintracht Band!

von
Leopold Maximilian Moltke, (18.09.1819-19.01.1894)

18.06.2018, 20:07 Uhr

HG

Ehre sei Gott in der Höhe

1) Ehre sei Gott in der Höhe, Himmelsfriede tönt herab.
Unser Heil ist in der Nähe, dass uns Gott durch Jesu gab.
Christ der Herr heut’ geboren, uns zum Segen auserkoren.
Darum jubelt weit und breit, heut’ die ganze Christenheit.

2) In der heil’gen Mutterschoße schläft das zarte, holde Kind,
aufgeblüht wie Sarungsrose, Engel seine Brüder sind.
Engel jubeln in den Lüften, Hirten jauchzen auf den Trüften,
Freue oh Christenheit, Jesu kommt vom Himmel heut’.

3) Jesu, liebster Freund auf erden, dir will ich mein Leben weih’n.
Drück mich Kummer und Beschwerden, soll dein Vorbild Trost mir sein.
Arm kamst du zu uns hernieder, Menschen wurden deine Brüder,
Licht in finsternisser Pracht, jene heil’ge weihe Nacht.

18.06.2018, 20:01 Uhr

HG

Yasmin Mai-Schoger

Siebenbürgen

Wenn ich an Siebenbürgen denke,
meine Lider traurig senke
erinn`re mich so gern daran,
denn hier fing einmal alles an.
Ein Flecken Erde, der besonderen Art
wo Tradition und Brauchtum man bewahrt,
wo Freundschaft wird noch großgeschrieben,
das ist das Land, was wir so lieben!
Gemeinschaft hat uns sehr geprägt
von morgens früh, bis abends spät
Stets tief in uns die Heimat ruht,
sie gibt uns Hoffnung, macht uns Mut.
Egal wohin der Wind uns weht,
egal wie schnell die Welt sich dreht,
egal wie auch die Zeit vergeht,
wir wissen wo die Wiege steht.
Sind stets verbunden mit dem Land,
in uns ruht ein festes Band,
das Band der Heimat niemals reißt,
egal wohin man geht und reist.
Manchmal schließe ich die Lider,
dann erinn`re ich mich wieder
seh` mein altes Heimatland,
so, wie ich es hab gekannt!
Wo wahre Freundschaft niemals wankt,
mein Herz es ewig hin verlangt.
Wo rote Rosen blüh`n im Garten,
wo wir in das Leben traten.
Wo ich schwor getreu zu sein,
ja, da bin ich noch daheim.
Egal wie alt und grau ich bin,
in die Heimat zieht`s mich hin.
Siebenbürgen, in der Ferne
doch im Herzen mir ganz nah,
ich erinn`re mich so gerne
weiß noch, wie es damals war.
Werde weiter an dich denken,
bis zum letzten Herzensschlag
wirst mir immer Freude schenken,
weil im Herzen ich dich trag.

Yasmin Mai-Schoger, 11.Februar 2018

08.09.2017, 17:01 Uhr

HG

Emma CZELL, geborene Bretz

geb. 20.12.1918 in Schellenberg
gest. 28.08.2010 in Setterich

Meist wenig spektakulär, eher mit einer ruhigen, fast lautlosen Selbstverständigkeit wirkten die siebenbürgischen Frauen und bewirkten dabei viel. Eine dieser Frauen, die viel zu wenig geehrt und hervorgehoben werden, ist Emma Czell, geborene Bretz. ihre Eltern waren Heinrich Emil Bretz, Rektor in Schellenberg, Hahnbach und Großscheuern und die Heltauerin Emma Bretz geborene Gündisch. Ihre Geschwister sind Walter Bretz, Rektor i.R., und Gerda Bretz-Schwarzenbacher, Hochschullehrerin i.R.
Nach vier Volksschulklassen in Schellenberg besuchte sie das Untergymnasium Hermannstadt und absolvierte im Sommer 1938 als Klassenbeste die Lehrerinnenbildungsanstadt / Seminar in Schäßburg. Im gleichen Jahr wurde sie zur Lehrerin nach Kleinprobstdorf gewählt. Am 26. August 1939 heiratete sie Albert Czell, damals Lehrer in Schellenberg. Ihnen wurden zwei Söhne geschenkt: Hans-Albert (1940 - 1999) und Gernot (geb.1943). Während ihr Mann im Krieg war, wohnte sie zunächst in Hermannstadt, dann in Hahnbach. Dank dieses Wohnortwechsels wurde sie bei der Deportation nach Russland im Januar 1945 übersehen. So war sie zunächst Lehrerin in Hahnbach und Großscheuern und ab September 1946 für dreieinhalb Jahre Rektorin der Volksschule in Scharosch bei Fogarasch. Es war ihr schon damals eine Herzensangelegenheit, ihre Fähigkeiten für Bildung und sächsische Kultur (Chor, Tanz- und Theatergruppe) einzusetzen. Sie bemühte sich vor allem um den Fortbestand der deutschen Oberstufe.
Im März 1950 reiste sie mit ihren beiden Söhnen nach Oberösterreich, wo ihr Mann inzwischen eine Anstellung als Lehrer in Kammer / Schörfling am Attersee gefunden hatte. Sie lebten im Barackenlager 526 unter vielen Nordsiebenbürgern. 1954 zog die Familie nach Setterich bei Aachen um, wo damals Bergleute, aber auch evangelische Lehrkräfte gesucht wurden. Hier bekamen sie 1956 noch eine Tochter. Bis Juni 1978 unterrichtete sie vorrangig in der Hauptschule. An einen kundigen, anschaulichen Unterricht erinnern sich auch heute noch gern die ehemaligen Schülerinnen und Schüler.
Schon im "Lager" in Österreich hat das Ehepaar Czell mit Schwung eine Volkstanzgruppe geleitet, in Setterich gründeten sie dann eine neue Tanzgruppe. Mit zunehmender Freude organisierte sie in der Frauenschaft, der Gemeinde und der Volkshochschule Handarbeitskurse in Weben und Stricken, Bauernmalerei und Knöppeln. Darüber hinaus setzte sie sich initiativ für die Siebenbürgenhilfe ein.


Aus der Broschüre: FRAUENGESTALTEN - FRAUEN GESTALTEN
Herausgeber:
Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.
Landesgruppe NRW
Datum: Mai 2017

08.09.2017, 11:15 Uhr

HG

Gelungenes Hahnbacher Treffen 2017

Am 20. Mai trafen sich die ehemaligen Einwohner von Hahnbach zu ihrem 19. Ortstreffen, das in zweijährigem Rhythmus stattfindet.
Viele Freiwillige richteten am Freitagabend die Brühlhalle im badenwürttembergischen Schornbach festlich her. Samstagmorgen, bei herrlichem Sonnenschein, war es ein Vergnügen, die mit viel Liebe umgestaltete Sporthalle zu betreten, mit den vielen Bildern und Puppen in Hahnbacher Tracht, den Fahnen und der Tischdekoration. Kurzfristig war es uns gelungen, einen Gottesdienst nach siebenbürgischer Liturgie zu organisieren. Noch vor dem Mittagessen gestaltete der in Hermannstadt geborene Pfarrer Helmut Wolff den Gottesdienst. Unterstützt wurde er an der Orgel von Grete Schuller, die uns seit Jahren bei verschiedenen Anlässen an der Orgel unterstützt. Pfarrer Wolff hob in seiner Predigt hervor, dass man den Glauben an Gott nicht verlieren dürfe und auch das Beten nicht vergessen sollte. Beten alleine reiche aber nicht, wir seien auch aufgefordert, etwas zu tun. Aufgrund von Schicksalsschlägen verlören manchmal die Menschen den Glauben ans Beten und an Gott: „Ich habe doch gebetet und trotzdem bin ich krank geworden!“ Es bringe nicht viel zu beten und zu warten, dass der liebe Gott helfe, man müsse auch auf seine Gesundheit achten, wie ein siebenbürgischer Spruch besagt: „Hilf dir selbst, dann hilft dir auch Gott!“. Mit segensreichen Worten und Wünschen beendete Pfarrer Wolff
den Gottesdienst. Wir freuen uns, ihn bei nächster Gelegenheit in unseren Reihen erneut zu begrüßen. Dann könnte er vielleicht von seinem an uns gerichteten Versprechen, Hahnbach in Siebenbürgen zu besuchen, berichten.
Es folgte das Mittagsessen, das Michael Hermann mit seinen Angestellten der Metzgerei Hermann aus Esslingen hervorragend zubereitet hatte. Er ist ein Meister seines Handwerks und das schmeckt man auch! Gut gestärkt blieb am Nachmittag viel Zeit für den Austausch mit den Bekannten und Verwandten. In einer kurzen Ansprache berichtete Georg Lederer über die Pflege unseres Friedhofs in Hahnbach. Es werde immer schwieriger, zuverlässige Leute vor Ort zu finden, die den Friedhof sauber halten können. Ebenfalls wies er darauf hin, dass viele Grabsteine umgefallen seien, und auch Gräber, die eine Einfriedung aus Beton und einen Deckel haben, hätten sich zum Teil abgesenkt. Die erforderlichen Instandsetzungsarbeiten könnten aber nicht von den Spenden für die Friedhofspflege genommen werden. Die jeweiligen Eigentümer der Gräber sollten bitte in Eigenregie die Aufstellung der Gräber beauftragen, die Vermittlung von geeigneten Handwerkern übernehme Reinhard Kaun gerne. Die Renovierung der Kirche stagniere im Moment. Es gelte zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln, um in den Genuss von Förderprogrammen zu kommen.
Oft seien Förderprogramme für die Hahnbacher Kirche nicht in Betracht gezogen worden, da sie zu neu sei und nicht unter Denkmalschutz stehe. Wir sollten genauere Daten recherchieren, der Kirchturm sei bekanntlich älter und stehe vermutlich unter Denkmalschutz. Der Einladung zum gemeinsamen Liedersingen vor der Bühne folgten einige Landsleute. Mit Unterstützung unseres ehemaligen Organisten Michael Zöllner und seiner Ehefrau Elisabeth wurden Lieder aus der alten Heimat gesungen. Danach lud Georg Lederer zusammen mit seiner Lebensgefährtin Juliana Schuster alle fleißigen Helferinnen und Helfer vor die Bühne und sie bedankten sich herzlich bei ihnen mit einer kleinen Aufmerksamkeit für ihre tatkräftige Hilfe.
Mittlerweile standen auch die Wahlergebnisse fest. Im Vorstand wurden Simon Guist, Hermann Gräf, Michael Gunesch jun., Reinhardt Kaun, Georg Lederer und Johann Seiwerth bestätigt. Neu dazugekommen ist Hermann Gunesch, über dessen Mitwirken wir uns sehr freuen. Für das entgegengebrachte Vertrauen bedankte sich der Vorstand und versicherte, sich auch weiterhin für die Interessen aller Hahnbacher im Rahmen der HOG Hahnbach e.V. einzusetzen. Bei guter Musik des Duo Strings wurde fröhlich getanzt, viel erzählt und gelacht. Eine gute Stimmung war im Saal wahrzunehmen, unser Metzger Michael Hermann trug mit seinen frisch gegrillten Mici zum Abendessen auch dazu bei. Gegen Mitternacht wurden auch die fleißigsten Tänzer müde, gemeinsam stieß man mit einem Schnaps oder Glas Bier auf das gelungene Treffen an.
Auch im Namen des Vorstandes sei an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an alle Helferinnen und Helfer gerichtet, ebenfalls an Pfarrer Helmut Wolff, das Duo Strings, den Partyservice Hermann und insbesondere alle Gäste, denn ein Fest ohne Gäste ist kein Fest und schon gar nicht ein Hahnbacher Treffen!

Georg Lederer

SBZ vom 10.08.2017 Seite 22

23.05.2017, 20:19 Uhr

HG

19. Hahnbacher Treffen, von Helmut Leonbacher

Der Vorstand der HOG hat geladen und wir sind gekommen,
wir haben diesen Ruf liebend gerne vernommen.
Alle Hahnbacher, samt freunde kommen zu diesen Treffen gerne,
auch wenn sie im Bundesgebiet verstreut sind und leben in der Ferne.

Das 19. Heimattreffen in Schornbach soll allen beweisen,
das sich für uns lohnen die weiten Anreisen.
Das Organisationskomitee hat zielstrebig organisiert,
an alles gedacht und dabei nichts riskiert.

Vor einigen Jahren traf man sich das erste Mal im Heimatort,
viele waren seit langer Zeit nicht mehr dort.
Den Organisatoren sei von Herzen unser Dank ausgesprochen,
der Festschmaus hat bis zu uns nach Deutschland gerochen.

Mir einer Fotomontage will man uns heute erinnern an die Heimat,
da wird man vom vielen Gucken nicht mehr satt.
Auch das Hahnbacher Kulturgut darf heute nicht fehlen,
es erinnert an früher und salbt unsere Seelen.

Wir denken auch an die vielen Kranken und alten Landsleute,
die leider nicht anwesend sein können heute.
Sie werden gewiss in ihren Gedanken bei uns sein,
wir wünschen allen gute Besserung, alles soll werden fein.

Für gute Musik und schmackhaftes Essen wird gesorgt,
dazu hat man das Duo Strings und den Party-Service ausgeborgt.
Wir wünschen unserem Treffen ein recht gutes Gelingen,
dabei wollen wir fröhlich sein und das Tanzbein schwingen.

Helmut Leonbacher,
Ehemaliger Lehrer in Hahnbach
Schornbach, den 20. Mai 2017

15.03.2017, 13:59 Uhr

HG

Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher im Alter von 88 Jahren gestorben

Verdiente Trachtenspezialistin
Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher, geb. am 24.12.1928 - gest. am 25.02.2017.

Am 25. Februar ist Dr. Gerda Bretz-Schwarzenbacher im Alter von 88 Jahren im Siebenbürgerheim in Rimsting am Chiemsee gestorben. Besondere Verdienste hat sich die gebürtige Schellenbergerin ohne Zweifel um die Erhaltung und Pflege der siebenbürgischen Trachten erworben, als Autorin von wissenschaftlichen Beiträgen, wie etwa im Buch „Die Festtracht der Siebenbürger Sachsen“ (gemeinsam mit Ortrun
Scola und Annemarie Schiel), mit ihrem Einsatz bei den Trachtenumzügen 1986 bis 2001 beim Oktoberfest in München und ihrem Werben für ein einheitliches klares
Erscheinungsbild der Trachtenträger. Zu Recht wurde sie für ihre Verdienste und ihren Einsatz mit dem Goldenen Ehrenwappen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ausgezeichnet.

Gerda Bretz wird am Weihnachtsabend 1928 in Schellenberg geboren. Ihr Vater Heinrich Emil Bretz (1891-1986) ist Lehrer, Predigtlehrer und Rektor der Schule,
die Mutter Emma, geborene Gündisch (1897-1978). Gerda ist ihr Viertes und
jüngstes Kind. Heinrich Emil Bretz schreibt in seinen Erinnerungen:
„Ich hatte Dienst in der Kirche mit der Christbescherung der Schulkinder (...).
Nachdem wir dort die schönen alten Christlieder gesungen u. die Geburt Christi erzählt hatten, erhielten die Kinder ihre Geschenke (...). Darauf eilte ich nach Hause und fand neben meiner Frau das schönste Christgeschenk für mich: Ein neugeborenes Mädchen in Windeln gewickelt, neben der Mutter liegend! Sie sagte zu mir: ‚Heinrich, es ist nur ein Mädchen‘, worauf ich erwiderte: ‚Wie freue ich mich, dass ich euch beide gesund finde!‘ Dieses Mädchen sollte uns später noch viel Freude bereiten, denn es wurde ein munteres, gesprächiges Kind, eine Frohnatur“.
Vier Jahre besuchte Gerda die Volksschule in Schellenberg, danach das Mädchenlyzeum in Hermannstadt (1940-44), wohnte die ersten Monate im Diasporaheim, danach im Privatquartier. Im Mai 1944 zog Gerda nach Schäßburg
und bestand die Aufnahmeprüfung für die erste Klasse des Lehrerinnenseminars.
Nach dem 23. August 1944, nach dem Frontwechsel Rumäniens, be-
hielten die Eltern ihre Tochter daheim in Hahnbach, und so entging sie der Deportation nach Russland. In den beiden Schuljahren 1946 bis 1948 war Gerda parallel in zwei Schulen in Hermannstadt eingeschrieben, in der Handelsschule und im Mädchenlyzeum, wechselte am 1. September 1948 in die neu eröffnete pädagogische Schule in Schäßburg und absolvierte hier die 3. und 4. Klasse samt der Matura. Im Schuljahr 1950/51 erhielt Gerda eine Lehrerstelle an derselben Schule, an der ihre ältere Schwester Emma (1918-2010) vier Jahre erfolgreich gewirkt hatte: in Scharosch bei Fogarasch. Sie übernahm Klasse 1 und 2. Danach
bat sie allerdings die Eltern um Unterstützung für ein Universitätsstudium und ließ sich für das Studium „Deutsche Sprache und Literatur“ in Bukarest einschreiben. Im Juni 1955 legte Gerda das Staatsexamen ab. Ab 1. September 1955 übernahm Gerda eine Professorenstelle für Deutsch am neuen deutschen Abendlyzeum in Heltau ebenso wie in der dritten Klasse der dortigen Grundschule bis zum Herbst 1958.
Am 1. Oktober 1958 übersiedelte Gerda nach Klausenburg, wohin sie als Assistentin auf Bitten von Prof. Georg Scherg an die Hochschule für Deutsche Sprache und Literatur berufen wurde.
Sieben Jahre wirkte Gerda an dieser Universität, „wurde aber immer von dem Gefühl bedrückt“, so schreibt ihr Vater weiter, „kein freier Mensch zu sein. Und nach dieser inneren Freiheit sehnte sie sich so sehr, dass sie sich entschloss, auch diese Stelle aufzugeben, in der Hoffnung, dass es ihr doch gelingen werde, in die, freie Welt‘
hinaus zu gelangen“. Für das Schuljahr 1965/66 nahm Gerda zunächst eine Hilfslehrerstelle an einer Grundschule an, erhielt dann eine Lehrerstelle für Deutsch
an der Oberstufe einer Volksschule in Hermannstadt für zunächst zwei Jahre wurde 1967 an das pädagogische Lyzeum als Deutschprofessorin berufen, war hier erneut
zwei Jahre tätig. Am 1. Oktober 1969 wird Gerda Bretz schließlich als „Lektor für Deutsche Sprache“ an die neu errichtete Fakultät in Hermannstadt berufen. Sie wird Universitätsprofessorin, unterrichtet begeistert von der Deutschen Klassik und arbeitet weiter (seit 1956) am Siebenbürgisch-Sächsischen Wörterbuch mit.
Ihr Ziel, die Ausreise nach Deutschland, behält sie weiter im Auge. 1970 beantragt sie erstmals einen Pass für einen Studienaufenthalt in Deutschland, erhält ihn und bleibt im August und September in Deutschland, nutzt ihn für einen Deutschlehrerkurs am Goethe-Institut sowie zu Kontakten mit Hochschullehrern in Hamburg und Marburg. Wieder wird ein Studienaufenthalt im Jahr 1971 genehmigt, drei Monate. Gerda kehrt erneut nach Rumänien zurück und so steht auch ihrem Wunsch nach einem „Besucherpass“ im Jahr 1974 nichts entgegen. Diesmal allerdings bleibt Gerda in Hamburg, schreibt ihre Doktorarbeit zu Ende („Die mundartliche Fachsprache der Spinnerei und Weberei in Heltau, Siebenbürgen in
ihren räumlichen, zeitlichen und sachlichen Bezügen“). 1977 wird sie promoviert. Von 1977 bis 1988 hat Dr. Gerda Bretz daraufhin in München an der Volkshochschule und am Goethe-Institut als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, ab 1979 verheiratet mit Hans Schwarzenbacher, einem Münchner Ingenieur.
Bis zur Trennung von ihrem Mann um die Jahrtausendwende wohnte Gerda in München, dann für einige Jahre in Geretsried, ab Herbst 2009 im Siebenbürgischen Altenheim in Rimsting am Chiemsee. Die Heimat und Berge waren zeitlebens Teil ihrer Sehnsucht, wie ihre Gedichte verdeutlichen. "Wo äs Hiemet?" und "Surul" werden in der Rubrik „Sachsesch Wält“ der nächsten Ausgabe dieser Zeitung veröffentlicht.
Dr. Gernot Czell

SBZ vom 15. März 2017, Seite 7

Seite 1 von 3 [1] [2] [3] · · >|

Neues

Editor(en)

Registrieren! | Passwort vergessen?
In Zusammenarbeit mit mehreren Verlagen, Unternehmen und Künstlern bietet das Siebenbuerger.de Shop-Portal eine Auswahl an Artikeln mit Bezug zu Siebenbürgen.

Siebenbuerger.de Shop

Geschenkideen im Shop: Siebenbürgen-Parfüm für Damen und Herren ~ Siebenbürgen-DVDs ~ "E Liedchen hälft ängden" - Alte und neue Lieder aus Siebenbürgen ~ Martin Eichler: Sechs neue Siebenbürgen-Kalender 2019 ~ Aquarelle von Theo Damm - Städte, Dörfer und Kirchenburgen aus Siebenbürgen ~ Wappen aus Kupfer von Neumarkt ~ Honterus-Verlag ~ Karl-Heinz Brenndörfer: Die Elektrifizierung des Burzenlandes - Von der Vision zum Strom ~ CD: Mit Blasmusik voran ~ Wolfgang Klein: Schnaps für alle ~ Schiller Verlag: Viele neue Bücher ~ Fabini: Sakrale Baukunst in siebenbürgisch-sächsischen Städten ~ Hildegard Bergel-Boettcher und Andrea Gatzke: CD Siebenbürgische Lieder ~ Neue CD von Jürgen aus Siebenbürgen: "Nach meiner Heimat"

Berichte und Rezensionen der SbZ zu Büchern und sonstigen Medien mit siebenbürgischem Bezug
Impressum · RSS · Banner · Online werben · Nutzungsbedingungen · Datenschutz