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16.11.2020, 19:30 Uhr

HG

Das Ende der Geschichte?

Das Ende der Geschichte?
Siebenbürger Sachsen 30 Jahre nach dem Exodus
Von Prof. Dr. Hans-Christian Maner

Die massive Auswanderung der deutschen Minderheit nach dem gesellschaftspolitischen Umbruch in Rumänien hat eine lange Vorgeschichte. Im 20. Jahrhundert bot das Geschehen um den Zweiten Weltkrieg die Initialzündung für mehrere Migrationswellen. Damit ging auch eine anhaltende Zweiteilung der Geschichte der Siebenbürger Sachsen einher. Die Migration stellt nicht nur für die Gemeinschaft, sondern für jede und jeden Einzelnen ein existenzielles Ereignis dar. Für die in Deutschland Angekommenen stehen Fragen der Integration sowie des Umgangs mit der Herkunftsregion und -identität im Mittelpunkt. Für die Sachsen in Siebenbürgen geht es darum, den Massenexodus und seine Folgen, womit ebenfalls die Identitätsfrage zusammenhängt, zu verarbeiten. Sowohl für die Sachsen in Deutschland wie auch diejenigen in Siebenbürgen steht die Frage nach Zukunftsperspektiven im Raum.

Die Jahre 1989/90 kennzeichnen einen epochalen Einschnitt in der Geschichte Europas. Der Zusammenbruch der kommunistischen Regime im östlichen Europa bedeutete das Ende des „Eisernen Vorhangs“ und damit das Ende der Bewegungsunfreiheit. Wanderungsbewegungen großen Ausmaßes setzten ein. Besonders markant wird diese Entwicklung am Beispiel der DDR. Die Abstimmung mit den Füßen zahlreicher Menschen führte auf direktem Weg zur Maueröffnung und dem Ende der DDR. Auch deutsche Minderheiten aus dem östlichen Europa nutzten die Grenzöffnungen zur Auswanderung aus ihrer zum Teil jahrhundertealten Heimat. Während allerdings deutsche Bevölkerungsgruppen aus Polen und der Sowjetunion Länder verließen, in denen sie ihre Kultur nicht pflegen durften, war die Lage in Rumänien eine andere. Anders als in anderen osteuropäischen Staaten wurden die Deutschen in Rumänien nach 1945 nicht vertrieben. Und dennoch schwoll die Auswanderung der Deutschen aus Rumänien zum Exodus an. Wieso ist es dazugekommen? Antwortmöglichkeiten bieten ein historischer Rückblick und eine Einordnung.

Die lange Vorgeschichte des Exodus
Die Geschichte der Siebenbürger Sachsen kann seit ihren Anfängen als Migrationsgeschichte erzählt werden. (Im Beitrag wird „Siebenbürger Sachsen“ für „Siebenbürger Sächsinnen und Sachsen“ verwendet.) Einsetzend mit der West-Ost-Wanderung um die Mitte des 12. Jahrhunderts folgte im Mittelalter, der Frühen Neuzeit bis hin zur Ost-West-Wanderung im 20. Jahrhundert eine Reihe von Ein-, Aus- so-wie Binnenwanderungen. Eine entscheidende Ursache für die Loslösung der Siebenbürger Sachsen von dem Staat und dem Gemeinwesen, in dem sie lebten, ist im 19. Jahrhundert zusuchen, als die Umwandlung von einer Rechtsgemeinschaft, einer „Nation“, zu einer „nationalen Minderheit“ statt-gefunden hat.
Im 20. Jahrhundert markierte der Zweite Weltkrieg den Ausgangspunkt für die nachfolgenden großen Ost-West-Migrationsströme. Wie auch die anderen deutschen Minderheiten Rumäniens gerieten die Sachsen während der 1930er und 1940er Jahre in das Räderwerk der Propaganda und Kriegspolitik des nationalsozialistischen Deutschland. Nach dem Ende des Weltkrieges fanden sich Soldaten, die auch aufgrund des Waffen-SS-Abkommens von 1943 in deutschen Armeeeinheiten gekämpft hatten, Flüchtlinge aus Nordsiebenbürgen, das Rumänien nach dem Zweiten Wiener Schiedsspruch an Ungarn abtreten musste, aber auch aus Mittelsiebenbürgen sowie nach der Deportation in die Sowjetunion Entlassene in Deutschland und Österreich wie auch in den USA und in Kanada wieder. Viele Männer und Frauen aus diesen Gruppen kehrten nicht mehr nach Rumänien zurück. Die zerrissenen Familien, aufgelösten und zerstörten Nachbarschaften und Wohngemeinschaften waren Auslöser für die erste Auswanderungs- bzw. Flucht- und Vertriebenenwelle, die zugleich auch eine anhaltende Zweiteilung der Geschichte der Siebenbürger Sachsen einleitete. Mit der Etablierung des kommunistischen Regimes, nach Beseitigung der politischen Gegner und der Abschaffung der Monarchie setzte ab 1948 eine lang anhaltende zweite Phase der mitunterschiedlicher Intensität erfolgten Auswanderung während der totalitären Herrschaft ein, die natürlich auch auf dem Hintergrund des Kalten Krieges gesehen werden muss. Die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rahmenbedingungen Rumäniens stellten das grundlegende Motiv für die Emigration dar. Die ersten Nachkriegsjahre standen für Repression und Ausgrenzung der deutschen Minderheitengruppen. Durch die Deportation gezeichnet, waren die Siebenbürger Sachsen dem Vorwurf der Kollaboration („Faschisten“ und „Hitleristen“) und damit der kollektiven Schuld ausgesetzt. Die Enteignungen des Bodens, der Höfe und Arbeitsgeräte 1945 sowie nachfolgend der Großbetriebe, Banken, der Kaufleute und Handwerker entzogen der Minderheit die Existenzbasis. Hinzu kam, dass die deutsche Bevölkerung Rumäniens zwischen 1946 und 1950 kein Wahlrecht besaß und damit rechtlos und der Willkür ausgesetzt war. Auch wenn die Maßnahmen gegen die Minderheit in den 1950er Jahren gelockert wurden, blieb das Misstrauen bezüglich der Politik bestehen. Repression, Verfolgungen, Verhaftungen, Terrormaßnahmen, die sich auch gegen andere Minderheiten sowie die Mehrheitsbevölkerung richteten, hielten an. Die Anfangsjahre unter Nicolae Ceauşescu in den 1960er Jahren markierten zwar eine Phase der Entspannung, doch recht bald verwies das Konzept des Nationalkommunismus auf eine Minderheitenpolitik, die eine verschärfte Homogenisierung und Assimilierung zum Ziel hatte. In den 1950er und 1960er Jahren bewegten sich die Auswanderungszahlen auf einem überwiegend konstanten Niveau. Mit den 1970er Jahren ist dann ein markanter Anstieg der Zahlen zu verzeichnen. Zwischen 1970 und 1974 siedelten mit 29802 Mitgliedern der deutschen Minderheit mehr Menschen nach Deutschland als in den 1950er und 1960er Jahren zusammen. Zwischen 1980 und 1984waren es 72824 Aussiedler und von1985 bis 1989 kamen noch 78337 hinzu. (In den Statistiken werden die Siebenbürger Sachsen nicht gesondert ausgewiesen.) Ausgangspunkt waren die sich aktiver gestaltenden deutsch-rumänischen Kontakte nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien 1967. Während des Besuchs von Nicolae Ceauşescu in Bonn im Juni 1973 wurden „humanitäre Fragen“, d. h. die Familienzusammenführung, angesprochen. Im Januar 1978 folgte während des Besuchs von Helmut Schmidt in Rumänien das sogenannte „Handschlagabkommen“. Konkrete jährliche Ausreisezahlen waren die Folge. Geldzahlungen durch die Bundesrepublik, die die Ausreise von Rumäniendeutschen fördern sollten und die bereits seit den 1950er Jahren flossen, spielten bei der Zunahme der Auswanderungszahlen in den 1970er Jahren eine wichtige Rolle. Der vereinbarte „Freikauf“ bzw. „Aufkauf“ der Sieben-bürger Sachsen (und auch der anderen deutschen Gruppen wie der Banater Schwaben), die Politik der Bundesrepublik sowie die Haltung der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in der Bundesrepublik, all diese miteinander verwobenen Push- und Pull-Faktoren, also abstoßende wie anziehende Faktoren, hatten einen entscheidenden Einfluss auf das Weggehen der Deutschen aus Rumänien. Die Familienzusammenführung war die nach wie vor von allen Seiten vorgebrachte zentrale Motivation. Dieser Begriff, der sich in den 1950er Jahren zunächst nur auf die Kleinfamilie (Eltern und Kinder) bezog, erfuhr ab den 1970er Jahren eine entscheidende Erweiterung mit gravierenden Folgen für den Zusammenhalt von Großfamilien. Die Zusammenführung von Familien ging auch einher mit einer „Familienauseinanderführung“.

Das Ende des totalitären kommunistischen Regimes
Die Flucht von Nicolae und Elena Ceaușescu am 21. Dezember 1989, deren Hinrichtung am 25. Dezember und das revolutionäre Aufbegehren der Menschen ließen Hoffnungen aufkeimen. Nicht wenige Städte in Siebenbürgen erhielten zur Ehrung der Opfer während der Dezembertage den Titel „Märtyrer-Stadt“, ebenso auch Hermannstadt, wo sich am Großen Ring Menschen während der Ereignisse in einem Reigen, aber einige auch noch ungläubig und abwartend um einbrennendes Auto als Symbol der Staatsmacht und der Securitate versammelten. Das Ende des totalitären Regimes und der Wegfall von Restriktionen bedeuteten jedoch keineswegs ein Nachlassen des Auswanderungsdrucks oder gar das Ende der Auswanderung, sondern genau das Gegenteil. Die Öffnung der Grenzen wirkte wie ein Dammbruch. Die aufgestauten Sorgen, Unzufriedenheiten und Frustrationen, das Gefühl des Fremdgewordenseins im eigenen Land, die lange vorher mental odertatsächlich gepackten Koffer, die nach wie vor bestehende Rechtsunsicherheit, die Ungewissheit darüber, ob die neuen Freiheiten von Dauer sein würden und ob die Lage der Minderheiten sich tatsächlich verbessern würde, führten letztendlich zu einer Auswanderungswelle größten Ausmaßes. Der Versuch des bundesdeutschen Außenministers Hans-Dietrich Genscher, in einer Rede im Januar 1990 in Hermannstadt der Entwicklung Einhalt zugebieten („das Tor bleibt offen“), lief ins Leere. Zu groß war die Skepsis, die Bundesrepublik Deutschland könnte die Ausreise an neue Bedingungen knüpfen, was sich dann auch bestätigte. Insgesamt verließen 1990 schließlich 111150 Deutsche Rumänien. Bis Ende des 20. Jahrhunderts, zwischen 1995 und 1999, übersiedelten noch 14440 Menschen nach Deutschland. Danach gingen die Zahlen kontinuierlich zurück, von 2010 bis 2018 waren es dann noch 121 Personen. Die Anzahl der Deutschen in Siebenbürgen ist somit von ca.251000 zu Beginn der 1940er Jahre auf etwa 16000 zu Beginn des 21.Jahrhunderts gesunken. Die Entscheidung zur Migration war ein komplexer, schwieriger und schmerzvoller Prozess, bei dem eine Reihe von Faktoren eine wichtige Rolle spielte. Neben der allgemeinen politischen und gesellschaftlichen Lage waren das familiäre, das gemeinschaftliche und das individuelle Umfeld grundlegend. Die Zerrissenheit der Familien, gefolgt von dem Verlust der Freunde waren auch für den Exodus1990 entscheidend. Insbesondere für die Menschen in den Dörfern war der Lebenshalt durch das Aufbrechen zentraler Pfeiler wie der Gemeinschaft sowie der Nachbarschaften weggebrochen. Unsicherheiten und Zukunftsängste haben ganze Dorfgemeinschaften dazu bewogen, Siebenbürgen nach einem tränenreichen Abschied zu verlassen.
Während bis 1989 zu den politischen Gründen das totalitäre Regime, die Repressionen und das Überwachungssystem der Securitate als Motive für die Ausreise zählten, waren es ab 1990 die Mängel des Transformationsprozesses: Verwaltungs- und Führungsmängel, Willkür, Korruption und Kriminalität. Ein zweites markantes Motiv für die Migration vor wie nach1990 blieb das ökonomische: Inflation und Arbeitslosigkeit (nach 1990) im Herkunftsland und die Aussicht aufbessere Lebensbedingungen, Ausbildungs- wie Berufschancen im Zielland. Schließlich spielten subjektive bzw. irrationale Gründe eine nicht zuunterschätzende Rolle bei der Entscheidung für die Emigration: der alte wie neue Nationalismus in Rumänien als Push-Faktor sowie der Mythos Deutschland und die Sehnsucht nach Freiheit als Pull-Faktoren. Wirk- und deutungsmächtig war die Erzählung von den Wurzeln und der Herkunft der Siebenbürger Sachsen, die eine Rückkehr ins „Mutterland“ begründete. Hinzu kamen die Betonung der ethnischen Zugehörigkeit und die damit verbundene Angst vor dem Verlust der deutschen Kultur. Was bedeutete die Migration für die aus Siebenbürgen Ausgewanderten wie für die in Siebenbürgen Verbliebenen?

Integration und Existenz in Deutschland
Bundesdeutsche Außenbetrachtungen bezeichnen die Integration der deutschen Aussiedler aus Rumänien als eine gesellschaftliche und berufliche Erfolgsgeschichte. Die Beurteilung der Aussiedler selbst darüber, wie die Integration erfolgt ist, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Alter, dem Aussiedlungszeitpunkt, dem Herkunfts- sowie dem Zielort. Neben positiven Selbstdarstellungen stehen auch Bilder von einem schwierigen längeren oder kürzeren Prozess des Einfindens in die neuen gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Strukturen in Deutschland. Angekommen zu sein bei Familie und Freunden in politisch wie wirtschaftlich gesicherten freiheitlich-demokratischen Strukturen, umgeben von vertrauter Sprache und Kultur, aber auch Orientierungslosigkeit, Verunsicherung, Heimweh, die Betrachtung als „Rumäne“ bzw. „Rumänin“, „fremde Deutsche in deutscher Fremde“ oder sich zwischen den Welten zu befinden, all diese Tatsachen und Empfindungen prägten und prägen die Integration. Darüber hinaus können zwei unterschiedliche Integrationsmuster beobachtet werden. Während die eine Gruppe nach einer Angleichung an die bundesdeutsche Gesellschaft sucht und sich von Bezügen und Verbindungen zur Herkunftsregion trennt, ist eine andere Gruppe ganz bewusst darum bemüht, Kultur und Traditionen zu erhalten, zu pflegen und weiter zugeben. Mit Hilfe eines gut ausgebauten Netzwerkes, des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, der Landesverbände, Kreisgruppen, Heimatortsgemeinschaften, Nachbarschaften und einer Reihe von Kultureinrichtungen, wird an einer historisch ausgebildeten und immer wiedererzählten Identität festgehalten. Diese gründet auf markanten Wesensmerkmalen, Bildern, Tugenden und Werten: die Abstammung und viele Jahrhunderte alte Geschichte, die geprägt ist von Leistungs- und Opferbereitschaft sowie Leidenserfahrung, aber auch der Fähigkeit zu Toleranz und Miteinander, getragen von Gemeinschaft und Zusammenhalt. Dadurch wird keineswegs mangelnde Integration in die neue bundesdeutsche Gesellschaft ausgedrückt, ganz im Gegenteil. Siebenbürgen wird, durchaus auch mit nostalgischen Rückblicken, zur „ersten“ oder „alten“ Heimat, während Deutschland als „zweite“ oder „neue“ Heimat angenommen wird. In vielen lokalen und regionalen Treffen bis hin zum jährlich stattfindenden Heimattag in Dinkelsbühl widmen sich Menschen mit viel, größtenteils ehrenamtlichem Engagement der Pflege und Förderung des kulturellen Erbes sowie dem Erhalt der gemeinschaftlichen Verbindungen. Im Mittelpunkt aller Zusammenkünfte, geselliger wie wissenschaftlicher Natur, stellte und stellt sich nach 1990 noch einmal verstärkt und neu die Frage nach dem individuellen wie gemeinsamen Selbstverständnis. Antworten auf diese Frage fallen entsprechend auch den Integrationsstrategien naturgemäß sehr unterschiedlich aus und reichen sehr grob gesprochen in einer großen Spannungsbreite von einer Ablehnung oder Bejahung einer „siebenbürgisch-sächsischen“ Identität, über den Versuch der Verbindung von „alter“ und „neuer“ Identität bis hin zum Sich -Verschließen vor dem „Neuen“ oder der Verklärung früherer Zeiten. Die Suche nach der eigenen Identität durch die wissenschaftliche Erkundung der Vergangenheit stand auch am Anfang der Neugründung des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde in Deutschland. Der inzwischen renommierte und mit zahlreichen fundierten Arbeiten aufwartende wissenschaftliche Verein mitsamt dem Siebenbürgen-Institut sowie der umfangreichen Siebenbürgischen Bibliothek in Gundelsheim als Herzstück hat sich voll und ganz der „Siebenbürgen-Forschung“ verschrieben, wie es auch in der neuen Satzung von 2020 lautet. Wenn eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Siebenbürgen, wie auch der Nachwuchs verdeutlicht, durchaus losgelöst von der Herkunft stattfindet, bleibt die Frage: Welche Wege eröffnen sich den in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen mit dem Abtreten der Erlebnisgeneration? Welche Folgen hat das für das Selbstverständnis und die Identität?

Die Siebenbürger Sachsen in Siebenbürgen nach dem Exodus
Die Frage, wie eine noch weiterschrumpfende deutsche Minderheit bestehen kann, stellt sich auch für die in Siebenbürgen verbliebenen Sachsen, die die Massenmigration und deren Folgen zu verarbeiten haben. Sehr schnell organisierte sich als Vertretung der deutschen Minderheiten in Rumänien das „Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien“. Bereits seit 1990 sind Vertreter des Forums in den verschiedenen Gremien aktiv, im Parlament Rumäniens oder als Räte in verschiedenen Städten Siebenbürgens. Bis in die Gegenwart des Jahres 2020 beweisen das Landesforum wie auch die Regionalforen, dass es trotz des kleinen zur Verfügung stehenden Personenkreises und angesichts der zu bewältigenden Mammutaufgaben in der Lage ist, ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen und kreative Lösungen zu finden. In mehreren Ort-schaften in Siebenbürgen stellt das Forum Bürgermeister, Vizebürgermeister, Kreisratsvorsitzende und Stadträte. Die aktive Rolle der kleinen Gruppe in der Kommunalpolitik, auffällig ist hier natürlich Hermannstadt, spiegelt sich auch in dem in verschiedenen Varianten anzutreffenden Bonmot: „Wenn auf den Straßen Hermannstadts kein Sachse zu sehen ist, wird wohl gerade Stadtratssitzung sein.“
Dass Mitglieder der Gruppe der Siebenbürger Sachsen dieses aus der historischen Tradition heraus weitergetragene Verantwortungsbewusstsein mit Leben füllen, beweist auch der das zweite Mandat wahrnehmende Staatspräsident Klaus Werner Johannis. Es ist ihm nicht nur gelungen, zur Zeit der EU-Ratspräsidentschaft Rumäniens die Aufmerksamkeit Europas auf Hermannstadt zu lenken, wo am 9.Mai 2019 ein EU-Gipfel stattfand. Bereits 2007, dem Beitrittsjahr Rumäniens zur EU, war Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt. Dass Rumänien den gewaltigen Schritt vom mitleidig belächelten „Schmuddelkind“ zum geachteten Partner in der EU vollzogen hat, ist nicht zuletzt auch das Verdienst gelebter siebenbürgisch-sächsischer Tugenden. Damit kann auch die 2014 von Johannis geäußerte zukunftsweisende Überlegung verknüpft werden, in Rumänien eine offene, auf staatsbürgerlichen, verfassungsrechtlichen und demokratischen Werten und Prinzipien gründende Bürgernation zu formen und zu stärken.

Zukünftige Einheit in der Vielfalt?
Mitte der 1950er Jahre setzte eine Debatte ein, die sich in einem lange anhaltenden Auswanderungskonflikt niederschlug und sich in der Frage „Bleiben oder Gehen?“ zusammenfassen lässt. Durch die Folgen des Zweiten Weltkrieges sowie die innenpolitische Entwicklung in Rumänien sahen Vertreter der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland die Familienzusammenführung als einzigen Weg, um den Sachsen in ihrer „hoffnungslosen“, „katastrophalen" Lage zu helfen. Das Hilfskomitee, das als Sprachrohr der Evangelischen Landeskirche A. B. in Rumänien galt, vertrat hingegen nicht den Standpunkt des „Untergangs“ und befürwortete das „Ausharren“, das „Bleiben“ in Siebenbürgen. Die Auseinandersetzung verschärfte sich, als zu Beginn der1960er Jahre nicht mehr lediglich von Familienzusammenführung, sondern von „erweiterter Familienzusammenführung“ gesprochen wurde. Der auf landsmannschaftlicher Seite aufgetauchte Begriff der „Aussiedlung“ verhärtete die Fronten. Die „Bleiben“-Befürworter prophezeiten, die „Aussiedlung“ führe für die „Beharrungswilligen“ zu ausbleibender politischer Aktivität in Rumänien, zu einer Zunahme der Auswanderung wegen Resignation, Niedergeschlagenheit und Torschlusspanik. Einen eigenen Stellenwert in diesem Konflikt hatte die Pfarrerauswanderung. Während die Debatte zwischen den Kontrahenten nach personellen und organisatorischen Veränderungen 1981 zu einem Ende gekommen war, wurde die nach wie vor im Raum stehende Frage durch die hohen Zahlen der Auswanderer 1990 beantwortet. Doch bedeutet diese Antwort nach den Drohungen während des Streits und auch danach das „Finis Saxoniae“, den „Todesstoß“, das „Aus“, das „Geschichtsende“, das „Nichts“ für die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen? Bleibt gar ein Siebenbürgen ohne Siebenbürger Sachsen zurück.
In Siebenbürgen begegnen die Menschen dem Schock des Exodus, trotz des Verlustschmerzes, konsequent durch die Ausrichtung des Blicks nach vorne. Der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien Reinhart Guib sprach 2017 von einem Ende des Jammerns. In den letzten Jahrzehnten erfolgte ein bewusstes Aufeinanderzugehen. Trotz der Verschiedenheiten zwischen den Ausgewanderten, den „Zurückgebliebenen“ (ironische Selbstbezeichnung der Sachsen in Siebenbürgen) und den „Heruntergekommenen“ (ironische Bezeichnung der temporär oder dauerhaft nach Siebenbürgen wandernden „Sommersachsen“, Sachsen und Nichtsachsen) wurden und werden Bemühungen unternommen, Brüche zu überwinden. Aus Deutschland wie aus Siebenbürgen kommen deutliche Signale. So stand der Heimattag 2010 in Dinkelsbühl unter dem Motto „Gemeinsam unterwegs“ und das Sachsentreffen von 2017 in Hermannstadt rief dazu auf, Trennen des gemeinsam zu überwinden.
Und ein von allen Seiten verwendetes Bild ist dasjenige einer Brücke. Der Verband der Siebenbürger Sachsen beansprucht, eine „Brückenfunktion" zu verkörpern „zu den an deren siebenbürgisch-sächsischen Organisationen“ sowie auch „in den Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Rumänien“. Das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien sieht die Deutschen in Rumänien vor der Aufgabe, in doppelter Hinsicht eine Brückenfunktion zu erfüllen: erstens gegenüber Deutschland sowie dem deutschsprachigen Ostmitteleuropa und zweitens zwischen der rumänischen Mehrheitsbevölkerung und den anderen ethnischen Minderheiten in Rumänien. Auch die bundesdeutsche Seite bemüht das Bild der Brücke. Demnach werden Siebenbürger Sachsen in Deutschland als Brückenbauer nach Rumänien und die Sachsen in Siebenbürgen als Verbindung nach Deutschland ebenso wie als Vermittler zwischen den Ethnien und Kulturen Siebenbürgens und als Brückenbauer zwischen Ost und West gesehen. Die vielfachen Erfahrungen als ethnische Minderheit in einem multi-ethnischen Raum, in einer totalitären Herrschaft sowie die Erfahrungen mit Migration, Heimatverlust, Integration sowie Neubeginn und Neuaufbau sind Grundlagen für ein gemeinsames europäisches Identitätsbewusstsein in einem gemeinsamen Europa.
„Quo vadis, Siebenbürger Sachse/Sächsin?“ oder: „Gehören Siebenbürger Sachsen und Siebenbürgen noch zusammen?“ – so könnte abschließend gefragt werden. Starke, selbstbewusste und wegweisende Botschaften an die Siebenbürger Sachsen kamen vom Sachsentreffen 2017 in Hermannstadt, das unter dem Motto stand: „Inder Welt zu Hause, in Siebenbürgen daheim“. Und es heißt dazu: „Wer in der Welt zu Hause ist, kann in Siebenbürgen daheim sein. Das eine schließt das andere nicht aus. Das eine bedingt das andere sogar.“ Statt „Finis Saxoniae“ heißt es, „es geht weiter in Siebenbürgen! Anders! In einer viel bunteren Gesellschaft als zu der Zeit von Johannes Honterus oder Stephan Ludwig Roth.“ Für die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft prägte Bischof Guib das Bild vom Apfelbaum mit seinem festen Stamm, den beweglichen Ästen, Zweigen, Blättern und der Krone.
Siebenbürgen wird von verschiedenen Seiten als Anker, als fester Bezugsort der Siebenbürger Sachsen, aber auch als Sehnsuchtsort immer wieder beschworen. Zu dem verweist die historische wie gegenwärtige Zuschreibung einer Brücke in und zu Europa auf eine für Wandel und Neues offene, ausbaufähige und gestaltbare Zukunft. In diesem Zusammenhang ist auch der Aufruf der Evangelischen Kirche in Rumänien wie auch des Forums zum Engagement in Siebenbürgen zu sehen. Ein ansteckendes „Virustranssilvanicus“ führt zu Begegnung, Lebensbejahung, Freude, Leidenschaft sowie der Entdeckung neuer Zugänge und Wege.

SBZ, Ausgabe 2020.-18, Seite 1, 4 und 5.



Autorenprofil

Prof. Dr. Hans-Christian Maner ist Historiker. Er lehrt und forscht im Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg - Universität Mainz. Seine Arbeitsschwerpunkte betreffen die politische, kulturelle, kirchliche, regionale und Ideengeschichte im Donau - Karpatenraum vom 18.-21. Jahrhundert. Der 1963 im siebenbürgischen Martinskirch (Târnăveni) geborene Autor pflegt enge Kontakte zu wissenschaftlichen Institutionen in Rumänien. So gelang es ihm, von Mainz aus mehrere Erasmus - Partnerschaften zu etablieren, u. a. mit der Alexandru Ioan Cuza Universität in Jassy (Iași), der Universität Bukarest und der Lucian Blaga Universität in Hermannstadt. Er ist seit 2014 Ehrenmitglied des Geschichtsinstituts der Akademie „A. D. Xenopol“ in Jassy und seit 2019 „Visiting Professor“ an der Hermannstädter Universität. Zudem leitet er seit 2009 die Zweigstelle Mainz der Südosteuropa-Gesellschaft. 2018 hat Prof. Dr. Hans-Christian Maner für seine wissenschaftliche Arbeit zur Geschichte Rumäniens im 20. Jahrhundert den „Preis der Exzellenz“ der rumänischen Regierung erhalten.

24.03.2020, 19:19 Uhr

HG

Ich möchte noch mal die Heimat sehen.

Ich möchte noch mal Siebenbürgen sehn,
ich möcht noch mal die alten Wege gehn,
Denn ich bin doch ein Kind meiner Heimat,
und ich denk, dass kann jeder versteh`n.

Ich trag die Heimat in meinem Herzen,
sie ist es wert, dass sie da drinnen wohnt.
Denn sie lernte mich lachen und scherzen,
und das wird ihr heute belohnt.

Ich nehm` sie mit auf all meinen Wegen,
ich steh zu ihr, und zu den Wurzeln mein.
Hier bin ich glücklich und auch sehr zufrieden,
beide passen in mein Herz hinein.

Die alte und die neue Heimat,
ich lieb sie beide, sie sind so wunderschön.
Doch manchmal, da packt mich die Sehnsucht,
Auf alten Straßen spazieren zu gehen.

Von Katharina Kessen,
Erschienen im "Hahnbacher Blatt", Dezember 2019.

24.03.2020, 18:05 Uhr

HG

Nachruf Michael Gabel (03.01.1954 - 28.08.2019)

Immer hilfsbereit - für Familie und Gemeinschaft.

Seit dem 28. August 2019 können wir nicht mehr in seine stets präsenten, neugierigen und ebenso freundlichen Augen blicken. Viel zu früh mussten wir von Michael Gabel Abschied nehmen.
Michael Gabel wurde als zweiter Sohn der Eheleute Gabel Johann und Hermine in Hahnbach am 3. Januar 1954 geboren. Er war ein aufgeweckter Junge, später in seiner Jugend nahm er an den Aktivitäten der Jugend teil.
Seine Familie war im Hahnbacher Dorfleben schon immer aktiv eingebunden. Bereits im heranwachsenden Alter war seine Familie Kirchendiener oder Burghüter, wie es in manchen Dörfern heißt. Sie sorgten unter anderem dafür, dass jeden Abend das Glockengeläut die Bewohner von Hahnbach zum Abendgebet erinnerte. Sehr oft wurde diese Aufgabe von dem jungen Michael übernommen und mit Begeisterung durchgeführt. Vom Kirchenturm hatte er eine tolle Aussicht auf sein geliebtes Dorf. Wenn am Sonntagsmorgen zur Gottesdienstzeit der elektrische Strom unterbrochen wurde, so war er zur Stelle und betätigte den Blasebalg an der Orgel, damit der Gottesdienst durchgeführt werden konnte.
Als junger Mann interessierte er sich für die Kirchengemeinde und wurde als Gemeindevertreter in den Vorstand gewählt.
Michaels Lebensmittelpunkt bildete seine Familie, die er mit Susanne, geb. Kaun gründete. Seine zwei Kinder, Sohn Konrad und Tochter Adelheid mit ihren Familien trauern nun um das geliebte Familienoberhaupt.
Die Kultur und Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen lagen Michael Gabel stets am Herzen. Seine Gedanken an die verlorene Heimat ließen ihn nie los. Als ein Hof in Hermannstadt zum Verkauf stand, erwarb er ihn und verbrachte seine Freizeit nun regelmäßig hier um alles auf Vordermann zu bringen. Dabei vergaß er seinen geliebten Heimatort Hahnbach nie. Er beteiligte sich an vielen Arbeiten, die zum Erhalt der Kirche und des Friedhofs nötig waren.
Anlässlich unseres Heimattreffen in Hahnbach 2014 war es ihm an großes Anliegen, dass zum Gottesdienst die Hahnbacher Glocken läuten. Dies war leider nicht möglich, da bei einer der drei Glocken der Klöppel entwendet wurde. Mir viel Mühe und Einsatz hat er einen Klöppel aus einem alten Amboss hergestellt und angebracht.
Michel Gabel hätte ohne Zweifel einen Orden für seinen langjährigen Einsatz zum Wohle der Hahnbacher in der alten und neuen Heimat verdient gehabt. Unser Misch, wie er liebevoll genannt wurde, war zusammen mit seiner Frau Susanne stet`s an unserer Seite, wenn eine helfende Hand gebraucht wurde. Für ihn standen nicht die so oft gestellten Fragen, lohnt sich das oder was kostet das an erster Stelle. Sondern für ihn war es selbstverständlich zu helfen, wenn Hilfe gebraucht wurde.
Erst im letzten Jahr haben wir, zusammen mit ein paar Helferinnen und Helfern, alle umgefallenen Grabsteine des Friedhofs wieder aufgestellt und fixiert. Er war dabei der "Taktgeber" und wie immer mit vollem Einsatz dabei. Vor Kurzem hat er mit seiner Frau Susanne die Paramente für den Hahnbacher Altar herstellen lassen und den Teppich vor dem Altar für die Hahnbacher Kirche gespendet. Knapp zwei Wochen vor seinem Tod erst hat er bei einem Heimatbesuch auf dem Hahnbacher Friedhof das Gras zwischen den Gräbern noch gemäht. Wenige ehemalige Dorfbewohner konnten die Geschichte und die Umgebung von Hahnbach so präzise wiedergeben wie unser Michael.
Gerade auch in den letzten Jahren habe ich persönlich erfahren dürfen, wie sehr unser Misch mit seiner alten Heimat verwurzelt war und wie wichtig ihm der Fortbestand unserer Hahnbacher Gemeinschaft und unserer Kirche und Friedhof in der alten Heimat war. Daheim, erzählte er mir erst im letzten Jahr, bin ich in Siebenbürgen. Sogar der Himmel und die Luft ist anders und dieses Gefühl kann ich nicht ablegen.
Anlässlich unserer regelmäßigen Treffen war ihm seine Freude über das Wiedersehen mit Freunden, Nachbarn und alten Wegbegleitern regelrecht ins Gesicht geschrieben. Im Mai 2019, während unseres Hahnbacher Treffens, präsentierte er als stolzer Opa noch seine beiden kleinen Enkeltöchter in unserer schönen Tracht. Im Halbkreis versammelt, sangen wir in Andenken an unsere verstorbenen Landleute das Lied: "So nimm den meine Hände und führe mich, bis an mein selig Ende und ewiglich". Wer hätte da gedacht, dass es sein letzter Besuch unserer Hahnbacher Treffen sein sollte. . .
Er war ein Mann, der sich mit Rat und Tat für das Wohl unserer Gemeinschaft einsetzte. Eine feste Säule unserer Gemeinschaft, die leider weggebrochen ist!
Leider können wir ihm nicht mehr persönlich danken, uns bleibt nur, seiner Familie Trost und dank für seine Unterstützung auszusprechen.
Wir, seine Familie, seine Gemeinschaft, Menschen aus Hahnbach und seiner Heimat Siebenbürgen, aus seiner zweiten Heimat in Kirchdorf bei Memmingen, werden ihn vermissen, aber sicher nicht vergessen!

In tiefer Trauer,
Georg Lederer und Juliana Schuster, die ihren "Mischonkel aus Hahnbach" ins Herz geschlossen hatte und nun verloren hat.

In tiefer Trauer
Der Vorstand der HOG Hahnbach e.V.

Von Georg Lederer,
Erschienen im Hahnbacher Blatt, Ausgabe Dezember 2019.

15.08.2019, 21:24 Uhr

HG

Albert Klein, Sachsenbischof von Siebenbürgen 1969 - 1990

Albert Klein
Sachsenbischof von Siebenbürgen 1969 - 1990

Albert Klein, geboren am 16. März 1910 in Schäßburg, damals Österreich-Ungarn, gestorben am 8. Februar 1990 in Hermannstadt, Rumänien. Er war der Sohn des Mittelschulprofessors Albert Klein und seiner Ehefrau Frieda geb. Petrovits. Seine Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen drei Geschwistern, darunter dem späteren Mikrobiologen Paul Klein, in Schäßburg und besuchte da auch die Evangelische Elementarschule und das Untergymnasium. 1924 übersiedelte die Familie nach Hermannstadt, dem Heimatort des Vaters, der eine Stelle am Landeskirchlichen Lehrerseminar erhalten hatte. In Hermannstadt besuchte Klein das Obergymnasium und legte dort 1928 seine Reifeprüfung ab. 1928/29 leistete er seinen Wehrdienst in der Artillerie-Reserveoffiziers-Schule in Craiova.
Im Sommersemester 1930 war er an der Universität Marburg immatrikuliert, wo er sich vor allem mit Griechisch und Hebräisch beschäftigte, aber auch theologische Vorlesungen sowie Psychologie und Logik hörte. Im Wintersemester 1930 immatrikulierte er sich in Klausenburg (Cluj) und studierte Physik, Chemie und Mathematik. Im Studienjahr 1931/32 war er außerordentlicher Hörer an der Reformierten Theologischen Fakultät in Klausenburg. 1933/34 studierte er an der Universität Tübingen evangelische Theologie und besuchte nebenbei Physik-Vorlesungen. Im Sommersemester 1934 war er in Berlin, besuchte dort theologische Vorlesungen und arbeitete auch in Chemie weiter. Im Herbst 1936 legte er die Lizentiatenprüfung für Physik und Chemie in Klausenburg ab und ging dann für ein Studienjahr (1936 bis 1937) nach Tübingen, um sein Theologiestudium abzuschließen. Im Herbst 1937 wurde er Lehrer für Physik, Chemie, Mathematik und Religion am Untergymnasium in Mühlbach (Sebeș) und wechselte im Herbst 1939 an die Brukenthalschule in Hermannstadt, wo er die gleichen Fächer unterrichtete. Im Herbst 1938 legte er seine theologische Prüfung vor der Prüfungskommission der Evangelischen Kirche A.B. in Hermannstadt ab.
1938 heiratete er Maria geb. Walcher (1912–1992), die er in Berlin kennengelernt hatte. In Stuttgart geboren, war sie in Ravensburg zur Schule gegangen und hatte 1931 ihre Reifeprüfung abgelegt. 1932 begann sie an der Universität Tübingen mit dem Studium der Neuphilologie, das sie 1937 mit der Promotion abschloss. 1938 ging sie gemeinsam mit Albert Klein nach Siebenbürgen, wo er bereits Lehrer in Mühlbach war. Sie hatten sechs Kinder, von denen der jüngste Sohn im Alter von elf Jahren 1959 verstarb.
Im September 1941 wurde Klein als Reserveoffizier einberufen und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront bis April 1943. Im Schuljahr 1943/1944 war er aushilfsweise in der Schulverwaltung tätig. Im Januar 1945 wurde er zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, von wo er gesundheitlich schwer angeschlagen im Dezember nach Hause kam. Anschließend wirkte er als Pfarrer in Dobring (Dobârca) 1946–1953, Petersdorf (Petrești) 1953–1958 und war Stadtpfarrer in Mühlbach 1958–1968. Im Jahr 1968 wurde er als Stadtpfarrer nach Kronstadt (Brașov) berufen. Während er Stadtpfarrer in Kronstadt war, wurde er am 15. April 1969 von der 47. Landeskirchenversammlung zum 35. Sachsenbischof von Siebenbürgen und damit zum Oberhaupt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gewählt und am 15. Juni 1969 in das Bischofsamt in Hermannstadt feierlich eingeweiht.
Er konnte 1987 sein Amt nicht niederlegen, weil die staatlichen Organe wohl seinen Rücktritt, aber keine Neuwahl genehmigen wollten. Daher musste er trotz seines fortgeschrittenen Alters weiter Verantwortung tragen. Ende 1989 erkrankte er schwer und verstarb im Amt kurz vor seinem 80. Geburtstag, am 8. Februar 1990. Mit Genugtuung erlebte er den Umsturz Ende 1989 und leitete im Januar 1990, bereits schwer krank, die ersten Hilfsmaßnahmen nach den Kämpfen in Hermannstadt Ende 1989. Albert Klein hat sich als Bischof einer Kirche in einer kommunistischen Diktatur darum bemüht, geistliches Leben zu festigen und zu vertiefen, Konfrontation mit dem Staat zu vermeiden und so Freiräume für christliches Handeln zu schaffen.

Angaben stammen von:
wikipedia.org/wiki/Albert_Klein_(Bischof)

13.08.2019, 08:05 Uhr

HG

Die Kirche wandert nicht aus - Artikel aus "Hermannstädter Zeitung vom 14.06.2019

Vor 50 Jahren wurde Bischof Albert Klein feierlich ins Amt eingeführt

Morgen sind es genau fünfzig Jahre: Der 15 Juni 1969 war für die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien und die damals noch zahlreiche sächsische Bevölkerung in Siebenbürgen ein wahrer Festtag, da Bischof Albert Klein feierlich in sein Amt eingeführt wurde. Sogar die unter strenger kommunistischen Kontrolle stehende deutsche Tageszeitung "Neuer Weg" berichtete zwei Tage danach auf der ersten Seite, wenn auch nur in einer kurzen Notiz unten im Eck, über die "Feierliche Amtseinführung des neuen evangelischen Bischof in Hermannstadt". Gleichfalls auf der ersten Seite und sogar etwas besser sichtbar erwähnte die "Hermannstädter Zeitung" das Ereignis. Beide Zeitungen zählten die erschienenen Ehrengäste namentlich auf, es waren Bischöfe aus dem In- und Ausland, dazu Dr. Paul Hansen als Vertreter des Lutherischen Weltbundes, Professoren und andere Würdenträger. Auch von politischer Seite waren Ehrengäste anwesend, voran Prof. Dumitru Dogaru, der Generalsekretär des Kultusdepartements in Bukarest; auch der stellvertretende Vorsitzende des Hermannstädter Munizipalvolkrates, Constantin Buzdughina, war dabei.
Es war ein erheblicher Anblick, als sich vor 9 Uhr morgens der Festzug aus dem Bischofspalais über den Großen Ring zur evangelischen Stadtpfarrkirche auf dem Huetplatz bewegte. Voran schritt der Bischof mit dem Landeskirchenkurator und dem Bischofsvikar, es folgten das Landeskonsistorium, Delegierte der Kirchenbezirke, eine stattliche Anzahl evangelischer Pfarrer im Ornat und zahlreiche Bauern und Bäuerinnen in Kirchentracht. Im Chor der Stadtpfarrkirche hatten die Vertreter des Staates und die Gäste aus anderen Kirchen des Landes und der Ökumene bereits Platz genommen, voran Dr. Nicolae Mladin, der Metropolit von Siebenbürgen. Als der Festzug bei feierlichem Orgelspiel in die Kirche einzog, erhoben sich alle. Die Kirche war dicht besetzt. Es erklang das Lied von Zinzendorf "Herz und Herz vereint zusammen" und der Große Wechselgesang "Herr Gott, Dich loben wir . . ."
Die Einführungshandlung eröffnete der Landeskirchenkurator, Albert von Hochmeister, mit einer Ansprache, die in den Worten gipfelte: "Hochwürdiger Herr Bischof! Es ist der Augenblick gekommen, in welchem Du Dein hohes Amt antrittst . . . Möge Gott unsere alte Volkskirche segnen und möge der Allmächtige Dir reiche Kräfte des Geistes und des Gemütes schenken, auf dass Du unsere Kirche mit sicherer Hand führst und leitest". Die feierliche Handlung vollzog Bischofsvikar Dr. Hermann Binder, unterstützt von den Assistenten Dr. Hellmut Klima und Gustav Bartmes. An der Einsegnung mit Handauflegung beteiligten sich vier evangelische Bischöfe. Anschließend predigte Bischof Albert Klein über die Epistel des Sonntags, 1. Johannesbrief 3, 13-18, und führte aus: ". . . wenn wir uns in den Dienst der Liebe Gottes nehmen lassen, dann sind wir in der Kirche, dann brauchen wir uns auch keine Sorgen zu machen, wie es mit der Kirche weitergehen soll, denn Gott ist der Herr der Kirche. . ." Nach dem Gottesdienst schlossen sich die Gäste dem Bischof an, wodurch der Festzug noch länger und eindrucksvoller wurde. Man begab sich zu einem Empfang im Bischofshaus. Viele Menschen standen auf dem Großen Ring und waren beeindruckt. Nach dem Empfang gab es im Hotel "Zum Römischen Kaiser" eine Festtafel, an der rund 300 Gäste teilnahmen.
An diesem Festtag knüpften sich mancherlei Hoffnungen. Einerseits stand man noch unter dem erfreulichen Eindruck des politischen Tauwetters nach dem Prager Frühling, wobei Rumänien seine Teilnahme an der militärischen Unterdrückung des Aufstandes in der Tschechoslowakei verweigert hatte, anderseits war man innerkirchlich froh über den Generationswechsel im Bischofsamt. Aus beiden Gründen wurde dieser Tag als ein Stück Selbstbestätigung empfunden, die man brauchte, gerade weil die politische Lage immer noch durchaus schwierig war und die Zukunft dieser Kirche in diesem Land mehrfach bezweifelt wurde. Eine kleine Erinnerung beleuchtet die Atmosphäre jenes Tages: Nach dem Empfang im Bischofshaus sprach Oberkirchenrat Fischer aus Wien auf dem Großen Ring den Kurator von Großpold an, der ihn wegen seiner österreichischen Tracht aufgefallen war, und fragte ihn, wo er herkomme. Der selbstbewusste und auch belesene Mann reckte sich stolz auf und antwortete: "Aus Dorff an der Ems, aber wir sind schon vor 200 Jahren unter Maria Theresia nach Siebenbürgen gekommen". Dem österreichischen Kirchenmann klang diese Antwort wohl zu sehr nach Selbstdarstellung, darum sagte er mit tadelndem Unterton: "Damals sine Sie sicher nicht dabei gewesen!" Die Behauptung des Großpolders aber entsprach durchaus der gehobenen Stimmung jenes Tages und einem gesunden Identitätsbewusstsein.
Die Frage nach der Zukunft der evangelischen Kirche und des sächsischen Volkes in Rumänien hat Bischof Albert Klein durch seine gesamte Amtszeit begleitet. Schon im Herbst nach seinem Antritt des Bischofsamtes unternahm er deshalb gemeinsam mit Bischofsvikar Dr. Hermann Binder eine fünftägige Visitationsreise in die gefährdeten Gemeinden im Bistritzer Kirchenbezirk, wobei der Wille zur Auswanderung bei mehreren Pfarrern und Gemeindegliedern deutlich aufbrach. Bischof Albert Klein stand in dieser Frage bewusst auf dem Standpunkt, den vor ihm auch Bischof Friedrich Müller vertreten hatte: Er gab die Hoffnung auf die Zukunft des Kirchenvolkes in der Heimat nicht auf. Gemeindeglieder, welche die Auflösung kommen sahen und fragten "Wer wird uns beerdigen?, tröstete er mit dem Wort: "Die Kirche wandert nicht aus!" Dass gerade dieses Wort später missverstanden und missdeutet wurde, hat ihn schwer bedrückt. Sicher war er nicht fehlerfrei, auch seine väterlichen Bemühungen, die Pfarrer gegenüber den staatlichen Aufsichtsorganen in Schutz zu nehmen, waren nicht immer erfolgreich, doch sollte sein ehrliches Ringen um jede Entscheidung rückblickend nicht vergessen werden.
Albert Klein übernahm das Bischofsamt in einer Zeit der inneren Umschichtung des kommunistischen Systems in Rumänien, die eine vorübergehende Auflockerung mit sich brachte. Durch seine geradlinige Haltung gelang es ihm, ein gewisses Vertrauensverhältnis zu den staatlichen Behörden aufzubauen, das er im Interesse der Kirche auszunützen verstand. Die "Kirchlichen Blätter" deren Erscheinung 1947 abgebrochen worden war, wurden 1973 wieder ins Leben gerufen. Das längst fällige Gesangbuch wurde erarbeitet und herausgebracht, dazu eine neue Agende erstellt, die ebenfalls längst fällig war. Das alles tat er im Blick auf die Zukunft, nicht als Vorbereitung er etwaigen Auflösung. Unter den damaligen politischen Verhältnissen waren es bedeutende Schritte nach vorne. Sogar staatliche Gelder zur Restaurierung historisch wichtiger Kirchengebäude konnten in degrenztem Maß locker gemacht werden. Besonders Wert legte Bischof Albert Klein auf die Schulung und geistige Ausrichtung der Pfarrer. In geistlichen Rüstzeiten nahm er sich dieser Aufgabe selber an. Durch eine gezielte Pflege der ökumenischen Kontakte, insbesondere aber der engen Beziehung zum Lutherischen Weltbund und zu den evangelischen Kirchen in Deutschland, konnte trotz des "Eisernen Vorhang" eine gewisse Öffnung zur Welt hin erreicht werden. In dieser schweren Zeit hat sich Albert Klein bis zuletzt bemüht, das geistliche Leben bis hin zu der "Grauzone" des katechetischen Unterrichtes und der kirchlichen Jugendarbeit zu schützen.
Wenige Wochen vor seinem Tod erlebte er den Zusammenbruch des politischen Zwangssystems als längst ersehnte Befreiung. Als einer, der ihm innerlich nahe stand, kann der Schreiber dieser Zeilen bezeugen, dass dem Bischof dabei deutlich ein Stein vom Herzen fiel. Der politische Druck war gewichen, aber sein Anliegen war das gleiche geblieben. Im Januar 1990, als Pässe problemlos ausgestellt wurden und sich dennoch lange Schlangen vor dem Passamt in Hermannstadt bildeten, weil die sächsische Bevölkerung sich ganz außergewöhnlich drängte, sagte er in einem Interview: ". . . wir bitten nach wie vor die Pfarrer, zu bleiben, um den Dienst an denen, die hier bleiben, weiterzuführen." Am 8. Februar 1990 starb Albert Klein. Die Beteiligung an seiner feierlichen Beisetzung überstieg alle Erwartungen: An der Spitze des Trauerzuges auf dem Hermannsplatz schon in bereitstehende Busse einstieg, bogen die letzten Teilnehmer desselben auf den Großen Ring in die Heltauergasse ein. Es gab Stimmen, die sagten, diese Trauerfeier gelte nicht nur dem Bischof, sondern auch dem sächsischen Volk.
Wir sollten Bischof Albert Klein und sein aufrichtiges Ringen um jede einzelne Entscheidung auch heute, unter ganz anderen Voraussetzungen, nicht vergessen.

Von Wolfgang H. REHNER,
erschienen in der "Hermannstädter Zeitung" am 14. Juni 2019.

20.12.2018, 19:52 Uhr

HG

250 Jahre seit erster Erwähnung der Sprachverwandtschaft mit Luxemburg


Im September 2018 besuchte ich, gelegentlich einer Gesellschaftsreise, ein drittes Mal das Großherzogtum Luxemburg, welches bei uns Siebenbürger Sachsen allgemein als unsere „Urheimat“ empfunden und betrachtet wird. Wie kam es zu dieser Einstellung?
Man schrieb das Jahr 1768, genau vor 250 Jahren. Das Gebiet des heutigen Luxemburg stand unter der Oberherrschaft der Habsburger. Ein Militärgeistlicher namens Franz Xaver de Feller war aus seiner elterlichen Heimat Luxemburg als österreichischern Militärgeistlicher in die siebenbürgische Stadt Bistritz eingeteilt worden. Hier kam er auch mit der Bevölkerung in Kontakt und entdeckte die Sprachverwandtschaft seiner letzebuergischen Mundart mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen. Er verzeichnete in seinem Tagebuch, gehalten in französischer Sprache, übersetzt, Folgendes über die Siebenbürger Sachsen von Bistritz: „Ihre eigene Sprache ist das Deutsch von Luxemburg, mit einigen Abweichungen. Das Wesen, der Wortklang und die Umgangsformen dieser Sachsen sind genau die Gleichen wie die der Luxemburger.“
Die siebenbürgisch-sächsische Mundart wurde im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte Objekt von mehreren Sprachwissenschaftlern untersucht. Dabei überwog die Meinung,dass das Siebenbürgisch-Sächsische dem Letzebuergischen am nächsten steht, näher als zum Beispiel dem kölschen Dialekt, der auch zu den mosel-fränkischen Mundarten gehört. Davon konnte ich mich in Gesprächen mit der Bevölkerung in Luxemburg überzeugen. Beide Gesprächsteilnehmer erwarteten, dass langsam gesprochen
wird, und es klappte meist sehr gut mit der Verständigung. Beim Lese des Lëtzebuergischen Teils der Tageszeitung gibt es gar keine Schwierigkeiten. Hört man einen Gesangschor singen, wo man die einzelnen Worte ja meist nicht versteht, kann man nicht unterscheiden, ob siebenbürgisch oder letzebuergisch gesungen wird. Eine diesbezügliche Studie liegt zurzeit in Ausarbeitung vor. Da die Luxemburger Fachkreise davon Kenntnis haben,dass die Siebenbürger Sachsen ja nicht nur aus dem Gebiet des heutigen Luxemburg ausgewandert waren, stellen diese sich auch die Frage, wie es dazu kam, dass sich ihr Letzebuergisches als allgemeine Umgangssprache bei den Siebenbürgern gebildet hat.
Es ist allgemein bekannt, dass unter den vor über 800 Jahren Ausgewanderten sich auch solche aus Flandern befanden. Weshalb Siedler aus dem entfernten Flandern nach Siebenbürgen kamen, soll an dieser Stelle verständlich gemacht werden: Im Jahr 1134 hatte es die bis dahin schwerste bekannte Sturmflut der Nordsee gegeben. Diese hatte das Hab und Gut der Anwohner in solch einem Maße vernichtet, dass viele von ihnen endgültig vom Wasser weg wollten und sich in südlichere Gefilde begaben, um dort ein neues Zuhause zu begründen. Gelegentlich einer Studienreise in dieses Gebiet wurde dies vom Reiseführer berichtet. Diese „Flüchtlinge“ werden sich in den ersten Jahren wohl als Arbeiter das tägliche Brot verdient haben. Als aber ab 1141 die Werber aus dem Ungarland mit größten Versprechungen kamen, waren die Flandener wohl unter den Ersten, die sich in den Karpatenbogen aufmachten.
In anderer Richtung verdient Erwähnung, dass das Großherzogtum Luxemburg, trotz des großen Exodus der Sachsen aus Siebenbürgen, weiter zu ihnen hält. So wurde im Jahr 2004 in Hermannstadt ein luxemburgisches Kulturzentrum in Form eines Luxemburghauses gegründet, an dessen feierlicher Eröffnung Seine Königliche Hoheit der Großherzog Henri von Luxemburg, begleitet von seiner Gattin, der Großherzogin Maria Teresa von Luxemburg, sowie der damalige Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis, mit Ehefrau Carmen teilnahmen. Die Zusammenarbeit erreichte ihren Höhepunkt 2007, als Luxemburg gemeinsam mit Hermannstadt Europäische Kulturhauptstadt war.
Diese Entwicklungen bestärken unsere Hoffnungen, auch weiterhin, aufgrund der Sprachverwandtschaft, mit Luxemburg in bester Verbindung zu bleiben. In diesem Sinne wollen wir an das 250-jährige Jubiläum der Entdeckung der Sprachverwandtschaft erinnern.

Julius Henning, SBZ Foge 20, vom 15.Dezember 2018

18.06.2018, 20:15 Uhr

HG

Siebenbürgen, Land des Segens (Siebenbürgen-Lied)

1-Siebenbürgen, Land des Segens,
Land der Fülle und der Kraft
mit dem Gürtel der Karpaten
um das grüne Kleid der Saaten,
Land voll Gold und Rebensaft!

2-Siebenbürgen, Meeresboden
einer längst verfloßnen Flut!
Nun ein Meer von Ährenwogen,
dessen Ufer waldumzogen
an der Brust des Himmels ruht.

3-Siebenbürgen, Land der Trümmer
einer Vorzeit stark und groß!
Deren tausendjähr'ge Spuren
ruhen noch in deiner Fluren
ungeschwächtem Ackerschoß.

4-Siebenbürgen, grüne Wiege
einer bunten Völkerschar!
Mit dem Klima aller Zonen,
mit dem Kranze von Nationen
um des Vaterlands Altar.

5-Siebenbürgen, grüner Tempel
mit der Berge hohem Chor!
Wo der Andacht Huldigungen
steigen in so vielen Zungen
zu dem einen Gott empor.

6-Siebenbürgen, Land der Duldung,
jedes Glaubens sichrer Hort!
Mögst du bis zu fernen Tagen
als ein Hort der Freiheit ragen
und als Wehr dem treuen Wort!

7-Siebenbürgen, süße Heimat,
unser teures Vaterland,
sei gegrüßt in deiner Schöne,
und um alle deine Söhne,
schlinge sich der Eintracht Band!

von
Leopold Maximilian Moltke, (18.09.1819-19.01.1894)

18.06.2018, 20:07 Uhr

HG

Ehre sei Gott in der Höhe

1) Ehre sei Gott in der Höhe, Himmelsfriede tönt herab.
Unser Heil ist in der Nähe, dass uns Gott durch Jesu gab.
Christ der Herr heut’ geboren, uns zum Segen auserkoren.
Darum jubelt weit und breit, heut’ die ganze Christenheit.

2) In der heil’gen Mutterschoße schläft das zarte, holde Kind,
aufgeblüht wie Sarungsrose, Engel seine Brüder sind.
Engel jubeln in den Lüften, Hirten jauchzen auf den Trüften,
Freue oh Christenheit, Jesu kommt vom Himmel heut’.

3) Jesu, liebster Freund auf erden, dir will ich mein Leben weih’n.
Drück mich Kummer und Beschwerden, soll dein Vorbild Trost mir sein.
Arm kamst du zu uns hernieder, Menschen wurden deine Brüder,
Licht in finsternisser Pracht, jene heil’ge weihe Nacht.

18.06.2018, 20:01 Uhr

HG

Yasmin Mai-Schoger

Siebenbürgen

Wenn ich an Siebenbürgen denke,
meine Lider traurig senke
erinn`re mich so gern daran,
denn hier fing einmal alles an.
Ein Flecken Erde, der besonderen Art
wo Tradition und Brauchtum man bewahrt,
wo Freundschaft wird noch großgeschrieben,
das ist das Land, was wir so lieben!
Gemeinschaft hat uns sehr geprägt
von morgens früh, bis abends spät
Stets tief in uns die Heimat ruht,
sie gibt uns Hoffnung, macht uns Mut.
Egal wohin der Wind uns weht,
egal wie schnell die Welt sich dreht,
egal wie auch die Zeit vergeht,
wir wissen wo die Wiege steht.
Sind stets verbunden mit dem Land,
in uns ruht ein festes Band,
das Band der Heimat niemals reißt,
egal wohin man geht und reist.
Manchmal schließe ich die Lider,
dann erinn`re ich mich wieder
seh` mein altes Heimatland,
so, wie ich es hab gekannt!
Wo wahre Freundschaft niemals wankt,
mein Herz es ewig hin verlangt.
Wo rote Rosen blüh`n im Garten,
wo wir in das Leben traten.
Wo ich schwor getreu zu sein,
ja, da bin ich noch daheim.
Egal wie alt und grau ich bin,
in die Heimat zieht`s mich hin.
Siebenbürgen, in der Ferne
doch im Herzen mir ganz nah,
ich erinn`re mich so gerne
weiß noch, wie es damals war.
Werde weiter an dich denken,
bis zum letzten Herzensschlag
wirst mir immer Freude schenken,
weil im Herzen ich dich trag.

Yasmin Mai-Schoger, 11.Februar 2018

08.09.2017, 17:01 Uhr

HG

Emma CZELL, geborene Bretz

geb. 20.12.1918 in Schellenberg
gest. 28.08.2010 in Setterich

Meist wenig spektakulär, eher mit einer ruhigen, fast lautlosen Selbstverständigkeit wirkten die siebenbürgischen Frauen und bewirkten dabei viel. Eine dieser Frauen, die viel zu wenig geehrt und hervorgehoben werden, ist Emma Czell, geborene Bretz. ihre Eltern waren Heinrich Emil Bretz, Rektor in Schellenberg, Hahnbach und Großscheuern und die Heltauerin Emma Bretz geborene Gündisch. Ihre Geschwister sind Walter Bretz, Rektor i.R., und Gerda Bretz-Schwarzenbacher, Hochschullehrerin i.R.
Nach vier Volksschulklassen in Schellenberg besuchte sie das Untergymnasium Hermannstadt und absolvierte im Sommer 1938 als Klassenbeste die Lehrerinnenbildungsanstadt / Seminar in Schäßburg. Im gleichen Jahr wurde sie zur Lehrerin nach Kleinprobstdorf gewählt. Am 26. August 1939 heiratete sie Albert Czell, damals Lehrer in Schellenberg. Ihnen wurden zwei Söhne geschenkt: Hans-Albert (1940 - 1999) und Gernot (geb.1943). Während ihr Mann im Krieg war, wohnte sie zunächst in Hermannstadt, dann in Hahnbach. Dank dieses Wohnortwechsels wurde sie bei der Deportation nach Russland im Januar 1945 übersehen. So war sie zunächst Lehrerin in Hahnbach und Großscheuern und ab September 1946 für dreieinhalb Jahre Rektorin der Volksschule in Scharosch bei Fogarasch. Es war ihr schon damals eine Herzensangelegenheit, ihre Fähigkeiten für Bildung und sächsische Kultur (Chor, Tanz- und Theatergruppe) einzusetzen. Sie bemühte sich vor allem um den Fortbestand der deutschen Oberstufe.
Im März 1950 reiste sie mit ihren beiden Söhnen nach Oberösterreich, wo ihr Mann inzwischen eine Anstellung als Lehrer in Kammer / Schörfling am Attersee gefunden hatte. Sie lebten im Barackenlager 526 unter vielen Nordsiebenbürgern. 1954 zog die Familie nach Setterich bei Aachen um, wo damals Bergleute, aber auch evangelische Lehrkräfte gesucht wurden. Hier bekamen sie 1956 noch eine Tochter. Bis Juni 1978 unterrichtete sie vorrangig in der Hauptschule. An einen kundigen, anschaulichen Unterricht erinnern sich auch heute noch gern die ehemaligen Schülerinnen und Schüler.
Schon im "Lager" in Österreich hat das Ehepaar Czell mit Schwung eine Volkstanzgruppe geleitet, in Setterich gründeten sie dann eine neue Tanzgruppe. Mit zunehmender Freude organisierte sie in der Frauenschaft, der Gemeinde und der Volkshochschule Handarbeitskurse in Weben und Stricken, Bauernmalerei und Knöppeln. Darüber hinaus setzte sie sich initiativ für die Siebenbürgenhilfe ein.


Aus der Broschüre: FRAUENGESTALTEN - FRAUEN GESTALTEN
Herausgeber:
Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V.
Landesgruppe NRW
Datum: Mai 2017