ADZ Online - Hand in Hand für die Kirchenburg in Holzmengen

Nachrichten aus dem Heimatort

23. September 2018

„Uns freut es, dass wir so gut mit den Sommersachsen zusammenarbeiten können“
Mittwoch, 19. September 2018 Gruppenfoto nach dem Restaurierungsworkshop vom 15. und 16. September. Hinten links: Engelbert Feleki-Dengel und Franziska Fiedler; Rechts: Diana und Cătălin Mureșan; Mitte zweite von links: Ursula Stoll. Foto: Viorel Andrievici
Bereits seit über zwanzig Jahren ist in Holzmengen/Hosman im Harbachtal der Verein Europäisches Jugendbegegnungszentrum Kirchenburg Holzmengen e. V. aktiv und engagiert sich für den Erhalt, den Ausbau und die Belebung der Kirchenburg. Gegründet wurde der Verein 1996 von Siegfried Schullerus und Jürgen Haschke. Bereits zuvor, zwischen 1993 und 1995, wurden sowohl die Kirche als auch die Ringmauer umfangreich restauriert, der teilweise eingestürzte Südturm wurde wiederaufgebaut und Konsolidierungsarbeiten an Glocken- und Torturm durchgeführt. Das Pfarrhaus, das nach dem Verlassen des letzten evangelischen Pfarrers leer stand, wurde vom Verein übernommen, in vielen kleinen Schritten restauriert und schließlich wieder mit Leben gefüllt. Bereits seit 2005 gibt es mehrmals im Jahr Arbeitseinsätze, dabei wurden Duschen und Warmwasserleitungen installiert, Fenster und Türen restauriert oder auch im Hof das Dach der Scheune gedeckt. Heute bietet das Pfarrhaus Kinder- und Jugendgruppen eine Küche mit Speisesaal, einen Seminarraum sowie zwei Dutzend Schlafplätze.

Am vergangenen Wochenende waren die Mitglieder des Vereins wieder am Pfarrhaus zugange. Mit ihnen hat ADZ-Redakteur Michael Mundt gesprochen.

Welche Arbeiten gab es an diesem Wochenende zu erledigen?
Engelbert Feleki-Dengel: Wir haben mit Hilfe der Holzmenger Sachsen das Dach überarbeitet, Ziegeln ausgewechselt und außerdem im Obergeschoss beinahe alle Fenster mit Klebedichtungen versehen, damit die Wärme nicht rauszieht. Außerdem haben wir das Treppenhaus zum Dachboden isoliert, ebenfalls damit keine Wärme verloren geht.

Wie ist denn der allgemeine Zustand des Hauses?
Engelbert: Der Zustand des Hauses ist eigentlich recht gut. Das Problem ist nur, dass dringende Arbeiten am Dach anstehen – in den nächsten fünf Jahren. Die Arbeiten, die wir am Wochenende gemacht haben, waren nur eine Notlösung. Man muss eigentlich alle Ziegeln in die Hand nehmen und eventuell einige Latten austauschen. Das ganze Dach müsste neu gedeckt werden.

Wer wird diese Arbeiten vornehmen?
Engelbert: Das ist schon eine Arbeit, die unser Verein nicht mehr leisten kann. Es ist eine umfangreiche Arbeit, die mindestens eine Woche in Anspruch nimmt. Die Kosten schätze ich auf 3000 bis 5000 Euro, was davon abhängt, wie viel vom Gebälk ersetzt werden muss. Auch das Geld kann unser Verein nicht alleine aufbringen.

Wie finanziert sich euer Verein denn?
Franziska Fiedler: Der Verein finanziert seine Arbeit durch Projekte. Wenn wir hier Projekte durchführen und dafür eine Finanzierung bekommen, dann können wir von diesem Geld auch Materialien kaufen. Außerdem unterstützt uns das DFDH (Demokratisches Forum der Deutschen in Hermannstadt) schon seit Langem, sodass wir Projekte über den Minderheitenrat beantragen können. Auch macht das Forum Werbung für unsere Veranstaltungen.

Welche Projekte führt ihr denn in Holzmengen durch?
Franziska: Neben den Restaurierungsworkshops gibt es hier Theaterworkshops und auch in der „Schule anders“-Woche sind stets Schüler zu Gast. In diesem Jahr stand sie bei uns unter dem Motto „siebenbürgische Osterbräuche“. Darüber hinaus gibt es zweimal im Jahr einen Erlebnispädagogikworkshop von Liane Junesch. Dann gab es Gruppen von Pfadfindern, die oben auf dem Hügel gezeltet haben. Eine Gruppe hat sich sogar spontan mit einem Arbeitseinsatz eingebracht. Damals wurden gerade Stromkabel und Wasserleitungen verlegt und die Pfadfinder haben die ganzen Grabungsarbeiten übernommen. Und in diesem Sommer waren auch mehrere freiwillige Helfer aus Deutschland hier, die täglich Führungen durch die Kirchenburg angeboten haben. Uns hat es sehr gefreut, dass das Haus fast den gesamten Sommer über belebt war.
Cătălin Mureșan: Vielleicht müssten wir noch erwähnen, dass für die nächsten zwei Jahre das Hauptprojekt, der größte Teil unserer Energie, in das Predigerhaus fließen wird. Dort müssen wir umfangreiche Restaurierungsarbeiten an einer Haushälfte vornehmen, die andere haben wir schon dieses Jahr gemacht. Das ist aktuell unsere oberste Priorität, dafür müssen wir Gelder einwerben.

Habt ihr euch des ganzen Ensembles der Kirchenburg angenommen?
Diana Mureșan: Also offiziell, laut Vertrag, gehört uns das Haus, die Scheune sowie das Gelände um das Haus. Für die Kirche haben wir keinen Mietvertrag, aber wir kümmern uns auch um die Kirche. Durch Ursula haben wir es geschafft, die Kirchenburg den gesamten Sommer über für Touristen offen zu halten und auch jeden Besucher oder jede Gruppe zu führen.
Franziska: In unserem Vertrag steht auch das Museumszimmer neben der Kirche und seit letztem Jahr das Predigerhaus. Dort haben in diesem Jahr schon Waldorfschüler aus Deutschland, zusammen mit Stefan Vaida, eine Haushälfte restauriert. Außerdem konnten wir mit Robert Kerker, einem Banater Schwaben aus Deutschland, einen neuen Helfer gewinnen. Robert kannte das Haus durch Pfarrer Hans-Georg Junesch, der selbst schon seit Vereinsgründung mit dabei ist, und er kommt einmal im Jahr mit seinen Schülern her und hat im Haus mittlerweile die ganze Elektrik grunderneuert. Er hat auch ein EU-Projekt geschrieben, durch das in den nächsten zwei Jahren am Predigerhaus gearbeitet wird. Dabei werden Schüler aus ganz Europa hier zusammenkommen und dann ein bis zwei Wochen gemeinsam am Haus arbeiten.
Cătălin: Das Geld, von dem ich sprach, das wir noch einwerben müssen, ist notwendig für die Vorleistungen zum Projekt. Denn bis Mai 2019 müssen wir alle Anschlüsse, also Wasser, Gas und Kanalisation, fertig haben.

Wie wird das Predigerhaus denn momentan genutzt?
Cătălin: Momentan wohnt dort jemand geduldet und wir haben auch vor, dass diese Frau dort gegen eine kleine Miete weiterhin wohnen kann, bis an ihr Lebensende. Diese soziale Komponente ist uns sehr wichtig. Es gibt dort genügend Raum und die andere Hälfte des Hauses wollen wir für freiwillige Helfer herrichten, die die Burgführungen machen. Momentan haben sie im Pfarrhaus nur wenig Privatsphäre, wenn auch Jugendgruppen dort übernachten.

Wie kam es denn dazu, dass ihr in diesem Sommer freiwillige Helfer hattet, die Kirchenburgenführungen angeboten haben?
Ursula Stoll: In bin seit 2016 Mitglied im Verein, um Touristen in die Kirchenburg zu bringen und Führungen anzubieten. Schon im Juli dieses Jahres war ich für vier Wochen hier und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Geschichte meiner Vorfahren weiterzugeben (Anmerkung: Ursula Stoll ist gebürtige Hermannstädterin, lebt aber in Deutschland). In meinen Freundeskreisen habe ich von Holzmengen erzählt, habe nach Helfern gesucht, die hier ebenfalls einige Zeit verbringen wollen, um die Kirchenburg offen zu halten. Und dabei habe ich es geschafft, dass zwei siebenbürgische Ehepaare hier für zwei Wochen herkamen und Kirchenführungen gegeben haben. Die haben sich sehr wohl gefühlt und kommen vielleicht auch nächstes Jahr wieder.
Außerdem habe ich mich dem kleinen Museum gewidmet, welches jetzt tatsächlich ein Museum ist. In den Räumen war vorher nichts, bis auf zwei Schränke. Dort haben wir aufgeräumt und jetzt gibt es dort Trachten zu sehen und Marmelade aus dem Harbachtal zu kaufen. Auch als Gemeindesaal nutzen wir den Raum.

Wie ist die Kirche denn besucht?
Ursula: Es kommen immer mehr Touristen vorbei. Sie wird immer bekannter und man sieht sie auch von der Harbachtalstraße aus. Viele sagen, es ist schön, dass die Kirchenburg offen ist, dass wir auch geführt werden und nicht von Plakaten ablesen müssen. Man kommt mit den Touristen ins Gespräch und kann ihnen Geschichten über das Dorf und die Sachsen erzählen. Die Touristen kommen zwar vornehmlich aus Deutschland, aber auch viele Rumänen waren in diesem Sommer hier und sogar zwei Ehepaare aus Australien habe ich durch die Burg geführt.

Wie war es denn, bevor Ursula kam?
Cătălin: Wir hatten davor eine Angestellte. Sie war eigentlich unsere Putzfrau, hat aber auch die Kirchenburg für Besucher aufgesperrt und dafür vom Bezirk einen Teil des Eintrittsgeldes erhalten. Sie hat aber nicht durch die Burg geführt und auch das Museum gab es zu der Zeit noch nicht. Es war eigentlich nicht so eine spannende Erfahrung für die Besucher, bevor Ursula und die Freiwilligen kamen.

Und wie ist es um den Zustand der Kirche selbst bestellt?
Franziska: Auch dort braucht es dringende Reparaturen, aber da ist es so, dass das Bezirkskonsistorium verantwortlich ist. Mit dem sind wir in Gesprächen und wir versuchen, uns dort auch einzubringen, wenn wir Probleme sehen, dann teilen wir die mit. Aber das Bezirkskonsistorium muss sich dann um die Reparaturen kümmern und dafür Gelder zu Verfügung stellen.
Cătălin: Vor allem ist die HOG jetzt deutlich besser aufgestellt. Sie haben einen ziemlich jungen Vorstand und auch geplant, die Orgel zu restaurieren und das Entwässerungssystem zu erneuern, damit das Regenwasser besser ablaufen kann. Die Perspektiven sind dort wirklich gut. Es sind über 100 Sommersachsen im Juli und August in Holzmengen. Und vielleicht ein Drittel von ihnen verbringt sogar eine ganze Jahreshälfte hier.
Franziska: Aufgrund des großen Sachsentreffens letztes Jahr in Hermannstadt gab es auch ein Treffen in Holzmengen. Und daraufhin haben die Holzmenger Sachsen sich beim Bezirk dafür eingesetzt, dass die alte Schule mit dem Gemeindesaal renoviert wird. Im August gab es dort ein Sommerfest und gestern (Sonnabend, der 15. September) fand dort eine rumänische Hochzeit statt. Uns freut es, dass wir so gut mit den Sommersachsen zusammenarbeiten können. Jeder hat seinen Bereich, aber wir arbeiten gemeinsam und jeder darf sich auch bei den anderen einmischen und einbringen. Auch wenn wir die Schule nicht gemietet haben, dürfen wir sie bei unseren Veranstaltungen trotzdem nutzen. Die Idee ist, dass jeder sich nach seinen Möglichkeiten einbringt und man alles gemeinsam nutzt. Auch bei unserem Restaurierungsworkshop waren sie dieses Wochenende mit dabei.

Michael Mundt

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