Eintrag Nr. 7510

26.04.2006, 11:03 Uhr

Guido Frank [none]

Der 1. Mai
Der 1. Mai in Kleinschenk war im wahrsten Sinne des Wortes ein Feiertag. Groß und klein freuten sich auf den 1. Mai weil überall gefeiert wurde. Schon in der früh um 6 Uhr kletterten Hans Albert und seine Musikanten auf den gelben Berg (Gielereich) und weckten die Leute mit ihren Klängen. „Der Mai ist gekommen“ verkündeten sie, und schmückten ihre Mützen oder Blasinstrumente mit frischem grünem Eichenlaub. Nachdem sie vom Berg durch den Garten von Hans Langer wieder zurück ins Dorf kamen, stellten sie sich immer, soweit ich mich erinnern kann, zuerst vor dem Haus von Hans Langer auf und spielten das erste Ständchen im Dorf. Dieses war ein besonderes Ständchen, denn es galt der Tochter von Hans Langer, der Erika. Sie hatte das Glück an ihrem Geburtstag immer von der Blasmusik geweckt zu werden. Nach einer kleinen Verstärkung mit warmem Schnaps und Krapfen mussten die Musikanten weiter um im ganzen Dorf den Mai zu verkünden. Sie marschierten von Straße zu Straße, und an jeder Ecke hielten sie an und spielten ihre traditionellen Mailieder. Immer wieder wurden sie von den Leuten mit einem Gläschen Schnaps und Kuchen bedient. Es gab Stationen die man auf keinen Fall vergessen durfte. Den Pfarrer, die Lehrer und den Bürgermeister wenn er aus dem Dorf kam. Hier hielten sie sich länger auf als sonst. Sie wurden in den Hof eingeladen wo sie dann auch ein paar Lieder mehr spielten. Während die Bläser bis so um die Mittagszeit durch das Dorf marschierten, bereiteten die Leute ihre Maifeier vor. Überall wurden Lämmer geschlachtet und das Fleisch wurde für’s Mittagessen vorbereitet. Bei den meisten gab es am Mittag die Lammfleischsuppe (Ciorba de miel), und nachher gegrilltes Lammfleisch oder „Ciaon“ eine Art Kesselgulasch, mit Kartoffelsalat. Gefeiert wurde in mehreren Gruppen. Die Erwachsenen und die Jugend waren in mehrere Kränzchen aufgeteilt, und bei den Schulkindern bildeten mehrere Klassen kleinere Gruppen. Die Kinder feierten meistens bei jemandem zu Hause, damit diejenige Mutter ihnen das Essen machen konnte. Bei schönem Wetter ging man am Nachmittag ins Grüne. Die beliebtesten Orte waren, zu meiner Zeit, „Die Quelle“ oder der gelbe Berg(Gielereich). Einige fuhren mit den Fahrrädern zum Heilbad nach Rohrbach, nach Voila zum Bach oder zum Complex nach Simbata. Am Abend, wenn alle wider zurück waren, wurde weiter gefeiert und getanzt, bis in die Nacht hinein.
Ein weiterer Brauch in Kleinschenk, waren die schönen hohen Maibäume (Birken), die die Burschen ihren Freundinnen (Lefkern) in der Nacht zum 1. Mai vor das Haus aufstellten. Nach Verhandlungen mit dem Förster, durften die Burschen die 4-6 m langen Birken am Vortag aus dem Wald holen. Sie fuhren sie in eine leere Scheune wo alle untern Äste (bis auf die Spitze) abgesägt wurden. Späht in der Nacht fuhren sie dann vor die Häuser der Mädchen, schlugen Löcher, und setzten den Stamm der Birke fest in die Erde. Am nächsten Morgen dann die Überraschung. Nicht alle Mädchen hatten einen Maibaum. Einige waren enttäuscht. Die andern aber, waren froh und stolz auf ihren Baum. Und auch auf ihren Schatz. Es war eine schwere Arbeit. Aber jeder Fleiß hat auch seinen Preis. Als Belohnung organisierten die Mädchen, die einen Maibaum bekommen hatten eine Feier (Das Ausschenken), und luden alle Burschen die beim aufstellen der Maibäume dabei waren zum Ausschenken ein. Nachdem der Maibaum einige Wochen vor dem Haus stand und getrocknet war, durfte der Vater ihn weider wegräumen. Ein schöner Brauch an den wir uns immer gerne zurückerinnern.

Guido Frank

(Liebe Landsleute sollte irgendwas nicht ganz stimmen an dieser Geschichte dann bitte meldet Euch bei mir. Wir können jederzeit etwas löschen oder beifügen. Sollte jemand schöne Farbfotos zu diesem Beitrag haben, bitte meldet Euch. Wir möchten eine Bildergallerie von unserem Dorf erstellen und dafür brauchen wir Eure Fotos und Eure Unterstützung)

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