25. Februar 2003

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Würdiger "Ritter wider den tierischen Ernst"

Wie schon zwölf Mal bis dato kürte am 8. Februar die 1985 in Rottweil gegründete "Foederatio Saxonica Transsilvana" einen der verdienstvollsten aus Siebenbürgen stammenden Weltbürger deutscher Zunge zum „Ritter wider den tierischen Ernst“. Die Wahl der Jury fiel diesmal auf den Nordrhein-Westfalen Volker Dürr, Architekt, der als Behördenleiter und Geschäftsführer in der Struktur- und Wirtschaftsförderung äußerst verdienstvoll agiert.
Das Augenmerk des Gremiums galt bei der Nominierung jedoch weniger den großen Verdiensten im Hauptberuf. Vielmehr wurde das weltweite Engagement im Ehrenamt, dem des Bundes- und Föderationsvorsitzenden der Siebenbürger Sachsen, zu einem der Hauptkriterien erhoben. Dass Architekt Diplomingenieur Volker Dürr trotz enormen haupt- wie ehrenamtlichen Einsatzes seinen Humor nie verlor, gab schließlich den Ausschlag. Deshalb wurde ihm in Rottweil die heitere Ehrung zuteil, die in ein großes Fest mit vielen humorvollen Beiträgen eingebettet war.

Laudatorin Karin Servatius-Speck mit "Richter" Siegfried Habicher (Bildmitte) und "Ritter" Volker Dürr (rechts)
Laudatorin Karin Servatius-Speck mit "Richter" Siegfried Habicher (Bildmitte) und "Ritter" Volker Dürr (rechts)


Die Zeremonie des Ritterschlags begann um 20.20 Uhr mit einem Umzug von Trachtenpaaren, die auch die Zunfttruhe mit den nötigen Insignien in den Festsaal brachten. Als Laudatorin war Karin Servatius-Speck eigens aus Freiburg im Breisgau angereist. Sie baute ihre Lobrede auf die ritterlichen Tugenden auf und sprach „von ausgleichendem Humor, von einer heiteren Gelassenheit, die trotzdem lacht“. Dürr sei „ein stolzer, unbeugsamer Mann, in dessen Ehrbegriff hinterrücks mauschelnde Intrigen keinen Platz haben“. Für die Lobrednerin gab es ferner „keinen Zweifel: diese Art von lebensphilosophischem Humor, eine im Grunde ernsthafte Sache, die passt sicherlich zu unserem Bundesvorsitzenden genauso, wie sie in den magischen Sprungreigen der schwäbisch-alemannischen Fasnet hier in Rottweil passt.“ Auch beim Einsatz der Kraft für „unsere gute Sache“ wünschte die Rednerin dem Vorsitzenden „das rechte Maß, denn wir brauchen Sie noch lange, Herr Dürr, und ihre Familie sicherlich auch!“

Ein Grußwort seines Vorgängers aus Innsbruck, Prof. Dr. Walter Myss, und den Adelsbrief verlas Traute Habicher. Während der Lesung wurde der Ritteranwärter Dürr mit der blau-roten Schärpe geschmückt, um dann von „Landesvater“ Alfred Mrass sowie Ritter-Vater und Richter Siegfried Habicher per Doppelschlag zum Siebenbürgischen Ritter wider den tierischen Ernst und zum Doktor humoris causa ernannt zu werden. In seiner Dankesrede ging Dürr auf die jahrhundertealte Faschingstradition in Siebenbürgen ein und freute sich, „dass Sie diesen Brauch in Ihrem unsichtbaren ‚Fluchtgepäck‘ mitgebracht und mit dem alemannischen Fastnachtsbräuchen hier im schönen Baden-Württemberg geschickt verwoben haben.“ Die „Foederatio Saxonica Transsilvania“ und an vorderster Stelle ihr Mentor, Habicher, hätten den Beweis angetreten, „dass Brauchtum einen motivierten Bewusstseinsfaktor voraussetzt und nicht künstlich geweckt werden kann“.

Einen des gekürten Ritters würdigen Fortgang nahm das Fasnetsfest mit dynamisch-bunten Darbietungen wie der Tanzeinlage der Tuttlinger Gruppe um das Ehepaar Hilda und Martin Brenndörfer. Zwischen Albstadt-Ebingen und Rottweil wurde dann eine Hotline errichtet, mit Hilfe derer die neuesten Nachrichten rund um die Ritterkür gekonnt ironisch bis sarkastisch ausgetauscht wurden.

Und wieder waren es die beiden Damen vom Telefon, Helga Schuller und Wiebke Backu, sowie Ilse Mathias, die als Maler Pière und Gesellen mit lebendigen Gemälden wie dem „Stuhlgang“, „Drachen-Steigen“ und ähnlichem mehr die Lachmuskeln der Festgesellschaft reichlich strapazierten. Die bunte Party endete im historischen Pflugsaal erst spät nach Mitternacht.

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 3 vom 28. Februar 2003, Seite 3)

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