8. September 2003

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Prof. Dr. Axel Azzola, neuer Präsident der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft zu Berlin, im Gespräch

"Der personelle Mix aus ‚Altgedienten' und ‚Neuen' habe das Zeug dazu, erfolgreich in die Zukunft zu wirken", schrieb nach der Mitgliederversammlung der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft (DRG) zu Berlin vom 19. Juni dieses Jahres Dr. Günther H. Tontsch in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien“. Zu den Neuen zählt dabei Prof. Dr. Axel Azzola. Und das nicht nur, weil er – wie in der „Siebenbürgischen Zeitung“ berichtet - zum neuen Präsidenten der DRG gewählt wurde. Der Staatssekretär a.D. gehört allemal zu den Altgedienten für die Sache seiner Landsleute in und aus Siebenbürgen sowie dem Banater Bergland. In diese Regionen kam er denn auch bald nach seiner DRG-Ernennung, um, wie er sagte, neue Sachverhalte in dieser neuen Funktion vor Ort für Förderungen auszuloten. Dabei richtete unser Hermannstädter Mitarbeiter Martin Ohnweiler einige Fragen an den Verfassungsrechtler.
Herr Azzola, Ihre Wahl zum Präsidenten der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft zu Berlin kam etwas überraschend. Auch für Sie?

Auch für mich. Ich war ja bislang nicht Mitglied dieser Gesellschaft und, bitte, sagen wir doch nicht zu deren Präsidenten, sondern zu ihrem Vorsitzenden wurde ich gewählt.
Prof. Dr. Axel Azzola
Prof. Dr. Axel Azzola



Wieso aber das?

Ich bekam eines Tages Besuch von lauter illustren Menschen, und sie teilten mir mit, dass der bisherige Leiter dieser Gesellschaft, Herbert Siebold, verstorben sei, und man sich daher auf der Suche nach einem neuen Vorsitzenden befände. Das Angebot: Ob ich bereit sei, das Amt zu übernehmen. So überlegte ich zunächst, welche Kriterien ein solches Amt erfüllen soll nach der Vorstellung dieser Menschen?

Und Ihre Antwort?

Na ja. Wahrscheinlich soll die Person zunächst einmal etwas zu tun haben mit Deutschland und mit Rumänien, dann soll sie nicht unbedingt einer nationalen Richtung eindeutig zuzuordnen, besser gesagt kein Nationalist, kein „Sanguiniker“ sein. Zudem soll sie im politischen oder wissenschaftlichen Bereich an einer irgendwie exponierten Stelle stehen oder gestanden haben. All das ist und war bei mir der Fall. Auch dachte ich mir, dass man in Berlin so viele Leute nun wohl nicht finden werde, die alle diese Kriterien gleichmäßig oder nur halbwegs gleichmäßig erfüllen. Und Zeit habe ich schließlich auch. Das war dann das, was bei mir den Ausschlag gab. Also, warum sollte ich es nicht tun?

Die Gesellschaft wurde übrigens vor genau zehn Jahren gegründet. Aus welchem Anlass?

Die Gesellschaft ist bald nach der Wende zunächst aus einem sozialen Impetus entstanden, was ja verständlich war und in bestimmter Weise heute noch verständlich ist, wenngleich die kulturellen Aktivitäten an Bedeutung zugenommen haben. Beides prägt aber immer noch das Verhalten dieser Gesellschaft, die insbesondere in Klausenburg einen Schwerpunkt hat, und zwar nicht zufälligerweise, weil auch das siebenbürgisch-sächsische Element, das dort anzutreffen ist, sich als erfreulich weltoffen erweist. Die Grundkonzeption unseres Vereins ist es ja, solche Sachverhalte zu fördern, die nicht auf den Prinzipien der Blutsgemeinschaft fußen, wie man das im Denken mancher Sachsen vormals in Hermannstadt immer noch antrifft. Das sind Bereiche, mit denen unsere Gesellschaft nichts zu tun hat und nichts zu tun haben wird, so lange ich ihren Vorsitz inne habe.

An welche Bereiche denkt demnach der neue Vorsitzende?

Es geht darum, Bildungseinrichtungen zu fördern, die sich nicht als Abstammungsgemeinschaften verstehen. Dazu gehören mit Sicherheit die Musikhochschule in Klausenburg und die auch bislang erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem dortigen Cosbuc-Lyzeum und einer Berliner Gesamtschule. Doch auch andere Aktivitäten sollen hinzu kommen, nachdem man sie geprüft und zusammen mit anderen Vereinigungen erörtert hat. Jetzt schon gedenke ich, wenn ich nach Hause komme, etwas zu tun für die deutsche Abteilung des Hermannstädter Radu-Stanca-Theaters und zwar nicht als Publikumstheater, sondern selbstverständlich unter dem in meinen Augen ganz entscheidenden pädagogischen Gesichtspunkt. Schließlich werden ja hier am „Päda“ oder an der Germanistikfakultät die zukünftigen Multiplikatoren herangebildet, und auf deren Bildung kommt es an. Da sehe ich eine unserer zentralen Aufgaben.

Stehen demnach der kulturelle und der Jugendbereich mehr im Vordergrund?

Ach, nein. Hier gibt es kein Monopol auf die Jugend. Wir sind ja auch zum Teil, wenn ich das so sagen darf, veritable alte Leute.

Doch soll die Förderung weiterhin auf einer Einbahnstraße fahren?

Na, man soll seine eigenen Schultern nicht überschätzen, andererseits aber soll man dann doch auch bereit sein, sie zu belasten. Und ich meine, dass es möglicherweise wichtiger ist, im Augenblick gewisse Aktivitäten in Rumänien zu fördern, als mit relativ knappen Geldmitteln wenigen Individuen einen Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen. Dabei denke ich an Sommerkurse, vielleicht in Anschluss an schon in Rumänien Bestehendes wie in Hermannstadt, Klausenburg oder im Banater Bergland, wo es ja geeignete Einrichtungen dieser Art gibt. Das muss sich allerdings noch herausstellen, und es wird sich herausstellen.

Wer sind dabei Ihre stützenden Mitglieder?

Wir sind ein gut bürgerlicher Verein vorrangig von Beamten und Lehrern, auf jeden Fall aber ziemlich weit weg vom Kommerz, was doch das Bildungsbürgertum immer schon war. Meine Aufgabe jedoch soll es nun auch sein, diesen Verein ein bisschen an politische Entscheidungsstrukturen heranzuführen, nicht um selbst Politik zu machen, sondern um das Fördern von Dingen zu erleichtern, wo die eigenen Kräfte nicht reichen. Es ist ja wohl kein Geheimnis, dass ich selbst in der Vergangenheit solche nicht abstammungsorientierte Einrichtungen wie den Hermannstädter Bach-Chor gerne gefördert habe. So soll es auch in Zukunft bleiben, besser gesagt: in Zukunft sein.

Herr Azzola, wir danken für das Gespräch.

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