15. November 2003

Druckansicht | Empfehlen

Brukenthals Gartenanlagen in Freck ein "siebenbürgisches Eden"

Während die meisten historischen Gärten barocker Prägung in Siebenbürgen - der Garten der Grafen Haller von Hallerstein in Weisskirch bei Schässburg, die Hermannstädter Gartenanlagen Brukenthals vor dem Heltauer Tor, die Gärten der Grafen von Bethlen in Bonyha/Boiu und Klausenburg - zerstört oder grundlegend verwandelt wurden, ist der Garten der Frecker Sommerresidenz Brukenthals noch in seinen Grundstrukturen erhalten geblieben. Ihm kommt eine herausragende Bedeutung zu als Dokument einer Zeitepoche, die der Gartenbaukunst in Siebenbürgen zur Blüte verhalf.
Der Garten galt bereits zu Brukenthals Lebzeiten als „Pflegestätte reicher Gartenbaukunst“. Unter Anleitung Brukenthals, der bestrebt war, seine Anlagen den Wiener Gärten jener Zeit nachzubilden, hatte sich der Frecker Garten so entwickelt, dass er von allen Besuchern als Rarität in Siebenbürgen gepriesen wurde. Das Verzeichnis der Bäume und Sträucher glich dem eines botanischen Gartens und war Anziehungspunkt für viele naturwissenschaftlich interessierte Zeitgenossen Brukenthals wie die Botaniker J. v. Lerchenfeld, P. Sigerus und J. Chr. G. Baumgarten. Dank seiner Vielfalt, seiner Einmaligkeit und Größe wurde der Gartenkomplex als ein „siebenbürgisches Eden“ bezeichnet, da, wie J. Th. Hermann 1778 schrieb, „das Beste und Vollkommenste was man an Blumen, Früchten, Kuchelwerk in Europa aufbringen kann“ hier vereinigt wurde.

Die Gliederung der Gartenanlagen


Der Gartenkomplex bestand zu Brukenthals Zeiten aus einem französischen Ziergarten, einem englischen Landschaftsgarten, einem holländischen Garten, einem Fasanengarten, über den kaum etwas bekannt ist, sowie zwei größeren Nutzgärten, den so genannten Nebenkuchelgärten. Hinzu kamen noch Wirtschaftsgebäude und Gewächshäuser, in denen Ananas, Kaffeebaum, Zuckerrohr und Dattelpalmen gezüchtet wurden. Der französische Garten war streng getrennt von der natürlichen Umgebung. Mit seinen symmetrisch-geometrischen Formen galt er als Repräsentationsgarten (Ziergarten), der nach 1770 aufwändig mit Alleen, Bosketten, Blumenrabatten, steinerner Freitreppe, Bildwerken und Steinvasen, Wasserbecken, Springbrunnen, Wasserläufen und Brücken ausgestaltet wurde. Farbenprächtige Nelken, Ranunkeln, Narzissen, Rosen, Verbenen, Violen und Winden sowie zahlreiche Hochstauden und Ziersträucher vereinigten sich hier zu einer bunten Palette. Als Spiegelbild vornehmer Gartenkultur galten auch die Orangerien der Frecker Gartenanlage mit etwa 1000 Limonen und Orangenbäumchen.



Frecker Gartenanlage des Barons von Brukenthal: Orangerie mit vorgelagertem Hochstaudengarten
Frecker Gartenanlage des Barons von Brukenthal: Orangerie mit vorgelagertem Hochstaudengarten


Im Zeichen der Hinwendung zur Natur im ausgehenden 18. Jahrhundert war der englische Garten mit geschwungenen Wegen, weiten Rasenflächen, auf deren Pflege Brukenthal besonderen Wert legte, sowie Baumgruppen heimischer Arten versehen. Durch gestaltende Eingriffe in die Landschaft über den Garten hinaus und durch Alleen wurde ein Übergang zwischen Garten und freier Landschaft geschaffen.

Der holländische Garten vereinigte viele fremde Arten, die Brukenthal in Siebenbürgen akklimatisieren wollte. Er sah seine Gartenanlagen auch als eine „Versuchsstelle“ zur Einbürgerung ausländischer Arten. Zu diesen Arten gehörten Mandelbäume, Muskatbaum, verschiedene japanische Ziersträucher, Nordamerikanischer Ahorn, Nordamerikanischer Tulpenbaum etc. Gleichzeitig waren die Gärten auch eine Pflegestätte heimischer Sorten (z. B. Batulle-Apfel). Die Obstanlagen der Nutzgärten waren oft in Spalierform angelegt und umfassten ein breites Angebot unterschiedlicher Obstbaumarten und Beerensträucher. Auch dem Weinbau mit unterschiedlichen Rebensorten galt Brukenthals Aufmerksamkeit.

Die großen Küchen- bzw, Nutzgärten bestanden aus Obstanlagen, Gemüse- und Kräuterbeeten unterschiedlichster Art. Sie enthielten auch Spargelbeete, die zu den Gemüseanlagen großer herrschaftlicher Gärten jener Zeit gehörten. Die Küchen- bzw. Wirtschaftsgärten haben (wohl in etwas veränderter Form) noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gut funktioniert, als hier das Erholungsheim bzw. Kurhaus nach Kneippscher Art existierte und man Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten in der Küche verwandte.

Zur Geschichte des Gartens


Die Entstehungsgeschichte der Anlagen beginnt im Jahr 1757, als Brukenthal 1,5 Hofstellen sowie weitere Gärten und Grundstücke ankaufte, denen dann bis 1760 der Bau eines ebenerdigen Wohnhauses als Sommersitz samt Wirtschaftsgebäuden und die Anlage eines Ziergartens folgten. 1761 wurden die Besitzungen aufgrund einer Vereinbarung zwischen dem Baron und dem damaligen kommandierenden General Siebenbürgens Graf A. N. von Buccow, General der Kavallerie, zur Nutzung der Besitzungen und deren Weiterentwicklung quasi in einer Art Pachtverhältnis überlassen. Dieser baute zwischen 1761-64 das Wohnhaus zu einem Schlösschen mit flankierenden Flügelgebäuden um, wonach eine Terrassierung des Gartens vorgenommen wurde. Brukenthals Ziel war damals, „Freck so zu gestalten, dass es sich aus seinen eigenen Wirtschaftserträgnissen erhalten könnte“. Nach seinem Tod (1803) und dem Aussterben der männlichen Mitglieder der Familie Brukenthal kam das Frecker Schloss durch Verkauf in verschiedene Hände und war lange in Besitz des Hermannstädters Viktor Hugo Borger, der sowohl das Schloss als auch die Anlagen in gutem Zustand erhielt. 1908 erwarb das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde A.B. in Hermannstadt Schloss und Park, unterstützt vom Hygienischen Verein des Hermannstädter Komitats, wonach hier ein Erholungsheim eingerichtet wurde. Nach der politischen Wende in Rumänien erhielt die deutsche Minderheit, vertreten durch die Brukenthal-Stiftung und das Forum, die Anlagen zurück und damit auch die Verantwortung für Pflege und Nutzung.

Gegenwärtiger Zustand und Bedeutung


Die Gliederung in einen französischen Gartenteil mit symmetrischen Strukturelementen und einen englischen Garten zeichnet sich noch deutlich ab, jedoch nicht mit der einstigen Arten- und Strukturvielfalt, die einer speziellen, fachgerechten Pflege und in Teilbereichen einer Neugestaltung bedürfen. Vom holländischen Garten ist kaum etwas übrig geblieben. Allein die noch vorhandenen prächtigen Tulpenbäume im nördlichen Gartenteil dürften darauf hinweisen, dass sich in ihrem Bereich der holländische Garten befand. Jeder einzelne dieser Bäume ist ein Naturdenkmal und verdient besonderen Schutz. Auch von den Nutzgärten in ihrer einstigen Form ist kaum noch etwas vorhanden. In Anbetracht des historischen Wertes dieser Gartenanlagen und ihrer Einmaligkeit in Siebenbürgen bzw. in ganz Südosteuropa verdient ihre Bewahrung und Restaurierung besondere Priorität, zweifelsohne auch die Wiederentwicklung des Obstbaumbestandes (respektive der einheimischen Sorten). Im Hinblick auf die zukünftige Nutzung des gesamten Komplexes könnte dem traditionellen Obstanbau eine große Bedeutung zukommen. Es sollte unser aller Anliegen sein, diese „Pflegestätte reicher Gartenbaukunst“ für die Zukunft zu bewahren.

Erika Schneider, Rastatt



Nachricht bewerten:

10 Bewertungen: ++

Neueste Kommentare

Artikel wurde 4 mal kommentiert.

Alle Kommentare anzeigen.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.

  • AKTUELL
  • BEWERTET
  • GELESEN
  • KOMMENTIERT
Druckausgabe der aktuellen Zeitung
Die Druckausgabe der SbZ bereits eine Woche vor der Auslieferung online lesen (inkl. Volltextrecherche).

Archiv Schmökern und recherchieren im Archiv der SbZ von 1950-2010.

Terminkalender

« Juni 17 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
29 30 31 1 2 3 4
5 6 7 8 9 10 11
12 13 14 15 16 17 18
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 30 1 2

RSS-Feeds abonnieren

Nächster Redaktionsschluss

12. Juli 2017
11:00 Uhr

12. Ausgabe vom 25.07.2017
Alle Redaktionsschlüsse
Registrieren! | Passwort vergessen?
Impressum · RSS · Banner · Online werben · Nutzungsbedingungen · Datenschutz