50-jähriges Treffen Pädagogisches Lyzeum Hermannstadt – deutsche Lehrerklasse 1976-2026
Gut die Hälfte aller ehemaligen 37 Absolventen der Lehrerklasse Hermannstadt kamen für drei Tage Ende Juli nach Pappenheim in Bayern, um ihr 50-jähriges Jubiläum zu feiern. Erkannten sich alle wieder? Ja, die meisten, denn dieser Jahrgang traf sich zuletzt 2024 und insgesamt zwölfmal seit 1976.
Die ehemaligen Absolventen der Lehrerklasse aus Hermannstadt bei ihrem 50-jährigen Jubiläum. Foto: S. ReisenauerUnd das ganz Besondere war: Auch der ehemalige Klassenlehrer Friedrich Philippi, als einziger aus Hermannstadt angereist, war dabei. Das verbindet, zumal er gleich bei der Begrüßung bekundete: „Ihr wart meine beste Klasse!“ Warum wohl? Nicht wegen der Ernte-Arbeitseinsätze auf dem Kartoffelacker oder im Weinberg, die jeden Herbst während der Ausbildung stattfanden, auch nicht wegen der politischen oder weiterer Funktionen, die der Lehrer jährlich pflichtgemäß besetzen musste, wie er meinte, und auch nicht wegen der konkreten schulischen Lernergebnisse, die bis auf Hundertstel ausgerechnet wurden. Es waren die vielen Ausflüge, Wanderungen und Klassenfahrten, bis hin zu kulturellen Tourneen durch Siebenbürgen, für die sich Friedrich, wie ihn heute alle nennen, mit einem Übermaß an Engagement einsetzte, diese organisierte und zu Bildungsreisen werden ließ. Das tat der Klassengemeinschaft gut, und dieses Gemeinschaftsgefühl war auch nach 50 Jahren noch zu spüren. Das prägt und verbindet! Somit war es für diese Gruppe selbstverständlich, die Burg Pappenheim zu besichtigen und an vergangene Deutschstunden zu Schillers Trilogie „Wallenstein“ anzuknüpfen mit dem Satz: „Daran erkenne ich meine Pappenheimer.“ Wallenstein benutzte den Satz als Ausdruck für Anerkennung, Stolz und Treue für seine Kürassiere. Der Satz trifft auch auf die einstige Lehrerklasse im ursprünglich positiven Sinn zu. Zum einen bezogen auf eine fundierte und qualitativ hohe Allgemeinbildung, zum anderen auf die Persönlichkeitsentwicklung am „Päda“, wie die Schule umgangssprachlich genannt wird. Und gerade die Selbstfindung der Schüler war es, was auch heute noch verbindet, obwohl sie aus unterschiedlichen Teilen Siebenbürgens kamen, zudem aus dem Banat und dem Sathmarer Land. Das erklärt auch, warum die Mehrheit im Internat oder in privaten Quartieren wohnte, als 15-Jährige weg von zuhause, vom Heimweh geplagt. Hier sah Philippi ebenfalls seine Aufgabe als Klassenlehrer. So war er Seelentröster und Unterstützer in der fremden Umgebung, aber auch darum bemüht, dass jeder seine Persönlichkeit finden und weiterentwickeln konnte. Diese Ichfindung während der pädagogischen Ausbildung zählt somit zu einem wichtigen Aspekt, der zusammenschweißt.
So verlief das Jubiläumstreffen sehr harmonisch, lebendig, mit vielen Gesprächen, aber auch mit Lachen, Tanzen und Singen. Weil Musik mit Chor- und Instrumentalunterricht wichtige Fächer waren, kannten fast alle noch ihre Stimmlage, so dass die Lieder mehrstimmig erklangen.
Ein Überblick mit Fotos und Videos von den vielen vergangenen Treffen weckte Erinnerungen, zeigte aber auch die Veränderungen, die 50 Jahre mit sich bringen. In einer Schweigeminute, mit einem Segen und dem Kanon „Dona nobis pacem“, wurde der leider schon verstorbenen Kolleginnen und Kollegen gedacht, aber auch derer, die krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnten.
Sehr geschätzt wurde abschließend, dass Klassenlehrer Philippi die weite Reise auf sich genommen hatte, unterstützt durch Stefan und Maria Bohler. Und allgemeine Anerkennung fand die sehr gute Planung und Organisation des Treffens durch Maria und Sepp Reisenauer. Zur guten Stimmung trugen auch Gitte und Walter Reuss bei, die sich um Fotos und Musik kümmerten.
„Was ist der langen Rede kurzer Sinn?“ (apropos Wallenstein): Nach 50 Jahren verbindet immer noch der Spirit der einstigen Hermannstädter Schule, der gute Zusammenhalt und die harmonische Gemeinschaft.
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