10. Juni 2026
Die „Bildermacher“ Gert und Uwe Tobias: Ausstellung zum Lovis-Corinth-Preis 2026
Das Foyer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt sich zur diesjährigen Verleihung des Lovis-Corinth-Preises in neuer Gestalt: Die Pfeiler des Oktogons in der Eingangshalle sind auf den Vorderseiten schwarz eingefärbt, so dass die Architektur noch eckiger, kantiger, härter wirkt. Die Wände des Foyers – gleichfalls in schwarzer Farbe auf weißem Grund gestaltet – sind dagegen mit zart-verspielter, arabesk anmutender Malerei bedeckt. Wie aus Tuscheklecksen erwachsen Fantasiewesen, Getier und Kokons, auch andere Blattrandträumereien, ganz so wie sie manche Schulhefte säumen. Die Formen fließen und tanzen über die Wand, geheimnisvoll tauchen sie aus einem verborgenen Untergrund hervor. Der Kontrast zur strengen Architektur des Oktogons könnte kaum größer sein. So wird gleich zum Auftakt der Ausstellung ein Moment der Irritation gesetzt.


Als Künstlerduo, das gemeinsame Autorschaft pflegt, haben sich Gert und Uwe Tobias längst international profiliert. Die Liste der Ausstellungen in renommierten Häusern ist lang und bezeugt ihren durchschlagenden Erfolg. Holzschnitt und Malerei sind die bevorzugten Medien des künstlerischen Ausdrucks, aber die Collage ist ihnen das oberste Prinzip der Gestaltung. Formen und Zeichen aus unterschiedlichen Kontexten, die aus Heften und Postern ausgeschnitten und eingeklebt werden, geben ihren Bildwerken ein nicht unbedingt klassisch-künstlerisches Format. Die Arbeitsmethode passt gut zu den beiden Brüdern selbst, die sich durchaus unabhängig voneinander als Künstler begreifen, allerdings zu einem äquivalenten Miteinander gefunden haben, in dem „jeder jedes kann“. So wie beide als Individuen doch zusammenwirken, finden sich auch in ihren Werken die überraschendsten Konstellationen von Dingen und Wesen zueinander und werden als ganz reale Gegenwart erfahrbar.


Eigene Räume werden jeweils der Auseinandersetzung mit der Figuration beziehungsweise dem Stillleben gewidmet. Großzügig und zum Erproben immer neuer Blickachsen angelegt, eröffnet sich im Gang durch die Räume eine regelrecht barocke Bilderfreude. Dass dafür fein glasierte Keramiken zusätzliche Akzente setzen und mit den Stillleben korrespondieren, erscheint nur konsequent.
In etwas anderem Licht und doch im Herzen der Raumfolge erscheint ein Zimmer, in dem eine Reihe von Schreibmaschinenzeichnungen ausgestellt werden. Sie gehören zu einer frühen Werkgruppe mit dem Titel „come and see before the tourist will do – the mystery of transilvania“. Diese Aufforderung, Siebenbürgen noch rechtzeitig, vor den Touristenströmen zu besuchen, wird aber nicht etwa mit einer Präsentation von sanften Hügellandschaften, Burgen und historischen Stadtkernen flankiert. Im Vordergrund steht hier vielmehr die Konfrontation mit dem kommunistischen Rumänien und dem verzerrenden Mythos um Graf Dracula. In schwarz-weißer Musterung, aus Kreuzen, Punkten und anderen Interpunktionszeichen zusammengefügt, schälen sich die Horrorportraits des moldauischen Fürsten, aber auch des Diktators aus dem Papier. Dazwischen: Bilder von zerbrochenen (roten) Sternen, halben Siegertreppchen und Plattenbauten, Versatzstücke von Ehrendenkmalen. Die Annäherung fällt nicht leicht. Warum sollte sie auch? Schließlich war das einmal der Grund zu gehen.
Dennoch, und das trägt auch diesen Raum, ist das Verhältnis der Brüder Tobias zur Welt eines, das lust- und fantasievoll vom Erfinden eigener Handlungsräume lebt. Jedes Bild, jeder Raum tritt als Produkt eines konzentrierten Aktes hervor. Das Gestalten ist frei und experimentell, es verfügt über Distanz zu sich selbst und gesteht sich ein, hier und da auch mal einfach dekorativ sein zu dürfen. Das ist eine Stärke, die man mitnehmen kann – Freude inbegriffen.

Heinke Fabritius
Schlagwörter: Regensburg, Ausstellung, Kunst
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