12. März 2005

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Komponist Martin Thies gewürdigt

Die Siebenbürger Blasmusik Stuttgart ehrte den Komponisten Martin Thies (1.10.1881 – 13.11.1940) in ihrem Jahreskonzert am 5. Februar in der Sängerhalle in Stuttgart. Mit dessen Marsch "Der erste Versuch" eröffnete die Blaskapelle unter Stabführung von Hans Otto Mantsch das Konzert.
Der Vorstandsvorsitzende Walter Wagner begrüßte mit herzlichen Worten die Konzertteilnehmer, allen voran den Vertreter der Kreisgruppe Stuttgart, Otto Depner mit Gattin, und den Leiter der Siebenbürger Blaskapelle Böblingen, Johann Bruss mit Gattin. Durch das Programm führte Erika Mantsch. Der 1. Teil bot folgende Thies-Kompositionen: Walzer „Sommerfreuden“ (Arrangement Stefan H. Bretz), Polka „Am Meeresstrand“ (Arrangement Stefan H. Bretz), Walzer „Am Abend“ (Arrangement Ernst Fleps), Polka „Waldeslust“ (Arrangement Stefan H. Bretz), „Ländler“ (Arrangement Stefan H. Bretz) und „Seminaristenmarsch“ (Arrangement Stefan H. Bretz).

Erika Mantsch führte in ihren Erläuterungen aus: „Eine der markantesten Persönlichkeiten in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts auf dem Gebiet der Blasmusik ist ohne Zweifel der aus Siebenbürgen stammende und heute noch weithin bekannte Musiker Martin Thies. Es dürfte wohl kaum eine siebenbürgische Blaskapelle in Deutschland, Österreich, Kanada oder den Vereinigten Staaten geben, die nicht einiges von Martin Thies in ihrem Repertoire hat. Wir, die das Erbe und Kulturgut unserer Vorfahren bewahren und pflegen möchten, haben die Pflicht, einer solchen Persönlichkeit von überregionaler Bedeutung, wie es Martin Thies in der Musik war, den ihr gebührenden Platz einzuräumen. - Nun, wer war Martin Thies? Er stammte aus einer Wolkendorfer Bauernfamilie und zeigte schon als Kind seine musikalische Begabung. Mit 17 Jahren meldete er sich zur Militärkapelle in Kronstadt und rückte in kürzester Zeit zum Solisten auf. Nach einem Aufenthalt in Galizien kam er nach Wien, wo er am staatlichen Konservatorium Musik studierte und als Kapellmeister absolvierte. 1905 beendete er seine Militärmusikerlaufbahn, heiratete und trat als Soloflügelhornist bei der Kronstädter Stadtkapelle ein, wo er 1935 pensioniert wurde. In all den Jahren hat Martin Thies unzählige Schüler und Blaskapellen herangebildet. Für diese Kapellen schrieb er hauptsächlich seine Kompositionen. Sie waren leicht spielbar, sehr melodiös und so gesetzt, dass sie sowohl von kleinen als auch von größeren Besetzungen spielbar waren. Insgesamt hat Martin Thiess weit über 100 Kompositionen geschaffen, darunter Märsche, Walzer und Polkas, Ouvertüren, Potpourris und Trauermärsche. Seine Musik bringt in unvergleichlicher Weise charakteristische Eigenschaften der Siebenbürger zum Ausdruck, wie Melancholie, Sehnsucht, Schwermut, aber auch Sensibilität oder freudiges Aufjauchzen bei entsprechendem Anlass. Martin Thies wurde 59 Jahre alt und starb 1940 an einem Herzschlag.“

Der aus seiner Zeit als Dozent an der Musikhochschule in Bukarest und Leiter des Blasorchesters „Karpatenshow“ den älteren Zuhörern bekannte Musiker Stefan H. Bretz (Gottmadingen am Bodensee) hat die Kompositionen für eine große Bläserformation des 21. Jahrhunderts neu orchestriert.

Zum Auftakt des 2. Konzertteils erklang die „Braumeister-Polka“, komponiert von unserem Landsmann Hans Bruss. Das Programm wurde fortgesetzt mit: „Trojak“, walachischer Tanz von Boris Hajdusek, Arrangement Pavel Stanek; „Wandergesell“, solistische Polka für zwei Tenorhörner von Franz Watz (Solisten: Herberth Daniel und Robert Hinzel); Sketch „Zimmerbestellung“ (Darsteller: Walter Wagner und Helmut Biemel) sowie „Les Humphries in Concert“, Medley, zusammengestellt von Kurt Gäble. Das Konzert schloss mit dem „Castaldo-Marsch“ von Rudolf Novacek als Zugabe.

Walter Wagner dankte den Zuhörern, den Musikkollegen, besonders aber dem Dirigenten Hans Otto Mantsch und seiner Gattin Erika, denen eine kleine Anerkennung von Vorstandsmitglied Michael Rochus („etwas zum Stärken“ und eine Blume) überreicht wurde. Es folgte die Tanzunterhaltung. Das diesjährige Jahreskonzert hat sein besonderes Ziel, „die Zuhörer durch die Klänge der Blasmusik in die alte Heimat zu entführen“, erreicht. Mit viel Freude und großer Dankbarkeit haben wir diesen unvergesslich schönen Abend erlebt.

Helmut von Hochmeister

Schlagwörter: Burzenland, Blasmusik, Stuttgart

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