14. April 2002

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Hans Bergel zu Lesungen und Aktenstudien in Rumänien

Von der Lektorin am Lehrstuhl für Fremdsprachen der Transilvania-Universität, Kronstadt, Carmen Elisabeth Puchianu, zum fünften Kongress der Kronstädter Germanisten eingeladen, hielt sich der Schriftsteller Hans Bergel vom 20. bis zum 23. März in seiner Vaterstadt auf, die ihm 1996 die Ehrenbürgerschaft verliehen hatte. Zudem studierte Bergel seinen umfangreichen Securitate-Dossier in Bukarest.
Der 76-Jährige hielt dabei eine von den Kronstädter Medien mit viel Lob bedachte Literaturlesung im überfüllten „Bistro de l’Arte“ am Rosenanger, wo der Besitzer und Mäzen Thomas Leidig unter dem Titel „Metamorphosen des Feuers“ auch Bronzeskulpturen des ebenfalls aus Rumänien stammenden Bildhauers Roland Flamann ausstellte. „Voll zur Geltung konnte Hans Bergels Talent zum Erzählen, zum Beschreiben von Menschen und Charakteren, von Orten und Stimmungen gelangen“ berichtet die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ). Bergel las in deutscher Sprache aus dem Roman „Wenn die Adler kommen“. Die rumänische Fassung seines Essays über die Schauspielerin Ioana Maria Gorvin „war mehr als eine Höflichkeitsgeste“ berichtet die ADZ weiter.
Der Schriftsteller und Publizist Hans Bergel, hier bei einer Veranstaltung im Haus des Deutschen Ostens zu München. Foto: Robert Sonnleitner
Der Schriftsteller und Publizist Hans Bergel, hier bei einer Veranstaltung im Haus des Deutschen Ostens zu München. Foto: Robert Sonnleitner


Zu einer weiteren Lesung war Bergel in die Universität eingeladen worden, wo sieben rumänische Germanistikstudenten unter der Leitung der Bukarester Universitäts-Dozentin Dr. Mariana Lazarescu an einem Übersetzungsprojekt größeren Umfangs aus Bergels Essayistik arbeiten. Er las aus den von ihnen übersetzten Texten und hatte außerdem Begegnungen mit rumänischen Autorenkollegen, Universitätsprofessoren, Künstlern und Pressevertretern.
Beim anschließenden Aufenthalt in Bukarest las Bergel im „Schiller“-Kulturhaus eigene Texte in rumänischer Sprache. Das großenteils rumänische Publikum honorierte dies Entgegenkommen mit Beifall und mit zahlreichen Diskussionsfragen, an denen sich unter anderen Rumäniens bekannteste Schriftstellerin, Ana Blandiana, beteiligte. Radio Bukarest machte bei dieser Gelegenheit Tonbandaufnahmen mit Hans Bergel für die „Goldenes Archiv“ genannte Literatur-Tonsammlung mit Stimmen bedeutender Schriftsteller aus Rumänien - Bergel ist der erste in der Sammlung vertretene deutschsprachige Autor.
Drei Tage des Bukarester Aufenthalts widmete Bergel dem Studium seiner umfangreichen Securitate-Dossiers am Sitz des „Consiliul National pentru Studierea Arhivelor fostei Securitati“ (Nationalrat zur Aufarbeitung der Archive der ehemaligen Securitate). Auf seine „Begegnung mit der Vergangenheit im Lichte seiner Securitate-Akten“ wird Bergel demnächst in dieser Zeitung eingehen.
Anschrift: Anträge für die Einsicht des eigenen Securitate-Dossiers sind an folgende Anschrift zu richten: Consiliul National pentru Studierea Arhivelor fostei Securitati, D-lui Presedinte Dr. Gheorghe Onisoru, Str. Dragoslavele 2-4, RO-78132 Bucuresti, sectorul 1. In dem Schreiben sollte der Antragsteller darauf hinweisen, dass er rumänischer Staatsangehöriger war bzw. ist, und einen Termin erbitten (z.B: Stimate domnule Dr. Onisoru, fiind ceataten roman in perioada fostei Securitati va rog sa-mi acordati posibilitatea de a studia actele mele. Va rog sa stabiliti un termen adecvat). Wegen der großen Nachfrage beträgt die Wartezeit mindestens vier Monate. Personalakten sind von jenen Personen vorhanden, die von der Securitate beobachtet wurden.

Artikel zum Thema Securitate-Akten:

Vierzig Kilometer Stasi-Akten warten in Rumänien darauf, eingesehen zu werden, SbZ-Online vom 2. Oktober 2001

Brisante Securitate-Akten weiter unter Verschluss, SbZ-Online vom 27. Juli 2001

Liste von Securitate-Mitarbeitern veröffentlicht, SbZ-Online vom 9. Mai 2001

Umfrage: Was versprechen Sie sich von der Veröffentlichung der Seucritate-Akten?

Schlagwörter: Bergel, Securitate

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