30. Juni 2010

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Rumänien will Beziehungen zu den Siebenbürger Sachsen in Deutschland vertiefen

Auf Einladung der rumänischen Regierung führte der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Dr. Bernd Fabritius, vom 23. bis 25. Juni 2010 Gespräche auf höchster Ebene in Bukarest. Auf der von rumänischer Seite vorgeschlagenen Tagesordnung des Arbeitsbesuches standen Gespräche mit Staatspräsident Traian Băsescu, mit Außenminister Teodor Baconschi, mit dem Minister für Arbeit, Familie und Soziales, Mihai Şeitan, mit dem Staatssekretär im Ministerium für Erziehung, Forschung, Jugend und Sport, Andras Kiraly, mit Vertretern der Abgeordnetenkammer und des Senates sowie dem rumänischen Staatsfernsehen TVR.
Organisiert wurde das dicht gedrängte Besuchsprogramm vom Departement der rumänischen Staatskanzlei, in dessen Zuständigkeit die Beziehungen zu den im Ausland lebenden Rumänen und den Angehörigen enthnischer Minderheiten aus Rumänien (also auch der Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben in der ganzen Welt) fallen (DRP). Ziel dieser Einladung, die auch an die Vertreter der aus Rumänien stammenden und heute in Deutschland lebenden Banater Schwaben sowie an die Organisation der heute in Deutschland lebenden Rumänen gerichtet war, war die „Vertiefung und Festigung der Beziehungen Rumäniens zu den in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben“, so Staatssekretär Eugen Tomac, der bereits im September letzten Jahres Gespräche mit der Leitung des Verbandes in Deutschland geführt hatte (Siebenbürgische Zeitung Online vom 13.10.2009).

Präsident Băsescu würdigt Brückenfunktion des Verbandes bei der Entwicklung der deutsch-rumänischen Beziehungen

Am ersten Tag des Aufenthaltes wurde die Delegation von Staatspräsident Traian Băsescu empfangen. In einem konstruktiven und sehr freundlichen Gespräch, für welches sich das Staatsoberhaupt über eine Stunde Zeit nahm, wurden Fragen der kulturellen Förderung, der Identitätssicherung, des Bildes über Rumänien in der westlichen Öffentlichkeit und die Festigung der Beziehungen der eingeladenen Organisationen mit dem Herkunftsland besprochen. Zum Abschluss betonte Băsescu die „Bedeutung der deutschen Minderheit in Rumänien für die kulturelle Vielfalt und den kulturellen Reichtum des Landes“ sowie die Wichtigkeit und Wertschätzung der in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben für die Entwicklung der Beziehungen zwischen Rumänien und der Bundesrepublik Deutschland. Băsescu kündigte an, mit den Vertretern der eingeladenen Organisationen in einen regelmäßigen Dialog zu treten, um gemeinsame Belange lösungsorientiert zu erörtern. Staatspräsident Băsescu würdigte die ...Staatspräsident Băsescu würdigte die Brückenfunktion des Verbandes für die deutsch-rumänischen Beziehungen. Das Bild zeigt das Staatsoberhaupt bei der Verabschiedung des Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius im Cotroceni Palast in Bukarest. Foto: Rumänisches Präsidialamt Bei einem Treffen im Ministerium für Erziehung, Forschung, Jugend und Sport wurde die Bedeutung des muttersprachlichen Unterrichts angesprochen. Fabritius betonte, dass die deutschen Schulen in Rumänien als Schulen mit deutscher Unterrichtssprache für die dort lebende deutsche Minderheit von existenzieller Bedeutung sei. Gleichzeitig forderte er die Aufnahme der Geschichte der seit bald 900 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Rumänien lebenden Siebenbürger Sachsen in die Lehrpläne für den Unterricht zur Landesgeschichte. Staatssekretär Andras Kiraly (UDMR) betonte, dass dazu jede Bereitschaft bestehe, es gäbe bereits entsprechende Lehrbücher, weitere seien in Vorbereitung. Die Schulen mit Unterricht in deutscher Muttersprache seien Teil des dortigen staatlichen Schulsystems und würden selbstverständlich weitergeführt.

Rumänien will noch deutlicheres Zeichen des Bedauerns für Unrecht an der deutschen Minderheit setzen

Am Nachmittag des 24. Juni wurde die Delegation vom Außenminister Rumäniens Teodor Baconschi empfangen. Schon in seiner Begrüßungserklärung bedauerte er die Aussiedlung der Siebenbürger Sachsen und der anderen Deutschen aus Rumänien und betonte, wie sehr er die Vertiefung ihrer Beziehungen zu Rumänien als ihrem Herkunftsland begrüßen würde.

Die Kultur der Deutschen aus Rumänien sei eine unbedingt notwendige Bereicherung der Gesellschaftsstruktur seines Landes: „Unsere Gesellschaft braucht die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben. Ich werde mich dafür einsetzen, dass Rumänien ein noch deutlicheres Zeichen des Bedauerns und der Entschuldigung für in der Vergangenheit verursachtes Leid setzt und so den Boden dafür schafft, dass Sie wieder nähere und festere Beziehungen zu unserem Land knüpfen.“ Die Feststellungen des Außenministers wurden von den anwesenden Vertretern der Organisationen der in Deutschland lebenden Rumänen bekräftigt, die betonten, dass ihre Verbände ebenfalls engere Beziehungen mit den in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen und Schwaben wünschten. Fabritius sagte zu, diese Gedanken in gemeinsamen Gesprächen in Deutschland fortzusetzen und zu entwickeln. Mit den Rumänen in Deutschland sei man durch die gemeinsame Herkunft verbunden, auch wenn Kultur, Sprache und ethnische Zugehörigkeit sich unterscheiden. Die Brückenfunktion der grenzüberschreitenden sächsischen Gemeinschaft sowie des von ihm vertretenen Verbandes in Deutschland ende nicht bei den zwischenstaatlichen Beziehungen, sondern verfolge gerade auch die Verbindung und Brückenbildung im interethnischen Kontext in Deutschland wie in Rumänien. Dieses gehöre seit Jahrhunderten zum Selbstverständnis der Siebenbürger Sachsen, hier verfüge die Gemeinschaft über erprobte Erfahrungen. Fabritius regte eine Zusammenarbeit des „Departements für Auslandsrumänen“ der rumänischen Staatskanzlei mit dem ebenfalls dort angesiedelten „Departement für interethnische Beziehungen“ unter Leitung des Staatssekretärs Helge Fleischer an, weil dieses auch für die Belange der in Rumänien lebenden Siebenbürger Sachsen zuständig sei. Man verstehe sich als Einheit, so dass die gewünschten guten Beziehungen zu den in Deutschland lebenden Siebenbürger Sachsen auch mit der Vertretung dieser Gemeinschaft in Rumänien eingeleitet und gefördert werden könnten. So fühle man sich durch den Abgeordneten der deutschen Minderheit im Rumänischen Parlament, Ovidiu Ganţ, und den Staatssekretär Helge Fleischer zumindest inhaltlich mit vertreten. Der rumänische Außenminister Teodor Baconschi im ...Der rumänische Außenminister Teodor Baconschi im Gespräch mit dem Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius. Foto: Gogleaza Außenminister Baconschi begrüßte den Vorschlag als hilfreich und konstruktiv und kündigte auch Überlegungen zu einer noch deutlicheren Einbeziehung der Angelegenheiten der aus Rumänien stammenden Deutschen, die heute in Deutschland leben, in das Auslandsdepartement von Staatssekretär Tomac ein. Dem Unterschied zwischen Auslandsrumänen und den aus Rumänien abstammenden ethnischen Minderheit im Ausland könnte durch Aufgaben- und Benennungserweiterung Rechnung getragen werden.

Fortgesetzt wurden die Gespräche im rumänischen Parlament mit Vertretern des Senates und der Abgeordnetenkammer. Der Diaspora-Abgeordnete Mircea Lubanovici sowie die Senatorin Mihaela Popa boten ihrerseits an, die Gespräche mit den eingeladenen Vertretern zu einer „regelmäßigen Einrichtung“ machen zu wollen. Von besonderem Interesse war die Einführung der Möglichkeit einer Briefwahl für im Ausland lebende Wahlberechtigte, nachdem einige Teilnehmer praktische Probleme bei der Stimmabgabe zur letzten Präsidentenwahl geschildert hatten.

Mit Arbeitsminister Mihai Şeitan wurden Fragen des Rentensystems und der gegenseitigen Berücksichtigung von Rentenanwartschaften nach dem Beitritt Rumäniens zur EU erörtert.

Bei Gesprächen mit Beatrice Comănescu, der Direktorin des staatlichen Fernsehens TVR International, schilderten die Delegationsteilnehmer einleitend Probleme im Zusammenhang mit dem Empfang der Sendungen in Deutschland. Die Direktorin erläuterte das Interesse und die Bereitschaft zu einer noch intensiveren Berichterstattung über Veranstaltungen und Inhalte der Verbände, die in der Delegation vertreten waren. Fabritius wies auf die Internetpräsenz des Verbandes und die Online-Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung hin, aus welcher rechtzeitig Ankündigungen und Informationen zu allen Veranstaltungen mit Bezug zu der von ihm vertretenen Gemeinschaft in Deutschland entnommen werden könnten. Er lud das rumänische Fernsehen ein, gerne und umfassend über alle kulturellen, gesellschaftlichen und sonstigen Aktivitäten zu berichten.

Schlagwörter: Verband, deutsch-rumänische Beziehungen

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