Roderich Brandsch in Bad Krozingen

(13.04.2019-28.06.2019)

Baden-Württemberg

„Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen/ Und haben sich, eh‘ man es denkt, gefunden …“ Das Zitat von Goethe, wortwörtlich genommen, könnte in die Bildergalerien des Barock mit seinen Stillleben führen: ästhetische Abbildungen von vertrauten Objekten der Natur und des täglichen Lebens; es könnte auch auf die Landschaftsmalerei verweisen, die seit dem 17. Jahrhundert in den Wohnräumen das Fenster zur Welt öffnete mit ihrer weiten, sinnlich näher gebrachten Natur.
Mit der Entdeckung des Mikroskops im 17. Jahrhundert gibt die natürlich vertraute Oberfläche eine neue Sicht frei, und zwar auf die Dimension ihres pulsierenden Mikrokosmos, der sich heute, dank hochauflösender Mikroskopieverfahren, als faszinierende Form des Lebendigen auch der künstlerischen Darstellung motivisch anbietet.
Roderich Brandsch, Naturwissenschaftler und Maler, ist promovierter Molekularbiologe, seit 1993 habilitierter Professor am Institut für Biochemie und Molekularbiologie der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg, seit 2008 emeritiert, aber weiterhin in der Forschung tätig. Er ist Ehrenprofessor der Universität „Alexandru Ioan Cuza“ in Jassy (Iași). Der jüngste Sohn des Schäßburger Malers Karl Brandsch wurde 1943 geboren und schon früh in seiner künstlerischen Begabung (Zeichnen, Malen) gefördert. Trotzdem studierte er Naturwissenschaften und sein Aufenthalt als Postdoktorand am Forschungsinstitut Roche of Molecular Biology, in New Jersey, USA (1974-1975), sollte nicht nur seiner beruflichen Laufbahn als Molekularbiologe und Forscher förderlich werden, sondern auch durch den Kontakt zur zeitgenössischen US-amerikanischen Kunstszene für seinen künstlerischen Werdegang prägend sein.
„Künstlern kommt die Aufgabe zu, diese Erscheinungsvielfalt des sichtbar Gewordenen (das Mikrozelluläre – Anmerkung KS) zu verarbeiten, in das ästhetische Bewusstsein (…) zu integrieren“, so der Maler Roderich Brandsch. Und in seinen Bildern finden sich seit seinen zwei Ausstellungen in New York, 1975, Abbildungen zellbiologischer Mikroformen („Stammzellen“, Zellstadien“), die sich zu schlichten ästhetischen Gebilden fügen können, einfach schön wie dekorative Mosaike („Mosaik“); in weiteren Bildern formen sie sich zu Zeichen dynamischer Gruppierung, die der Phantasie durch den unaufdringlichen Hinweis des Titels freien Lauf lässt („Flug ins Ungewisse“, „Dem Netzt entkommen“, „Ikarusse“). Ausgewachsen zu Gebilden surrealer Abstraktheit bauen sie geometrische Elemente ästhetisch und suggestiv aus („Schwebend“). Die Bilder bleiben ansprechend, poetisch und zart, manchmal geheimnisvoll ironisch blinzelnd, selbst wenn Standfestigkeit, Beständigkeit ihr Thema wird („Gaya“, oder „ standhaft“).
In seinem Atelier in Bad Krozingen bei Freiburg bindet der Maler in seinen Bildern auf Leinwand oder Malkarton (50 cm mal 50 cm bis100 cm mal 250 cm) in die noch feuchte aufgespachtelte Ölfarbe Ionenaustauscher, Glasperlchen, Sand mit ein, was der Oberfläche reliefartigen Charakter verleiht, sie bei Lichteinfall strahlen lässt. Die mit einer Spritze aufgetragen dünnen Ölfarbefäden strukturieren in vielen Bildern die Elemente zu Form und die Bildfläche zu Gesamtdynamik. Die Kombination dieser Techniken ist originell und den künstlerischen Ausdruck bereichernd.
Roderich Brandschs Bilder waren in Galerien in New York, Bari (Italien), Stuttgart, in zahlreichen Orten Südbadens ausgestellt, sie befinden sich im öffentlichen Raum im Rathaus Alborello, Bari, Italien, und im Foyer der ZBMZ der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Bis zum 28. Juni läuft die Ausstellung des Künstlers „Fantastische Bilder“ in der Schwarzwaldklinik Neurologie in Bad Krozingen.

Ort: Schwarzwaldklinik Neurologie, Im Sinnighofen 1, Bad Krozingen

Schlagwörter: Ausstellung

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