Neujahrslied aus dem evangelischen Gesangbuch Nr.63
Das Jahr geht still zu Ende
1. Das Jahr geht still zu Ende,
nun sei auch still, mein Herz!
In Gottes treue Hände
leg ich nun Freud und Schmerz.
Und was dies Jahr umschlossen,
was Gott der Herr nur weiß,
die Tränen, die geflossen,
die Wunden brennend heiß.
2. Warum es so viel Leiden,
so kurzes Glück nur gibt?
Warum denn immer scheiden,
wo wir so sehr geliebt?
So manches Aug gebrochen,
und mancher Mund nun stumm,
der erst noch hold gesprochen:
Du armes Herz, warum?
3. Dass nicht vergessen werde,
was man so gern vergisst:
Dass diese arme Erde
nicht unsre Heimat ist!
Es hat der Herr uns allen,
die wir auf Ihn getauft,
in Zions goldnen Hallen
ein Heimatrecht erkauft.
4. Hier gehen wir und streuen
die Tränensaat ins Feld;
dort werden wir uns freuen
im selgen Himmelszelt.
Wir sehnen uns hienieden
dorthin ins Vaterhaus
Und wissen's: Die geschieden,
die ruhen dort schon aus.
5. O das ist sichres Gehen
durch diese Erdenzeit:
Nur immer vorwärts sehen
mit selger Freudigkeit.
Wird uns durch Grabeshügel
Der klare Blick verbaut,
Herr, gib der Seele Flügel,
dass sie hinüberschaut!
6. Hilf Du uns durch die Zeiten
und mache fest das Herz,
geh selber uns zur Seiten
und führ uns heimatwärts!
Und ist es uns hienieden
so öde, so allein,
o lass in Deinem Frieden
uns hier schon selig sein!
(Neujahrslied, Autor: Eleonore Fürstin von Reuß (1835-1903))
Liebe Kreischer/innen,
oft und gerne haben wir am Altjahresabend dieses Lied, zusammen in unserer schönen (aber kalten Kirche, ohne Heizung), mit viel Inbrunst gesungen. Auch haben viele von uns Verse dieses Liedes als Neujahrswunsch,bei Freunden und Verwandten am Neujahrsmorgen "aufgesagt". Heute singen wir dieses schöne Kirchenlied in den Kirchen unserer neuen Heimat..und bestimmt schweifen unsere Gedanken ab und zu in die Vergangenheit, in unser kleines Heimatdörfchen Kreisch, in die Kirche hoch oben am Berg, wir erinnern uns an vergangene Sylvester, an Freud und Leid, wir falten die Hände und beten, ob in der Kirche oder zu Hause: "Herr erborm dich aser! Hälf ias uch äm nuaen Güehr en schink ias de Gesängdheit uch denjen Saejen!"
Möge es ein gutes Jahr 2011 werden !
Herzlichst,
Stenner Rosi