14. November 2002

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Maler und Grafiker Karl Hübner vor 100 Jahren geboren

Am 24.12.2002 wäre Karl Hübner hundert Jahre alt geworden († 8.02.1991). Der als Sohn eines Beamten in Schäßburg geborene Maler und Graphiker, der 1920 in Kronstadt das Abitur ablegte und sich 1933 endgültig hier niederließ, gehörte vor allem während der Nachkriegsjahrzehnte zum Kreis der über Kronstadt hinaus bekannten bildenden Künstler, die mit Namen wie Friedrich von Bömches, Hans Eder, Heinrich Schunn, Helfried Weiß, Harald Meschendörfer, Eduard Morres bis Bukarest und darüber hinaus von sich reden machten.
Karl Hübner zählte zu seinen näheren Verwandten Namen wie den in Deutschland als Maler zu Ruhm gekommenen Ernst Honigberger (1885-1974) oder die Konzertpianistin Selma Honigberger (1888-1958). Das Kunststudium lag schon aus diesem Grunde nahe. Doch Hübner war erst nach Überwindung einiger Schwierigkeiten dazu in der Lage. Der Einladung der in Berlin lebenden Pianistin Selma Honigberger, einer Tante, folgend, begann er 1926 mit dem Kunststudium in der deutschen Hauptstadt. Unter seinen Lehrern befand sich auch der damals wenig über vierzigjährige Ernst Honigberger. Schon 1927 setzte Hübner das Studium in Bukarest fort und hatte dort so vorzügliche Lehrer wie Camil Ressu, dessen Prägung sich in Hübners Werk erhielt. Mit dem Privileg des Zutritts zu einem Atelier ausgestattet, blieb der Meisterschüler bis 1933 in Bukarest, ehe er nach Kronstadt zurückging.

Die intensive Arbeit bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und der Einberufung zum rumänischen Militär nebst Fronteinsatz (1940-1944) wurde nicht zuletzt markiert durch eine Reihe persönlicher Ausstellungen Hübners u.a. in Kronstadt, Hermannstadt, Klausenburg, Bukarest. 1938 beteiligte er sich mit Ölgemälden an der damals und später auch aus politischen Gründen viel diskutierten "Gesamtschau Deutscher Künstler Rumäniens". Aus der Kriegszeit erhielten sich, wie im Falle nicht weniger Künstler in vergleichbarer Lage, wertvolle Skizzenbücher, deren Motive im späteren Werk teilweise wieder auftauchten.

Ab 1951 Mitglied des "Verbandes Bildender Künstler Rumäniens", Zweigstelle Kronstadt, waren Hübners unterschiedlichen Techniken verpflichtete Arbeiten regelmäßig in den Kronstädter Ausstellungen, aber immer wieder auch in Bukarest zu sehen: Öl, Kohle- und Bleistiftzeichnung, Aquarell. Die Arbeiten zeichnen sich grundsätzlich durch gediegenes handwerkliches Können aus, meiden gewagte experimentelle Wege - die zu gehen für Künstler in der Diktatur auch kaum möglich war - und bevorzugen thematische Anregungen beziehungsweise Motive aus dem unmittelbaren Umfeld: Landschaft, Bildnis, Historienmalerei, Stillleben, die sich bis auf geringfügige Ausnahmen aus den siebziger Jahren streng gegenständlich verstehen.

Bemerkenswert erscheint, dass Karl Hübner immer dann zur überzeugenden eigenen Handschrift fand, wenn er das akademische Rüstzeug "vergaß". Mit Ölbildern wie "In der Gärtnerei" (1962), "Fischer" (1961) u.a. glückten ihm gauguinhafte Stimmungen, die heute noch ihre Wirkung ausüben. Unter den Aquarellen aus den Skizzenbüchern strahlen selbst im Abstand einiger Jahrzehnte Blätter mit burzenländischen Landschaften immer noch jenen Zauber aus, zu dem allein das Aquarell mit seinen "fließenden und schwebenden" Farben, von denen Walter Koschatzky sprach, fähig zu sein scheint. Ebenso erhielt sich in den Skizzenbüchern eine Fülle von Bleistiftzeichnungen, die einen respektablen Könner zeigen, auch sie wirkungsvoll dank der lediglich andeutenden Gestik.

Andererseits schuf dieser Maler mit leidenschaftlich vorgetragenen, dennoch realistisch aufgefassten Ölgemälden, wie "Honterusfest" (1935), "Der Studentenhügel" (um 1937) - gemeint ist die Schlacht der Kronstädter am 16.10.1612 gegen den Fürsten Gabriel Bathori, in der 39 Schüler des Honterus-Gymnasiums ihr Leben ließen -, aber auch mit Porträtbildern, wie "Burzenländerin" (um 1958), "Mädchen in sächsischer Tracht" (um 1938) oder mit dem in pathetischer Sprache mitgeteilten Trachtenbildnis "Porträt in burzenländischer Tracht" (um 1938) Bilddokumente, die nicht allein als Kunst-, sondern heute auch als Zeit- und Kulturzeugnisse ins Gewicht fallen. Sie sind in die Nähe etwa·der siebenbürgischen Bauernbildnisse Eduard Morres' (1884-1980) oder Arthur Coulins (1869-1912) einzuordnen.

War in der "Kronstädter Zeitung" 1935 unter dem Titel "Kollektivausstellung Karl Hübner im Eislaufpavillon" von der "sicheren Beherrschung des Figuralen" dieses Malers die Rede, in der Zeitschrift "Volk und Kultur", Bukarest, 1981 von Hübners Schaffen als "Markstein in der Entwicklung bodenständiger Kunst", so hatte Claus Stephani 1992 in der "Siebenbürgischen Zeitung" seinen Karl Hübner gewidmeten Erinnerungsrückblick mit dem Satz beschlossen: "Er war ein Künstler und Mensch, den wir nicht vergessen werden."

Hans Bergel

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