Ganz ohne Regieanweisung, dabei durchaus symbolträchtig strahlte der Himmel, als 30 Personen am Samstagmittag vor dem Haus der Heimat in Nürnberg zum obligaten Gruppenfoto Aufstellung nahmen. Um aufs Bild zu kommen, mussten die Seminarteilnehmer schon eng zusammenrücken. Es herrschte Teamgeist bei diesem 7. Pressereferentenseminar, das die Siebenbürgische Zeitung und das Bundeskulturreferat der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen vom 28. – 30. März im Haus der Heimat in Nürnberg mit Förderung des Vereins „Haus der Heimat e.V. Nürnberg“ veranstalteten.
Unter dem Motto „Zeitung zeitgemäß machen“ beschäftigten sich die teilnehmenden Pressereferenten und, im weiteren Sinne, ehrenamtlichen Mitarbeiter der
Siebenbürgischen Zeitung mit zwei Themenschwerpunkten, der Visualisierung durch Bildmedien und der Entwicklung einer Magazinseite für die
Siebenbürgische Zeitung.
Krise als ChanceDie anhaltende Krise des Zeitungs- und Zeitschriftenmarktes bewertete
Michael Acker, seit 1998 Leiter der Außenredaktion des
Münchner Merkur in Ebersberg, als die „tiefgreifendste seit dem Zweiten Weltkrieg“.
 Die Teilnehmer des Pressereferentenseminars vor dem Haus der Heimat in Nürnberg. Foto: Günther Melzer. |
Eben diese Krise war Gegenstand seines Referates am frühen Samstagnachmittag. Anhand weniger Beispiele skizzierte der Sohn von Hans-Joachim Acker (zwischen 1964 und 1992 Redakteur bei
Radio Free Europe in München) das Ausmaß des Bebens, das seit Jahren die Branche erschüttert: Blätter verschwinden, Redaktionen bauen Stellen ab, Sparkurse allerorten. Redaktionen seien infolge geschrumpfter Etats zu einschneidenden Sparmaßnahmen gezwungen, nicht zuletzt beim Personal. Weniger Anzeigenseiten bedingen einen knapperen redaktionellen Teil. „Führt all dies“, fragte der Referent, „nicht unweigerlich zu Qualitätsverlusten?“ – Die dünnere Personaldecke und ein geringeres Platzangebot würden die Verantwortlichen dazu zwingen, vieles neu auf den Prüfstand zu stellen. Insofern sei die Krise auch eine Chance, denn, so Michael Acker: „Redaktionen müssen jetzt über ihre Arbeitsweise (Stichwort Arbeitsmanagement) und über Inhalte nachdenken.“ Bezogen auf das Profil der ersten Seite sollte der Aufmacher mehr Hintergrundinformationen bringen.
 Michael Acker (Bildmitte) vom Münchner Merkur verkörpert engagierten Journalismus. Foto: Günther Melzer. |
Acker plädierte generell für den Willen zur Kürze („Politikerreden halbieren!“). Davon sei auch der Kulturteil nicht auszuklammern. Leserfreundlichkeit sei das Gebot der Stunde. Die Zeitung werde sich gegen die wirtschaftliche Rezession und auch gegen Online-Konkurrenz behaupten. Mit dem absinkenden Bildungsniveau künftiger Lesergenerationen kämen auf Zeitungsmacher allerdings neue Probleme zu. Von einer kritischen Beurteilung der
Siebenbürgischen Zeitung sah der Referent ab. Dazu kenne er die Zeitung zu wenig. Auf den ersten Blick bemängelte er jedoch die farblose Aufmachung, es fehle an Bildern.
Noch am Vormittag hatte der gebürtige Hermannstädter
Gabriel Holom Einblick gegeben in seinen Berufsalltag als Pressefotograf. Holom sprach über die Funktion des Bildes in der Zeitung (Blickfang und Informationsvermittlung), über technische und künstlerische Qualitätskriterien sowie das Anforderungsprofil eines professionellen Bildjournalisten.
Von der unterhaltsamen Bildwirkung im Internet konnten sich die Seminarteilnehmer am Samstagabend überzeugen, als
Hans-Detlev Buchner, Webmaster von
SiebenbuergeR.de und „Hausmeister“ von
Rokestuf.de, das im November 2002 gegründete, freche Online-Magazin
SibiBild präsentierte. Zuvor hatte Webmaster
Günther Melzer in die technischen Rahmenbedingungen der Internet-Plattform
SiebenbuergeR.de eingeführt. Interessiert folgten die Teilnehmer den Hinweisen, wie sich Bilder ins Internet einbinden lassen.
Magazinseiten traditionsbewährtAuf Anregung der Redaktion der
Siebenbürgischen Zeitung hatte deren ehemaliger Chefredakteur
Hannes Schuster in Gundelsheim Archivrecherche betrieben, um seine Erkenntnisse zum Thema „Magazinseiten in der siebenbürgisch-deutschen Presse“ am Samstag vorzutragen. In bekannt engagierter Manier konnte Schuster exemplarisch belegen, dass „unterhaltende und praktisch orientierende Magazinseiten“ in der siebenbürgisch-deutschen Presse zumindest nach dem Zweiten Weltkrieg präsent waren. Sonderseiten zur Unterhaltung der Leser enthielten sowohl die Bukarester Tageszeitung
Neuer Weg als auch die Kronstädter Wochenzeitung
Karpatenrundschau. An diese Tradition ließe sich durchaus anknüpfen.
Schon am Freitag hatte der Chefredakteur der
Siebenbürgischen Zeitung,
Siegbert Bruss, in einem Referat die „aktuellen Aufgaben dieser Mitgliederzeitung im Dienste der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft“ umrissen. Vor dem Hintergrund eines leichten Rückgangs der Auflage, die an die Mitgliederzahl der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland gebunden ist, steht die Zeitung angesichts gestiegener Druck- und Versandkosten unter dem Gebot, Einsparungen zu erzielen. Mit der begonnenen Umstellung der Zeitung auf elektronisches Layout und der seit Anfang Januar diesen Jahres angehobenen Anzeigenpreise wurden erste Schritte eingeleitet. Davon unbeschadet solle „die Attraktivität der Zeitung für den Leser“ gesteigert werden. In diesem Sinne sollte in Nürnberg die Gestaltung einer Magazinseite in Zusammenarbeit mit den Pressereferenten, Mitarbeitern und Mitstreitern der
Siebenbürgischen Zeitung diskutiert werden.
Beschlossene SacheWie kann das Profil einer neuen Magazinseite aussehen? - Als langjähriger Chefredakteur und auf der Basis seines Referates stellte Hannes Schuster noch am Samstag seine persönlichen Erwägungen zur Diskussion. Schuster schlug eine Reihe von Elementen bzw. Rubriken vor, die regelmäßig vertreten sein sollten: humoristische Prosatexte, heitere Lyriktexte, Witze und Anekdoten, Gesundheitstipps, Reise- und Wandertipps sowie Texte in der Art von „Geschichten aus der (siebenbürgischen) Geschichte“. Allerdings gab Hannes Schuster zu bedenken, dass noch nicht erwiesen sei, dass eine derartige Seite einem „in der Leserschaft breit verankerten Bedürfnis“ entspricht.
Wie die für den Sonntag terminierte offene Diskussionsrunde der Seminarteilnehmer zeigen sollte, votierte das Plenum nahezu einstimmig für die Gestaltung einer solchen Magazinseite. Man verständigte sich darauf, dass unter der Koordinierung der Redaktion der
Siebenbürgischen Zeitung in den kommenden Monaten ein Mitarbeiterstamm für die diversen Rubriken (ergänzend vorgeschlagen wurden u.a. Kreuzworträtsel, Karikatur, fotografische Schnappschüsse) gewonnen werden soll. Die Anwesenden signalisierten ihre Bereitschaft zum persönlichen Engagement.
Eingedenk dieser Aufbruchstimmung dankte Siegbert Bruss, der die Diskussionen umsichtig moderiert hatte, den Seminarteilnehmern für die erhaltenen Anregungen und die zugesicherte Unterstützung. Mit dem erzielten Konsens im Gepäck verließ man, nach einem gemeinsamen Mittagessen, am frühen Sonntagnachmittag das Haus der Heimat in Nürnberg, das sich dank der Geschäftsführerin
Doris Hutter, der „guten Seele des Hauses“ (so
Horst Göbbel, Vorsitzender des Vereins „Haus der Heimat e.V. Nürnberg“, in seiner Begrüßungsansprache am Samstagmorgen) und dank der sorgfältigen Organisation durch den Bundeskulturreferenten der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen,
Hans-Werner Schuster, als rundum gastfreundliche Tagungsstätte erwiesen hat.
Christian Schoger
(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 6 vom 15. April 2003, Seite 7)
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