3. März 2005

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Als deutscher Pressereferent in Rumänien

Besprechung des Buches Franjo Schmitt: "Randbemerkungen - Deutsches aus Ost und West", Books on demand GmbH, Norderstedt, 2004, 450 Seiten, 24,00 Euro, ISBN 3-8334-1575-4.
Mehr als am Rand stand Franjo Schmitt bei der Sorge um die Menschen im geteilten Deutschland während der Spaltung und bei der Vereinigung. Fast 25 Jahre seines Berufslebens widmete der Ministerialrat im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung der Information über die deutsche Teilung, der damit verbundenen Betreuung in- und ausländischer Journalisten und sechs Monate als Beamter bei der Ständigen Vertretung der Bundesregierung in Ostberlin der Anteilnahme an den Sorgen der damaligen DDR-Bürger. Seine „Randbemerkungen“ schrieb er zunächst für die eigene Familie auf, sie entwickelten sich aber zu einem beeindruckenden Geschichtsbuch von den sechziger Jahren bis zur Pensionierung 1995.

Der Autor hat die Gabe, die verwickelten und oft schwer durchschaubaren Beziehungen zwischen den einstigen beiden deutschen Staaten und ihrer Einbindung in die Politik der Großmächte knapp und plausibel darzustellen. Gerade weil er aus seiner persönlichen Sicht erzählt, gewinnt die Politik Konturen. Nobel berichtet er von seinen Vorgesetzten, die nicht alle so christliche Edelleute waren wie der beliebte Bundespressechef Karl-Günther von Hase. Welches Ansehen Schmitt besaß, geht auch daraus hervor, dass er – obwohl CDU-Mitglied – dem vom Nachrichtenmagazin Der Spiegel ins Bundespresseamt kommenden Conrad Ahlers als persönlicher Referent zur Seite gestellt wurde. Einige Namen hat er verfremdet. Das stört, weil viele Leser nicht mehr wissen können, welche Namen echt und welche „geschönt“ sind.

Franjo Schmitt nennt seine Arbeit „verwalten“. Dass es weit mehr war, beweisen seine Schilderungen von der Organisation bei Staatsbesuchen, der Herausgabe von Publikationen als Leiter des Referats „Innerdeutsche Beziehungen“, der Information der Bürger in den neuen Bundesländern durch 18 Busse mit Prospekten und Schautafeln, der Anwesenheit bei einem Prozess gegen einen Bundesbürger in der DDR u.v.m.

Besondere Farbe gewinnt das Buch, wenn der Autor von der zweiwöchigen Fallex-Übung im Ahrbunker und der Vorbereitung und Durchführung des Besuchs von Willy Brandt in Erfurt sowie vom DDR-Gegenbesuch in Kassel erzählt. Er war bei den historischen Stunden bis zum 3. Oktober 1990 dabei. In Ostberlin konnte er sich selbst ein Bild von den Führungspersönlichkeiten der DDR machen und als Pressereferent bei der Deutschen Botschaft in Bukarest die Verhältnisse in Rumänien einschließlich des gespenstischen Besuchs von Bundespräsident Carstens hautnah miterleben.

Neun Kapitel widmet er seiner Zeit in Rumänien, erzählt die Geschichte der „Saxonii“ und der Banater Schwaben und wirbt bei seinen deutschen Lesern um Verständnis für deren Schicksal. Er besuchte die Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben und half, wo er konnte, auch mit Medikamenten und anderen Hilfsgütern. Die ständige Verfolgung bei seinen Reisen zu den Deutschen durch die Securitate nahm er in Kauf und versuchte die Besuchten vor staatlicher Willkür zu schützen. Besonders verwickelt wurde das, wenn ein DDR-Bürger eine Siebenbürgerin heiraten wollte, die nicht das Land verlassen durfte: „Und wieder lastete auf mir die Erkenntnis, dass wir beide Deutsche waren, doch dass er das Pech hatte, östlich der Elbe zu leben, und ich in der glücklichen Lage war, Bürger eines freiheitlichen Staates zu sein. Wo blieb da die Gerechtigkeit?“ Wieder in Bonn bemühte er sich um eine Stelle für den, der Bukarester Führung nicht mehr genehmen Chefredakteur der Neuen Banater Zeitung, Nikolaus Berwanger, in der Bundesrepublik.

Die Lesbarkeit des Buches erhöhen die kurzen Kapitel mit ansprechenden Überschriften. Was man vermisst, ist eine Zeittafel im Anhang.

Norbert Matern

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