9. März 2005

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"Habseligkeiten": Richard Wagner las im Münchner IKGS

Aus seinem neuen Roman „Habseligkeiten“ las Richard Wagner am 24. Februar vor einem sehr zahlreichen Publikum im Institut für deutsche Kultur und Geschichte Südosteuropas (IKGS) in München. Dessen wissenschaftlicher Mitarbeiter Dr. Peter Motzan stellte den banat-schwäbischen Autor vor und führte in die erfolgreiche Lesung ein.
Der in Berlin lebende Autor verfolgt in seinem Roman „Habseligkeiten“ (2004) die Spuren einer kuriosen Familie, die seiner eigenen ähnelt. Über Generationen im Banat ansässig, geraten diese „kleinen Leute“ immer wieder in den Strudel der Geschichte, bis hin zum letzten Sproß. Wagner setzt den Mitgliedern der aussterbenden Familie ein ebenso wunderbares wie ungeschöntes Denkmal. Er beschreibt karge und traumhafte Landschaften, erzählt von Verrat und Korruption zu allen Zeiten, fragt nach Liebe, Heimat und Erinnerung. So ist ihm ein Epos von großer Wärme und Klugheit gelungen.

Richard Wagner (sitzend) mit dem Literaturhistoriker Dr. Peter Motzan. Die Aufnahme entstand im Arbeitszimmer von Dr. Motzan kurz vor Beginn der Lesung. Foto: Konrad Klein
Richard Wagner (sitzend) mit dem Literaturhistoriker Dr. Peter Motzan. Die Aufnahme entstand im Arbeitszimmer von Dr. Motzan kurz vor Beginn der Lesung. Foto: Konrad Klein

Wagner rollt die Geschehnisse in geschicktem Wechsel der Zeit- und Handlungsebenen auf und berichtet mit unaufgeregter Genauigkeit und gebändigter Emotion, wie die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ein banat-schwäbisches Dorf hineingewütet hat. In vielerlei Gestalten geht der Gevatter Tod in dieser Miniatur-Chronik eines Säkulums um.

In einer vom „Deutschen Sprachrat“ ausgerufenen Suche nach „dem schönsten deutschen Wort“ wurde Habseligkeiten - nach dem Erscheinen von Wagners Buch - auf den ersten Platz gewählt.

Richard Wagner wurde am 10. April 1952 in Lowrin im Banat geboren, studierte Germanistik und Rumänistik (1971-1975) in Temeswar und war 1972 Mitbegründer der „Aktionsgruppe Banat“, einer literarischen Vereinigung junger oppositioneller rumäniendeutscher Autoren, die 1975 von staatlicher Seite zerschlagen wurde. Wagner arbeitete als Deutschlehrer in Hunedoara (1975-1978) und als Redakteur in Temeswar (1979-1983). 1987 siedelte er in die Bundesrepublik Deutschland aus und lebt seither als freiberuflicher Schriftsteller und Publizist in Berlin.

Der produktivste und vielseitigste Autor seiner Generation, der mit zahlreichen Preisen und Literaturstipendien ausgezeichnet wurde, hat sich frühzeitig für die Rolle des Spielverderbers sowie für den Standort des kritischen Beobachters entschieden und nach seiner Ausreise das Schreiben zu seiner Lebensform gemacht. In Rumänien veröffentlichte er fünf Lyrik-, zwei Prosabände und ein Kinderbuch, in Deutschland erschienen 19 Bücher u.a. die Gedichtbände Rostregen (1986), Heiße Maroni (1993), Mit Madonna in der Stadt (2000), die Erzählungen Ausreiseantrag (1988) und Begrüßungsgeld (1989), der Kurzprosaband Der Mann, der Erdrutsche sammelte (1998), die Romane Die Muren von Wien (1990), Lisas geheimes Buch (1996), Miss Bukarest (2001) sowie Essays mit politischer, historischer und kulturgeschichtlicher Thematik, die Geschichte und Gegenwart Südosteuropas befragen und beleuchten (Sonderweg Rumänien. Bericht aus einem Entwicklungsland, 1991, Der leere Himmel. Reise in das Innere des Balkan, 2003).

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 4 vom 15. März 2005, Seite 7)
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