Wieder einmal traf sich die Theaterwelt (vornehmlich) Rumäniens in Hermannstadt. „Vorstellungen von Weltniveau“ hatte Festivaldirektor Constantin Chiriac noch zum Auftakt in einer Pressekonferenz vollmundig versprochen. In seiner Kritik in der
Hermannstädter Zeitung (HZ) bemängelt Knut Geißler, Theaterfestival-Veranstalter in Leipzig, in Anbetracht des von den Organisatoren betriebenen Aufwands „Aufführungen von oft beliebiger Qualität“. Neben aufdringlicher kommerzieller Werbung („endlose Cola-, Telefon- und Auto-Werbespots“), mangelhaftem Service („leidlich publikumsfeindliche Mitarbeiter“) und Informationsdefiziten (zwar Festivalzeitung „für die Selbstbeweihräucherung“, doch kein Programmheft) moniert Geißler technische Unzulänglichkeiten (u.a. Übersetzungen beim Abchasischen Dramentheater an die Decke projiziert; viele Aufführungen ohne jede Übersetzungshilfe).
Als gelungenste Beiträge werden in beiden Kritiken die Festivalbeiträge der rumänischen Ensembles gewürdigt. Geißler lobt die
Nora des Hermannstädter Radu-Stanca-Theaters als „wunderbar klare, trotzdem kunstvolle, sehr musikalische Inszenierung“. Zustimmung fanden in der
HZ auch die Auftritte des „Bulandra“, des „Tamasi Aron“ aus Sf. Gheorghe sowie des ungarischen Staatstheaters aus Klausenburg; besonders gefielen das „Ensemble 9. November“/Frankfurt am Main mit seiner Inszenierung des Romans
Warum das Kind in der Polenta kocht von Aglaja Veteranyi, das Münchner Theater „Viel Lärm um Nichts“ „mit dem exzellenten Jazz-Pianisten Martin Krämer“, auch die Vokaldarbietungen des englischen Quartetts „Cantabile“. Als Fortschritt wertete die
ADZ nebenbei, dass weniger Veranstaltungen mit mehrstündiger Verspätung begonnen hätten als in den Jahren zuvor.
Fazit: „Chiriac ist ein Vermarktungsgenie, dessen Ideen weit besser sind als ihre Umsetzung.“ (
HZ) Vorausblickend auf Hermannstadts Kulturhauptstadtjahr 2007 schwant Geißler: „Ein paar große Namen werden uns beehren, ins Programm gedrückt von finanzstarken Kulturinstituten und /oder ausgewählt von Bukarester Kapazitäten, nach denen man in Rumänien immer ruft, wenn man nicht weiter weiß.“ - Nicht minder kritisch beschließen Baier/Pinter ihren Kommentar in der
ADZ: „Als Bürger der Stadt ist man stolz, Gastgeber zu sein. Allein, viel hat man davon nicht, denn teil nimmt fast ausschließlich die Theaterwelt. So fragt man sich: ‚Muss all das auf Kosten unserer Steuergelder geschehen?‘“
CS
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