26. November 2001

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Ursula Bedners Erzählungen "Der Meisterdieb"

Dreißig Prosatexte vereinigt der Band "Der Meisterdieb und andere Geschichten aus Siebenbürgen" von Ursula Bedners, der vor kurzem im hora-Verlag in Hermannstadt erschien. Das sind dreißig epische Momentaufnahmen, Anekdoten, Kurzgeschichten, Stimmungsbilder und zeitgeschichtliche Beobachtungen.
Die 1920 in Schäßburg geborene und heute noch dort lebende Ursula, geborene Markus, ist Kennern und Lesern siebenbürgisch-deutscher Literatur längst keine Unbekannte mehr. Gingen schon in den fünfziger Jahren Gedichte der damals wenig über Dreißigjährigen von Hand zu Hand, die sich durch Sorgfalt der Sprachbehandlung und Klarheit des gedanklichen Anliegens auszeichneten, so zeigten die Bände "Im Netz des Windes", 1969, "Schilfinseln", 1973, "Märzlandfahrt", 1981, o.a. eine von Mal zu Mal reifere Handschrift des Vortrags, die unter den deutschen Autorinnen Siebenbürgens bald als unverwechselbar galt.
Die Erzählungen dieses Bandes - großenteils während der letzten Jahre niedergeschrieben - bestätigen den Eindruck: Ursula Bedners bleibt im poetisch bestimmten Text ebenso wie in der chronistischen Ausbreitung ihrer auf Fasslichkeit der Bilder und auf Genauigkeit des Ausdrucks bedachten Schreibweise treu. Das befähigt sie - wie Joachim Wittstock im Vorwort zu Recht anmerkt - in den besten Arbeiten zu beachtlicher Leistung wie etwa in der auf anderthalb Seiten präzise, knapp und sicher formulierten Kurzerzählung vom Tod des Mädchens "Die Schwelle", ein Meisterstück mit Andeutungen, kurzen Sachhinweisen und dichterisch erfassten Schlaglichtern arbeitender Erzählkunst.
Immer wieder sind es jedoch vor allem die sich aus der jüngsten bitteren Geschichte Siebenbürgens aufdrängenden Themen, die dem Interesse der Lektüre die Anschübe geben: Zwangsenteignung im kommunistischen Staat ("Es war einmal eine Apotheke"), Judenauswanderung ("Begegnung auf dem Bahnhof") wie Sachsenauswanderung ("Zwischen Ost und West"), Ortsverelendung ("Versuch über eine kleine Stadt" - gemeint ist Elisabethstadt), Zwangsdeportation in die UdSSR ("Das geteilte Brot") und ähnliche. Doch findet sich auch der Rückgriff auf das Stadthistorische - wie zum Beispiel "Der Meisterdieb" mit der Beschwörung des ehemals legendären Schäßburger "Stadthauptmanns" Albert Reinhard alias "Reinhardt Pretz" - oder die Reiseerzählung aus dem Bereich moderner Gruppentouristik wie "Stippvisite in Belgrad", aber auch die tragische Lebensgeschichte wie "Reise in die Ewigkeit".
Ungeachtet der Erzählabsicht und -laune, der Zuordnung ins Humoristische oder Tragische sind Ursula Bedners Texte inhaltlich Dokumentationen siebenbürgisch-sächsischer Befindlichkeiten der letzten Generationen - und das im doppelten Sinn. Dem Band sei die Sympathie der Leser gewünscht!

Hans Bergel


Ursula Bedners: Der Meisterdieb und andere Geschichten aus Siebenbürgen. Mit einem Geleitwort von Joachim Wittstock "Vom lebendigen Erzählen". Broschur, 134 Seiten, hora-Verlag, Hermannstadt/Sibiu, 2001; ISBN 973-8226-07-4; Lei 35 000.

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