11. März 2016

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Kreisgruppe Ludwigsburg: Nachruf auf Dieter Phleps

Der langjährige stellvertretende Vorsitzende der Kreisgruppe Ludwigsburg, Dieter Phleps, ist am 16. Januar 2016 plötzlich und völlig unerwartet im Alter von sechsundsiebzig Jahren verstorben. Bei seiner Beerdigung am 22. Januar in Nürtingen hielt Helge Krempels, Vorsitzender der Kreisgruppe Ludwigsburg, einen Nachruf, der im Folgenden gekürzt abgedruckt wird.
Dem Abschied voran zu sein, ist trotz des Wissens darum, dass er irgendwann anstehen wird, für uns Menschen nahezu unmöglich, weshalb wir uns auch immer damit schwer tun, wenn er Realität wird, wenn er unerwartet und plötzlich eintritt, wenn ein Mensch aus dem uns unverrückbar scheinenden Alltag verschwindet. So geht es uns in der Kreisgruppe Ludwigsburg mit Dieter Phleps, dem langjährigen stellvertretenden Kreisgruppenvorsitzenden und unverzichtbaren Freund, dessen Leben nach sechsundsiebzig Jahren zu Ende gegangen ist. Dieter Phleps wurde am 27. September 1939 in Hermannstadt geboren und wuchs ebendort gemeinsam mit zwei Schwestern auf. Auf eigenen Wunsch durfte er mit knapp sechs Jahren seinen schulischen Werdegang beginnen, der ihn mitten in die Phase schwerer Umbrüche für seine Heimat, die Gesellschaft, in der er lebte, und letztlich die Schule, die er besuchte, führte. Vor allem seine Gymnasialzeit war von stetem Wechsel, von existenzieller Bedrohung der einzigen verbliebenen deutschen Schule im Hermannstadt jener Jahre betroffen. Dennoch blieben ihm schöne prägende Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit seinen Mitschülern und Lehrern, die eine im wahrsten Sinne verschworene Gemeinschaft bildeten und über die Jahre hinweg gefestigte Freundschaften aufrecht erhielten. Mit fünfzehn Jahren machte Dieter Phleps Abitur und wollte anschließend Medizin studieren, was ihm jedoch verwehrt blieb. Vielmehr erlernte er den Beruf des Zahntechnikers und versuchte ihn einige Jahre auszuüben, ohne jedoch darin glücklich zu werden.

Seinen Wehrdienst musste er, wie viele seiner in jenen Jahren in Rumänien verfemten Landsleute, in der Einsenbahnarbeitsbrigade in Chitila bei Bukarest ableisten. Die anstrengende und oft auch gefährliche Gleisarbeit forderte ihn und seine Kameraden in besonderer Weise. Durch die Ausbildung zum Sanitäter konnte er diese Zeit jedoch unbeschadet bestehen. Er studierte zwischen 1962 und 1967 Mathematik an der Universität von Bukarest und durfte sich mit der aufkommenden Computertechnologie auseinandersetzen. Dadurch konnte er als Mathematiker beim Aufbau des elektronischen Rechenzentrums im Ministerium für Transport und Fernmeldewesen mitarbeiten und erlebte dabei seine berufliche Erfüllung, bis er aufgrund seines Ausreiseantrags strafversetzt wurde. Dieter Phleps verfolgte seine getroffenen Entscheidungen und angepeilten Ziele stets beharrlich und versuchte, sie in die Tat umzusetzen. In schwierigen Zeiten für seine Familie und die siebenbürgische Gesellschaft traf er verantwortungsbewusst und selbstbestimmt die Entscheidung zur Aussiedlung, die er nach hartem Kampf am 24. September 1980 gemeinsam mit seiner schwerkranken Schwester Anneliese und deren sechs Monate alter Tochter Helga antrat. Die erste Zeit in Deutschland war geprägt von Sorge und der Pflege seiner Schwester, welche bald darauf verstarb. Seine Nichte Helga, der er zeitlebens in Liebe verbunden war, wuchs daraufhin bei Pflegeeltern auf.

Beruflich fasste Dieter Phleps in seinem neuen Umfeld sehr schnell Fuß und war bis 2004 Systemprogrammierer im Rechenzentrum der Kreissparkassen in Stuttgart, wo er zu beruflicher Zufriedenheit zurückfand und ebendort auch seine Laufbahn beendete. Seine Arbeitsstelle bewog ihn, 1982 nach Ludwigsburg zu ziehen, und gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Helga eine neue Heimat zu finden.

Der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen stets verbunden, trat er bald nach seiner Ankunft in Deutschland deren Verband bei. In Ludwigsburg gehörte er seit 1986 dem Kreisgruppenvorstand an und war ab 1992 bis zu seinem Tod stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe. Sein langjähriger Einsatz für die Förderung des Siebenbürgischen Museums auf Schloss Horneck in Gundelsheim war beispielgebend. Er hat mich in meiner Haltung und meinen Entschlüssen geprägt und bestärkt, mich für die Zukunftssicherung dieser wichtigen Institutionen unseres geistigen Gedächtnisses einzusetzen.

Er führte gemeinsam mit der langjährigen Kreisgruppenvorsitzenden Melitta Capesius unzählige gelungene Studienfahrten für unsere Mitglieder in Städte und Gegenden unserer näheren neuen Heimat, aber auch des benachbarten Auslands durch, er trat für Ausgleich und Ausgewogenheit ein. Gerecht und ehrlich, belesen und klug, so haben Dieter Phleps viele seiner Wegbegleiter erlebt.

Für sein Wirken innerhalb des Verbandes, zum Wohle seiner Landsleute, denen er seinen ehrenamtlichen Einsatz widmete, gebührt ihm unser Dank, dem der Verband durch die Verleihung des Goldenen Ehrenwappens bereits vor Jahren Ausdruck verliehen hat.

Rückblickend auf ein, durch große Herausforderungen und Umbrüche geprägtes, jedoch aufrechten und erfülltes Leben, hoffen wir darauf, dass sich der Schmerz über unseren Verlust in Dankbarkeit wandeln, wir in unserer Erinnerung mit ihm verbunden und versöhnt sein werden.

Helge Krempels

Schlagwörter: Ludwigsburg, Nachruf, Phleps

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