22. Januar 2012
Verena Nerz und Ansgar Bausenhart bei der Lesung im Haus der Heimat in Nürnberg. Foto: Doris Hutter
Pfarrer Ansgar Bausenhart, der Christian Sighişorean im Hospiz „Veronika“ in Eningen bis zu seinem Tode begleitet hat, las aus dessen Büchern. Verena Nerz umrahmte die Lesung sehr einfühlsam mit Musikstücken aus dem Mittelalter (u.a. Tischgebet eines Minnesängers), die sie ganz unterschiedlichen Instrumenten entlockte, wie z. B. Krumm- oder Ganzhörnern, Blockflöten und dem südamerikanischen Regenmacher. Damit konnte sie Stimmungen des Autors, von dessen Aufbegehren bis zum Akzeptieren seines frühen Todes, sehr farbig und tiefgehend darstellen. Pfarrer Bausenhart verstand es beim Lesen meisterhaft, die Trauer um Christian Sighişorean durch interessante und anspruchsvolle Texte auf die Ebene einer literarischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen zu heben. Dies tat er durch sorgfältige Auswahl der Texte und durch ausdrucksstarken Vortrag, der aufkeimende Betroffenheit in Anteilnahme verwandelte, Heiterkeit im Raum versprühte und Anerkennung für die oft witzigen, pointierten und tiefgründigen Passagen und Ausdrucksformen bekundete. Zunächst las Bausenhart Texte, in denen sich der Autor mit seiner Krankheit auseinandersetzt, mit eigenen und den Fragen seiner beiden minderjährigen Töchter. Es folgten Texte zum Thema Liebe und danach Gedankensplitter, wie z.B. seine „Hospitzen“, in denen er mit wachen Sinnen seine Umgebung wahrgenommen und stechend spitz formuliert hat. Wer wird nicht schmunzeln bei der Aussage: „Das Hospiz unterbreitet mir laufend neue Last-Minute-Angebote.“ Und natürlich hat sich der Autor auch mit dem Tod beschäftigt. „Der letzte Schrei“ ist für ihn „ALS, die todschicke Krankheit!“ Pfarrer Bausenhart erkennt am letzten Buch „VerLetztes“, dass der Autor zum Ende seines Lebens hin immer reifer geworden ist. Und sagt anerkennend: „Er war ehrlich!“ Genau dieses Gefühl wird vielen, die Sighişoreans Texte gelesen oder gehört haben, in prägender Erinnerung bleiben. Denn der Autor thematisiert alles in seinem Leben, auch die fehlende Würde, die ihn in seiner auswegslosen Lage beschäftigt hat. Er öffnet sich, er ringt und kämpft, ohne wehleidig zu werden, bis zur letzten Minute. Bis seine „Wut rieselt“ und seine „Haut bröselt“…Doris Hutter
Schlagworte: Lesung, Musik, Nürnberg
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