21. Juli 2012
Mit lebensgroßen Fotografien wird in der Klimt-Ausstellung des Leopold Museums die Zeit um die Jahrhundertwende beschworen. Das Foto zeigt einen Bootssteg nahe der Villa Paulick am Attersee, in der Emilie Flöge (2.v.li.) mit Klimt (Mann im Malerkittel) oft auf Sommerfrische weilte. Davor ein zeitgenössisches Gartentischensemble aus Eri Messners Villa Paulick (Aufnahme von 1905). Fotos: der Verfasser
Dass es zumindest in der Anfangszeit auch eine erotische Annäherung zwischen den beiden gab, belegt ein erst 2000 aufgetauchter Brief von 1897. Als Schlüsselbild zu der lebenslangen Verbundenheit mit Flöge gilt daher zu recht „Der Kuss“, ein 1907/08 entstandenes Gemälde, das die beiden in einer idealisiert-ästhetisierten Liebespose zeigt, in der freilich die Frau passiv und nachgerade jungfräulich-keusch verharrt. Dass Flöge neueren Vermutungen zufolge lesbisch gewesen sein soll, dürfte auch erklären, dass ihr Klimt recht unbefangen von anderen Frauen berichtete und sie wohl auch klaglos die Geburt seiner unehelichen Kinder hinnahm. (Es war auch stadtbekannt, dass sich seine finanziell von ihm abhängigen Modelle dem Künstler nicht verweigern durften; wer es dennoch tat, konnte nicht mehr damit rechnen, ein weiteres Mal ins Maleratelier gerufen
zu werden.) Jedenfalls blieb Klimt der einzige Mann in Flöges Leben und als der von einem Schlaganfall halbseitig Gelähmte seine Ende nahen sah, war es bezeichnenderweise sie allein, die er im Krankenhaus noch einmal sehen wollte („Die Emilie soll kommen“); also keine seiner Geliebten und keines seiner 14(?) unehelichen Kinder, etwa der später als Filmregisseur bekannt gewordene Gustav Ucicky.
Objekt der Begierde: eine Josef-Hoffmann-Brosche, die Gustav Klimt für Emilie Flöge anfertigen ließ.
Wer die Ausstellung „Klimt persönlich“ sehen will, muss sich beeilen – sie ist nur noch bis zum 27. August geöffnet. Andere Ausstellungen, etwa jene im Belvedere („Gustav Klimt & Josef Hoffmann“) oder „Die Textilsammlung Emilie Flöge“ sind noch länger geöffnet. Jene von Klimts Zeichnungen in der Albertina schloss bereits im Juni. Im übrigen sind in Klimts künstlerischer Frühzeit seine Beziehungen zu Rumänien sehr eng gewesen. 1883-86 malte er zusammen mit Franz Matsch und seinem Bruder Ernst – alle drei kurz vorher noch von Hans Makart geschult – Friese und Bilder für die Ahnengalerie der Hohenzollern im rumänischen Königsschloss Pelesch, 1885 auch eine ‚Allegorie der Musik‘ fürs Bukarester Nationaltheater.Konrad Klein
Schlagworte: Ausstellung, Wien, Klimt
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