18. Januar 2009
Dr. Irmgard Sedler und Dr. Ulrich Wien mit der Totenmaske von Oskar Pastior, dem auch eine Ausstellung gewidmet war. Foto: Werner Sedler
Eine Würdigung des Verstorbenen nahm der Germanist Prof. Dr. Horst Schuller vor. (Die Gedenkrede wird in der nächsten Ausgabe dieser Zeitung veröffentlicht.) Er dankte den Familienangehörigen, die ihre wohl vorhandene Scheu hätten überwinden müssen, um der Nachwelt neben allen anderen Lebenszeugnissen ihres Lieben auch dieses Zeichen körperlichen Hinscheidens zu erhalten. Und doch: „Die Totenmaske … kann wohl kaum allein das geistige Erbe eines Verstorbenen als schlüssiges Siegel festhalten. Das Erbe ist im überdauernden Werk selbst zu finden“, so Prof. Schuller. In seiner Würdigung nannte Schuller die vielen Ehrungen und Preise, die dem Dichtenden noch zu Lebzeiten zuteil geworden waren. Der wohl Bedeutendste, der Georg-Büchner-Preis, wurde Pastior 2006 zuerkannt, aber er konnte ihn nicht mehr persönlich entgegennehmen. Wohl hat er noch im Angesicht des Todes die Dankesrede fertig gestellt, vorgelesen wurde sie in Darmstadt von seinem Verleger Michael Krüger: „Und dann reden die Leute von Spielerei. Sie wissen nichts von Sprachnot, Denkverzweifelung, Erkenntnisdrangsal …“
Peter Pastior (lins) und Dr. Ulrich Wien mit der Totenmaske von Oskar Pastior. Foto: Werner Sedler
Eine kurze Filmdokumentation mit Oskar Pastior in Hermannstadt, in seinem Elternhause aus seinen Gedichten vortragend, hatte der junge Film- und Medienfachmann Michael Duldner, Ludwigsburg, aus einem Beitrag zusammengestellt und überarbeitet, den Christel Ungar-Ţopescu für das rumänische Fernsehen gedreht hatte. Die Dokumentation vergegenwärtigte unter den Gästen des Neujahrsempfangs einen lebendigen Oskar Pastior, dessen „viele Kulturen durchschreitende Dichtung dem Leser und Hörer Mehrsprachigkeit, Verwandlungsbereitschaft, Belesenheit und Hellhörigkeit abverlangt“ (Schuller), und zugleich die Person Oskar Pastior in seiner, einer höheren Ironie zugeneigten Künstlerpersönlichkeit empfand: „Nie Erstrebtes, nie Bezwecktes, nie Vermisstes wird einem mit einem Mal zuteil – ein Gefühl wie ‚Eukalyptus‘.“ (Pastior).
Werner Sedler
Schlagworte: Pastior, Literatur
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