8. Februar 2010
Claus Brechter, Bürgermeister der Stadt Wimpfen, schätzt die Ausstellung sächsischer Wohnkultur in der städtischen Galerie als kostbares Zeugnis europäischer Integration. Foto: Werner SedlerBeeindruckend der Nachbarschaftszettel aus Neithausen (1990) – er lädt in ungelenker Schrift zu einer Versammlung ein – wohl eine der letzten in diesem Ort, wie Dr. Irmgard Sedler, die Vorsitzende des Siebenbürgischen Museumsvereins in Gundelsheim, bei der Vernissage bemerkte. Ihr ist die Wimpfener Ausstellung zu verdanken, die sie in größerem Umfang zusammen mit Marius Tătaru für das Kulturhauptstadtjahr 2007 in Hermannstadt konzipiert hatte. Davon zeugen auch die Textbahnen (Banner), die zweisprachig – rumänisch und deutsch – rumänische und sächsische Wohnkultur in Siebenbürgen gegenüberstellen.
CDU-Landrat Dr. med. Bernhard Lassotta, Vorsitzender des Fördervereins des Siebenbürgischen Museums, bei der Eröffnung der Ausstellung in Bad Wimpfen. Foto: Werner SedlerDie Brücke von Siebenbürgen nach Bad Wimpfen baute Frau Sedler sozusagen selbst – sie ist Mitglied im Bad Wimpfener Galeriebeirat. Und in dieser Eigenschaft konnte sie die Entscheidungsträger einer an musealen Schätzen überreichen Stadt von „ihren“, den siebenbürgischen Schätzen, überzeugen. Dass sie das kann, bezeugte auch der CDU-Landrat Dr. med. Bernhard Lassotta, bis 2009 erster stellvertretender Bürgermeister von Bad Wimpfen. Die Freude der Museologin an der Siebenbürgen-Forschung und die Begeisterung dafür haben ihn selbst angesteckt – Lasotta leitet seit Jahren den Förderverein des Siebenbürgischen Museums.
Blick in die Gute Stube, links das Hohe Bett, rechts die Wirtschaftsecke mit Almerei, Krügelrahmen, Truhe und Brotschaff. Foto: Werner Sedler
Überhaupt die alten Fotos: Auf einem ist ein Ehepaar mit dem erwachsenen Sohn zu sehen – der Vater trägt weiße enge Wollhosen und das Hemd – mit breitem Gürtel über dem Bauch zusammengeschnürt – über der Hose. Da es sich offensichtlich nicht um eine rumänische Familie handelt, bleibt uns nur eine Erklärung: Die Rumänen haben ihre Cioareci von den Sachsen übernommen. Falsch, sagt Frau Sedler. Beide Völker haben sich an der ungarischen Hosenmode orientiert, die rumänische Volkstracht hat die weißen Wollhosen nur länger aufbewahrt als die sächsische. Nichts sei einfach zu erklären, alle Gewissheiten müssten hinterfragt und geprüft werden, wolle man wissenschaftlich arbeiten. Und weil eine museale Ausstellung im Unterschied zur Heimatstube diesen Anspruch hat, wird sie Brüche aufzeigen, auch anscheinend Unpassendes zusammen fügen.
Kunstvoll ausgenähter Wandspruch von 1912: Nordsiebenbürgen. Foto: Werner Sedler
Und das Lutherbild? Wer im kommunistischen Rumänien gelebt hat, kann damit wenig anfangen, aber unsere Großeltern haben unter Lutherporträts nicht nur im Konfirmandenunterricht, sondern auch zu Hause gesessen. Evangelische Frömmigkeit gehörte selbstverständlich zur älteren sächsischen Lebensordnung, wie es der ebenfalls aus der Mode gekommene Spruch, dessen Anfang die Ausstellung zitiert, deutlich macht: „Schön das Haus und recht der Sinn, wohnt Gottes Segen immer drin!“
Annemarie Weber
„Schön das Haus und recht der Sinn…“ – Ausstellung in der städtischen Galerie im alten Spital, Bad Wimpfen, Hauptstraße 45, 30. Januar bis 25. April 2010, Dienstag-Sonntag 10-12 und 14-17 Uhr.Schlagworte: Siebenbürgisches Museum, Kunsthandwerk, Ausstellung
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