1 • Armin_Maurer schrieb am 12.07.2009, 21:07 Uhr:
Diese umfassende Hommage auf den Schauspieler und Dichter Christian Maurer, welche Ihnen, werter Herr Dr. Fassel, in hervorragender Weise gelungen ist, hat mir das Lebenswerk meines Vaters in seiner Vielschichtigkeit eindringlich vor Augen geführt.
Ein Streiflicht mit hartem Schlagschatten fällt dabei auch auf seinen politischen Werdegang, welcher meines Erachtens eine wichtige Ergänzung verdient: Das Schlüsselerlebnis für die Entscheidung des damals 28-jährigen, der KPR beizutreten, war die mutige Haltung der politischen Führung Rumäniens gegen den Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei während des Prager Frühlings.
Für eine kurze Zeitspanne sah es damals so aus, als würde Rumänien einen menschenfreundlichen und die Minderheiten respektierenden Weg beschreiten. Später, als sich herausstellte, dass die nationalkommunistische rumänische Regierung geradezu das Gegenteil dieser Hoffnung verkörperte, fand sich mein Vater, wie so viele kulturpolitisch Verantwortliche, in dem Zwiespalt wieder, seiner Heimat durch Ausreise den Rücken zu kehren, oder die Herausforderung anzunehmen und den Zeitläuften zu trotzen.
Er entschied sich für letzteres, musste zusehen, wie seine engsten Familienmitglieder (darunter ich selbst mit meiner Mutter, der Schaupielerin Karin Decker) nach Westdeutschland auswanderten und erlebte es hautnah mit, wie die Volksgemeinschaft der Siebenbürger Sachsen und sein geliebtes Publikum immer spärlicher wurden.
Seine politische Tätigkeit reichte übrigens nie über einen Sitz im hermannstädter Stadtrat hinaus, wo er sein Wohnviertel, den „Hipodrom“ vertrat. Er ist zu keiner Zeit Abgeordneter des rumänischen Parlamentes gewesen und hegte als 100%-iger Künstler auch keine Ambitionen, die Bühne gegen das mitunter absurdere Theater in Bukarest einzutauschen.
Parteipolitische Aufgaben hatte mein Vater, welchen ich von je als charakterstarke und bis zur Selbstzerstörung oppositionelle Persönlichkeit erlebt habe, stets ausgeschlagen und war, - vermutlich weil seine Haltung den parteipolitisch Aktiven hinlänglich bekannt war -, dazu auch nie genötigt worden.
Richtig zu stellen wäre auch, dass Christian Maurer nicht bereits ab 1962 Leiter der deutschen Abteilung des hermannstädter Theaters war, sondern dass er die Intendanz zunächst von 1964 bis 1966 innerhalb eines siebenköfigen Direktorats (!) ausübte und später in zwei Perioden Abteilungsleiter war: von 1966 bis 1969 und von 1979 bis 1989.
Abschließend möchte ich noch bemerken, dass es sich bei dem großen rumänischen Regisseur, den Sie als einen der Lehrmeister meines Vaters erwähnen, vermutlich um Radu Stanca handelt (von einem „Radu Stancu“ ist mir nichts dergleichen bekannt.)
Es wäre schön, wenn bei der Drucklegung der nächsten Folge der Siebenbürgischen Zeitung der eine oder andere Hinweis aus diesen ergänzenden Zeilen noch einfließen könnte.