19. Juli 2011
Ein Übernachtungsgebäude mit Solarzellen hat die alte Remise ersetzt. Foto: Christine Chiriac
Das Projekt „Kirchenburg Radeln – Schutzraum für Kinder“ wurde durch die Tabaluga Stiftung („Fundaţia Tabaluga“), rumänische „Tochter“ der Peter Maffay Stiftung, 2008 gestartet. Heute ist in der alten Radelner Pfarrwohnung ein geräumiges Gemeinschaftshaus für die jungen Gäste entstanden; anstelle der abgebauten Remise steht nun ein modernes Unterkunftsgebäude, das ausschließlich mit erneuerbaren Energien geheizt wird; das Backhaus und der Pfarrhof sind hergerichtet worden.
Das Pfarrhaus ist nun saniert und soll als Gemeinschaftshaus für die Kinder dienen. Foto: Christine Chiriac
Vor der Eröffnungszeremonie feierten die Gäste einen festlichen Gottesdienst in der Radelner Kirche, der musikalisch vom Kronstädter Jugendbachchor unter der Leitung von Steffen Schlandt gestaltet wurde. Die Predigt hielt Bischof Reinhard Guib in Anlehnung an die Parabel vom verlorenen Sohn (Lukas 15, 1-10), denn auch Radeln sei nun - durch Peter Maffay - „aus der Vergessenheit und Verlorenheit herausgeholt“ worden. Bischof Guib unterstrich die Rolle der Kirchenburg als Schutzraum, nicht nur für die Kinder, die ihre Ferien hier verbringen werden, sondern ebenso im Laufe der gesamten siebenbürgischen Geschichte für die sächsische Gemeinschaft. Die Kirchenburg Radeln könne auch weiterhin ein Schutzraum bleiben, solange sich Einer für die notdürftigen Anderen verantwortlich fühlt und einsetzt.
Reinhard Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, hielt die Predigt in Radeln. Foto: Christine Chiriac
Die Zeremonie im Pfarrhof begann mit der Unterzeichnung eines Kooperationsprotokolls durch Peter Maffay und Außenminister Baconschi im Namen der von ihnen geleiteten Stiftungen: „Tabaluga“ bzw. die Christlich-Demokratische Stiftung (Fundaţia Creştin-Democrată).
Peter Maffay und der rumänische Außenminister Teodor Baconschi bei der Unterzeichnung des Protokolls. Foto: Christine Chiriac
Das Radelner Projekt, in dem das höchste Kriterium die Menschlichkeit sei, schlage eine von Vorurteilen befreite „Brücke über ethnische Wurzeln.“ Die Einrichtung solle „ein Zeugnis gelebter Koexistenz darstellen, so wie es sie in Siebenbürgen immer gab. Unser Ziel sollte sein, die ganze Gegend zu inspirieren und für Besucher attraktiv machen.“
Peter Maffay nach der Schlüsselübergabe. Foto: Christine Chiriac„Die Präsenz meines Vaters hier ist ein Signal der Versöhnung mit der Vergangenheit“, sagte Maffay. Sein Vater ergänzte: „Ich bin der Vergangenheit nicht mehr böse, und gehe trotz meines Alters mit Freude der Zukunft entgegen.“ Außenminister Baconschi versicherte daraufhin: „Rumänien ist Ihr Haus, hier sind Sie immer willkommen!“
Wilhelm Makkay, nach vielen Jahrzehnten wieder in Siebenbürgen. Foto: Christine Chiriac„In dem Zeitalter der Globalisierung besteht die Gefahr, dass jeder sich selbst der Nächste ist – umso schöner ist es, wenn einer über seinen Beruf hinaus blickt; Peter Maffay hat sich mit seiner Stiftung in beeindruckendem Engagement der Hilfe für Kinder verschrieben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen.“ Zum Schluss bekräftigte der Staatsminister das Engagement seines Hauses - aus Mitteln des Bundes - für die Instandsetzung der Radelner Kirchenburg. Maffays Stiftung erhält aus dem Haushalt des Kulturstaatsministers insgesamt 48 000 Euro.
Staatsminister Bernd Neumann. Foto: Christine ChiriacDas Ereignis in Radeln fand ein hervorragendes Echo in den deutschen Medien. Das Oberbayerische Volksblatt wertete die Ansprache von Maffays Vater als „einen emotionalen Moment“. Auch die Münchener Tageszeitung(tz) konzentrierte ihren Bericht auf die Auseinandersetzung mit dem siebenbürgischen 20. Jahrhundert und die Bewältigung der Vergangenheit durch die Entstehung eines neuen symbolischen Schutzraumes. Weitere Medien hoben das Engagement von Maffays Helfern und den umweltfreundlichen Wert des Projektes hervor. So zitierte das Internetportal Finanznachrichten.de aus der Festrede des Generalsekretärs der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde: „Wir wollen den benachteiligten Kindern in Rumänien helfen, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden, in der auch der Umweltschutz seinen Platz findet.“ Die DBU hatte es laut tz-online und Umweltjournal.de u. a. ermöglicht, dass im Kinderferienheim ein Wasserreservoir und eine Bodenfilterkläranlage sowie ein Scheitholzvergaserkessel und eine solarthermische Anlage eingebaut werden. Das Hamburger Abendblatt beschrieb weitere Initiativen in Radeln, wie eine Rollstuhl-Werkstatt (vorgesehen von der Otto-Bock-Stiftung) oder ein Öko-Bauernhof (eingerichtet durch die BayWa-Stiftung). Die Bunte berichtete von einem Ärztehaus mit Praxisräumen für einen Haus- und Zahnarzt (ein Projekt der Bertram Pohl Foundation) und von der Unterstützung seitens der Stiftung Deutsches Handwerk Hilft bei der Sanierung weiterer Häuser. Peter Maffay sei nicht einfach „zu Besuch“ in seine Heimat zurückgekehrt, sondern „als Impulsgeber, Antreiber und Brückenbauer“, schrieb die Münchner Tageszeitung.
Christine Chiriac
Schlagworte: Radeln, Maffay, Kinder
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