18. Februar 2016

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Kirchturm in Radeln teilweise eingestürzt

Der Kirchturm zu Radeln (rumänisch Roadeş) im Kreis Kronstadt ist am Sonntag, dem 14. Februar 2016, um ca. 16.40 Uhr entlang eines Risses an der Südwand eingestürzt. Betroffen ist die südwestliche Ecke, entlang der ganzen Höhe bis zum Turmhelm. Der Glockenstuhl, der zum Teil auf hölzernen Balkenlagen ruht, ist wie durch ein Wunder verschont geblieben. Allerdings ist er ebenso wie der restliche Turm vom akuten Einsturz schwer bedroht. Eigentümer der Kirchenburg in Radeln ist die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien (EKR). Verantwortliche des Landes- und Bezirkskonsistoriums werden die Kirche zusammen mit Vertretern des Kronstädter Kulturamtes und Architekten am 18. Februar begehen und die nötigen Schritte zur Rettung dieses einzigartigen Baudenkmals einleiten.
Radeln wird 1356 zum ersten Male urkundlich erwähnt, in diese Zeit fällt auch der Bau einer gotischen Saalkirche mit dem der Westfront vorgebauten Glockenturm. Baugeschichtlich lassen sich am Radler Turm drei Bauetappen feststellen. Etwa die Hälfte des jetzigen Turmes stammt vom ursprünglichen Kirchturm, der teilweise durch Türkeneinfälle im 15. Jahrhundert zerstört und danach ummantelt wurde. Durch die Ummantelung verstärkt, entstand um 1494 der neue Bergfried, der einem weiteren Türkeneinfall zum Opfer fiel und seinerseits erneuert werden musste. In dieser letzten Bauphase, im frühen 16. Jahrhundert, wurde der Turm um ein Geschoss aus Ziegeln aufgestockt. In diesem Zuge wurden auch die Ringmauern und Wehrtürme errichtet. Der spitze Turmhelm stammt aus jüngerer Zeit und erinnert stark an den Turmhelm im nahen Arkeden. Die Kirchenburg in Radeln ist in Rumänien als Denkmal der Klasse A eingestuft (747 BV-II-a-A-11766), also von höchstem nationalen Interesse. Der Kirchturm in Radeln ist an der südwestlichen ...Der Kirchturm in Radeln ist an der südwestlichen Ecke eingestürzt. Foto: Monica Popovici Den kritischen Zustand der Kirchenburg haben Fachleute in den letzten Jahren mehrmals thematisiert, der vertikale Riss auf der Südseite des Kirchturms ist seit langem sichtbar. Aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dank des Einsatzes der Peter Maffay Stiftung, die ein Ferienheim für behinderte Kinder in Radeln aufgebaut hat, wurden in den letzten Jahren zwei dringend erforderliche Renovierungsetappen durchgeführt: am Dach des Hauptschiffes der Kirche und an einem Teil der Ringmauer, die eingestürzt war.

In einer Presseerklärung zeigte sich Bischof Reinhart Guib sehr besorgt über das Ereignis in Radeln. „Einmal mehr zeigt sich, dass der Erhalt unserer Kulturgüter nur dann funktionieren kann, wenn wir mit vereinten Kräften vorgehen. Weder einzelne Kirchengemeinden, noch Bezirks- oder Landeskonsistorium oder für den Erhalt von Kulturerbe gegründete Privatinitiativen werden diese Aufgaben jemals im Alleingang bewältigen können. Viele am Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen interessierte Menschen von nah und fern haben bereits ihre Solidarität und ihre Bereitschaft zur Hilfe angekündigt. Dafür sind wir sehr dankbar. Auch hoffen wir auf die konstruktive Mitarbeit des rumänischen Staates!“

Wie Ortwin Hellmann, Kurator des Kronstädter Kirchenbezirks, gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung erklärte, gehört die Kirchenburg Radeln zu den Kirchenburgen, die im Rahmen des nächsten EU-Projektes der Landeskirche instandgesetzt werden sollen. Nun werde man die Situation neu bewerten.

Dass sich das geplante EU-Projekt verzögere, sei auf die langsame rumänische Bürokratie zurückzuführen. Dies geht aus einer Erklärung Peter Maffays gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hervor, wie das Nachrichtenmagazin Stern berichtet. „Dieses tragische Vorkommnis macht deutlich, dass jetzt ohne Verzögerung etwas getan werden muss, sonst fällt der Turm demnächst ganz zusammen“, warnte der aus Kronstadt stammende Musiker.

Alexander Kloos


Alexander Kloos ist Vorsitzender des Vereins „Kulturerbe Kirchenburgen e.V.“ mit Sitz in Kaiserslautern, siehe Interview in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 3. Januar 2016.

Umfassende Linksammlung zu Radeln und Rothbach am Ende des Artikels:

Gespräche über Eigentumsrückgabe und Rettung der Kirchenburgen in Rumänien, SbZ Online vom 23. Februar 2016

Schlagwörter: Radeln, Kirchenrenovierung, Kirchenburg, Einsturz

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