25. November 2010
Gruppenbild mit Trachtenträgern aus Rüsselsheim und Pfungstadt: Landtagspräsident Norbert Kartmann (hintere Reihe, Mitte), Ehrenvorsitzender Dr. Wolfgang Bonfert (4. v. links), Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius (3. v. links), Landesvorsitzende Ingwelde Juchum-Klamer (5. v. links) mit ihren Stellvertretern Reinhold-Johann Sauer (1. v. links) und Helmut Schaaser (2. v. links). Foto: Hans-Werner Schuster
Juchum-Klamer dankte dem Landtagspräsidenten Kartmann, „unserem Gastgeber“, dafür, die Festveranstaltung in diesem „ganz besonderen Rahmen feiern zu dürfen“. Ihre Anerkennung für die musikalische Umrahmung der Feier sprach die Landesvorsitzende dem von Hans-Dieter Wagner geleiteten Quartett aus Pfungstadt aus, das sich auch aus Mitgliedern der Siebenbürger Musikanten Pfungstadt rekrutierte. Ingwelde Juchum-Klamer machte auf die zum Jubiläum erstellte Festschrift aufmerksam, die, als Ergänzung zur Festschrift anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Landesgruppe Hessen, sich auf das vergangene Jahrzehnt fokussiert.
Bewegende Festansprache: Landtagspräsident Norbert Kartmann gratulierte der Landesgruppe Hessen zu ihrem 60-jährigem Bestehen. Foto: Christian Schoger
Kartmann erinnerte an ein dramatisches Kapitel aus seiner Familiengeschichte, als kurz nach Kriegsende die Rückkehr in die siebenbürgische Heimat misslang. Er selbst kam 1949, ein Jahr vor Gründung der Landesgruppe Hessen, in Nieder-Weisel zur Welt, einem Stadtteil von Butzbach (Wetteraukreis). Seine Familiengeschichte sei exemplarisch „für den Beginn der Existenz der Siebenbürger Sachsen in vielen Teilen unseres Landes“. Kartmann betonte, er könne sich „an keine Phase seines Lebens bis heute erinnern, in der Siebenbürgen keine Rolle in unserem Haus gespielt“ hätte. Es sei „das große und bedeutende Verdienst“ der landsmannschaftlichen, in der Bundesrepublik etablierten Organisationen, dass sie den Zusammenhalt zwischen den Landsleuten in einer sichtbaren Form organisiert und ein gemeinschaftliches Fundament gegeben hätten. Gerade für die Schicksalsgemeinschaft der unmittelbar von den Kriegsfolgen Betroffenen galt es damals, nach schmerzvollen Erfahrungen neue Kraft zu schöpfen, die Familien zusammen zu führen, neue Wurzeln zu schlagen. Als „beschämend“ beklagte Kartmann die „Gedankenlosigkeit“, mit der immer wieder, selbst „in Teilen der politischen Klasse“, mit den Heimatvertriebenen umgegangen werde. Nach der Wende hätten sich neue Aufgaben der Landsmannschaft ergeben (Fremdrentengesetz, Eigentumsrückgabe). Die Pflege des gemeinsamen Kulturgutes bleibe eine tragende Säule. Darüber hinaus hätten die Siebenbürger Sachsen auch vermöge ihrer speziellen Kenntnis Rumäniens die Aufgabe, „diese Brücke zu bauen zwischen uns und unseren Landsleuten, zwischen Deutschland und Rumänien“, wo, wie sich bei seinem jüngsten Rumänienbesuch bestätigt habe, die politische Lage weiterhin labil sei. Mit besonderem Nachdruck betonte der Landtagspräsident: „Die deutsche Minderheit in Rumänien ist zahlenmäßig nicht sehr groß, aber sie lebt und übt Einfluss aus, und wir sind deren engste Freunde und Partner, Brüder und Schwestern. Das verbindet die Siebenbürger Sachsen mit ihrer Heimat bzw. mit der Heimat ihrer Vorfahren.“ Gleichsam symbolhaft beschloss Kartmann seine Ansprache mit dem Wortlaut der letzten Strophe des Siebenbürgenliedes: „Siebenbürgen, süße Heimat ...“. Lebhafter Beifall der Festgemeinde. Ingwelde Juchum-Klamer verlas das Grußwort der Landesbeauftragten der Hessischen Landesregierung für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, ehe der Festvortrag folgte.
Hielt den Festvortrag: Dr. Gerald Volkmer. Foto: Christian Schoger
Ein aus heutiger landsmannschaftlicher Sicht historisches Datum ist der 25. August 1950, das Datum der Gründung der Landesgruppe Hessen, deren Gründungsvorsitzender Gerhard Groß wurde. Wie Dr. Volkmer erläuterte, suchten die Landsleute durch diesen Zusammenschluss „an ihrem in Siebenbürgen gelebten Zusammenhalt anzuknüpfen“ und „ihre Interessen nach außen zu vertreten, als Deutsche unter Deutschen“. Hessens Siebenbürger Sachsen hätten sich „mit ihren Fachkenntnissen, ihrer Tatkraft und Einsatzbereitschaft in den Dienst des Aufbaus Deutschlands gestellt“. Die hessische Landesgruppe habe zur erfolgreichen Entwicklung maßgeblich beigetragen „durch Kontakte zur hessischen Landespolitik und zu den Kommunen, durch Pressearbeit, auch durch das Engagement des Bundes der Vertriebenen in Hessen“. Zwischen den 1970er und den 1990er Jahren verdoppelte sich die Mitgliederzahl von 650 auf ca. 1 300 Personen (im Zusammenhang mit der zunehmenden Aussiedlung der Rumäniendeutschen). Volkmer sprach die vielfältigen Formen des reichen Kulturlebens, der Brauchtumspflege und der Jugendarbeit in Hessen an. Die vergangenen sechzig Jahre hätten deutlich gemacht, wie stark die Tätigkeit der Landesgruppe geprägt wurde durch den Landesvorstand und dessen jeweiligen Vorsitzenden, in chronologischer Reihenfolge: Gerhard Groß, Dr. Georg Gunesch, Johann Riemer, Dipl.-Ing. Wilhelm Beer, Pfarrer Imre István, Wilhelm Folberth und seit 2009 Ingwelde Juchum-Klamer. Ihr wünschte Dr. Gerald Volkmer viel Erfolg bei dem Bemühen, durch die Förderung der Jugendarbeit, die Stärkung der Kulturgruppen sowie eine verbesserte Mitgliederwerbung „dem siebenbürgischen Kulturerbe einen zukünftigen Platz im hessischen Alltag zu sichern“.Christian Schoger
Schlagworte: Hessen, Kartmann, Landtag, Jubiläum
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13. Juni 2012
11:00 Uhr