Für eine wissenschaftliche Auswertung reicht es nicht aus, die Aufnahmen lediglich zu konservieren und öffentlich zugänglich zu machen. Es müssen überdies Hilfsmittel zur Recherche bereitgestellt werden, damit Sprachwissenschaftler, Historiker, Soziologen und Heimatkundler sie effizient als Quellenmaterial nutzen können. Rhetorisch gefragt: Wer kann in unserer rasant schnell gewordenen Wissensgesellschaft zig Stunden auf der Suche nach Informationen für das Abhören dieser Aufnahmen investieren? Es ist daher wichtig, die Aufnahmen nach verschiedenen Kriterien zu ordnen, so dass man die für das jeweilige Forschungsthema relevanten Sequenzen fix finden kann. Neben der Angabe von Aufnahmeort und -jahr sollten die Aufnahmen in verschiedene Kategorien eingeteilt und der Gesprächsinhalt durch Schlagworte charakterisiert werden. Weitere Informationen zur technischen, sprachlichen und inhaltlichen Qualität, kurze Inhaltsangaben oder gar eine Übersetzung ins Hochdeutsche würden eine noch bessere Suche ermöglichen.
Zunächst ist eine entsprechende technische Plattform zu schaffen. Sobald die Informationen dann elektronisch in Datenbanken gespeichert sind und die Aufnahmen im geeigneten Digitalformat vorliegen, kann jeder Nutzer durch Wahl der gewünschten Kriterien und Eingabe von Stichwörtern den Datenbestand in Sekundenschnelle durchsuchen, sich die passenden Aufnahmen auflisten lassen und diese sofort anhören. Der Vorteil einer Online-Lösung ist, dass dies quasi von jedem Ort der Welt aus geschehen kann, an dem ein Computer mit Internetzugang steht. Da nicht alle Aufnahmen und Informationen zur uneingeschränkten Veröffentlichung geeignet sind, sollte nur wer ein berechtigtes wissenschaftliches Interesse hat und sich zur Einhaltung der Zugangsregeln verpflichtet die Zugriffsdaten erhalten.
Die Plattform sollte so flexibel ausgelegt sein, dass später gegebenenfalls auch andere Tonaufnahmen integriert werden können. Es gibt wahrscheinlich noch weitere Sammlungen von (eventuell auch privat erstellten) Tonaufnahmen in siebenbürgisch-sächsischer Mundart. Auf diese Weise könnte eine
umfassende Audiothek siebenbürgisch-sächsischer Mundarten entstehen, die diese Mundarten nicht nur akustisch bewahrt, sondern sie auch für die Forschung zugänglich macht. Vermutlich wird in fünfzig Jahren der Dialekt nur noch von relativ wenigen Menschen gesprochen werden, und selbst wenn eine nennenswerte Anzahl ihn noch aktiv verwenden würde, bleibt es nicht aus, dass sich der Dialekt phonetisch und lexikalisch sehr stark an das Hochdeutsche angleichen wird. Vor allem die verschiedenen charakteristischen Ortsmundarten werden mit großer Wahrscheinlichkeit verschwinden. Erhalten bleiben wird allenfalls ein Mischdialekt. Umso bedeutsamer sind die Aufnahmen des Linguistikinstituts, da die Aufnahmeleiter bestrebt waren, die Ortsmundarten möglichst authentisch aufzunehmen, und sie so die charakteristischen Mundarten aus mehr als der Hälfte aller siebenbürgischen Ortschaften dokumentiert haben.
Wissenschaftliche Mitarbeit benötigt
Die technische Umsetzung der Plattform mit Einrichten der Datenbanken, Programmieren des Zugangssystems, Erfassen der Daten ist aufwendig und bedarf einer materiellen bzw. finanziellen Förderung. Wichtig wäre die Unterstützung durch weitere Wissenschaftler mit Rat und Tat. So ist bei der Konzeption der Plattform zu berücksichtigen, welche Anforderungen Wissenschaftler an die Aufbereitung, Organisation und Präsentation der Daten haben. Noch wichtiger ist es, bei der Katalogisierung der Aufnahmen zu helfen und die Begleitinformationen zu erarbeiten. Neben der Verschlagwortung wäre eine Übertragung ins Hochdeutsche oder zumindest kurze Inhaltsangaben sehr hilfreich. Beim gegenwärtigen Umfang von etwa 250 Stunden Tonaufnahmen liegt es nahe, dass diese Aufgabe nur von mehreren Schultern getragen werden kann. Allerdings reicht angesichts der Komplexität der Materie Engagement allein nicht aus, manche Aufgaben bedürfen des Einarbeitens, für andere sind philologische oder sprachwissenschaftliche Kenntnisse notwendig. Die phonetisch korrekte Transkription in Lautschrift erfordert nicht nur die Kenntnis der phonetischen Lautschrift, sondern auch eine gewisse Übung und ein geschultes Ohr. Für sprachwissenschaftliche Zwecke wären Transkriptionen natürlich sehr wünschenswert. Ob sich dieser Wunsch für alle Aufnahmen realisieren lässt, ist fraglich. Doch auch durch die Transkription einer kleineren Auswahl an Aufnahmen wäre schon viel gewonnen. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat oder mit weiteren Anregungen oder Ratschlägen dienen kann, ist eingeladen, sich per E-Mail an die Adresse spracharchiv@siebenbuerger.de zu wenden.
Durch den Einsatz von Computer und Internet ist es möglich, die Bearbeitung der Aufnahmen dezentral vorzunehmen. Die Mitarbeiter müssen nicht vor Ort sein, sondern können die Aufnahmen zu Hause via Computer anhören und die entsprechend erarbeiteten Informationen online übermitteln. Die Plattform soll deshalb um einen Bearbeitungs-Bereich erweitert werden, zu dem nur Mitarbeiter Zugang haben. Hier können sie sehen, welche Aufnahmen schon bearbeitet wurden, sie können selber Informationen übermitteln und sich mit anderen Bearbeitern austauschen. Das Nutzen moderner Kommunikationsmittel ist unerlässlich, da potentielle, mundartkundige Mitarbeiter heute in den verschiedensten Regionen der Welt wohnen.
Zusammenfassend sind folgende Schritte geplant: 1.) Festlegen der Kriterien, nach denen die Aufnahmen katalogisiert und bearbeitet werden sollen; 2.) Technische Realisierung der Plattform; 3.) Eingabe der Katalogisierung in die Datenbanken und Bereitstellung der Aufnahmen; 4.) Schrittweise Eingabe von weiteren Metadaten (Schlagworte, Zusammenfassungen, Übersetzungen); 5.) Erstellen von Transkriptionen (zumindest für einzelne ausgewählte Aufnahmen).
In welchem Umfang und Zeitrahmen das Projekt umgesetzt werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab – neben der materiellen Förderung ist vor allem auch das Mitwirken möglichst vieler fachkundiger Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung. In der nächsten Zeit wird – auch mit Unterstützung des Siebenbürgen-Instituts – nach wissenschaftlichen Institutionen gesucht, die in der Lage sind, einen Förderantrag dieses Ausmaßes zu stellen und zu betreuen. Zugleich ist geplant, eine Auswahl von Aufnahmen auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Wer sich für die siebenbürgisch-sächsische Mundart interessiert, wird bestimmt fasziniert sein von den frisch veröffentlichten Aufnahmen, darunter Berichte über die Nachbarschaft, Schilderung landwirtschaftlicher Tätigkeiten, Kindheits- und Lebenserinnerungen, Märchen, ein Hochzeitslied. Wer sich einen Eindruck von den Sprachaufnahmen verschaffen will, kann ausgewählte Beispiele auf der Webseite
www.siebenbuerger.de/medien/sprachaufnahmen/ anhören. Hier klingt das Potential der Aufnahmen an. Es wäre ein großer Verlust, diese authentischen Sprachdokumente im Archiv verstauben zu lassen.
Gunther Krauss, Christian Schoger
Artikel wurde 11 mal kommentiert.
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1 • konradguen schrieb am 18.02.2008, 23:06 Uhr:
Ein guter Titel, der Leser anlockt. Nur stimmt nichts dran! Die Mundartaufnahmen liegen nicht im Schuhkarton, sondern werden sachgerecht für Benutzer vorgehalten. Zum Teil sind es 1990 von mir aus Bukarest nach Gundelsheim gebrachte Tonbandaufnahmen, die vor dem sicheren Verfall neben einem glühenden Kachelofen gerettet, dann im Institut für deutsche Sprache in Mannheim aufbereitet und auf CD-ROM gesichert wurden. Es gibt also schon die Audiothek und nicht den primitiiven Schuhkarton. Der nächste Schritt soll nun die Digitalisierung sein, für den die in Gundelsheim und Mannheim gelagerten Sicherungs-CD die Basis sind.
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2 • der Ijel schrieb am 20.02.2008, 01:24 Uhr:
konradgun schreibt:
Der nächste Schritt soll nun die Digitalisierung sein,---
Auf höfliche Nachfrage nach einem "transkribierten" Text um ihn als Vorlage, oder Muster abhören zu können, erhielt ich vom IDS Mannheim die freundliche Antwort dass so und soviele Texte schon digitalisiert worden sind. Doch transkribierten Text gibt es scheinbar noch keinen einzigen--
Richtig hätte "konradgun" geschrieben:
Der nächste Schritt soll nun die "transkription" sage die Niederschrift einiger, oder am besten aller dieser Texte sein---
was also falsch herein geschrieben wurde, ist dies: Leserbrief Leserecho:
-Begrüßenswerte Initiativen-
Teile der Bestände wurden anschließend in Mannheim im Rahmen von IDS-Projekten erschlossen und transkribiert.
Für diese Falschmeldung ist konradgun nicht verantwortlich.
Doch wie geht es nun wirklich weiter ?
[Beitrag am 20.02.2008, 01:44 von der Ijel geändert]
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3 • Robert schrieb am 20.02.2008, 13:26 Uhr:
konradgun schreibt: "Ein guter Titel, der Leser anlockt. Nur stimmt nichts dran!"
Der Titel ist mehr als treffend. Die Tonbänder wurden vom IDS Mannheim bereits digitalisiert. Die Beschreibung der Inhalte ist jedoch mehr als dürftig. Aufgrund eines
Hinweises von E.Eitel in unseren siebenbuerger.de-Foren bin ich im Jahre 2004 erstmals mit dem IDS in Verbindung getreten, mit dem Ziel diese Aufnahmen der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Wenn das IDS über diesen RU-Korpus im Internet nicht informiert hätte, wüssten wir heute noch nichts davon. Deswegen auch "Schuhkarton".
Die Digitalisierung ist nicht der nächste Schritt, sondern das Rippen (mp3) und "zugänglich machen" dh die Inhalte zeit- und ortsunabh. und vor allem durchsuchbar und zeitgemäß den Studenten und Wissenschaftlern zugänglich machen. Den Rest kann man im Artikel weiter oben nachlesen. Schade dass im Kommentar nur auf den Titel und den letzten Satz eingegangen wird.
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4 • der Ijel schrieb am 21.02.2008, 17:31 Uhr:
Danke Robert!
Du schreibst: Die Digitalisierung ist nicht der nächste Schritt, sondern das Rippen (mp3) und "zugänglich machen" dh die Inhalte zeit- und ortsunabh. und vor allem durchsuchbar und zeitgemäß den Studenten und Wissenschaftlern zugänglich machen.
Was versteht man unter Rippen ? und ???
Die Transkripte und Tonaufnahmen können Sie nur dann fehlerfrei bzw. vollständig nutzen, wenn Ihr Rechner die technischen Voraussetzungen erfüllt.---
Was brauche ich ausser Soundkarte, Kopfhörer und Mikrophon?
Wo gibt es einen transkribierten Text den ich als Vorlage nutzen könnte ?
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5 • Robert schrieb am 21.02.2008, 21:06 Uhr:
Mit
Rippen bezeichne ich den Vorgang um aus einem Audiotrack (von der Audio-CD) bspw. eine mp3 Datei zu machen.
Hier findest du ein Beispiel
Transkript. Die gleichen Transkriptionskonventionen, wie dort beispielhaft dargestellt und beschrieben, schweben uns auch bei unseren Sprachaufnahmen vor.
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6 • der Ijel schrieb am 22.04.2008, 13:31 Uhr:
SPROOCHKONSERVEN
1. "Såksesch Wält ä Wuert uch Beld"
hun eas en weffel Schreiwer hanjderlossen
Meerenziiker, Bäffelkea
em siil et oalles iist erfoassen,
2. "Dem Onofrei senj Gorr" keem uch derzea
ålles wåt de Såksen nar geschriwen hun,
der Stippes mat der Grunn uch des senj Fra
um Oint keem uch der Ijel drun.
3. Et widd jo hegt zwor viell geschriwen
niche Mensch spuert um Papoir,
und dennich as se viell ze klinzich bliwen
da "Såksesch Wält" dot as e grüiss Maleur.
4. Theoretesch wer dot nichen Frooch
når oald Ennen braat et åf den Nuegel
mir drehen es am da Såksesch Sprooch
wa der Heongt sich dreht am senjen Zuegel.
5. Sa schreiwen detsch und referieren
der Wässenscheft noh äm Kwadrat,
Mudart sprece sa und kommentieren
wa wonn dot mat Såkseschem ze deaen hat.
6. As dot net wa wonn em än de Kaller giit
end dränkt en Beecher Woasser,ois dem Broannen
der Kallermiister sprächt: Et diit mer Liid
mat wot soll ech ois der Koff de Wenj gewoannen?
7. De Koff äs zea,
mir hun eas Sprooch uch konserviert,
de Wässenscheft äs voll derbaa
sa ze besoarjen wa et sich gehiirt.
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7 • konradguen schrieb am 14.06.2008, 06:20 Uhr:
Ich hatte nur auf ein Detail hinweisen wollen und vielleicht zu viel persönliche Betroffenheit gezeigt. Das Projekt finde ich toll und unterstütze es gerne! Hauptsache, es geht weiter und die wertvollen Sprachdokumente werden weiter genutzt und für die Sprach- und Geschichtsforschung nutzbar gemacht, von den Forschern genutzt!
Beste Wüünsche!
KonradGuen
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8 • der Ijel schrieb am 19.08.2008, 20:41 Uhr:
Hauptsache, es geht weiter und die wertvollen-----
und et giht doch net wegter ???
oder villecht doch ???
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9 • Wittl schrieb am 19.08.2008, 22:09 Uhr:
Waram såll et net wegter gohn, der Härr Mantsch hut Zegt uch Mäh investiert uch net am sonst Siweberjen durchwundert!!
Ech wet mer wänschen, dåt ihr des Såch mät der Transkription profesionell åfbaat, net nor esi ëus Spass äm Forum. Ihr segt doch e seffelt Schreewer, måcht endlich "Nägel mit Köpfen", goht des Såch arnst un.
De Zegt liiwt ech dervun.
Et äs durchëus wichtich, der Målderfer wet soon;
"Iint am't Under, nast am sass".
Ech håt äm "Stejelchen" viur longer Zegt erweent,
de Moral vun der Geschicht;
EINES OHNE DAS Andere GEHT GAR NICHT.
De Sprochåfnohmen seng ohnen de Transkription nor en eafartich Såch.
Ech dinken, dåt et uch im Sinne vun Herr Mantsch weer.
Diinkt Ållen drun.
Servus
[Beitrag am 19.08.2008, 22:11 von Wittl geändert]
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10 • der Ijel schrieb am 21.08.2008, 11:51 Uhr:
Name Form der Unterstützung Ortschaften, Aufnahmen
HAUS DER HEIMAT e. V. Nürnberg Förderung des Start-Projektes ... weitere Details hier.
Martin Hedrich Transkription und Übersetzung Rode
Ökumenische Theatergruppe Sankt Paul und Sankt Heinrich aus Nürnberg Geldspende Langenthal, Schönau
Doris Hutter Öffentlichkeitsarbeit Agnetheln
Anneliese Wagner Geldspende Eibesdorf
HOG Brenndorf Geldspende Brenndorf
HOG Schirkanyen Geldspende Schirkanyen
HG Wolkendorf Geldspende Wolkendorf
HOG Zeiden Geldspende Zeiden
HG Heldsdorf Geldspende Heldsdorf
HOG Bartholomae Geldspende Bartholomae
HOG Neustadt Geldspende Neustadt
HOG Honigberg Geldspende Honigberg
HOG Tartlau Geldspende Tartlau
HOG Rosenau Geldspende Rosenau
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11 • der Ijel schrieb am 21.08.2008, 11:57 Uhr:
Wer spendet sieht man hier--
Wieviel ? ist tabu. Einverstanden.
Doch wer verwaltet das Konto? und wieviel kommt unterm Strich heraus dürften wir vielleicht auch erfahren. Oder ?
Und wie geht es nun wirklich weiter ?
Danke