1 • Karl schrieb am 03.02.2008, 16:16 Uhr:
Sicher gibt es mehr als 160 Kirchenburgen der Sb. Sachsen in Siebenbürgen. Das ist eine Falschinformation. Es gab einmal 256 siebenbürgisch-sächsische Ortschaften.
Weiterhin fehlt im Artikel eine kurze Vorstellung der Person Ioana Deac. Wer ist das?
Die Einrichtung der Leitstelle zeigt wieder einmal, daß die dortgebliebenen Kirchenoberen nicht in der Lage - oder, noch schlimmer- nicht daran interessiert- sind, den Erhalt des Kulturgutes der Sb. Sachsen aus eigener Kraft zu sichern. Sehr wohl aber haben sich viele dort ein "warmes Nest" geschaffen, ohne Rücksicht auf Verluste bzw. unter dem Vorwand, der "sb.-sächsischen Kirche bzw. Identität" zu dienen. Was die GTZ macht, ist nicht einmal ein Tropfen auf den heissen Stein. Sehr viel sinnvoller wäre es gewesen, "Hilfe zur Selbsthilfe" zu geben, als subjektiv ein paar - nicht repräsentative- Projekte zu verwirklichen.
Es kann nicht sein, daß in Siebenbürgen immer noch bequem klagend darauf gewartet wird, daß "die aus dem Westen, die mehr Geld haben" die Probleme lösen, aber gleichzeitig - der kommunistischer Tradition folgend- auf die "Westler" geschimpft wird.
Die GTZ täte gut daran, die Steuergelder aus dem Westen darauf zu verwenden, in Siebenbürgen den Kirchenoberen die notwendigen Instrumente und Methoden beizubringen, sich selbst zu helfen.
Aber vorher müsste der Stall endlich ausgemistet werden... Und davor haben alle Angst.
[Beitrag am 03.02.2008, 16:19 von Karl geändert]
6 • gogesch schrieb am 09.11.2008, 09:18 Uhr:
Hier ein Artikel aus der "Hermannstädter Zeitung" vom 31.10.2008
Neue Fördermittel für Kirchenburgen
Leitstelle erarbeitete EU-Projekt zur Förderung von insgesamt 18 Kirchenburgen
Die Gefährdung der Kirchenburgen in Siebenbürgen ist in den letzten beiden Jahren zunehmend ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Hierfür Lösungen zu finden, ist die Aufgabe der Leitstelle Kirchenburgen, die im vergangenen Jahr beim Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gegründet wurde. Nach der Durchführung des Dächerprogramms im Kirchenbezirk Hermannstadt lag in diesem Jahr der Arbeitsschwerpunkt der Leitstelle beim Einwerben neuer Fördermittel: Für 18 Kirchenburgen wurde ein Antrag für den EU-Strukturfonds ausgearbeitet, für zahlreiche weitere, kleinere Sicherungsmaßnahmen sollen private Sponsoren gefunden werden.
Der regionale Strukturfonds der EU sieht die Möglichkeit vor, daß nationale Baudenkmäler der Kategorie A saniert und für den Kulturtourismus erschlossen werden. Seit Januar arbeitet das Team der Leitstelle Kirchenburgen an einem Antrag zur Förderung von insgesamt 18 Kirchenburgen in ganz Siebenbürgen mit einem Gesamtvolumen von 6 Millionen Euro. Das fünfköpfige Team mit der Fundraising-Expertin Teodora Borghoff, dem Architekten Bertram Plate, dem Regionalplaner Philipp Harfmann, sowie Ioana Deac als Fachkraft für Öffentlichkeitsarbeit und Management und Steffen Mildner als Initiator und Berater der Leitstelle hat die umfangreiche Gesamtdokumentation hierzu fertiggestellt.
Die erste Herausforderung war die Auswahl der vorzuschlagenden Kirchenburgen. Nach einer Einschätzung des touristischen Potentials durch die Bezirkskonsistorien kamen über 50 Kirchenburgen in die engere Auswahl. Jede von ihnen wurde besucht und nach acht verschiedenen Kriterien bewertet. Das Ergebnis war eine Prioritätenliste mit 23 Kirchenburgen. Da die Regelungen der EU vorsehen, daß mit dem Antrag bereits für jede Kirchenburg eine Machbarkeitsstudie einzureichen ist, hätte dies beinahe zum Abbruch der Antragsstellung geführt. Für die geforderten technischen Dokumentationen fehlte sowohl das Geld als auch das Personal. Durch Mildners Vermittlung gelang es schließlich, hierfür zusätzliche 100.000 Euro von der deutschen Regierung (Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit, BMZ/GTZ) einzuwerben. Dieses Geld reichte für die Ausarbeitung von 18 Dokumentationen für die Kirchenburgen in Arkeden, Bodendorf, Deutsch-Kreuz, Eibesdorf, Hetzeldorf, Kerz, Kirtsch, Kleinschenk, Klosdorf, Malmkrog, Meschendorf, Mühlbach, Neithausen, Probstdorf, Schönberg, Trappold, Urwegen und Waldhütten.
Daran wirkten in diesem Sommer neun rumänische und deutsche Architekten und Statiker, Holzschutz- und Natursteingutachter sowie Restauratoren mit. Acht der Dokumentationen wurden von der Stiftung Mihai Eminescu Trust erarbeitet. Die Berliner Architektin Annemarie Rothe, die die Leistelle bereits mit fünf ehrenamtlichen Einsätzen unterstützt hat, übernahm die technische Beschreibung des Gesamtprogramms. Der Dresdner Architekt Michael Engel erstellte eine Datenbank, um nicht nur die Verwaltung der zahlreichen Kirchenburgen zu vereinfachen sondern auch ein einheitliches Erscheinungsbild aller Unterlagen zu sichern.
„Im Sommer ging es manchmal zu wie im Tollhaus“, stöhnt Teodora Borghoff, die nun mit ihren Kollegen glücklich ist, daß letzten Mittwoch die nationale Denkmalkommission die letzten Genehmigungen erteilt hat. „Wir mußten zusätzlich zum eigentlichen Antrag nicht nur eine umfangreiche technische Dokumentation und einen Marketingplan erstellen, sondern auch eine Unmenge von Einzeldokumenten zusammentragen.“
Die gesammelten Unterlagen sollen nun an die Regionale Entwicklungsagentur (Agen˛ia Regional„ de Dezvoltare, ARD) in Karlsburg gehen. Dann kommt nicht nur für das Team der Leitstelle die Zeit des Hoffens und des Bangens: Die Konkurrenz um die Fördermittel ist groß und bei der Regionalen Entwicklungsagentur gilt die Regel, „wer zuerst kommt, wird zuerst bedient“. Für den positiven Fall der ersten Bewilligung steht wieder ein riesiges Arbeitsprogramm an: Dann sind nach Vorgabe der EU für alle 18 Kirchenburgen innerhalb von nur sechs Monaten die Genehmigungsplanungen zu erstellen. Es wird also anstrengend bleiben - aber die erhofften 6 Mio. Euro Fördermittel werden sicher wieder neue Kräfte mobilisieren.
Durch die Arbeit der Leitstelle wurden bereits 12 Kirchendächer gesichert, für 18 Kirchenburgen werden EU-Fördermittel erhofft, was bedeutet, daß bei 100 gefährdeten Kirchenburgen noch 70 auf dringend erforderliche Sicherungsmaßnahmen warten. Hierzu will die Leitstelle private Sponsoren ansprechen und durchaus auch kleinteiligere Spenden einwerben. Nach dem kürzlich erstellten Strategiepapier für Fundraising soll hierbei die Website der Leitstelle eine wichtige Rolle übernehmen.
Ioana Deac erklärt, daß bewußt eine andere Form des Internetauftritts gewählt wurde als die sonst übliche Selbstdarstellung: „Entscheidend sind die beiden Kategorien ‚geplante Projekte‘ und ‚Spender gesucht‘. Damit bieten wir erstmals die Möglichkeit, nicht nur in einen großen Topf zu spenden, sondern ganz gezielt für eine bestimmte Kirchenburg, die dem Spender am Herzen liegt oder wichtig ist. Derzeit umfaßt die Liste 13 Spendenaufrufe, wobei der Finanzbedarf pro Kirche zwischen 1.500 und 12.000 Euro liegt. Neu ist auch die Kategorie der Vermittlung von Patenschaften, wobei wir zwischen Sanierungs- und Burghüterpatenschaften unterscheiden. Es lohnt sich mal reinzuschauen unter www.projekt-kirchenburgen.ro“.