23. September 2010
Erste gemeinsame Sitzung der Vorstände von Siebenbürgenforum und Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland am 17. September 2010 in Bistritz. Foto: Hans-Werner Schuster
In den beiden weiteren Punkten der Tagesordnung widmeten sich die Teilnehmer dem Thesenpapier zu Zukunft und Perspektiven der deutschen Minderheit in Rumänien, das während der gleichnamigen Tagung vom 13.-15. November 2009 vorgelegt wurde, und artikulierten Wünsche und Erwartungen an die Partnerorganisation. Dass man sich dabei nicht nur „die Meinung sagte“, sondern aufmerksam zuhörte und die Diskussionspartner ernst nahm, war auch der einleitenden Erläuterung von Professor Dr. Hans Klein, Dekan der Evangelischen Theologischen Fakultät der Universität Hermannstadt und Mitautor des Thesenpapiers, zu verdanken. Er verdeutlichte, dass es sich beim „Thesen“-Papier in erster Linie um einen „Hilferuf“ handele, und zeigte sich überglücklich, dass die eben stattfindende Sitzung offenbare, dass dieser Ruf Gehör gefunden habe. Nachdem zwei weitere Autoren – Dr. Scheerer und Benjamin Jozsa, Geschäftsführer des Siebenbürgenforums – die Intention des Thesenpapiers als zugespitzte Diskussionsgrundlage erläuterten, und weil alle Teilnehmer von dem Bemühen geleitet waren, Schubladendenken zu überwinden, um die Gemeinschaft zu stärken, kam man überein, die partnerschaftlichen Beziehungen auszubauen, vor allem durch weiteres Aufeinanderzugehen, durch tätiges Handeln und durch die Intensivierung der Zusammenarbeit zum Wohle und Nutzen aller Siebenbürger Sachsen. Dass dabei der Dialog weitergeführt werden muss, machten die in der Diskussion erhobenen und noch nicht zu klärenden Einwände insbesondere gegen die im Thesenpapier vertretene „unterschiedliche Wertigkeit“ des Siebenbürgisch-Sächsischen bei Ausgewanderten gegenüber jenen in Siebenbürgen Verbliebenen deutlich. Dass der Dialog weitergeführt wird, zeigten die angeregten Gespräche, die im Anschluss an die Sitzung beim gemeinsamen Abendessen geführt wurden.
Der Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis (Bildmitte rechts) empfing den von Dr. Bernd Fabritius (Mitte links) geleiteten Bundesvorstand, Dr. Paul Jürgen Porr (8. v. r.), Vorsitzender des Siebenbürgenforums, und dessen Stellvertreter Dr. Karl Scheerer (1. v. r.). Foto: Hans-Werner Schuster
Weil der Terminkalender Zeitlimits setzte, wurde das Rathaus unter der Führung von Carmen Nicula, Referentin für Auslandsbeziehungen, ohne den Bürgermeister besichtigt, der auch die Beantwortung einiger Fragen auf später verschob. So hatte der Bundesvorsitzende nach dem Dank für die Einladung und nach den Glückwünschen für die kürzlich erfahrene Auszeichnung durch den Bund der Vertriebenen Fragen zu Rückkehrern nach Siebenbürgen sowie zur Restitution in Hermannstadt an Klaus Johannis gerichtet. Das Sachsentreffen in Bistritz bot die Gelegenheit, den Faden wieder aufzunehmen. Vorwürfe, die Restitution würde in Hermannstadt restriktiver als andernorts betrieben, wies Johannis zurück, und versicherte, dass in allen Fällen, in welchen die Rechtslage eine Restitution in Natura erlaubt habe, diese auch umgesetzt worden sei. Nur in solchen Fällen, in welchen dieses rechtlich nicht begründbar gewesen sei, habe die zuständige Fachabteilung ein Entschädigungsverfahren bei der dafür zuständigen nationalen Behörde in Bukarest eingeleitet.
Begrüßungsrede des Bundesvorsitzenden Bernd Fabritius beim 20. Sachsentreffen in Bistritz (ab Minute 23:57)
Ähnlich informativ und aufschlussreich waren auch die Gespräche, die die Mitglieder der Delegation mit dem Abgeordneten des DFDR Ovidiu Ganţ in Bistritz und während der gemeinsamen Busfahrt von Bistritz nach Kronstadt oder mit Forumsvertretern auf Orts-, Zentrums- und Kreisebene führten. Hervorzuheben ist das Gespräch mit Dipl.-Ing. Werner Müller, Vorsitzender des Zentrumsforum Mediasch. Im Rückblick auf die gespannten Beziehungen zum Landesforum nach den Kommunalwahlen von 2008 schärfte er den Blick für die örtlichen Gegebenheiten, die das damalige Handeln bedingten. Gleichzeitig machte er bewusst, wie fragil sogar die Situation einer gesellschaftlich und politisch so erfolgreichen Gliederung wie des Mediascher Forums ist. Hervorzuheben ist auch das Gespräch mit Wolfgang Wittstock, Vorsitzender des Kreisforums Kronstadt, sowie mit dem ebenfalls anwesenden Ovidiu Ganţ als Vertreter des DFDR im rumänischen Parlament. Wittstock zeigte sich im „Deutschen Haus“ und am Forumssitz als vollendeter Gastgeber, der uns aufmerksam bewirtete.
Bundesvorstandsmitglieder vor der Honterusschule in Kronstadt – in prominenter Begleitung: Ovidiu Ganţ (4. von rechts), Abgeordneter des Rumänischen Parlaments, und dessen Vorgänger Wolfgang Wittstock (7. von links), der sich als kundiger Stadtführer entpuppte. Foto: Hans-Werner Schuster
Seine Informationen wiesen ihn und das Kronstädter Forum als engagierte Vertreter der siebenbürgisch-sächsischen Interessen im Kreis Kronstadt aus: nicht gestaltend wie in Kreis und Stadt Hermannstadt (im gesamten Kreis Kronstadt gibt es nur vier deutsche Stadt-/Gemeinderäte), aber als kritische Stimme der zivilen Gesellschaft. Nicht zuletzt zeigte er sich als kundiger Stadtführer, der uns sogar zu den siebenbürgisch-sächsischen Seiten der Stadt Kronstadt viel Neues vermitteln konnte.
Karl Ehrmann (1. v. r.) und Delegationsmitglieder vor dem Saxonia-Haus in Rosenau. Foto: Hans-Werner Schuster
Leise Wehmut hinterließ der letzte offizielle Programmpunkt der Reise am Montag, dem 20. September. Im Anschluss an den Besuch der Brukenthal-Schule und die Besichtigung des Büros der Niederlassung der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen am Sitz des Forums auf dem Hermannstädter Großen Ring, in dessen Spiegelsaal die gemischte deutsch-rumänische Kommission tagte (Bericht folgt in der nächsten Folge dieser Zeitung), wurde die Delegation von Bischof Klein im Festsaal des Bischofspalais empfangen. Mit Blick auf die deutschen Vertreter aus dem Oberbergischen Kreis informierte Bischof Klein sehr ausführlich über die Entwicklung und die Besonderheiten der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Fragen gegenüber zeigte er sich aufgeschlossen und beantwortete auch jene, die sein unmittelbar bevorstehendes Amtsende und die Wahl eines Nachfolgers betrafen, gewohnt souverän und kompetent. Alfred Mrass, der in Vertretung des an der Tagung der gemischten Regierungskommission teilnehmenden Bundesvorsitzenden die Delegation an diesem Tag leitete, dankte nach dem üblichen Austausch von kleinen Aufmerksamkeiten nicht nur für den Empfang, sondern auch für den in 50 Jahren als Pfarrer sowie für den in 20 Jahren als Bischof erbrachten Dienst an der Kirche und für das segensreiche Wirken zum Wohle der Siebenbürger Sachsen insgesamt.
Mitglieder der Delegation werden von Bischof D. Dr. Christoph Klein im Festsaal des Bischofspalais empfangen. Foto: Hans-Werner Schuster
Über das Wirken weiterer Pfarrer wie über regionale beziehungsweise lokale Gegebenheiten der evangelischen Kirche hatte sich die Delegation bei Gesprächen mit dem Dechanten des Mediascher Bezirks und Bischofsvikar Reinhard Guib in der Margarethenkirche in Mediasch, sowie mit Stadtpfarrer Bruno Fröhlich in der Schäßburger Bergkirche informiert.Hans-Werner Schuster
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13. Juni 2012
11:00 Uhr