20. März 2016

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Bundesvorstand tagte in München: "Wir Siebenbürger Sachsen sind Teil der deutschen Kultur"

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. setzt sich mit erheblichem Aufwand für die Pflege der siebenbürgisch-sächsischen Kultur und den Erhalt des Kulturerbes ein. In seiner konstituierenden Sitzung am 12. März in München plante der Bundesvorstand zahlreiche kulturelle Tätigkeiten und erörterte die Entwicklungen auf Schloss Horneck und die Sicherung der Kirchenburgen in Siebenbürgen nach den Vorkommnissen in Radeln und Rothbach. Der Verband arbeitet dabei eng mit anderen siebenbürgischen Vereinen zusammen, auch über die Landesgrenzen hinaus, und fördert die siebenbürgischen Anliegen in Gesprächen sowohl mit der Bundesregierung als auch mit der rumänischen Regierung.
Die Bundesvorsitzende Herta Daniel begrüßte im bis auf den letzten Platz gefüllten Sitzungsaal der Bundesgeschäftsstelle in München die Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR), des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS), der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD sowie die Mitglieder des Bundesvorstandes, darunter den Ehrenvorsitzenden Dr. Wolfgang Bonfert und den neu gewählten Vorsitzenden des Landesverbandes Bayern, Werner Kloos.

Dr. Konrad Gündisch, Vorsitzender des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V., berichtete in einem engagierten Vortrag über die aktuellen Entwicklungen in Gundelsheim am Neckar. Neben dem Siebenbürgischen Museum und der Bibliothek gelte es, als drittes Standbein in naher Zukunft auch eine internationale Begegnungsstätte einzurichten. Die Carl Wolff Gesellschaft, vertreten in der Bundesvorstandssitzung durch ihren Vorsitzenden Reinhold Sauer, der zugleich Wirtschaftsreferent des Bundesvorstandes ist, werde Machbarkeitsstudien für weitere Nutzungsmöglichkeiten des Schlosses erstellen. Als konkrete Arbeiten stünden demnächst Brandschutzmaßnahmen und Dachreparaturen an. Dieter Thiess, der Ende Februar als Geschäftsführer gekündigt hätte, werde für seine konzeptionellen Fähigkeiten geschätzt, stellte Gündisch klar. Deshalb sei er, ebenso wie der Denkmalpfleger Dr. Christoph Machat, in den Vorstand des Vereins kooptiert worden.

Kulturzentrum auf Schloss Horneck steht vor großen Herausforderungen

Der Film „Ein Stück Heimat – Siebenbürgisches Kulturzentrum Schloss Horneck e.V.“ von Erich Scherer ist seit dem 10. März auf www.siebenbuerger.de und YouTube zu sehen. Die zwölf Minuten lange Präsentation soll helfen, Schloss Horneck in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und mit Leben zu füllen. Der Bundesvorstand des Verbandes tagte in der ...Der Bundesvorstand des Verbandes tagte in der Bundesgeschäftsstelle in München. Fotos: Siegbert Bruss Verbandspräsident Dr. Bernd Fabritius, MdB, teilte mit, dass die Bundesregierung die Kulturkonzeption gemäß Paragraph 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) weiterentwickelt habe. Wie in der Siebenbürgischen Zeitung Online vom 26. Februar 2016 berichtet, will der Bund das Siebenbürgische Museum wieder institutionell fördern und einen Kulturreferenten für Siebenbürgen einsetzen – beide Maßnahmen stärken das Kulturzentrum in Gundelsheim. Schon in diesem Jahr sei es möglich, internationale Jugendbegegnungen auf Schloss Horneck zu fördern. Anfragen nimmt das Büro des Bundestagsabgeordneten Bernd Fabritius in Berlin entgegen.

Sicherung der Kirchenburgen als gemeinsame Aufgabe

Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă, Referent für institutionelle Zusammenarbeit der EKR, berichtete über die Sitzung des Landeskirchenkonsistoriums, die tags zuvor in Hermannstadt stattgefunden hatte. Die Notmaßnahmen zur Sicherung der Kirchen in Radeln und Rothbach erfordern laut Expertenschätzung eine Summe von 110.000 Euro. Die Baumaßnahmen in Radeln könnten im Rahmen des geplanten EU-Projektes durchgeführt werden. Das rumänische Kulturministerium stelle 500.000 Lei aus einem Notfonds zur Verfügung. Zudem habe die Kirchenleitung beschlossen, eine Fachgruppe zu bilden, die die rund 50 gefährdeten Kirchenburgen untersuchen und ständig überwachen werde, um weitere Einstürze zu vermeiden.

Bernd Fabritius berichtete über Gespräche, die er sowohl mit der rumänischen Regierung als auch mit Prof. Dr. Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, und Staatsministerin Prof. Monika Grütters, Bundesbeauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, angebahnt habe, um Hilfe für die Kirchenburgen zu erzielen. In der Sitzung bekräftigten die Bundesvorstandsmitglieder des Verbandes, der Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften, vertreten durch den stellvertretenden Vorsitzenden Alfred Gökeler, der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat (Vorsitzender Dr. Konrad Gündisch) und die Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD, vertreten durch Rosemarie Weber, ihre Unterstützung für die Sicherung der Kirchenburgen, indem sie zum gegebenen Zeitpunkt beispielsweise zu Spenden aufrufen werden.

Deutsches Forum bei den Kommunalwahlen in Rumänien

Bei den Kommunalwahlen am 5. Juni 2016 in Rumänien schickt das Siebenbürgenforum zahlreiche Kandidaten ins Rennen, erklärte DFDS-Geschäftsführer Winfried Ziegler. Prominente Bürgermeisterkandidaten sind Interims-Bürgermeisterin Astrid Fodor in Hermannstadt, Christian Macedonschi in Kronstadt und der amtierende Bürgermeister Arnold Klingeis in Freck.

Der Bundesvorstand beschloss, im Vorfeld von Wahlen, in denen Verbandsmitglieder wahlberechtigt sind, über die Wahlmöglichkeiten zu informieren. Bernd Fabritius betonte, dass das Wahlrecht eines der wertvollsten demokratischen Rechte sei und daher wahrgenommen werden sollte.

Einsatz für Restitution und Entschädigung für politische Opfer in Rumänien

Verbandspräsident Bernd Fabritius berichtete über die 752 unerledigten Restitutionsfälle, die der Verband der Siebenbürger Sachsen gesammelt und am 22. Februar 2016 an Botschafter Emil Hurezeanu in Berlin übergeben habe (diese Zeitung berichtete). Die Entschädigung für Russlanddeportierte und Zwangsevakuierte funktioniere inzwischen sehr gut, sagte Fabritius. Das sei das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen mit rumänischen Spitzenpolitikern und Behörden. Weitere Anträge ehemaliger politischer Opfer sind möglich, ebenso sammelt der Verband weitere offene Restitutionsfälle. Konstituierende Bundesvorstandssitzung mit der ...Konstituierende Bundesvorstandssitzung mit der Doppelspitze: Herta Daniel (Bundesvorsitzende) und Dr. Bernd Fabritius (Verbandspräsident). Eine Reihe von siebenbürgischen Anliegen brachte die Bundesvorsitzende Herta Daniel bei einem Treffen mit dem rumänischen Minister Dan Stoenescu und der Präsidialberaterin Sandra Pralong am 26. Februar in München vor (siehe SbZ Online vom 10. März 2016).

Bernd Fabritius: Siebenbürger Sachsen als Teil der deutschen Kultur

Eine rege Diskussion entwickelte sich zu einer Frage, die der stellvertretende Bundesvorsitzende Alfred Mrass in den Raum gestellt hatte: Sollen wir Siebenbürger Sachsen uns bei Veranstaltungen in Deutschland zusammen mit ausländischen Kulturgruppen präsentieren? „Wir Siebenbürger Sachsen sind Teil der deutschen Kultur“, betonte Dr. Bernd Fabritius. Deshalb empfehle er, bei allen Veranstaltungen unsere siebenbürgisch-sächsische Identität und die Zugehörigkeit zum deutschen Kulturkreis hervorzuheben. Das sei angesichts eines „Wegschiebedrucks hin zur Migrationskultur“, der teilweise zu beobachten sei, gar nicht so einfach. Trotz dieses Druckes sollten wir uns klar als Teil der deutschen Kultur gemäß Paragraph 96 des BVFG positionieren. Bundesrechtsreferent Dr. Johann Schmidt verwies ergänzend auf den Artikel 116 des Grundgesetzes, der uns als Deutsche definiere.

Heimattag und Reformation

Die Planung des Heimattages in Dinkelsbühl läuft auf Hochtouren, berichtete Bundesorganisationsreferent Horst Wellmann. Ein vielseitiges, attraktives Programm wird am Pfingstwochenende unter dem SJD-Motto „Ich gehör‘ dazu! Du auch?“ geboten (lesen Sie dazu einen separaten Vorbericht in der SbZ Online vom 22. März).

2017 werden europaweit 500 Jahre seit Beginn der Reformation gefeiert. Seine 95 Thesen hatte Martin Luther am 31. Oktober 1517 an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt. Die Siebenbürger Sachsen bringen sich vielseitig in das Reformationsjubiläum ein. Diesem Thema widmet die Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen ihr Jahrbuch 2017. Der Kirchentag findet vom 29. September bis 1. Oktober 2017 in Kronstadt zum Thema „Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien“ statt. Wie Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster ankündigte, werde der Verband der Siebenbürger Sachsen sich zusammen mit der EKR und dem Deutschen Kulturforum östliches Europa an zwei Veranstaltungen in der Reihe „Apfelbäumchen für das klare Wort“ am 2. und 9. Oktober 2016 in Thorenburg (Turda) in Siebenbürgen bzw. Laibach in Slowenien beteiligen. Die Stellvertretende Bundesvorsitzende Doris Hutter lud für den 16. und 17. April 2016 zur bayerischen Kultur- und Frauenreferententagung nach Roßtal bei Nürnberg ein, die ebenfalls der Vorbereitung des Reformationsjubiläum gewidmet ist.

Planung der kulturellen Maßnahmen

Unter den zahlreichen Maßnahmen zur kulturellen Breitenarbeit, die Bundeskulturreferent Hans-Werner Schuster plant, seien das Mundartautorentreffen vom 17.-18. September in Stuttgart und das Presseseminar der Siebenbürgischen Zeitung vom 14.-16. Oktober 2016 in Leitershofen erwähnt. Unterstützt wird auch die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD), die aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens das Singspiel „Bäm Brännchen“ beim Heimattag in Dinkelsbühl aufführen wird. Zu den Theaterproben reisen die jungen Laiendarsteller aus dem ganzen Bundesgebiet an. Um ihre Ausgaben in Grenzen zu halten, wird der Verband ihre Fahrkosten bezuschussen. 2016 werde keine siebenbürgisch-sächsische Gruppe am Oktoberfestumzug in München teilnehmen, gab der Bundeskulturreferent bekannt. Mit dem Veranstalter, dem Festring München e.V., werde er nun über die Teilnahme der Burzenländer Gruppe im September 2017 verhandeln. Beim Sachsentreffen vom 4.-6. August 2017 in Hermannstadt wird der Verband u.a. den Auftritt der Lidertrun und eine Ausstellung von Michael Lassel fördern, die SJD will dabei ein Internationales Volkstanzseminar und verschiedene Bälle organisieren.

Die neue Kinderreferentin im Bundesvorstand, Ute Bako, kündigte für diesen Herbst eine Tagung für die Kinderreferenten der Kreisgruppen an. Geplant sei auch ein Leitfaden, der die bisherigen Erfahrungen zusammenfassen und als Handreichung auch jene Kreisgruppen unterstützen werde, die noch keine Kinderaktivitäten aufweisen. Bei all diesen Aktionen werde sie eng mit dem Kinderreferat der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) zusammenarbeiten, betonte Ute Bako.

Einstimmig verabschiedete der Bundesvorstand den Haushaltsübersicht 2015 und Haushaltsplan 2016, die Bundesgeschäftsführer Erhard Graeff vorgelegt hatte.

Um Terminüberschneidungen zu vermeiden, finden die Bundesvorstandssitzungen künftig nach einer klaren Planung jeweils am ersten Samstag im März und November statt. Die Herbstsitzung ist für den 5. November 2016 geplant.

Siegbert Bruss

Bildergalerie:

Bundesvorstand und Sozialwerk tagten am 12. März 2016 in München

Schlagwörter: Verband, Bundesvorstand, Kulturerbe, Schloss Horneck, Reformation

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