18. August 2015

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Evakuierung 1944-1945: „Zukunftsplanungen in chaotischer Zeit“

So titelt Volker Petri 2001 ein Kapitel über die Lage der Evakuierten bei Kriegsende 1945 in Österreich. Nach Kriegsschluss lautete die einmütige Devise „Zurück in die Heimat!“. Diesem Wunsche gemäß wurde schon im Frühjahr 1945 „Die Kanzlei zur Heimbeförderung der Evakuierten aus Rumänien in Ried im Innkreis“ unter Führung des Generaldechanten Dr. Carl Molitoris gegründet. In deren verantwortungsbewusst ausgearbeiteten Geschäftsordnung heißt es unter „Gesichtspunkte, welche bei der Rückführung zu beachten sind“ u.a.:
„1. Die Rückführung der Evakuierten nach Rumänien kann beherzt und mit größerem Schwung nur dann in die Wege geleitet werden, wenn vorerst seitens der rumänischen Staatsregierung eine amtlich-offizielle Erklärung vorliegt, in welcher das Prinzip ausgesprochen erscheint, dass alle Evakuierten, Flüchtlinge etc. aus Rumänien ihr verlassenes Eigentum an Grund und Boden, Häusern und anderen Immobilien-Werte unbeschränkt zurückerhalten, d.h. sofort die Wiederbesitznahme nach erfolgter Rückkehr vollziehen können, womit gleichzeitig ausgesprochen ist, dass sie auch weiterhin als vollwertige und gleichberechtigte rumänische Staatsbürger anzusehen sind. Mit den Abgaben dieser rumänischen Staatserklärung ist erst dann zu rechnen, wenn seitens der Alliierten vier Großmächte die definitiven Staatsgrenzen im Mittel-Osten Europas bestimmt sein werden und diesem wieder die alten Grenzen Rumäniens, vor dem Wiener Schiedsspruch, d.i. vor dem 30. August 1940, oder eventuell nach dem Westen hinausgeschoben – gegenüber Ungarn und Jugoslawien bestehen sollten – es wird erwartet, dass unsere zu vielen Tausende in die SS gegen ihren Willen gepressten jungen Männer und anderweitigen Wehrmachtsangehörigen, welche anlässlich des Zusammenbruches Deutschlands in die Gefangenschaft der Alliierten Mächte gelangen, ehestens aus der Gefangenschaft entlassen und wieder dem Wirtschaftsleben in der Heimat, d.h. in Rumänien, zugeführt werden.

2. Als Folge dieser offiziellen Staatserklärung ist auch mit der Ernennung einer rumänischen Regierungskommission zu rechnen, welche die Rückführung sämtlicher Zwangsevakuierter praktisch in die Tat umzusetzen hätte.“

Wie inzwischen bekannt, konnten auch hier Wunsch und Wirklichkeit kaum weiter auseinander liegen.

Textauswahl: Horst Göbbel

Schlagwörter: Rumänien, Geschichte, Evakuierung, Zeitzeugenberichte

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