Nachrichten aus dem Heimatort
23. Dezember 2010
Petrus erschrak, als er von Jesus zum Jünger und Apostel berufen wurde. Seine erste Reaktion auf Jesu Ruf, ihm als seinem HERRN nachzufolgen, ist der Satz: "HERR! Geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch." Jesus aber beruft gerade diesen Menschen in seine Nachfolge. Und wir sehen, dass Petrus dabei nicht allein steht. Der Evangelist Johannes berichtet, wie Andreas, der Bruder des Petrus, diesen seinen Bruder bei der Hand nimmt und zu Jesus führt: "Wir haben den Messias gefunden, den Gesalbten des HERRN." So breitet sich die Einladung unseres HERRN selber aus: "Kommt und seht!" - "Denn Ihr werdet den Himmel offen sehen."
Tatsächlich ist Petrus der erste, der sich öffentlich zu Jesus als seinem HERRN bekennt, weil er in ihm den Heiligen Gottes erkannt hat und ihm als dem Messias und Heiland glaubt, der Worte des ewigen Lebens hat. Und wir sehen weiter, dass dieses Bekenntnis trotz und ungeachtet aller Fehler und Schwächen des Felsenapostels absolut aufrichtig ist, weil es eben die Wahrheit ausspricht. Denn Jesus hat sich nicht vom Bösen überwinden lassen, sondern das Böse mit Gutem überwunden, durch seine grenzenlose Hingabe im Leben bis hin zum Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung. Unser Petersdorfer Gotteshaus ruft mit seinem Altarbild mit der Darstellung von Christi Himmelfahrt in Erinnerung, dass unser HERR diesen Sieg tatsächlich errungen hat. Schon im Hohenlied Salomos heißt es ja: "Die Liebe ist stärker als der Tod." Diese Liebe Gottes hat uns Jesus definitiv gezeigt. In ihm hat der allmächtige und barmherzige Gott ein menschliches Antlitz. ER ist der Hirte, der dem verlorenen Schaf nachgeht, bis er es gefunden hat, und der sich - genauso wie sein himmlischer Vater – über jeden Sünder freut, der umkehrt und Buße tut. Davon erzählt prägnant das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Vergessen wir auch nicht, dass am Anfang der irdischen Wirksamkeit Jesu das Zeichen der Hochzeit von Kana steht, wo aus Wasser Wein wurde. Maria, die Mutter Jesu, stellt uns dabei - für alle Zeiten gültig - vor Augen, was unsere Aufgabe ist: "Was der HERR euch sagt, das tut." Ohne jeden Zweifel ist Maria genau darin das Urbild der Kirche. Denn Gottes Gebote sind dazu da, dass wir sie befolgen. Nur so konnte aus Wasser Wein werden. Zugleich sehen wir, dass Maria unserem HERRN und Heiland bis unter das Kreuz treu bleibt. Es ist eine der ergreifendsten Szenen des ganzen Neuen Testaments, in welcher der Evangelist Johannes die Kreuzigung Jesu beschreibt. Einige Frauen, Maria und der Lieblingsjünger Jesu stehen unter dem Kreuz. Jesus aber weist den Jünger und Maria zueinander: "Siehe, das ist deine Mutter!" "Siehe, das ist dein Sohn!" Gerade vom Kreuz her begründet unser HERR und Heiland diese neue Gemeinschaft, die ihren tiefsten Grund darum in der Hingabe Jesu hat. Daraus leitet sich der unbedingte Auftrag ab, dass wir als Glieder der christlichen Kirche füreinander einstehen, so wie die Glieder eines Organismus füreinander da sind, jedes mit seinen spezifischen Aufgaben und Gaben. Unsere Kraft, unseren Mut und unsere Zuversicht aber beziehen wir daraus, dass wir aufblicken zu Jesus Christus, unserem HERRN, in dessen starke Hand wir unser ganzes Leben legen. Jeden neuen Tag wollen wir deshalb mit dem heiligen und unveränderlichen Wort Gottes beginnen, das uns Wegweisung, Mahnung und Trost sein will, und soweit es möglich ist, tun wir das auch, z.B. mit der täglichen Morgenandacht im Pfarrhaus.
Der heilige Apostel Paulus schreibt im selben Kapitel seines Briefes an die Römer, aus welchem die Jahreslosung für 2011 entnommen ist, dass wir unsere Leiber hingeben sollen als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist, und dass dies unser vernünftiger Gottesdienst sein soll. Die Überwindung des Bösen durch das Tun des Guten beginnt somit zuallererst mit dem Gottesdienst, nämlich dadurch, dass wir beim Gottesdienst der Kirche leiblich dabei sind. Das hat zur Folge, dass es mit dem Lesen frommer Bücher oder dem Ansehen frommer Filme in der Regel nicht getan ist. Gerade in diesem Zusammenhang hat ein kluger Mann zu Beginn des 20. Jahrhunderts darauf hingewiesen, dass man das Schwimmen normalerweise nicht an Trockenschwimmgeräten lernen kann. Man muss in das volle Leben der Kirche eintauchen, wenn man Christ werden will. Wir werden also den HERRN der Kirche bitten und mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft dafür kämpfen, dass dieses Leben weiter stattfindet, dass wir die heiligen Gottesdienste weiter nach der Tradition unserer Kirche und auf der unveränderlichen Grundlage des Wortes Gottes feiern. Das alte Wort: "Wir wollen bleiben, was wir sind." - hat auch heute eine absolut entscheidende Bedeutung. In der Tat lautet ja das erste Gebot: "Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!" Und das heißt: "Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen." Das wiederum verlangt von uns, dass wir Gott nicht nur als eine schöne Idee festhalten, die wir nach unserem Gusto verändern könnten, sondern dass wir es hier mit dem dreieinigen Gott zu tun haben, der nicht mit sich Spott treiben lässt, weil ER, der Allmächtige und Barmherzige, Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist, uns liebt.
Auch sonst lief das Gemeindeleben in erfreulichen Bahnen, mit der Beteiligung vieler, die ein großes Maß ihrer Zeit und Kraft dafür gegeben haben, in der kirchenmusikalischen und Chorarbeit, in der Jugendarbeit, in der Pflege von Kirche und Friedhof, im Religionsunterricht, in der Zusammenarbeit mit der Schule und in der Verwaltung. Nach wie vor ist uns wichtig, dass wir auf rechte Weise den Gottesdienst feiern, ohne Experimente, aber in der Kraft einer Jahrtausende alten Tradition auf der Basis des heiligen und unveränderlichen Wortes Gottes.
Höhepunkte in diesem Zusammenhang waren gewiss die Advents- und Weihnachtszeit mit Krippenspiel, Puer-natus-Singen und Turmblasen am Heiligen Abend, das Leuchtersingen am 1. Christtag, das im vergangenen Jahr einen erfreulichen Aufschwung genommen hat, die Fastenzeit als Vorbereitung auf das heilige Osterfest, mit Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, an welchem wir wie auch in den vergangenen Jahren den Kreuzweg gehalten haben, die Konfirmation am Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti, Christi Himmelfahrt, das heilige Pfingstfest, verschiedene regionale Sachsentreffen in der Sommerzeit, wo auch wir Petersdorfer beteiligt waren, das Orgelkonzert eines Mailänder Professors in der ev. Kirche A.B. Rätsch am 24. September, das Erntedankfest am 24. Oktober mit 155 Teilnehmern, u.a. der deutsche Generalkonsul aus Hermannstadt, das Reformationsfest am 31. Oktober mit anschließendem Reformationskolloquium in Schäßburg, das Martinsfest am 11. November mit mehr als 300 Teilnehmern, nicht zuletzt auch wegen der guten Zusammenarbeit mit der deutschen Abteilung der Petersdorfer allgemeinen Schule, die zu erhalten uns ein prioritäres und wichtiges Anliegen ist, auch angesichts des seit kurzer Zeit von Seiten der Schulleitung rauer wehenden Windes.
Wir sind froh, dass wir in der Person der stellvertretenden Schulleiterin, Frau Verona Onofrei, und auch in den anderen Lehrerinnen und Erzieherinnen der deutschsprachigen Abteilung der Schule und des Kindergartens getreue und engagierte Mitstreiterinnen haben, deren Einsatz in diesem Bericht unbedingt positiv gewürdigt werden muss.
Dankbar sind wir auch, dass im vergangenen Jahr an Weihnachten die jährliche Päckchenaktion wieder hat stattfinden können und vor allem, dass auch die Arbeit unseres Diakonievereins insgesamt in den gewohnten Bahnen weitergeführt werden konnte.
Ausdrücklich möchten wir an dieser Stelle allen Spendern und freiwilligen Mitarbeitern danken, die mit ihrem Beitrag dabei geholfen haben, dass die Arbeit von Kirchengemeinde, Diakonie, Jugendgruppe, der Frauenhandarbeitsgruppe, und die Friedhofspflege weitergehen konnten.
Hier sind auch unser Kurator Georg Boer, unsere Kirchenväter und die andern Mitglieder des Presbyteriums, der Gemeindevertretung, unseres Chores und der Jugend [-tanz] -gruppe mit zu erwähnen, die immer wieder viel Zeit und Kraft für die Anliegen unserer Kirchengemeinde zur Verfügung stellen. Schön ist, dass wir unter der Leitung unseres Organisten Michael Cetean-Fakner seit September wieder einen Kinderchor haben, dass unsere Kindertanzgruppe unter der Leitung der Brüder Christian und Gabriel Bota sich gut entwickelt, und dass auch die an der Schule gegründete Kinderblasmusik seit neuestem immer wieder bei uns im Gemeindeleben präsent ist. Ebenso wichtig ist auch der Beitrag der "erwachsenen" Petersdorfer Blasmusik, die nicht nur am Heiligen Abend beim Turmblasen, am 1. Mai und ggf. bei den Beerdigungen mitgemacht haben, sondern auch sonst im Gemeindeleben immer wieder positiv in Erscheinung treten.
Insgesamt ist klar, dass wir alle aufeinander angewiesen sind als Glieder des Leibes Christi, Alte und Junge, Knaben und Mädchen, Frauen und Männer, die Kinder mit ihrer Neugierde und Energie, die Älteren mit ihrer Erfahrung, das Mittelalter mit seiner Kraft, Ausdauer und Zielstrebigkeit, im Tragen der mancherlei Lasten des Alltags und im Teilen dessen, was uns froh macht, eine lebendige Gemeinschaft, die unbeirrt am Glauben an den dreieinigen Gott, den Vater, den † Sohn und den Heiligen Geist festhält und auf Seine unergründliche Gnade und Barmherzigkeit hofft. 