20. Januar 2012

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Russland-Deportation in der Schule / Neue Internetseite

Die Deportation zum Ende des Zweiten Weltkrieges ist bis heute das große Trauma der deutschen Minderheit in Rumänien. Rund 70 000 Menschen wurden im Januar 1945 ausgehoben und nach Russland deportiert, darunter mehr als 30 000 Siebenbürger Sachsen. Mit dieser Zeit befasste sich 2010 und 2011 ein rumänienweites Schülerprojekt, dessen Ergebnisse seit kurzem im Internet präsentiert werden. Besucher der Internetseite finden eine Auswahl an historischen Dokumenten, Interviews mit Zeitzeugen sowie Untersuchungen über die Rezeption der Deportationen in der rumäniendeutschen Literatur, die im Projekt „Aus der Vergangenheit lernen. Deportation von Rumäniendeutschen in die Sowjetunion im Januar 1945“ zusammengetragen wurden.
Initiiert wurde das Projekt vom damaligen Unterstaatssekretär im Departement für Interethnische Beziehungen in Bukarest, Helge Fleischer. Als Unterstützer gewann er das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, die Friedrich-Ebert-Stiftung und den Nationalen Rat für das Studium der Securitate-Archive (CNSAS).

Ziel des Vorhabens war es, junge Menschen, die an deutschsprachigen Bildungseinrichtungen in Rumänien lernen, für das Thema Deportation zu sensibilisieren. Teilgenommen haben Schüler des Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar, des Johann-Ettinger-Lyzeums in Sathmar und des Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt sowie Germanistik-Studenten der Hermannstädter Lucian-Blaga-Universität.

Zu den eindrücklichsten Dokumenten zählen sicherlich die Interviews der Zeitzeugen, die die Schüler auf Tonband aufgezeichnet haben. Der Banater Schwabe Ignatz Fischer etwa erinnert sich an den Weg nach Russland und einen Fluchtversuch aus dem Lager. Magdalena Steinbinder, Elisabeth Wolf und Gustav Schemmel berichten von der Zeit im Lager. Johann Forstenheizler und Sigrid Haldenwang geben in Interviews Auskunft über ihre Kindheit, die sie ohne Eltern verbringen mussten, und über ihre Erfahrungen mit den krank Heimgekehrten.

Auf der Webseite sind auch Urkunden aus dem Bestand der CNSAS einzusehen, die die Vorbereitung und Durchführung der Verschleppung, das Leben im Lager, die Rückkehr und die Folgen der Enthebung dokumentieren. Zwei Studentinnen untersuchen in ihren Arbeiten, wie die Deportation in den Romanen „Bestätigt und besiegelt“ von Joachim Wittstock und „Atemschaukel“ von Herta Müller verarbeitet wurde.

Das Schülerprojekt zum Thema Russland-Deportation ist unter der Adresse www.zfl.ro/deportationsprojekt auf der Internetseite des Zentrums für Lehrerfortbildung zu finden.

HW

Schlagworte: Deportation, Schule, Internet, Zeitzeugenberichte

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