Bonnesdorf - Informationen

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Zur Geschichte des Ortes

Eine weitere Verbindung zwischen den Nachbargemeinden besteht in ihrer ersten urkundlichen Erwähnung 1359 als freie Gemeinden des "Mediascher Stuhls" anlässlich eines Streites um ein Waldgebiet, den die Mediascher Stuhlsversammlung schlichtete. Diesem Datum zufolge besass Wölz sicherlich einen noch älteren Kultbau als die Ende des 14. Jh. errichtete turmlose und zunächst unbefestigte spätgotische Saalkirche. An dem übermässig hochgeführten Triumphbogen zwischen Chor und Saal erkennen wir ein altes Kämpfergesimse, aus abgeschrägter Platte und Glockenleiste bestehend, das auf den alten, ehemals viel niedrigeren Triumphbogen hinweist, der einem früher tiefer ansetzenden Gewölbe entsprochen hat. Dieses war mit einem Rautennetz von Tonrippen überzogen, wie uns ein einziges kleines Rippenfragment verrät, das heute ien Fenster des Treppentürmchens verstopft.
Moldauwappen
über der Einfahrt
des Torturmes
Am 3. Oktober 1880 fügte ein Erdbeben dem Chorgewölbe solchen Schaden zu, dass es unverzüglich erneuert werden musste. Damals entstand das heutige viel höher ansetzende Tonnengewölbe mit Stichkappen. Nun stehen die alten Gewölbepilaster, massiv und rechteckig, zwecklos im Saal. Um ihr Überflüssigsein weniger auffallend zu machen, setzte man ihnen simple Stuckornamente auf. Schmucklose, stillos vergrösserte Fenster erhellen Chor und Saal, dessen Nordwand fensterlos blieb. In der breit hinterlagerten Westfront, der schönsten Schauseite der Kirche, lag ein heute vermauertes Westportal, einziger Eingang in den Saal ist heute eine nur durch Mötelputz profilierte Türöffnung in der Saalsüdwand. Neben dem rechteckigen Steintürstock, der durch die Chornordwand in eine tonnengewölbte Sakristei führt, ist eine Sakramentnische in die Chorwand eingetieft, von einem mit holzschnittartigen Kerbornamenten verzierten Tympanon überhöht. Auf dem Eisengitter des die Nische verschliessenden Türchens finden wir gleiche Rosetten wie in Baassen und Bonnesdorf. Ein 1461 gewährter, hundertjähriger Ablass für die bis zur Reformation "Allen Heiligen" geweihte Kirche erbrachte wohl die Mittel zum Beginn der Wehrbarmachung.
In der Südwestecke des Saales baute man ein zylindrisches Treppentürmchen mit aus Ziegel gemauerter Wendeltreppe ein, über die man in den Dachboden gelangte und auf einem Bretterlaufsteg das Saalgewölbe überquerte, um die Chorwehrgeschosse zu erreichen. Auf dem ehemals tiefer gelegenen Gewölbe hatte es wohl auch einen Einstieg ins untere der beiden Wehrgeschosse gegeben, heute führt eine schmale Öffnung nur in das obere der nachträglich aufgestockten Wehrgeschosse, die eine dünne Trennwand über dem Triumphbogen vom Dachboden scheidet und den Verteidigern eine letzte Zuflucht sicherte. Die durch eine Balkenplattform geschiedenen Wehrgeschosse bemassen jeweils sieben kleine Schiessscharten für Handfeuerwaffen, in Brusthöhe der Schützen gelegen, die auf hölzernen Laufstegen Aufstellung nahmen. Eine äussere Verteidigungslinie der Wehrkirche bildete ein einfacher Bering in nahezu ovaler Führung von 5 - 6 m Höhe, nur im Osten von einem tiefen Bachbett als natürliches Hindernis umkrümmt. Mutmasslich war auch hier der obere Mauerteil von Schiessscharten durchbrochen, die von einem innen die Ringmauer umziehenden Wehrgang aus bedient wurden.
Heute ist die Mauer bis auf 2 Meter Höhe abgetragen, nachdem 1873 die Besitzer der im Kirchhof gelegenen Kornkammern zu deren Entfernung eingewilligt hatten. Der so gewonnene Raum wurde für eine Baumschule genutzt und die "Fleischkammer" zum Aufbewahren des Specks neben dem Pfarrhaus neu aufgebaut. Der Südfront der Kirche vorgelagert, springt der Glockenturm halb vor die Ringmauer vor; sein steinerner Unterbau schliesst einen tonnengewölbten Durchlass ein, der vormals wohl mit Fallgatter versperrbar war.
Laut einer Balkeninschrift im zweiten Turmgeschoss wurde der Glockenträger 1601 restauriert, vielleicht erhöht; dass er älter ist, besagten zwei vorreformatorische Glocken´, die grössere mit der Minuskelinschrift versehen: "ihesus christus hilf uns 1441", ein lapidares Stossgebet, das dem verheerenden, wohl schrecklichsten Türkeneinfall von 1438 folgte. Eine kleinere Glocke ist 1529 datiert. Ungeklärt ist die Bestimmung eines im SO zur Gänze vor den Bering vorspringenden rechteckigen Gebäudes, mit hohen, von Schiessscharten durchsetzten Spitzgiebeln an den Schmalseiten, zwischen denen sich ein Satteldach spannt. Das in zwei ungleich grosse Räume geteilte Erdgeschoss ist mit einem Sternnetzgewölbe überzogen gewesen, von welchem heute nur noch die Schildbogen der Ostwand erhalten sind; es könnte als Kapelle gedient haben, während der tonnengewölbte Kellerraum sowie die Wehrvorrichtungen in den Giebeln an wehrhafte Fruchthäuser erinnern, wie wir sie in Trappold und Schönberg sahen. Um 1912 hauste hier der Burghüter mit seiner Familie. Im Vorbeigehen fällt unser Blick auf einige mit Mauerputz schön verzierte Schutzgiebel über zweifenstrigen Hausfronten. Der Weinstock als vorherrschendes Motiv duetet wieder auf die Hauptbeschäftigung der Bauern hin.
Über den berg sind es wohl keine 5 Kilometer, die Wölz von Boian / Bonnesdorf trennen, dennoch hatten die Nachbargemeinden, ihrer unterschiedlichen Rechtslage zufolge, sehr verschiedene Schicksale. Gegenüber dem Freibauernhof Wölz mussten die Bewohner von Bonnesdorf, einer untertänigen Gemeinde des Kokelburger Komitats, Frondienste leisten. Bereits 1395 ist Bonnesdorf als Besitzung von Cetatea de Baltá / Kokelburg genannt, wo ein Kastellan die königliche Burg befehligte. Bonnesdorf war ein "königliches Dorf", bis es 1447 dem Vizewoiwoden Nikolaus von Salzburg vergabt wurde, der es aber schon 15 Jahre später gegen eine andere Besitzung eintauschte. Als König Johann Zápolya die Kokelburg dem moldauischen Fürsten Petru Rares verlieh - sie war bereits 1489 Stefan dem Grossen durch König Mathias Corvinus vergabt worden -, wurde auch Bonnesdorf ein moldauisches Lehen. Daran erinnern die Wappen der Moldau mit dem Auerochsenkopf über der Einfahrt des Torturms und über dem Nordportal der Kirche, die zum Dank dafür angebracht sein sollen, das die Sachsen Petru Rares in seinen Kämpfen beigestanden haben.
Kirchenburg
in Bonnesdorf
von Nordosten
1748 gehörte ein Teil des Ortes dem Grafen Nikolaus Bethlen, der andere verblieb Eigentum von Kokelburg bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft. Bonnesdorf muss eine volkreiche sächsische Gemeinde gewesen sein, wie die ungewöhnlich grossen Ausmasse von Kirche und Burghof besagen, deren Dimensionen stets den Erfordernissen der Bevölkerung angepasst waren. Da in einer Urkunde aus 1309 unter den Vertretern der sächsischen Dekanate auch Pleban - Thoedoricus de villa Bonneti angeführt ist (der Ortsname soll vom althochdeutschen Personennamen Bonno herrühren), gab es damals schon eine Kirche - somit ist die heutige Wehrkirche der zweite Kultbau. Ungewöhnlicherweise verfügen wir für diesen über genaue Datierungen: 1402 gilt als Vollendungsjahr der turmlosen Saalkirche in ursprünglicher Form, wobei zuerst der hohe, geräumige polygonale Chor, mit einem Kreuzgewölbe gedeckt, entstanden sein soll, der flachgedeckte Saal danach angebaut wurde. 1506 war als zweite "alte Zahl" über dem Triumphbogen angeschrieben und bezieht sich auf die Umgestaltung des Sakralbaus zur Wehrkirche.
Um dem Chor sein starkes Wehrgeschoss aufzusetzen, verzichtete man auf den dreiseitigen Ostschluss zugunsten einer flachen Ostwand (wie in Baassen); aller Chorwände wurden erhöht, ein neues starkes Tonnengewölbe wurde aufgeführt, mit einem Rautennetz von Tonrippen verziert. Zwicshen den dreifach abgetreppten Strebepfeilern, die den Chor umstellen, spannen sich zehn vor die Mauerflucht vorgeschobene Ziegelbögen, deren je zwei auf einer gemeinsamen Konsole aufruhen. Jeder Bogen erhielt im Scheitelpunkt noch eine Konsole zur Stütze der schweren Schildmauer des Wehrgeschosses, die auf den Bögen ruht. Zwischen Pfeilern und Konsolen öffnen sich hinter den vorgekragten Bögen die Gussscharten für eine "kochend heisse Begrüssung" der den Bau umzingelnden Feinde. Über jeden Bogen ist die Schildmauer von einer Schiessscharte durchbrochen, deren Abmessungen für Handfeuerwaffen berechnet worden ist. Elegant und gleichsam die Schwere des Bauwerks mit hochreissend, wirkt der Schwung des steilen Chorwalmdaches, das seinen kleinen Dachreiter erst um 1900 erhielt.
Genau wie in Wölz führt auch hier der Zugang zum Chorwehrgeschoss über eien schmale Wendeltreppe des zylindrischen Türmchens im SW-Eck des Saales. Ein Bretterlaufsteg überquert überquert den Dachboden über dem Scheitel des Saalgewölbes, das auch zu diesem Zeitpunkt gegen Brandgefahr über dem Saal errichtet wurde, als Ersatz der hölzernen Flachdecke. Je drei kräftige Pilaster der Saallängswände dienten zur Stütze dieses Gewölbes; an der Aussenfront entsprechen ihnen viermal abgetreppte Strebepfeiler, deren Breite der Massivität des gesamten Bauwerks Rechnung tragen.
Der Torturm
vom Burghof
her gesehen
Das Chorwehrgeschoss erfüllte auch in dieser Kirchenburg die Rolle des Bergfrieds, der letzten Zuflucht der Belagerten, die bedeutendere Abwehrkraft beruhte aber auf dem einfachen, nahezu kreisförmigen Bering, der einen geräumigen Burghof einschloss. Unterhalb der 7 Meter hohen Mauerkrone umgab ihn hofseitig ein gedeckter Wehrgang, von dem aus die Schiessscharten und nach aussen vorspringende, kästchenartige Gusserker bedient wurden. Unterhalb des Wehrgangs war die Ringmauer von den Vorratskammern der Bauern umgeben, die, mit einem Pultdach gedeckt, den Bering als Rückwand benützten. Erst vor einigen Jahren sind die letzten dieser Kammern abgetragen worden. Auch nach dem Schwinden der Feindgefahr hielt die Dorfgemeinschaft die Feldfrucht und Speckvorräte in der Kirchenburg brandsicher aufbewahrt, während sich in den Dörfern oft gewaltige Brände ausbreiteten, da die Wirtschaftsgebäude vielfach strohgedeckte Holzbauten waren. Nur an einer noch unfertigen Stelle des heute innen und aussen beworfenen Berings verriet uns das alte Mauerwerk, das da noch roh zutage trat, mit den Einsatzlöchern der Tragebalken und der Dachschräge, das ehemalige Vorhandensein der Kammern.
Nordportal
der Wehrkirche
in Bonnesdorf
Genau im Norden springt auch hier, wie in Wölz, ein Torturm massig und 18 Meter hoch vor den Bering vor, der zugleich als Glcokenträger und Wehrturm dient, wie sein ausgekragter Wehrgang mit holzverschalter Brüstung besagt. An den die Toreinfahrt flankierenden Pfeilern sind die Gleitrinnen des Fallgatters zugemauert worden, die tonnengewölbte Toreinfahrt konnte auch hier versperrt werden. Heute führt an der Südwand eine hölzerne Stiege hinauf ins zweite Turmgeschoss, wo der Einstieg zu den Obergeschossen liegt, die ehemals nur über eine nachziehbare Leiter zu erklimmen waren. Über der Toreinfahrt prangt das Moldauwappen mit dem Auerochsenkopf, das wir auch über dem Nordportal erblickten; der an Dorfkirchen seltene Kielbogenabschluss dieses überhaupt elegant profilierten Portals verweist diese schöne Steinmetzarbeit in die Zeit um 1500, ebenso wie das 4 Meter hohe, sorgfältig gemeisselte Sakramenthäuschen im Chor, dessen Gesamtsilhouette an jenes von Grossprobstdorf erinnert, durch einzelne Detaillösungen der Ornamentik aber der Gruppe Wurmloch-Eibesdorf-Baassen zugehört.
Moldauwappen
über dem Nordportal
der Wehrkirche
Von den Fresken des einst vollständig ausgemalten Chors hat sich ein jüngst freigelegtes Fragment erhalten, das über 8 Quadratmeter zwei übereinandergestellte Bildebenen zeigt, durch einen roten Streifen waagerecht geteilt. Der obere Bildstreifen zeigt den dornigen Baum mit einigen daran aufgespiessten Vertretern der 10000 Märtyrer - eine Szene, die auch der heute im Brukenthalmuseum befindliche Grossprobstdorfer Altar schildert. Die Szene des unteren Streifens zeigt vier gekrönte Frauengestalten in einem Burggemach, durch dessen Fensteröffnungen eine Landschaft sichtbar wird, mit einer zinnengekrönten Burgmauer am Horizont. Ein Mönch in weissem Chorhemd, mit Heiligenschein, Buch und Reisestab in Händen, steht ausserhalb ders Gemachs. Strenge schwarze Konturen bestimmen in genauer Zeichnung die Gestalten, die flächige Farbe ist in Tönen von Ocker, Weinrot, Rostbraun und kontrastantem Giftgrün gehalten. Schön muss in vorreformatorischer Zeit das Freskenensemble des vollständig ausgemalten Chors gewirkt haben. Auf der grösseren, heute noch im Turm hängenden Glocke mit dem Datum 1477 steht als Inschrift ein in Siebenbürgen weitverbreitetes Stossgebet "O rex gloriae veni cum pace" - das 15. Jahrhundert verzeichnet acht grosse Türkeneinfälle im Land -, auf der kleineren Glocke steht "verbum domini manet in aeternum 1644".
Sakramenthäuschen,
um 1500
In ihrer architektonischen Geschlossenheit, mit unheimlich schweren, wuchtigen Formen, jedoch von schön ausgewogenen Proportionen, ist die Kirchenburg von Bonnesdorf eine der imposantesten und dank mehrfacher Restaurierungen tadellos erhalten.

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